Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


Ein Kommentar

Wie gesund sind probiotische Joghurts?

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Naturjoghurt ist gut für die Darmflora © fotolia Fotograf: ji_images

Lacto und Bifido – wenn wir vor dem Kühlregal stehen, verwirren nicht nur diese lateinischen Namen. Linksdrehend, rechtsdrehend, probiotisch, präbiotisch –mal ehrlich wer blickt da noch durch? Diese Auswahl erschlägt einen förmlich und eigentlich wollten wir uns doch nur gesund ernähren. Aber wie gesund ist Joghurt eigentlich?

Zuerst einmal enthält Joghurt alle Bausteine auch die Milch mitbringt – vor allem Eiweiß und Kalzium. Das ist gut für Knochen und Zähne. Ein ganz großer Pluspunkt entsteht aber dadurch, dass der der Milchzucker bei der Fermentation durch die Laktobazillen schon zum großen Teil in Milchsäure umgewandelt wurde. So können sogar Menschen mit Laktose-Intoleranz Joghurt in kleinen Mengen meist gut vertragen.

Und was bringen probiotische Joghurts? Ist das gesund oder nur Humbug?

Unter dem Begriff Probiotika werden verschiedene Mikroorganismen zusammengefasst, zum Beispiel Milchsäurebakterien und Hefen. Eine gesundheitsfördernde Wirkung von Probiotika bei Gesunden konnte bisher nur für einzelne Aspekte und wenige Bakterienstämme wissenschaftlich belegt werden. Daher dürfen die Hersteller auch nicht mehr werben. Was nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, darf auch nicht behauptet werden – das untersagt seit 2007 eine EU-Verordnung.

Normalerweise müsst ihr deshalb auch keine teuren Produkte kaufen, die extra als »probiotisch« gekennzeichnet sind, wie der Verbraucherservice Bayern erläutert.

Ganz natürlich kommen diese Probiotika auch in milchsauren Produkten vor – wie beispielsweise in Buttermilch, Kefir aber auch in Joghurt.

Sie siedeln sich im Darm an und fördern von dort aus die Gesundheit: Verdauungsbeschwerden können nachlassen, die Immunabwehr – deren Zellen vor allem im Darm sitzen – wird gestärkt und die Ansiedlung von übermäßig vielen Krankheitserreger wird verringert. Soweit die Theorie. Ganz so einfach ist es nämlich nicht:

Damit Bakterien überhaupt probiotisch genannt werden dürfen, müssen 30 Prozent davon lebendig im Darm ankommen (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE).

Das ist nicht ganz einfach, denn auf ihrem Weg vom Mund dorthin müssen sie Magensäure, Gallensaft und Dickdarmflora überstehen. Bei probiotischen Joghurts werden deshalb noch zusätzlich größere Mengen des Bakterienstamms Bifidobacterium hinzugefügt, die den Magen unbeschadet passieren können und sich im Darm ansiedeln können. Das passiert aber nur, wenn ihr regelmäßig probiotische und möglichst frische Joghurts mit vielen lebenden Bakterien esst. Zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums kann die Anzahl probiotischer Keime abnehmen. Für positive Effekte sind aber mehr als eine Million Mikroorganismen nötig.

Viel hilft in diesem Fall aber nicht viel

Entscheidend ist nämlich nur nicht die bloße Anzahl der Bakterien einer Art, sondern in welchem Verhältnis sie zu anderen Vertretern der Darmflora vorhanden sind. Nur wenn das das Gleichgewicht zwischen den mehr als 500 verschiedenen Bakterienarten im Darm stimmt, ist die Verdauung im Lot. Mehr vom Guten ist nicht unbedingt besser. Im Gegenteil: Ein, zwei Bakterienarten von außen zuzuführen, kann die Balance der Darmflora sogar stören. Außerdem können sich probiotische Bakterien aus Lebensmitteln nicht dauerhaft im Darm ansiedeln.
Stellt euch das einmal vor wie ein paar fremde Touristen unter der einheimischen Bevölkerung im üppig besiedelten Darm. Alle Ecken und Nischen sind besetzt, alle Nahrungsquellen aufgeteilt und wer wen mit kleinen Gefälligkeiten versorgt, ist auch schon lange ausgehandelt. Eine Chance haben die »Neuen« nur, wenn sie ständig von außen zugeführt werden. Sobald der Nachschub stoppt, werden sie von den anderen Bakterien im Darm verdrängt. Bevor sie irgendeine Wirkung entfalten können, sind sie schon wieder »draußen«.

Einfluss auf die Darmflora

Die Wirkung ist wahrscheinlich anders als vermutet: Statt sich unter den Darmbakterien anzusiedeln, verändern die Joghurt-Bakterien offenbar den Stoffwechsel der Gastgeber. Das beobachtete ein weltweites Forscherteam, wie sie im Journal »Science Translational Medicine« berichten. Ein siebenwöchiger Test mit Menschen und Mäusen zeigte, dass die Darmflora andere Enzyme bildet, wenn es jeden Tag probiotischen Joghurt gab. Stoppte der Joghurtnachschub, verschwand auch die Wirkung. Diese Enzyme sind wichtig für den Stoffwechsel des Menschen: zum Beispiel die Verdauung von Kohlenhydraten. Die Studie könnte den Ansatz liefern, warum probiotischer Joghurt in einigen Fällen gegen Darmentzündungen und Durchfällen helfen kann. Wie die Joghurtbakterien aber diese neue Zusammensetzung der Enzyme bewirken ist den Forschern bisher noch unklar.

Gesunde Milchsäure

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Joghurts ist die Milchsäure. Sie beeinflusst die Darmflora positiv und beschleunigt die Darmpassage des Stuhls. So hilft sie die Schadstoffe schneller auszuscheiden und Darmkrebs vorzubeugen. Unterschieden wird dabei in rechtsdrehende und linksdrehende Milchsäure. Rechtsdrehende Milchsäure kommt unter anderem als Stoffwechselabbauprodukt im menschlichen Körper vor. Die linksdrehende Milchsäure kann der Organismus nicht selbst herstellen, sie wird deshalb auch nicht so schnell abgebaut.

