Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Mein neues Sachbuch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – ab 14.1.2019

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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke Wie MIkroben unseren Alltag bestimmen Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner (Randomhouse, Autorin: Susanne Thiele, Erscheinungstermin 14.1.2019)

Es gibt Neuigkeiten aus dem Autorenleben! Mit der Verlagsankündigung bei Randomhouse ist es nun offiziell: Am 14.1. 2019 kommt mein neues Sachbuch heraus – an dem ich gerade noch fleißig einige Kapitel schreibe.

Es geht natürlich um Mikroben – in unserem Alltag und in unserer nächsten Umgebung. Wer meinem Blog schon länger folgt, hat ab und zu diesen Themen schon etwas gelesen.

Zum Inhalt:

Schöner wohnen mit Mikroben

Wir können sie nicht sehen und doch leben wir mit Milliarden von ihnen zusammen: Mikroben. Sie bevölkern unser Bad, richten es sich kuschelig in unserem Schlafzimmer ein und lassen es sich in unserer Küche schmecken. Wie wir Bakterien, Viren und Pilze erfolgreich in Schach halten und welche uns und unserer Gesundheit sogar nützen, erzählt die Mikrobiologin Susanne Thiele so fundiert wie unterhaltsam.
Mit vielen nützlichen Tipps für die richtige Hygiene im Alltag.

Susanne Thiele (Autorin)

Susanne Thiele, geboren 1970, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«.

Alle Infos auf der Verlagsseite:
Randomhouse: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 


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Lactobacillus-Gastartikel auf BETTER THAN EVER

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Quelle: Better than ever

Das Online-Portal Better Than Ever hatte mich zu einem Gastartikel eingeladen – über das nützliche Bakterium Lactobacillus und seine Bedeutung für unsere Gesundheit.

Lactobacillus ist wichtig bei der Verdauung, für gestillte Babys, als Milchsäurebildner für begeisterte Fermentierer und vieles mehr.

Hier ist der Link: https://better-than-ever.com/tipps/lactobacillus-alleskoenner-fuer-die-gesundheit/

Viel Spaß beim Lesen!

Probiotische Grüße

Susanne

 


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Wie gesund sind probiotische Joghurts?

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Naturjoghurt ist gut für die Darmflora © fotolia Fotograf: ji_images

Lacto und Bifido – wenn wir vor dem Kühlregal stehen, verwirren nicht nur diese lateinischen Namen. Linksdrehend, rechtsdrehend, probiotisch, präbiotisch –mal ehrlich wer blickt da noch durch? Diese Auswahl erschlägt einen förmlich und eigentlich wollten wir uns doch nur gesund ernähren. Aber wie gesund ist Joghurt eigentlich?

Zuerst einmal enthält Joghurt alle Bausteine auch die Milch mitbringt – vor allem Eiweiß und Kalzium. Das ist gut für Knochen und Zähne. Ein ganz großer Pluspunkt entsteht aber dadurch, dass der der Milchzucker bei der Fermentation durch die Laktobazillen schon zum großen Teil in Milchsäure umgewandelt wurde. So können sogar Menschen mit Laktose-Intoleranz Joghurt in kleinen Mengen meist gut vertragen.

Und was bringen probiotische Joghurts? Ist das gesund oder nur Humbug?

Unter dem Begriff Probiotika werden verschiedene Mikroorganismen zusammengefasst, zum Beispiel Milchsäurebakterien und Hefen. Eine gesundheitsfördernde Wirkung von Probiotika bei Gesunden konnte bisher nur für einzelne Aspekte und wenige Bakterienstämme wissenschaftlich belegt werden. Daher dürfen die Hersteller auch nicht mehr werben. Was nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, darf auch nicht behauptet werden – das untersagt seit 2007 eine EU-Verordnung.

Normalerweise müsst ihr deshalb auch keine teuren Produkte kaufen, die extra als »probiotisch« gekennzeichnet sind, wie der Verbraucherservice Bayern erläutert.

Ganz natürlich kommen diese Probiotika auch in milchsauren Produkten vor – wie beispielsweise in Buttermilch, Kefir aber auch in Joghurt.