Zuviel Zucker in Joghurtdrinks

Leider enthalten die probiotischen Joghurtdrinks auch oft viel zu viel Zucker. Das bringt die Darmflora ganz aus dem Takt, weil er das Wachstum bestimmter Bakterien einseitig fördert. Wenn ihr also eurem Körper etwas Gutes tun wollt, greift lieber zu ungesüßtem Joghurt oder Kefir. Die Milchprodukte wirken verdauungsfördernd und fördern die Darmflora. Studien konnten belegen, dass auch ganz normaler Joghurt die Verdauung während einer Durchfallerkrankung stabilisiert. Also viele gute Aspekte des Joghurts. Traut euch, ihn mal selbst anzusetzen. Es ist gar nicht schwer.

Selbstgemachter Joghurt:

  • 2 Liter Frischmilch
  • 2 gehäufte EL Naturjoghurt der Lieblingsmarke
  • Tontopf oder Stahltopf mit Deckel

Zubereitung:

  1. Die Milch kurz aufkochen, vom Herd nehmen und auf 42°C bis 45°C abkühlen lassen bis sich Rahm bildet.
  2. 2. 2 EL Joghurt vorsichtig einrühren. Mit einem Deckel verschließen, in eine Wolldecke umhüllen (vorzugsweise an einem warmen Ort neben der Heizung) und 8 Stunden ruhen lassen. Danach in den Kühlschrank stellen und weitere 16 Stunden unberührt lassen.
  3. Nicht vergessen: Zwei Löffel für die nächste Ladung selbstgemachten Joghurt aufbewahren, so wird der Joghurt immer feiner und individueller im Geschmack! Regel: Pro Liter Milch wird ein gehäufter Esslöffel Joghurt empfohlen.

 

Na dann gutes Gelingen!

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Sport verändert das Darmmikrobiom

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Sport verändert das Mikrobiom im Darm (Quelle: Pexels CCO)

Der Darm steht immer noch hoch im Kurs. Seit etwa zehn Jahren wird das Darmmikrobiom erforscht: seine Fehlbesiedlung steht in engem Zusammenhang mit Fettleibigkeit, Krebs Diabetes oder chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen. Bisher konnten noch nicht alle Zusammenhänge zweifelsfrei beweisen werden.

Sicher ist aber: die Bakterien im Darm beeinflussen unsere Gesundheit. Spannend ist für die Forscher nun, wie sie unsere Darmflora beeinflussen können. Und hier kommt der Sport ins Spiel.  Eine neue Studie ergab, dass sich Bewegung direkt auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirkt.

Nützliche Bakterien mögen es sportlich

Die Studien zum Einfluss des Bewegungsverhaltens auf das Darmmikrobiom begannen die Forscher der Universität Illinois zuerst an einem Mausmodell. Jacob Allen und Jeffrey Woods untersuchten zwei Gruppen von Versuchsmäuse: eine sportliche Trainingsgruppe, die Zugang zu einem Laufrad hatte und eine „Sportmuffelgruppe“ ohne Sportgerät.
Nach sechswöchiger Beobachtung entnahmen die Wissenschafter Stuhlproben der Tiere beider Gruppen und implantierten diese in keimfreie Nager. Das Mikrobiom der Spendertiere zeigte je nach sportlicher oder untrainierter Gruppenzugehörigkeit gewisse Veränderungen, die sich auf die Empfängermäuse übertrugen.

Fazit: Die joggenden Mäuse lieferten an ihre Nagerkollegen mehr gute Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren (z.B. Butyrat) produzierten.  Die guten Darmbakterien siedelten sich im Darm der Empfängermäuse an und daraufhin passierten einige Veränderungen im Darm

  • Die kurzkettigen Fettsäuren senkten den pH-Wert im Darm und das behinderte die Vermehrung von Krankheitserregern im Darm.
  • Ein Mangel dieser Fettsäuren wird mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert.
  • Wurden die Mäuse mit krankmachenden Keimen infiziert, erholten sich die mit dem transplantierten Sportlerstuhl schneller.

 

Mehr kurzkettige Fettsäuren bei schlanken Menschen

Nach dem Experiment im Mausmodell überprüften die Forscher ihre Hypothese am Menschen. Sie luden 18 schlanke und 14 übergewichtige Studienteilnehmer ein, die alle hauptsächlich sitzende Tätigkeiten ausübten. Im Versuch mussten die Probanden dreimal wöchentlich im Rahmen von sechs Wochen Ausdauertraining absolvieren. Nach der sportintensiven Zeit lebten die Teilnehmer so weiter wie zuvor. In regelmäßigen Abständen gaben sie Stuhlproben an die Wissenschaftler ab.
Es konnten auch bei den Menschen ähnliche Ergebnisse dokumentiert werden. In diesem Fall sind Menschen auch nur Mäuse.

  • Die Konzentration kurzkettiger Fette, wie Butyrat erhöhte sich.
  • Genetische Tests belegten überdies Veränderungen im Mikrobiom.
  • Bei schlanken Probanden wirkte die Bewegung besonders gut, doch sobald sie den Sport wieder aufgaben, verschwanden die positiven Effekte wieder.

Zukünftig müssen noch weitere Studien gemacht werden, um klare Zusammenhänge und Empfehlungen zu präsentieren, trotzdem zeigt die Untersuchung einmal mehr, wie wichtig Bewegung für unsere Gesundheit ist.

„Dies sind die ersten Studien, die zeigen, dass Bewegung unabhängig von der Ernährung oder anderen Faktoren Einfluss auf den Darm hat. Die Quintessenz ist, dass es deutliche Unterschiede gibt, wie das Mikrobiom von übergewichtigen oder schlanken Menschen auf Bewegung reagiert. Wir müssen noch herausfinden, warum das so ist.“ (Jeffrey Woods, Universität Illinois)

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Fazit für uns: Etwas mehr Bewegung ist nicht nur für uns gut, sondern auch für unser Darmmikrobiom und unsere Gesundheit. Mit einer regelmäßigen Laufrunde könnt ihr auch noch etwas für eure Verdauung und einen gesunden Darm tun.

Ich habe meine Laufschuhe schon wieder herausgeholt und jogge mehrmals morgens um 7 vor der Arbeit meine Runde. Und ihr so?

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Quellen:

http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/19490976.2017.1372077

http://journals.lww.com/acsm-msse/Abstract/publishahead/Exercise_Alters_Gut_Microbiota_Composition_and.97045.aspx


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Lactobacillus – Alleskönner für die Gesundheit: Mikrobe des Jahres 2018

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Lactobazillen @Horst Neve)

Sauerkraut, Joghurt, Käse, Sauerteigbrot oder Oliven: die Mikrobe des Jahres ist überall mit im Spiel, wenn es um Essen geht. Ihr habt sie wahrscheinlich heute schon mehrfach verzehrt. Auch sonst ist sie ein wichtiger Partner für uns Menschen mit vielen nützlichen Eigenschaften. Deshalb wurde sie gerade von den Mikrobiologen der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) zur Mikrobe des Jahres 2018 gekürt, um auf die Vielfalt des Mikrokosmos aufmerksam zu machen.

 

Helfer beim Start ins Leben  

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Laktobazillen sind auch beim Stillen dabei (CCO: Public Domain)

Lactobacillus, ein grampositives, meist stäbchenförmiges Bakterium, begleitet jeden von uns schon von Geburt an: Bei der Passage durch den mütterlichen Geburtskanal werden die Bakterien auf das Baby übertragen. Die Laktobazillen schützen das Neugeborene vor Krankheitserregern. Wird das Babys per Kaiserschnitt entbunden – fehlt dieser Schutz. Die Folge: schädliche Bakterien siedeln sich leichter im unreifen Säuglings-Darm an. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass Laktobazillen die Wahrscheinlichkeit von Allergien und Autoimmunkrankheiten wie Diabetes und Morbus Crohn verringern. In den USA und in Kanada ist es deshalb Praxis, dass Kaiserschnitt-Babys direkt nach der Geburt mit Bakterien der Mutter eingerieben. Aussagekräftige Studien zum sogenannten Vaginal Seeding fehlen aber noch.

 

„Milchstäbchen“ mit Geschichte

Die Laktobazillen – übersetzt „Milch-Stäbchen“ – sind schon seit Tausenden von Jahren Teil unserer Kulturgeschichte: Als vor etwa 7000 Jahren Menschen in Nordeuropa als Viehzüchter sesshaft wurden – stand die Milch und Milchprodukte verstärkt auf dem Speiseplan. Damit setzte sich das Enzym Lactase, welches eigentlich nur bei Säuglingen für den Abbau von Milchzucker vorhanden ist, auch bei erwachsenen Mitteleuropäern durchzusetzen. Im Gegensatz dazu vertragen die meisten erwachsenen Asiaten bis heute Milchprodukte schlecht.

Wahrscheinlich per Zufall entdeckten die Menschen, dass sauer gewordene Milch lecker sein kann: in Form von Joghurt, Kefir oder Käse. Dafür ist vor allem Lactobacillus verantwortlich – ebenso wie für Säuerungsvorgänge zur Herstellung von Sauerteigbrot, Sauerkraut oder anderen eingelegten Gemüsesorten – auch Fermentation genannt. Lactobacillus bildet dabei aus den vorhandenen Kohlenhydraten Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert so stark, dass sich schädliche Bakterien nicht vermehren können: die Lebensmittel werden haltbar. Etwa 5000 solcher Lactobacillus-fermentierter Lebensmittel sind weltweit bekannt. Und Fermentation liegt gerade wieder total im Trend !

Eine Vielzahl von leckeren und gesunden Rezepten zur Fermentation von Gemüse findet ihr auch hier im Blog unter  Gesunde Rezepte .

 

Lactobazillen halten uns gesund

Laktobazillen lieben Zucker! Dadurch wurden sie ein so enger und langfristiger Begleiter des Menschen und wir finden sie sowohl in Lebensmitteln oder im Darm. Sie übernehmen viele Aufgaben für unsere Gesundheit: Dank bestimmter Enzyme machen sie für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate verfügbar – vor allem die Ballaststoffe aus Vollkorn und Gemüse, die im Dünndarm die wichtigen Darmbakterien stimulieren. Unter der Bezeichnung „Präbiotika“ werden solche Ballaststoffe heute manchen Lebensmitteln zugesetzt, beispielsweise in Form der langkettigen Zucker Inulin oder Oligofructose. Als „Probiotika“ werden hingegen Nahrungs- oder Heilmittel bezeichnet, die gezielt bestimmte Bakterienstämme enthalten.

„Der Lactosebacillus ist der Wächter unseres Immunsystems“
Dr. Christine Lang, Professorin für Mikrobiologie und Molekulargenetik an der Technischen Universität in Berlin, im Gespräch mit hr1.

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Lactobacillus reuteri (blau) verklumpt und inaktiviert den Magenkeim Helicabacter pylori (rot) – hier 11.000fach vergrößert. @Novozymes A/S

Ob natürlich oder zugesetzt: Laktobazillen sind außerdem wichtig für die Funktion der Darmschleimhaut, die Nährstoffe vom Darm ins Blut transportiert und auch unser Immunsystem unterstützt. Ist es gestört, werden Infekte und Autoimmunkrankheiten wahrscheinlicher. Studien legen nahe, dass Laktobazillen sogar unser Wohlbefinden beeinflussen: Bestimmte Lactobacillus-Stämme verringern in Mäusen ängstliches und depressives Verhalten – möglicherweise weil sie Botenstoffe produzieren, die bei der Nervenübertragung im Gehirn eine Rolle spielen. Lactobazillen sind also Helfer für Leib und Seele.