Sie siedeln sich im Darm an und fördern von dort aus die Gesundheit: Verdauungsbeschwerden können nachlassen, die Immunabwehr – deren Zellen vor allem im Darm sitzen – wird gestärkt und die Ansiedlung von übermäßig vielen Krankheitserreger wird verringert. Soweit die Theorie. Ganz so einfach ist es nämlich nicht:

Damit Bakterien überhaupt probiotisch genannt werden dürfen, müssen 30 Prozent davon lebendig im Darm ankommen (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE).

Das ist nicht ganz einfach, denn auf ihrem Weg vom Mund dorthin müssen sie Magensäure, Gallensaft und Dickdarmflora überstehen. Bei probiotischen Joghurts werden deshalb noch zusätzlich größere Mengen des Bakterienstamms Bifidobacterium hinzugefügt, die den Magen unbeschadet passieren können und sich im Darm ansiedeln können. Das passiert aber nur, wenn ihr regelmäßig probiotische und möglichst frische Joghurts mit vielen lebenden Bakterien esst. Zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums kann die Anzahl probiotischer Keime abnehmen. Für positive Effekte sind aber mehr als eine Million Mikroorganismen nötig.

Viel hilft in diesem Fall aber nicht viel

Entscheidend ist nämlich nur nicht die bloße Anzahl der Bakterien einer Art, sondern in welchem Verhältnis sie zu anderen Vertretern der Darmflora vorhanden sind. Nur wenn das das Gleichgewicht zwischen den mehr als 500 verschiedenen Bakterienarten im Darm stimmt, ist die Verdauung im Lot. Mehr vom Guten ist nicht unbedingt besser. Im Gegenteil: Ein, zwei Bakterienarten von außen zuzuführen, kann die Balance der Darmflora sogar stören. Außerdem können sich probiotische Bakterien aus Lebensmitteln nicht dauerhaft im Darm ansiedeln.
Stellt euch das einmal vor wie ein paar fremde Touristen unter der einheimischen Bevölkerung im üppig besiedelten Darm. Alle Ecken und Nischen sind besetzt, alle Nahrungsquellen aufgeteilt und wer wen mit kleinen Gefälligkeiten versorgt, ist auch schon lange ausgehandelt. Eine Chance haben die »Neuen« nur, wenn sie ständig von außen zugeführt werden. Sobald der Nachschub stoppt, werden sie von den anderen Bakterien im Darm verdrängt. Bevor sie irgendeine Wirkung entfalten können, sind sie schon wieder »draußen«.

Einfluss auf die Darmflora

Die Wirkung ist wahrscheinlich anders als vermutet: Statt sich unter den Darmbakterien anzusiedeln, verändern die Joghurt-Bakterien offenbar den Stoffwechsel der Gastgeber. Das beobachtete ein weltweites Forscherteam, wie sie im Journal »Science Translational Medicine« berichten. Ein siebenwöchiger Test mit Menschen und Mäusen zeigte, dass die Darmflora andere Enzyme bildet, wenn es jeden Tag probiotischen Joghurt gab. Stoppte der Joghurtnachschub, verschwand auch die Wirkung. Diese Enzyme sind wichtig für den Stoffwechsel des Menschen: zum Beispiel die Verdauung von Kohlenhydraten. Die Studie könnte den Ansatz liefern, warum probiotischer Joghurt in einigen Fällen gegen Darmentzündungen und Durchfällen helfen kann. Wie die Joghurtbakterien aber diese neue Zusammensetzung der Enzyme bewirken ist den Forschern bisher noch unklar.

Gesunde Milchsäure

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Joghurts ist die Milchsäure. Sie beeinflusst die Darmflora positiv und beschleunigt die Darmpassage des Stuhls. So hilft sie die Schadstoffe schneller auszuscheiden und Darmkrebs vorzubeugen. Unterschieden wird dabei in rechtsdrehende und linksdrehende Milchsäure. Rechtsdrehende Milchsäure kommt unter anderem als Stoffwechselabbauprodukt im menschlichen Körper vor. Die linksdrehende Milchsäure kann der Organismus nicht selbst herstellen, sie wird deshalb auch nicht so schnell abgebaut.

Zuviel Zucker in Joghurtdrinks

Leider enthalten die probiotischen Joghurtdrinks auch oft viel zu viel Zucker. Das bringt die Darmflora ganz aus dem Takt, weil er das Wachstum bestimmter Bakterien einseitig fördert. Wenn ihr also eurem Körper etwas Gutes tun wollt, greift lieber zu ungesüßtem Joghurt oder Kefir. Die Milchprodukte wirken verdauungsfördernd und fördern die Darmflora. Studien konnten belegen, dass auch ganz normaler Joghurt die Verdauung während einer Durchfallerkrankung stabilisiert. Also viele gute Aspekte des Joghurts. Traut euch, ihn mal selbst anzusetzen. Es ist gar nicht schwer.

Selbstgemachter Joghurt:

  • 2 Liter Frischmilch
  • 2 gehäufte EL Naturjoghurt der Lieblingsmarke
  • Tontopf oder Stahltopf mit Deckel

Zubereitung:

  1. Die Milch kurz aufkochen, vom Herd nehmen und auf 42°C bis 45°C abkühlen lassen bis sich Rahm bildet.
  2. 2. 2 EL Joghurt vorsichtig einrühren. Mit einem Deckel verschließen, in eine Wolldecke umhüllen (vorzugsweise an einem warmen Ort neben der Heizung) und 8 Stunden ruhen lassen. Danach in den Kühlschrank stellen und weitere 16 Stunden unberührt lassen.
  3. Nicht vergessen: Zwei Löffel für die nächste Ladung selbstgemachten Joghurt aufbewahren, so wird der Joghurt immer feiner und individueller im Geschmack! Regel: Pro Liter Milch wird ein gehäufter Esslöffel Joghurt empfohlen.

 

Na dann gutes Gelingen!

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Dem Biergeheimnis auf der Spur

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Hefen geben dem Bier seinen besonderen Geschmack @Pixabay

Wasser, Malz und Hopfen braucht man für ein gutes Bier. Das war’s, fast zumindest. Damit aus den Zutaten ein alkoholisches Getränk wird, muss Hefe ausreichend Stärke und Zucker in Alkohol umwandeln. Wie das Bier schmeckt, hängt deshalb auch von bestimmten Fähigkeiten der Mikroorganismen ab. 

 

Die Hefe ist eine häufig unterschätzte Komponente beim Geschmack von Bier und auch Wein. Sie vergären natürlich den Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid: die Hefen tragen auch mit unterschiedlichen Geschmackskomponenten zum gesamten Mix im Fermentationsprozess bei.

Mikrobiologen entdecken nach und nach die Geheimnisse hinter dem Bier- und Wein-Geschmack. Um besser zu verstehen, wie das Ganze funktioniert, haben Wissenschaftler jetzt mit gentechnischen Methoden untersucht, welche Hefe-Gene genau verantwortlich für die Geschmacksnoten sind. Sie hoffen, dass sie damit in Zukunft Hefen züchten können, die spezifische Aromen und Geschmacksrichtungen produzieren.

In der Studie die in dieser Woche beim Journal mBio, ein Open-Access Journal der American Society for Microbiology erschien, berichten belgische Forscher, dass sie Hefe-Gene entdeckt haben, welche für die Geschmacksrichtung Phenylethylacetat verantwortlich sind – bekannt für seine angenehme Rosen- und Honig-Note.

„In einigen Weinen, nimmt man die Rosen-Note mehr als in anderen wahr. Aber warum einige Hefearten mehr dieser Verbindung herstellen als andere, war bisher unbekannt.“

Mikrobiologe  Johan Thevelein, einer der Autoren der Studie

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Mit einigen genetischen Tricks und High-Throughput-Analysen untersuchten die Forscher Saccharomyces cerevisiae, eine hybriden Art aus klassischer Bierhefe und einer weiteren Hefe. Sie wurden fündig und isolierten zwei Gene, die sie hinter der Produktion von Phenylethylacetat vermuten.