 

Milchsäure für Biotechnologie, Plastik und Medizintechnik

Auch biotechnologisch werden die Laktobazillen gern eingesetzt, um im industriellen Maßstab Milchsäure herzustellen – weltweit etwa 500.000 Tonnen pro Jahr. Als Lebensmittelzusatzstoff (E 270) erhöht Milchsäure die Haltbarkeit von Back- und Süßwaren so-wie Limonaden. Auch Seifen, Cremes und Spülmittel enthalten die

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Mulchfolie aus Poly-Milchsäure ist biologisch abbaubar. © F. Kesselring, FKuR Willich

Durch Verknüpfung mehrerer Milchsäure-Moleküle entstehen Milchsäure-Ketten, die Polylactide. Daraus gewonnene Materialien sind stabil, aber biologisch abbaubar, sodass sie zu Bio-Folien und Verpackungen verarbeitet werden. Medizintechniker verwenden Polylactide für resorbierbare Nahtmaterialien und Implantate, die sich nach einiger Zeit im Körper zersetzen.

Weitere Informationen unter www.mikrobe-des-jahres.de

 

Probiotische Grüße

Susanne


Ein Kommentar

Powerprogramm für deine Darmbakterien

still-life-2338824_1920Der Dezember und die Adventszeit haben es in sich. Die paar Tage Völlerei über die Festtage mit der Familie sind dabei gar nicht das Problem. Seit November wechseln sich nette Treffen mit den Freunden auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein bei den Nachbarn oder zumindest Pfefferkuchen im Büro ab.  Dazu kommt noch der Stress, da das Jahresende naht und viele Dinge unerledigt sind. Wer fühlt sich gerade nicht schlapp und ausgepowert?

Es wird also Zeit, mal wieder aktiv etwas für uns und unsere Energie zu tun. Schließlich sind wir das, was wir essen! Eine gesunde Ernährung hat einen direkten Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Schokolade und der ganze andere Süßkram fördern nicht gerade ein gesundes Darmmikrobiom.

Damit wir die Feiertage gut überstehen, kommt jetzt ein kleines Powerprogramm für unsere Darmbakterien, damit wir gemeinsam die Festtage gut überstehen.

  •  Iss mehr gute Bakterien!
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Möhren – eine Woche fermentiert (Quelle Susanne Thiele)

Iss in diesen Weihnachtstagen ausreichend und regelmäßig Lebensmittel (Probiotika), die die Artenvielfalt in deinem Darm erhöhen. Die probiotischen Darmmikroben werden in unserem Verdauungstrakt meistens nicht dauerhaft heimisch. Wirkungsvoll sind sie aber dennoch, wenn sie regelmäßig gegessen werden.
Die besten Quellen für gute Bakterien, die unsere Verdauung unterstützen sind: Joghurt, Kefir, Kombucha, Miso, Tempeh, Sauerkraut oder Kimchi und natürlich auch Brot aus Sauerteig.

Versuch doch außerdem mal selbst frisches Gemüse zu fermentieren! Es ist wirklich unglaublich einfach.

Die Rezepte findest Du hier im Blog. Ich empfehle Dir als Anfänger das Sauerkraut oder die fermentierten Gewürzmöhren.

  • Füttere die guten Bakterien, die deinem Darm bewohnen!
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Darmflora (Pixabay)

Willst Du die guten und nützlichen Bewohner in deinem Darm fördern, solltest Du auch Präbiotika zu Dir nehmen. Das sind vor allem Kohlenhydrate, die ganz speziell diese Mikroorganismen in deinem Darm besonders gern „verfuttern“, wie den Ballaststoff Inulin, der aus vielen Fruktose-Molekülen zusammengesetzt ist.

Gutes „Bakterienfutter“ jetzt im Winter sind zum Beispiel: Chicorée, Kichererbsen, Linsen, Knoblauch, Zwiebeln, Schwarzwurzeln, Lauch, Pastinaken und Nüsse. Eine gute Alternative ist auch Malzkaffee, er liefert auch das „Bakterienleckerli“ Inulin, da er aus Zichorien-Wurzel gemacht wird.

  • Tricks für mehr Ballaststoffe!
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Vollkornbrot enthält ausreichend Ballaststoffe (Pixabay)

Die Ballaststoffe sind der unverdauliche Teil unserer Nahrung, der unseren Darm durchreist und über den Stuhl wieder verlässt. Unsere westliche Ernährung ist meist sehr arm an diesen Fasern und Ballaststoffen in unserer Nahrung. Das führt zu einem Verlust der Artenvielfalt im Darm.
Die Forschung hat aber gezeigt, dass Ballaststoffe einen sehr positiven Effekt auf die Darmgesundheit haben. Selbst die Faserstoffe, die von den Bakterien verschmäht werden, sind wichtig für den Darm und die Figur. Sie machen länger satt, senken den Blutzuckerspiegel, regen die Darmbewegungen an – das führt zu einer guten Verdauung und verhindert eine Verstopfung.
Die Faserstoffe „räumen“ im wahrsten Sinne des Wortes im Darm auf. Sie reinigen, saugen Giftstoffe auf und tragen sie letztendlich aus dem Darm heraus. Bei fettreichem Essen, welches in der Weihnachtszeit nicht selten ist, binden sie gesättigte Fette, die nicht in den Speckröllchen hängenbleiben. Auch der Cholesterinspeigel bleibt niedrig.

Ein paar Tipps gefällig?

Peppt euers Frühstück mit Vollkornflocken mit Apfel (mit Schale) oder streut Leinsamen, Sesam oder Nüsse drüber! Vollkornbrot oder –Nudeln sind immer zu bevorzugen!
Nüsse, Beeren und Rohkost öfter in den Winterspeiseplan einbauen!

 

  • Mehr resistente Stärke – unwiderstehlich für Darmbakterien!