Unter Nutzung der CRISR/CAS9 –Gen Editing Methode mit einer „Genschere“- waren sie in der Lage durch die Übertragung der Gene eine neue Hefe-Art zu erschaffen, die die Verbindung für die Geschmacksnote nun signifikant erhöht.

Solche neuen Hefearten mit speziellen Eigenschaften für besondere Effekte bei Wein oder Bier zu züchten, ist prinzipiell nichts Neues – betonen die Forscher. Aber in der Vergangenheit war dieser Prozess sehr beschwerlich und oft ein Zufallstreffer. Die wissenschaftlichen Arbeiten der belgischen Forscher machen den ganzen Suchprozess gezielter und viel effizienter.

„Wir müssen nur zwei Dinge tun: Das gewünschte Merkmal in der Hefe verbessern und dabei aber nichts anderes in der Hefe verändern. In der Praxis ist das letzte viel schwerer als das erste. Werden bei der Fermentation Hefen verwendet, die nicht den gewünschten Effekt haben, läuft der ganze Gärprozess schlecht und das ganze Bier kann weggeschüttet werden.“

Johan Thevelein

Mit derselben Gene-Editing –Methode wurden in den vergangen Jahren schon weitere spezifische Gene hinter einer Vielzahl von Geschmäckern entdeckt: z.B. Nerolidol (ein holziger Duft) Ethyl-Acetat (ein süßer Duft wie in Nagelack). Gleichzeitig identifizierten Thevelein und sein Team die Gene für Bananen- und butter-ähnliche Düfte.

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Bierfass @Pixabay

Derzeitig kooperiert das Forscherteam mit einer Belgischen Brauerei, um ihre Erkenntnisse in der Praxis zu testen.

Und das ist sicher nicht der schlechteste Teil des ganzen Experiments 🙂 !

 

 

 

Quelle: http://mbio.asm.org/content/8/6/e01173-17?utm_source=press%20release&utm_medium=website

Mit mikrobiologischen Grüßen

Susanne


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Marokkanische Salzzitronen

Salzzitronen
Die fermentierten Salzzitronen sind ein Klassiker in der Marokkanischen Küche und werden dort zum Würzen vieler Gerichte verwendet.
Die Salzzitronen haben ein einzigartiges salzig-saures Aroma. Durch die Fermentation kommt man auch in den Genuss der Schale.
Zutaten:
  • 1kg kleine Bio-Zitronen
  • 4 EL Meersalz
Zubereitung:
  • Zitronen gut abwaschen und an beiden Enden abschneiden
  • Alle Zitronen bis auf eine so vierteln, dass sie an einem Ende noch zusammenhängen
  • Die Viertel leicht auseinanderziehen und einen halben TL Salz hineingeben.
  • Zitronen wieder zusammendrücken
  • 1 Zitrone auspressen und die beiden ausgepressten Schalenhälften kleinschneiden
  • Alles in ein großes Bügelglas schichten, gut zusammendrücken
  • ausgepressten Zitronensaft darüber geben, bis sich aus Saft und  Salz eine Lake bildet.
  • wenn nicht genug Saft vorhanden ist, etwas lauwarmes Wasser darüber geben – bis es bedeckt ist.
  • Mit einem Gewicht beschweren und drei bis vier Wochen fermentieren lassen
  • Haltbarkeit 1-2 Jahre
Wichtig:
Es sollten keine Hohlräume im Einmachglas entstehen, also so weit es geht mit Zitronen füllen. Auch sollte sehr sauber gearbeitet werden, damit sich keine Keime bilden und die Zitrone nicht gärt. Das Fruchtfleisch wird nicht verwendet, sondern nur die Schale und die Flüssigkeit im Einmachglas. Zuerst solltet ihr vorsichtig mit den Salzzitronen würzen, wenn sie euch zu stark sind, könnt ihr sie vorher etwas wässern.
Zu verwenden als:
salzzitronen1Würze für Soßen und Eintöpfen -ganz klein geschnitten in Salaten, Kräuterquark, Brotaufstrichen mit Oliven oder Thunfisch -für Gulasch und Tajine , in Hähnchen oder Rindfleischgerichten.
Guten Gelingen!
Probiotische Grüße
Susanne 🙂

 


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Mikrobenzirkus on Tour: Triora – Von Hexen und ligurischen Spezialitäten

Triora Titel2In diesem Sommer ging es mit der Familie samt Wohnwagen nach Italien an die wunderschöne Ligurische Küste in die Nähe von San Remo. Für die BlogTour „Bella-Italia“ des Blogs „Leckere Kekse“ berichte ich über ein besonderes Highlight unserer Reise: Triora – ein mittelalterliches Hexendorf und seine kulinarischen Genüsse.
Also lasst euch entführen auf eine kleine Zeitreise nach Italien und ein paar Mikroben für fermentierte Spezialitäten kommen bei mir natürlich auch immer vor.

Triora liegt ganz verschlafen mitten im tiefgrünen Valle Argentina am Bergrücken des „Monte Saccarello“ auf einer Höhe von fast 800 m. Eine gute halbe Stunde von der Küste der ligurische Blumenriviera zwischen Imperia und San Remo. Der Name der Stadt stammt von „tria ora“, drei Mündern, die Backen des Cerberus, die traditionell die drei Produkte repräsentieren, auf denen die regionale Wirtschaft aufbaute: Weizen, Kastanien und Trauben.

Triora ist bekannt und beworben als „Hexenstädtchen“. So sind wir auch darauf aufmerksam geworden. Hier kennt jeder die Geschichte von strie und basue, Hexen und Zauberinnen.

 

Das ligurische Salem

IMG_5647Die Jahre 1587 bis 1589 waren die „Hexenjahre“ von Triora. Auslöser für die Hexenverfolgung war eine große Hungersnot in der Republik Genua. Der zu dieser Zeit regierende „Podestà“ Giulio Scribani suchte einen Schuldigen und nutzte außergewöhnliche Maßnahmen, um unschuldige Frauen zu unglaublichen Geständnissen zu zwingen. Er war so grausam, dass sogar religiöse und bürgerliche Autoritäten eingreifen mussten, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. So wurden in Triora einige Frauen des Ortes Opfer eines der blutigsten Hexenprozesse Liguriens.

Triora gedenkt seit 1988 den unschuldigen Frauen und hat ihnen zu Ehren ein Denkmal errichtet. Es zeigt eine freundlich lächelnde Hexe. Sie hat einen großen Besen und eine Schöpfkelle in der Hand.

Die Geschichte prägt die Menschen in Triora noch heute. Italiens aus Zeitung und Fernsehen bekannteste Hexe Angela-Maria Zuchetto lebt in der Nähe in Molino di Triora. In ihrem mit Diesteln und Eichenzweigen dekoriertem Hexenladen verkauft sie geheimnisvolle Rezepturen und die Erinnerung an der Vergangenheit der Region.

Sie ist die Nachfahrin eines Mädchens aus Triora. Zusammen mit 13 weiteren Frauen und Männern war Francescina Chioceto 1588 der Hexerei angeklagt. Sie sollen sich regelmäßig am Sabbat versammelt haben, wo sie auf einem Besen reitend dem Teufel in Gestalt eines Bocks huldigten.

Diese Zusammenkünfte fanden laut Überlieferung in der „Cabotina“, am östlichen Ortsausgang von Triora statt. Die Inquisition reiste aus Genua an und klärte die Angelegenheit vor Ort. Man folterte die jungen Leute, eine der Hexen stürzte sich aus dem Fenster, die übrigen wurden nach Genua gebracht und dort in den Kerkern einfach vergessen.

HexenMuseum Triora

Das Ethnografische Museum in Triora – das wir uns auch angeschaut haben – hat hierzu eine Ausstellung auf mehreren Etagen. Die dort gezeigten Dokumente erzählen von den schrecklichen Torturen und den erbarmungslosen Befragungen. Vier düstere Räume sind diesem tragischen Kapitel der lokalen Vergangenheitsbewältigung gewidmet.