Resistente Stärke ist ein Leckerbissen, bei dem Darmbakterien nicht „Nein“ sagen können. Und wie kommst Du da ran? Ganz einfach – die Stärke kommt in kalten Kartoffeln und kaltem Reis vor. Nach dem Erhitzen und anschließenden Abkühlen verändert sich die Stärke in einigen Nahrungsmitteln und kann der Verdauung in den oberen Darmabschnitten besser standhalten. Ein heißer Tipp sind nicht ganz reife grüne Bananen im Joghurtshake!
Als ein Effekt der resistenten Stärke gilt, dass sie die besonders die Zahl der „guten“ Bifidobakterien im Darm erhöht, die uns schlank halten. Auch feingemahlene oder Mandeln im Müsli lassen diese begehrten Bakterien wachsen.

  • Trink mehr!
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Ausreichend Trinken ist wichtig! (Pixabay)

Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig für unsere Verdauung. Bei einer erhöhten Ballaststoffzufuhr ist es sehr wichtig viel zu trinken! Die Ballaststoffe quellen auf und binden Wasser.

 

Am besten ausgleichen über kalorienarme Getränke wie Wasser, Tee, Kaffee.

 

  • Sport macht Darmbakterien Spaß!
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Sport macht Darmbakterien Spaß! (Pixabay)

Wissenschaftler haben es bewiesen: Wir machen unsere Darmmikroben sehr glücklich, wenn wir Sport treiben. Die Mikroflora von 40 professionellen Rugbyspielern sah deutlich abwechslungsreicher aus, als die von 46 übergewichtigen Nichtsportlern aus. Auffallend viele Akkermansia –Bakterien tummelten sich bei den Sportlern. Diese Keime schützen bekanntlich vor Übergewicht und Zuckerkrankheit.

 

Also baut doch nach dem Gänsebraten zumindest mal einen 30 minütigen Spaziergang ein, der verbraucht etwa 100- 130 Kalorien und hilft viel besser als der Verdauungsschnaps danach! Wer sich täglich konsequent ein halbe Stunde bewegt, hat schon eine Menge für seine Gesundheit und die Figur getan.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit!

Mikrobiologische Grüße

Susanne

Artikel zum Weiterlesen: Beeinflussen Darmbakterien unser Wunschgewicht ?


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Zahtarkraut – Sauerkraut mal anders

Die wundervolle klassische arabische Gewürz-Mischung hat viele Namen: Zaatar,  Zahtar , Za’atar oder  Satar. Wie auch immer geschrieben – es ist einfach immer köstlich und auch sehr gut für Sauerkraut einsetzbar.

Am besten bringst du dir einfach die Gewürzmischung Zatar mit. Ich habe meine vom Bremer Gewürzhandel und sie hat folgende Zusammensetzung: Sesamsaat, Sumachfrüchte gemahlen, Salz, Baumwollsaatöl, Thymioan und Oregano. Am meisten verwendet wird diese Mischung in  der Türkei, Nordafrika und dem Nahen Osten. Mit einem mildaromatischen, nussigen Geschmack ist diese Mischung wirklich ein Allrounder für die orientalische Küche.

Wie funktioniert das Zahtar-Kraut im 1 Liter Bügelglas?

900 g Weißkohl (feingehobelt)

2 weiße Zwiebeln

2 Knoblauchzehen

1 1/2 Teelöffel Zahtar-Gewürzmischung

2 % unraffiniertes Meersalz (20g)

Die 2-3 äußeren Blätter vom Weißkohl entfernen und den Kopf vierteln und fein hobeln. Zwiebeln ebenfalls fein hobeln. Die Knoblauchzehen schälen und in dünne Scheiben schneiden.

Die Zahtar-Gewürzmischung und das Meersalz hinzufügen, alles gut durchmassieren und kneten bis genüg Flüssigkeit entstanden ist.

Das Kraut ins Bügelglas stopfen. Es muss von der Lake bedeckt sein. Zudem wird es vom Gewicht beschwert. Das Bugelglas verschließen und dunkel für 6 Wochen lagern. Die ersten Tage etwas wärmer 20-22 Grad, danach darf es etwas kühler stehen (16-18 Grad Celsius.

Die Rezeptanregung habe ich vom Blog www.wildefermente.de.

Und zum Schluss für euch noch ein paar klassische Verwendungsmöglichkeiten für Zahtar:

  • mit Olivenöl anrühren und vor dem Backen auf ein Fladenbrot streichen
  • als Dip: entweder mit Olivenöl, oder mit Schmand / Frischkäse anrühren (ggf. nachsalzen) und mit Fladenbrot  zur Vorspeise oder Mezzetafel(orientalische Vorspeisenplatte)reichen.
  • Für würzige Hackfleischbällchen ( Köfte),oder dunkles Fleisch, Gemüse und Reisgerichte, Tajine.
  • Für eine feine Grillfleischmarinade mit Öl anrühren
  • Mein Favorit: Gurkensalat mit Zatar und etwas Schwarzkümmel

Gutes Gelingen!

 

 


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Jetlag im Bauch – Zeitumstellung bringt Darmkeime aus dem Tritt

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Die Zeitumstellung beeinflusst auch unser Darmmikrobiom (Pixabay)

Bei der Umstellung auf die Winterzeit wird die Uhr Ende Oktober eine Stunde zurückgestellt: Eine Stunde geschenkter Schlaf – alle Eulen schreien „Holdrio“. Denn für Nachtmenschen ist die Umstellung auf die Winterzeit ein Grund zum Jubeln.

Eulen sind Schlaftypen, die abends länger wach sind und morgens schwer aus den Federn kommen. Die Umstellung auf die Winterzeit fällt ihnen leicht, weil sie morgens eine Stunde länger liegen bleiben dürfen. Ich als Frühaufsteher und „Lerche“ werde wohl einige Wochen noch früher als 5 Uhr wach werden.

Unsere innere Uhr

Alle Lebewesen haben eine innere Uhr – selbst Mikroorganismen, die unseren Darm bewohnen, sind davon nicht ausgenommen. Die mikroskopisch kleine Gesellschaft in unserem Inneren ist genauso störanfällig, wie der Mensch für die Zeitverschiebungen. Das berichteten israelische Wissenschaftler im Fachjournal „Cell“.

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Auch Fernreisen über verschiedenen Zeitzonen haben Einfluß auf unsere Darmflora und damit auf unsere Gesundheit (Pixabay)

Die Forscher hatten im Jahre 2014 zum ersten Mal beobachtet, dass auch die Darmbewohner ihren eigenen Biorhythmus mit dem ihres Wirtes synchronisieren. Gerät unsere innere Uhr durcheinander, kommen auch die Darmkeime aus dem Takt. Schuld daran können die Zeitumstellung, aber auch Fernreisen über mehrere Zeitzonen oder Schichtarbeit sein. Dies könnte unsere Gesundheit und Psyche beeinflussen.

 

Das Team um Eran Elinav vom Weizmann Institute of Science in Rehovot konnte in einem Experiment mit Mäusen zeigen, dass dies zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Unser Körper wird vor allem durch den Tag-Nacht-Rhythmus, den regelmäßigen Wechsel von Licht und Dunkelheit gesteuert. Statistische Analysen zeigten, dass Schichtarbeiter oder Vielreisende vermehrt an Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht leiden.

Darmflora unterliegt tageszeitlichen Schwankungen

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Unsere Darmbakterien sind mehr als nur einfache Verdauungshelfer – das zeigt sich in den letzten Jahren immer klarer. Der richtige Mikroben-Mix scheint vor Asthma und Allergien, vor Übergewicht und Diabetes zu schützen, sogar die Psyche könnte durch Bakterien beeinflusst werden.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Zusammensetzung der über 1000 Arten von Darmbakterien im Laufe des Tages änderte – zunächst bei Mäusen. Sie fanden, dass die Häufigkeit verschiedener Arten von Bakterien im Verlauf des Tages zu- und abnahm. Auch spezifische Funktionen der Darmflora veränderten sich rhythmisch. Bei den nachtaktiven Nagern dominierten in der Dunkelphase etwa Stoffwechselwege, die mit dem Energiehaushalt, der Nahrungsverwertung oder dem Wachstum in Verbindung stehen. In der hellen Phase stand unter anderem die Entgiftung im Vordergrund.

Unregelmäßige Essenszeiten sorgen im Darm für Chaos

Getaktet werde die innere Uhr der Bakterien auch über den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, berichten die Wissenschaftler in „Cell“. Veränderten die Forscher die Fütterungszeiten der Mäuse und den Hell-Dunkel-Wechsel, geriet die Darmflora der Tiere durcheinander. Eine fetthaltige Ernährung führte unter diesen Bedingungen zu Übergewicht und Glukoseintoleranz, die als Vorstufe von Diabetes gilt. Bei den normal getakteten Mäusen geschah das nicht. Übertrugen die Wissenschaftler die Mikroben aus dem Darm von Mäusen im künstlichen Jetlag auf keimfreie Artverwandte, legten diese ebenfalls an Gewicht und Körperfett zu. Auch ihr Blutzuckerspiegel stieg.

In einem Folgeexperiment zeigten die Forscher, dass auch die Darmflora des Menschen rhythmischen Schwankungen unterliegt und ein Jetlag ebenfalls die Zusammensetzung der Bakterien verändert. Mäuse, die Bakterien aus dem Darm solcher Probanden erhielten, nahmen zu und ihr Blutzuckerspiegel stieg.

Studie erklärt, warum häufiger Jetlag krank macht

Ihre Ergebnisse seien als vorläufig zu betrachten, schreiben die Wissenschaftler. Sie legten jedoch nahe, dass Störungen der inneren Uhr beim Menschen die mikrobielle Gemeinschaft im Darm veränderten, was wiederum Stoffwechselprobleme verursachen könne. Dies erkläre möglicherweise die Verbindung zwischen Schichtarbeit, häufigen Flugreisen und Erkrankungen. Zur Behandlung biete sich demnach eine gezielt probiotische oder antimikrobielle Therapie an, schreiben die Forscher.

Zeitumstellung und Jetlag schaden der Darmflora nur vorübergehend

Dass sich die Darmflora in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme ändert, ist für weiter Experten, wie den Mikrobiologen Michael Blaut, Leiter der Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam icht weiter verwunderlich. Allerdings komme die Studie seiner Meinung nach zu interessanten Ergebnissen.

Sie liefere überzeugende Argumente dafür, dass ein Organismus auch in seiner Mikroflora abgebildet werde. Blaut betonte, dass Veränderungen der Darmflora wie die nach einem Jetlag oder nach der halbjährlichen Zeitumstellung innerhalb kurzer Zeit umkehrbar seien.

Praktische Tipps, um die innere Uhr umzustellen:

  • Abends zur gleichen Zeit wie immer schlafen gehen!
  • Sorge dafür, dass Du nachts kein Licht und tagsüber viel Licht von draußen bekommst!
  • Plagt die Müdigkeit, dann tanke einfach tagsüber mehr Sonnenlicht und geh an die frische Luft!
  • Keine aufputschenden Getränke am Abend, wie Kaffee etc.!

 

Eine gute Umstellung wünsche ich Dir!

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Dirty Money – Wie schmutzig ist unser Geld?

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Schmutziges Geld (Pixabay)

»Pecunia non olet!« – Das Geld nicht stinkt, wusste bereits der römische Kaiser Vespasian. Dies ist aber nur bedingt wahr.
Genauso wie Türklinken oder Lichtschalter gehen auch Münzen und Banknoten durch viele verschiedene Hände. Unser Portemonnaie ist nicht nur heimelige Heimstatt klimpernder Münzen und knisternder Scheine.
Unser Geld ist – das haben verschiedene Studien gezeigt gründlich mit Fäkalien und Krankheitserregern überzogen. Das Prinzip ist ganz einfach: Ihr müsst nur auf die Toilette gehen und euch danach nicht die Hände waschen. Das ist die beste Voraussetzung, um über die Hände die fäkalen Darmkeime in der gesamten Umgebung effektiv zu verbreiten. Es ist auch nicht ungewöhnlich wie ein Blick in die Praxis zeigt. Laut einer Britischen Studie legen 62 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen keinen gesteigerten Wert auf das Händewaschen nach dem Toilettenbesuch.

Banknoten sind nicht steril

Trotz fließendem Wasser in jeder Wohnung und jeder öffentlichen Toilette sind die Scheine stark verunreinigt. Während bei uns die Hände oft aus Bequemlichkeit nicht gewaschen werden, stehen in ärmeren Ländern dahinter ganz andere Probleme. Ein Drittel der Menschheit hat keinen Zugang zu ordentlichen Klos und viele nicht mal zu sauberen Trinkwasser. Ein Großteil der über Fäkalien verbreiteten Bakterien sind Krankheitserreger und können schwere Durchfälle verursachen. Gerade die kleineren Banknoten wechseln sehr oft den Besitzer. Deshalb sind die unsichtbaren Bremsspuren auf Geldscheinen besonders in ärmeren Ländern ein Gesundheitsproblem.

Dabei ist Münzgeld weniger problematisch als Banknoten, wie wir später sehen werden. Die glatte Oberfläche der Geldmünzen bietet Bakterien wenig Halt. Kupfermünzen, wie die 1- ,2-, oder 5-Cent Münze wirken sogar antibakteriell. Das Kupfer gibt Ionen ab, die die Mikroorganismen nicht gut vertragen. Münzen sind für Mikrobiologen daher eher langweilig. Die richtig interessanten Untersuchungsobjekte sind die Geldscheine! Bis zu 3000 verschiedene Keime tummeln sich auf einer einzigen 5 Euro Note.

Unser Geld ist viel schmutziger als gedacht!

Das enthüllte eine Analyse der DNA, des Erbgutes, auf den Geldscheinen. Die Wissenschaftler machten dabei eine erstaunliche Anzahl von Mikroorganismen ausfindig, die sich auf Geldscheinen mit Vorliebe häuslich einrichten.

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US-Dollar (Pixabay)

Beim »Dirty Money Project« nahmen die Forscher der New York University die unsichtbaren Bakterien unter die Lupe, die unser Bargeld besiedeln. Sie untersuchten die Erbinformation auf Ein-Dollar-Scheinen und fanden so heraus, dass Hunderte von verschiedenen Bakterientypen auf die Reise gehen, wenn Banknoten von der einen Hand zur anderen wandern. Dabei entdeckten die Forscher, dass eine überraschend hohe Anzahl von Mikroben potenzielle Krankheitserreger sind. So entsteht ein Problem von internationaler Reichweite! Unser Zahlungsmittel Geld – von Rupien über Dollars bis zu Euros – ist ein »Tauschmittel für Hunderte von Bakterienarten«, da Papiergeld am häufigsten herumgereicht wird.

Die Wissenschaftler identifizierten auf den Ein-Dollar-Scheinen mit ultraschnellen Gensequenzierungsmethoden 3000 Bakterientypen – weit mehr als jemals bei vorhergehenden Studien unter dem Mikroskop zutage traten. Dafür hatten sie im Jahre 2013 achtzig Ein-Dollarscheine bei einer Bank in Manhattan eingesammelt und das Erbgut analysiert. Insgesamt brachten die Scheine 1,2 Milliarden DNA-Segmente zum Vorschein – eine unglaubliche Puzzlearbeit. Um all diese genetischen Daten zu speichern, war eine digitale Speicherkapazität von 320 Gigabytes notwendig. Und sie wurden fündig. Sie stießen auf Erbgut, das so vielfältig war wie das Leben in der Metropole in New York selbst ist. Neben beispielsweise Bakterien, Pilzen und Vieren fanden sie auch Pferde- und Hundespuren und sogar die DNA eines Breitmaulnashorns.

Mit Abstand am häufigsten kommen auf Geldscheinen Bakterienspezies vor, die Akne verursachen. Andere Erreger erzeugen Magengeschwüre, Lungenentzündungen, Lebensmittelvergiftungen oder andere Infektionen.

Als »Best of« der Gästeliste eines ordinären Geldscheines sind zu nennen: natürlich E. coli unser liebstes Darmbakterium vor – obwohl es auf Papier eigentlich nicht so richtig gut überleben kann. Daneben tummeln sich Salmonellen auf den Baumwollfasern der Papierscheine oder auch Staphylokokken, Eiter- und Infektionserreger, die häufig auf dem Menschen mitreisen. Teilweise sind sogar multiresistente Bakterien nachweisbar, gegen viele Antibiotika resistent sind.

Warum können Mikroorganismen überhaupt auf Geldscheinen leben?

Im Prinzip könnte die Banknote auch Endstation für jeden Keim sein, schließlich ist sie meist trocken und nährstoffarm. Aus die Maus!
Manche Bakterien sind aber Überlebenskünstler und können bis zu 24 Stunden auf den trockenen Papieroberflächen überdauern. So schaffen sie es, vom Schein über die Hände in unseren Mund oder unsere Augen zu gelangen. Wenn das Geld nass oder sogar nass und warm wird, können sich die Erreger sogar noch länger halten.

Umso länger eine Banknote im Umlauf ist, desto rauer wird ihre Oberfläche und ihre Keimbelastung steigt. Mit jeder Berührung hierlassen wir auf einem Geldschein winzige Rückstände aus Haut und Ölen. Wandert der Schein durch viele Hände, wird er immer mehr mit einer solchen Schicht überzogen. Und das bedeutet: Je älter der Schein, desto mehr »Mikrobenfutter« befindet sich auf ihm. Deshalb werden die Banknoten in der Europäischen Union innerhalb weniger Jahre wieder aus dem Verkehr gezogen.

Taler, Taler – Du musst wandern!

Jedes Jahr flattern allein fast 150 Milliarden neue Banknoten rund um den Globus. Die müssen allerhand aushalten. Sie sollen widerstandfähig gegen Schmutz, Hitze und auch noch fälschungssicher und maschinenlesbar sein. Nach diesen Kriterien werden die Trägermaterialien für Geldscheine ausgewählt.
Dabei haben Forscher herausgefunden, dass das verwendete Material der Geldscheine sehr wohl Einfluss auf die Bakteriendichte hat. Ein-Dollar- oder auch unsere Euro-Banknoten bestehen aus einem Baumwoll-Leinen-Gemisch und halten im Schnitt gerade mal 21 Monate. Um Papiergeld zu einem längeren Leben zu verhelfen, haben sich Länder wie beispielsweise Kanada oder Bhutan für Bögen aus flexibler Polymerfolie entschieden, die Vorteile hat. Australische Wissenschaftler an der University of Ballarat haben herausgefunden, dass sich auf den Polymerscheinen deutlich weniger Organismen als auf baumwollbasierten Bankscheinen niederlassen. In puncto Sauberkeit und Relevanz für die Gesundheit liegen die Polymerscheine ganz vorne.

Nun muss ich hier keine Panik verbreiten! Auf den Geldscheinen finden die Forscher mit ihren hochmodernen Methoden zwar eine Menge verschiedener Keime. Doch die Menge der einzelnen Bakterien ist gering. Sie reichen – in der Regel – gar nicht aus, um einen Menschen wirklich krank zu machen. Außerdem müssen die wenigen kleinen Übeltäter darunter auch erst einmal in unseren Körper gelangen. Dazu ist es völlig ausreichend, sich regelmäßig die Hände zu waschen!

Etwas kritischer wird es dort, wo Geld mit Lebensmitteln direkt in Berührung kommt – zum Beispiel beim Metzger oder Bäcker. Einweg-Handschuhe zum Einpacken der Produkte sind eine gute Alternative, die zum Kassieren ausgezogen werden. Es gibt sogar schon Bezahlautomaten in einigen Bäckereien in Nordrheinwestfalen, die mit Keime nicht vom Bargeld auf dem Brötchen landen. In Tankstellen und einzelnen Supermärkten sind sie auch schon Normalität.

Was bringt „Geldwäsche“ ?

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Um die Keime klein zu kriegen, werden Scheine auch gereinigt. Allen voran sind die Japaner zu nennen – sozusagen die »Geldwäscher unter den Nationen«. Kein Volk legt so viel Wert auf Hygiene, wie die Japaner. Das gilt für saubere Straßen, futuristische-anmutenden Toiletten und natürlich auch für japanisches Geld. Die fast keimfreien Scheine entstehen durch eine Heißluftbehandlung. Die Geldautomaten erhitzen jeden Yen vor der Ausgabe auf 200 Grad. Da bekommt der Begriff »heißes Geld« nochmal eine ganz positive Bedeutung. Weltweite Hygienespitze sind die Japaner damit aber nicht. Ein internationaler Vergleich aus dem Jahre 2010 hat ergeben, der australische Dollar der sauberste und der chinesische Yuan der »dreckigste« Schein der Welt sind.

Ist bargeldlos gesünder?

Sollten wir vielleicht nur noch bargeldlos einkaufen und auf EC- und Kreditkarte wechseln? Auch nicht besser: An den viel frequentierten EC-Automaten kommen am PIN-Tastenfeld wiederum Bakterien vor, die übrigens genauso häufig und vielfältig vertreten sind wie auf öffentlichen Toiletten.

Ist bargeldlos also wirklich gesünder? Experten sagen nein. Denn die wenigen Keime einer Art, die sich auf den Geldscheinen oder Münzen befinden, reichen gar nicht aus, um eine Infektion zu verursachen. Aber – und das ist das Gute daran – sie trainieren unser Immunsystem und steigern unsere körpereigene Abwehr. Unser Bargeld könnte also tatsächlich gesundheitsfördernd sein, weil es den Körper in Kontakt mit Keimen von ganz vielen verschiedenen Menschen bringt. Eine »gesundheitsfördernde Keim-Tauschbörse« sozusagen!

Ihr könnt aber selbst einiges tun, um die Keimbelastung auf eurem Bargeld so gering wie möglich zu halten. Keime brauchen Feuchtigkeit und Wärme, um zu wachsen. Daraus lässt sich mit glasklarer Logik eine grundlegende Regel ableiten. Nehmt euer Geld nicht in den Mund! Ihr leckt ja auch keine Türklinken oder Treppengeländer mit gleicher Keimbelastung ab.

Auch die beliebte Angewohnheit lose Geldscheine in der Hosentasche – nahe am Körper – zu tragen, ist keine gute Idee. So werdet ihr zum »schnellen Brüter« für Keime. Das ist ein optimales Milieu, dass sie sehr mögen und in dem sie sehr lange überleben können. Genauso arbeitet eine angewärmte Brieftasche, die Körpertemperatur hat, als Petrischale, um Keime wachsen zu lassen. Von Tag zu Tag fühlt sich eine immer größere Zahl an Bakterien in eurer Geldbörse wohl.

Wenn ihr euch nach dem Einkaufsbummel oder Geldabheben regelmäßig die Hände wascht, seid ihr auf der sicheren Seite  – vor allem vor dem Essen oder vor der Zubereitung von Speisen. Das sollten ihr in der kalten Jahreszeit – in der jeder erkältet ist – sowieso jedes Mal tun, weil Geld nur einen Infektionspunkt für Grippe & Co darstellt. Ein intaktes Immunsystem kommt mit der Keimbelastung gut zurecht.

Also keine Angst vor Geld!

Mikrobiologische Grüße

Susanne