Seither ist die Gegend im ligurischen Argentina-Tal „Hexenland“. Man trägt das korallenrote „corno“ Amulett, um sich gegen das böse Auge zu schützen. Der Aberglaube ist weitverbreitet. Die Kräuterweiber der Region nehmen für sich in Anspruch weiße, also gute Hexen, zu sein. Sie kennen jahrhundertealte Rezepte gegen Husten und Heiserkeit, Kreuzschmerzen, Liebenskummer und Impotenz. Manchmal heilen sie durch Handauflegen.

Wunderschöne mittelalterliche Stadt

Aber Triora hat noch viel mehr zu erzählen oder viel mehr zu zeigen. Verwinkelte Gässchen, kleine und große Palazzi, historische Plätze, Kirchen und eine Burg. Triora sollte man nicht durcheilen, man sollte innehalten und die Landschaft auf sich wirken lassen – Triora wie verhext!

Bei einem Spaziergang durch die Gassen, unter in Felsen gemeißelte Arkaden und Bögen hindurch und an alten verfallenen Hauseingängen vorbei, bekommt man das Gefühl, die Zeit zurückgedreht zu haben.

Triora - Portale ArdesiaBesonders schön sind die Schieferportale in Triora, vom gotischen Portal der Collegiata (12. Jahrhundert) oder den Portalen der Adelspaläste mit den eingemeißelten Symbolen der Adelsgeschlechter bis hin zu Zeugnissen aus der Zeit der französischen Revolution mit ihren Architraven, den Basreliefs auf schwarzem Stein oder Schiefer und faszinierenden Skulpturen.

 

Cucina Bianco – Regionale kulinarische Genüsse

IMG_5674Ein Besuch in Triora bietet vor allem auch echte Gaumenfreuden. Sehr bekannt ist die sogenannte „Weiße Küche Liguriens“ – die einzigartige Cucina Bianca aus jahrhundertelang übertragenen Rezepten, die die Geschichte des Almauftriebs in den Alpen und des Hirtenlebens erzählen. Diese typische Kochart besteht aus lokalen Produkte der Hirten-Zivilisation: Mehl, Kartoffeln, Rüben, Lauch, Milchprodukte und Gemüse, alles Zutaten, die leicht zu finden sind auf den hohen Pfaden entlang denen sie mit den Herden reisten.

Cucina Bianca ist abgeleitet von der weißen Farbe ihrer Zutaten im Gegensatz zu den üblichen Farben der Mittelmeer Küche. Das Fehlen der Farbe zeigt sich aber nicht im Mangel an Geschmack oder gesunder Zutaten. Die Vorbereitung der geschmackvollen und energiereichen Gerichte ist sehr einfach, da diese oft in spartanischen Schutzhütten während der Reisen zubereitet wurden und keine lange Vorbereitungszeit benötigten. Unter den berühmtesten Gerichten sind zum Beispiel die „sugelli“, Wasser und Mehl Gnocchi, serviert mit „Bruss“, Cremekäse.

Zu den Spezialitäten direkt aus Triora, die ihr hier unbedingt probieren müsst, gehören:

 

Das Brot von Triora

panTriora1_13581_1303_13581_1781Nach unserer Wanderung durch die Gassen machten wir an einem kleinen Platz Stopp und probierten das bekannte Brot von Triora. Eine örtliche Bäckerei macht sich verdient um den Ort und bäckt wirklich köstliches Brot, das inzwischen in der gesamten Region bekannt und beliebt ist.

 

„Kein Brot schmeckt so gut mit Tomate, wie das aus Triora. Sie sind für einander gemacht. Seit Beginn der Welt wurden sie dazu geschaffen, sich zu vereinen.“

So feiert der Schriftsteller Rosella Postorino das Triora aus Brot in seinem Buch “Il mare in salita“. Das Brot ist dunkel und nach Hausmannsart gebacken und gehört zum Kreis der bekannten 37 Brotsorten Italiens. Es wird aus Mehl und Kleie zubereitet.

Nach dem zweiten Weltkrieg entschied Angiolono Asplanato, Bäcker in Triora, die Produktion mit Hilfe der alten mündlich überlieferten Rezepte wieder aufzunehmen. Die Rohmaterialien sind lokale Zutaten: Quellwasser aus den Bergen und Weizen, der zu jener zeitreichlich im Valle Argentina vorkam. Es wird mit drei Typen von Mehlen reich an Faserstoffen und Protein hergestellt.

Das Brot hat auch heute noch die Größe und charakteristische Form eines Bergbrotes: Laibe von 500 Gramm oder einem Kilo. Es ist innen golden, außen knusprig und außen mit Kleie-Staub bedeckt, auf dem es vor dem Backen abgelegt wird.

Wir haben uns für ein Panino belegt mit frischen Tomaten, Basilikum und Olivenöl entschieden. Panino als Verkleinerung ist allerdings eine maßlose Untertreibung. Die Scheiben waren ordentlich groß!

 

Bruzzo – traditoneller fermentierter Almkäse

BruzzoBesonders köstlich ist das Brot von Triora mit dem traditionellen besonderen Almkäse, dem Bruss oder auch Bruzzo: Es ist ein würziger Käse, der aus der natürlichen Gärung (Fermentation) von Ricotta-Käse mit Kräutern und Gewürzen entsteht und einen leicht scharfen Geschmack hat. Bruzzo ist ein Elixir des Lebens und sogar vorrömischen ligurischen Ursprungs.

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Der Bruzzo-Käse entsteht aus der Milch der Brigasca-Schafe. Pecora Brigasca ist der Name der Schaf-Rasse von Brigasca, einem Bereich, in den Seealpen in der italienischen Region Ligurien, in der Nähe der französischen Grenze. Die Schafe sind sehr wendig und geeignet für das Leben in den Bergen. Sie sind das Symbol der alten Traditionen von Ligurien. Da die Zahl dieser Tier sich dramatisch verringerte, wurde ein Slow Food Präsidium eingeführt, um diese Herde zu schützen und die Produktion des besonderen Käses zu unterstützen.

Die Fermentation des Bruzzo könnt ihr auch einfach selber ausprobieren: Hier ist das Rezept:

  • Einen sehr aromatischen und zarten „Quark“ aus Ziegen- oder Schafsmilch nach Geschmack salzen
  • Ein Gläschen Anis oder Grappa hinzufügen
  • Zwei Monate in einem Holzbehälter natürlich mit Mikroorganismen fermentieren lassen
  • Einmal am Tag umrühren, um die Masse mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen- bis eine glatte cremige Masse entsteht, die einfach zu streichen ist.

Hinweis: Die Bruzzo-Masse ist cremefarben, fast grau. Zur Aufbewahrung in Gläser füllen und mit Olivenöl bedecken und in den Kühlschrank stellen. Von Zeit zu Zeit umrühren.

Und hier gleich noch ein leckeres Gericht dazu!

Perfekte Gnocchi mit Bruzzo-Käsesauce: einfach und lecker!

Zutaten für 4 Personen

  • 500 g frische Gnocchi
  • 2 EL Bruss-Käse
  • 2 EL Sahne
  • Salz

Die Gnocchi in reichlich Salzwasser kochen. Sie sind fertig, wenn sie an der Oberfläche schwimmen. Während die Gnocchi kochen, den Bruzzo-Käse und die Sahne mischen.

Wenn die Gnocchi bereit sind, mit der Sauce kombinieren und für einige Sekunden wärmen. Guten Appetit!

Italienische Grüße

Susanne

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Spargel – gesund für dein Mikrobiom

Spargel Gesund fürs Mikrobiom

Quelle: Susanne Thiele

Es ist Spargelzeit! Hier in Niedersachsen geht in diesen Tagen eigentlich nichts ohne die weißen oder grünen Stangen. Traditionell geht die Spargelzeit bis zum Johannistag – dem 24. Juni. Manche nennen das Ende der Spargelsaison auch Spargelsilvester. Danach wird eigentlich kein Spargel mehr gestochen. Eigentlich!

Reich an wertvollen Inhaltsstoffen

Spargel ist ausgesprochen gesund und ideal zum Abnehmen – sofern man sich bei Butter und Soße etwas zurückhält. Er enthält kaum Kalorien, da er zu 95 Prozent aus Wasser besteht. Dann kommen noch circa zwei Prozent Proteinen, circa vier Prozent Kohlenhydrate und nur 0,2 Prozent Fette dazu. Das sind nur 150 Kalorien pro Kilogramm.
Die milchweißen Stangen enthalten außerdem viele wertvolle Inhaltsstoffe. Zum Beispiel Vitamin C, Vitamin E und die für das Nervensystem wichtigen B-Vitamine. Kalium wirkt das blutdrucksenkend und ist wichtig für das Funktionieren der Nervenreizleitungen. Das Kalzium im Spargel ist ein wichtiger Baustein für Zähne und Knochen. Phosphor verbessert den Transport, die Speicherung und die Verwertung von Energie im menschlichen Körper.
Als besonderen Inhaltsstoff enthält Spargel die Asparaginsäure. Sie regt die Nierenfunktion an und wirkt somit entwässernd und führt zur bekannten harntreibenden Wirkung des Spargels. Den typischen Spargelduft erkennt ja jeder! Ein Enzym spaltet die in der Asparaginsäure eingeschlossenen schwefelhaltigen Verbindungen, welche für den unangenehmen Geruch verantwortlich sind.

Spargel ist gesund für Dein Mikrobiom 

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Darmflora (Pixabay)

In unserem Darm leben Billionen von Bakterien, insbesondere im Dickdarm. Die Mikroorganismen bilden hier die natürliche Darmflora, auch Mikrobiom genannt. Ein gesundes Mikrobiom ist für den Körper ausgesprochen nützlich: Die Darmbakterien helfen bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen, verhindern, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten können, und tragen zum Funktionieren unseres Immunsystems bei. Außerdem regt die Darmflora die Darmbewegungen an und produziert das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K.

 

Spargel gehört zu den Gemüsesorten, die viele Ballaststoffe enthalten wie Inulin. Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructose-Bausteinen. Diese „Präbiotika“ stecken auch in vielen Gemüsen wie zum Beispiel Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch, Artischocken und Bananen. Sie sind im Prinzip nichts anderes als besonders gutes Futter für Milchsäurebakterien (Laktobazillen) und andere „wohltätige“ Darmbakterien. Mit der Nahrung aufgenommen, gelangen sie praktisch unverdaut in den Darm. Manche der guten Bakterien im Dickdarm stürzen sich geradezu auf die Präbiotika, verwerten sie bevorzugt und können sich dadurch vermehren.

Im Gegensatz zu anderen Ballaststoffen können Inulin und Oligofructose nur von den guten Bakterien z.B. Bifidobakterien verdaut werden. Ohne die kleinen Helfer würden diese einfach wieder ausgeschieden. Krank machende Bakterienstämme wie etwa Clostridien und bestimmte Arten von E. coli haben es dann schwerer, sich im Darm auszubreiten. Zudem helfen Präbiotika auch bei einem trägen Darm, Durchfall oder Verstopfung.

Präbiotische Stoffe werden auch oft Backwaren, Müsli, Süßigkeiten oder Säuglingsnahrung zugesetzt. Am meisten freuen sich die guten Darmbewohner aber über die natürlichen Ballaststoffe aus Vollkorngetreide, Spargel oder auch Bananen. Rund 30 Gramm Präbiotika sollten Erwachsene am Tag zu sich nehmen. Das ist über einen ausgewogenen Lebensstil in der Regel gewährleistet.

Spargel macht munter  

Außerdem soll das königliche Gemüse müde Männer munter machen. Spargel sagt man eine potenzsteigende Wirkung nach. Schon in alten Zeiten wurde er als Liebenstrank und aphrodisierendes Pulver eingenommen. Grund dafür – so weiß man heute – ist das Vitamin E, welches bei Mattigkeit hilft. Auch bei müden Frauen hat es eine vitalisierende Wirkung.

Nicht für jeden gesund

Übrigens sollte nicht jeder viel Spargel essen. Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut sollten auf das edle Gemüse besser verzichten, weil sonst Gichtschübe zu befürchten sind. Auch wer zu Nierensteinen neigt, sollte Spargel besser von seiner persönlichen Speisekarte streichen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne