Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Fliegentaxi für Bakterien

Bssssssssssssss…! Da ist es wieder­ – dieses Geräusch.

Plötzlich ist es zu hören, wie aus dem Nichts – in der Küche oder im Wohnzimmer. Nur wenige mögen es. Fliegen gehören nicht zu den beliebtesten Kreaturen dieser Welt. Da hilft es auch nicht, dass sie Superman-Fähigkeiten haben: wie an der Decke zu laufen oder einen eingebauten Rundumblick mit ihren „Mosaikaugen“. Habt ihr schon mal versucht, eine Fliege mit der Hand zu fangen? Es ist fast unmöglich. Egal ob man sich von hinten anschleicht oder besonders überraschend zuschlägt: Die Fliege sieht alles und ist meist schneller.

Das Image der Stuben- oder der Schmeißfliege ist aus verschiedenen Gründen nicht das Beste. Sie nerven uns mit ihrem Summen und Brummen und „bekrabbeln“ alles – völlig egal in welcher Reihenfolge – von der Klobrille bis zum Mittagessen.

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Schmeißfliegen auf frischem Hühnerkot, Quelle soebe, Lizenz: GNU-FDL

Vor allem die grünschillernden Schmeißfliegen, deren Name aus dem Altdeutschen kommt und so viel wie „besudeln“ und „beschmieren“ meint – entlocken uns Ekelgefühle. Der Kontakt mit Fliegen galt schon immer als unrein und Mediziner warnten vor ihnen als Krankheitsüberträger.

Nicht ganz zu Unrecht, wie Forscher in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ berichteten. Die Brummer wurden bisher als Überträger von Erregern völlig unterschätzt! Auch unsere gemeine Stubenfliege mit ihren rötlichen Facettenaugen, ihrem haarigen Körper und dem Saugrüssel, der alles abtastet – ist nicht so harmlos, wie sie manchmal wirkt.

 

Bakterien reisen auf Fliegen

Welche Krankheitserreger die Fliegen nun wirklich übertragen, darüber wussten die Forscher bisher sehr wenig. Die brasilianische Genetikerin Ana Carolina Junqqeira von der Staatlichen Universität in Rio de Janeiro hat mit 16 anderen Forschern diese Wissenslücke geschlossen.

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Stubenfliege (CC0 Lizenz)

Dazu fingen sie 116 frei lebende Fliegen auf drei Kontinenten –in den USA, Brasilien und Singapur – und analysierten deren Erbgut. Die Ergebnisse übertragen die Erwartungen der Forscher völlig. Auf Schmeißfliegen fanden die „Fliegenjäger“ 316 und auf den Stubenkollegen sogar 351 unterschiedliche Bakterienarten. Einzelne Brummer-Exemplare hatten mehr als 200 Keimspezies im Gepäck. Während die von den Forschern untersuchte Art von Schmeißfliegen Chrysomya megacephala in Deutschland nicht vorkommt, gibt es Stubenfliegen (Musca domestica) beinahe überall auf der Welt – auch in Mitteleuropa.

Die lästigen Insekten lasen sich gern auf der Haut von Menschen nieder, weil sie dort Nahrung finden – winzige Hautschuppen beispielsweise. Vor allem mögen sie Schweiß, der Proteine enthält: ein Grund warum schwitzende Menschen wie Jogger oder Urlauber am Strand besonders viele Fliegen anlocken. Das alles wäre auch gar nicht schlimm, da Fliegen nicht stechen und Blut saugen wie Malariamücken. Allerdings hegen die Tiere eine besondere Vorliebe für alle Arten menschlicher und tiersicher Körperausscheidungen, wie Kot oder Eiter und anderes wenig Appetitliches. Den Weg weist ihnen dabei der Geruch von Buttersäure – eine Substanz, die bei den meisten Fäulnisprozessen entsteht und den die Fliegen riechen können.

Fliegenlarve

Larve einer Stubenfliege Foto: Paul Krok, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dazu legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt an – aus menschlicher Sicht – besonders abstoßenden Orten ab. Hauptsache, es handelt sich um organisches Material, das sich gerade schon zersetzt oder vor sich hin fault. Da sind sie nicht besonders wählerisch: einerlei ob verdorbene Nahrungsmittel, Müll, Exkrement oder ein Kadaver. Die kopf- und beinlosen Fliegenlarven, die aus den Eiern schlüpfen und die verschiedene Stadien bis zum fertigen Insekt durchlaufen, fressen alles. Stellen Sie sich also lieber nicht genau vor, was die Fliege gerade so hinter sich gebracht hat, die sich gerade auf ihrem Käsebrötchen niederlässt.

 

„Unsere Studie hat gezeigt, dass Bakterien fliegen können, wenn sie mit herkömmlichen Fliegen reisen“, sagt Prof. Stephan Schuster von der NTU Singapur. Die Keime nutzen die Brummer quasi als Taxi.

Die Forscher berichten in ihrer Studie, dass die Fliegen das Mikrobiom an ihren Füßen aufnehmen, es auf ähnliche Weise über ihre Flügel streuen, wie wir unser Haare kämmen und es dann auf den Oberflächen verteilen, auf denen sie landen. Mit jedem Schritt hinterlassen die Insekten dabei ein „Kolonialisierungsspur“. Wobei sich das Mikrobiom vor allem an ihren Beinen befindet. Nicht weiter verwunderlich, da diese Körperteile am häufigsten Kontakt mit Aas, Kot und anderen „Fliegenleckereien“ haben.

Zu den mikrobiellen Reisegästen der Fliegen zählen Krankheitserreger wie Escherichia coli (Darm- und Harnwegsinfektionen) oder Klebsiella pneumoniae (Lungenentzündungen). Die brasilianischen Fliegen trugen sogar das Bakterium Helicobacter pylory, für den bisher ein solcher „Flugtransport“ für unmöglich gehalten wurden. Etwa die Hälfte aller gefundenen Bakterienarten kamen sowohl bei Stuben- als auch bei Schmeißfliegen vor – was auf ihre gemeinsamen Nahrungsvorlieben zurückzuführen ist.

Unterschied zwischen „Dorf-Brummer“ und „City-Brummer“

Von einer Vorstellung solltet ihr euch aber schnellstens verabschieden: Nicht dort, wo es am meisten summt und brummt, sind die meisten Keime und das nächste Infektionsrisiko. Es gibt einen großen Stadt-Land-Unterschied in der Keimbelastung der Insekten.
Die Fliegenhorde im Stall eines Bauernhofes ist weit weniger mit, für den Menschen bedrohlichen, Erregern belastet als der verirrte Stadtbrummer. Die Forscher vermuten, dass sich die Fliegen dort in offenen Latrinen oder Sickergruben mit den Keimen beladen. Die „Citybrummer“ reisen dann direkt vom gelben Müllsack in das nächste pieksaubere Wohnzimmer samt ihren Mikrobenmitbringseln. Das sollten Sie vielleicht beim nächsten Ausflug bedenken und eher eine Waldlichtung las den Stadtpark wählen.

Insektenspray ist unnötig

Panik und ein übereilter Griff zum Insektenspray sind aber nicht nötig. Im Vergleich haben die umherkrabbelnden Insekten ein viel geringeres Infektionsrisiko als beispielsweise eine Zecke, die sich gezielt in der Haut verbeißt. Großräumige Bekämpfung würde außerdem auch eine schnelle Resistenzausbildung gegen die Insektizide zur Folge haben.
Im Normalfall regelt sich alles von selbst – die Population der Fliegen wird durch ihre natürlichen Fressfeinde eingedämmt. Um aber zu meiden, dass sie sich in eurer Wohnung zu heimisch fühlen, solltet ihr euch an die üblichen Hygienestandards und einen sauberen Umgang mit Abfallprodukten halten.

Fliegen sind wichtig in der Natur

Trotz eines gewissen „Ekelfaktors“ dieser Studie, sehen die Biologen auch ganz positive Nebenaspekte. Die Fliegen sind ganz natürliche Bioindikatoren. Durch ihre geringe Größe können die Fliegen in kleinste Risse und Spalten vordringen, die für Menschen nicht zugänglich sind. Anhand der speziellen Bakterienbeladung – der vorher keimfreien „Minidrohnen“ – könnten so versteckte Keimherde aufgespürt werden.

Auch wenn die Fliegen in dieser Studie etwas schlechter als Keimüberträger wegkommen, sind sie trotzdem ein sehr wichtiger Teil des Ökosystems. Sie bestäuben Pflanzen, ihre Larven leben von Faulstoffen, wie Aas oder Kot. Ohne derartige Helfer würden wir in den Großstädten im Hundekot ersticken! Sie helfen sogar dabei, in der Gerichtsmedizin Verbrechen aufzuklären. Und nicht zuletzt müssen wir auch darüber nachdenken, dass sie eine Proteinquelle gegen den Hunger in der Welt sein können – als Tierfutter sind sie sogar schon erschlossen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne

Literatur zum Lesen:

The Habitats Humans Provide: Factors affecting the diversity and composition of arthropods in houses: https://www.nature.com/articles/s41598-017-15584-2

The microbiomes of blowflies and houseflies as bacterial transmission reservoirs https://www.nature.com/articles/s41598-017-16353-x.pdf


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Kostenloser Fermentations- Onlinekongress 20.07.- 29.07.2018

Liebe Fermentierbegeisterte,

eine kurze Info möchte ich euch aus dem Urlaub schicken. Der kostenlose Fermentations-Onlinekongress findet vom 20.07. bis 29.7. mit über 30 Experten auf diesem Gebiet statt. Hintergründe, Rezepte und praktisches Know-how…

Warum Du teilnehmen solltest?

  • Erfahre mehr zum geschichtlichen Hintergrund von Fermenten,
  • Lerne, wie Du selbst leckere Fermente herstellen kannst,
  • Verstehe, wie fermentierte Lebensmittel sich auf unser Mikrobiom und unsere Verdauung auswirken können,
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Ihr könnt euch einfach über diesen Link Fermentationskongress anmelden und dabei sein.

Mein Video-Interview

läuft am 22.7. ganztägig zum Thema „Bakterien unsere kleinen alten Freunde“.

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Alle Infos findet ihr unter dem Link oder auch hier kurz zusammengefasst:

  • Kostenfreie Anmeldung mit Deiner E-Mail-Adresse.
  • Du erhälst dann jeden Tag ab dem 20.07. eine kurze E-Mail zum aktuellen Video-Programm des Tages.
  • während des Kongresszeitraumes vom 20.7.-30.7.2018 werden jeden Tag mehrere Expertenvideos kostenfrei zugänglich sein, die Du über Laptop, PC oder Handy anschauen kannst.

 

Noch Fragen 😀? Dann sehen wir uns …

Probiotische Grüße

Susanne


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Trickreiche Erreger – Wie Bakterien unseren Körper erobern

Ich freue mich, euch heute im Mikrobenzirkus einen Gastartikel meines Kollegen Dr. Andreas Fischer, Wissenschaftsredakteur am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, zu präsentieren.  Viel Spaß beim Lesen!

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Robert Koch – Deutscher Mediziner und Mikrobiologe (Quelle: Wikipedia Public Domain)

Viele Menschen setzen Bakterien mit gefährlichen Krankheiten wie Pest und Cholera gleich. Zu Zeiten des berühmten Mikrobiologen Robert Koch (1843-1910), der zum Beispiel den Erreger der Tuberkulose entdeckt hat, wurde den Bakterien noch der Kampf angesagt.

Mittlerweile wissen wir aber, dass die weitaus meisten Arten völlig harmlos sind und uns zum Teil sogar Hilfe leisten, etwa bei der Verdauung. Gefährliche Krankheitserreger sind unter den Bakterien dagegen die Ausnahme, und sie arbeiten mit cleveren Tricks, denn dank unseres ausgeklügelten Immunsystems ist es gar nicht so leicht, den menschlichen Körper zu infizieren: Es erkennt Eindringlinge sofort, beseitigt sie und kann sich später sogar an sie erinnern. Trotzdem finden manche Bakterienarten immer wieder ein Schlupfloch.

Die beste Waffe: Eine schnelle Vermehrung

Einige Bakterien bilden unter optimalen Bedingungen alle 15 Minuten eine neue Generation aus unzähligen Individuen. Diejenigen, die mit ihrer Umgebung – zum Beispiel unserem Körper – am besten klarkommen, vermehren sich auch am stärksten. So ist jede neue Generation ein kleines Bisschen besser anpasst als die vorherige. Der Karieserreger Streptococcus mutans treibt es in Sachen Anpassung ganz auf die Spitze: In seinem Wohnzimmer – der Zahntasche – tötet er andere Bakterienarten und nimmt deren Erbmaterial auf. Ganz nach dem Motto „Du bist, was du isst“ schluckt er so die Überlebenstricks seiner Konkurrenten und macht sie zu seinen eigenen.

Appetit auf ein Softeis?

Jeder kennt sie, aber niemand will sie: Salmonellen. Sie sitzen in Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch oder Softeis und animieren uns gern zu Dauerläufen Richtung Badezimmer. Im Laufe der Jahrmillionen haben Salmonellen ein filigranes Werkzeug entwickelt, das sie zu erfolgreichen Infizierern macht. Gelangen sie über das Essen in unseren Darm, bilden sie aus tausenden Molekülbausteinen winzige Spritzen aus, mit denen sie verschiedene Substanzen in die Darmzellen injizieren. Wie eine Droge veranlassen diese Substanzen die Darmzellen dazu, Dinge zu tun, die sie normalerweise nie tun würden: Sie nehmen die Salmonellen widerstandslos auf – Unternehmen Infektion geglückt.

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Eine Salmonelle (rot) bringt die Darmzelle dazu, sie mit ihrer Membran zu umschließen und aufzunehmen – hier in 20.000-facher Vergrößerung. Bild: HZI/Manfred Rohde

Kommt nun der Arzt mit einem Antibiotikum um die Ecke, räumen die meisten Salmonellen das Feld. Doch einige von ihnen machen es wie manche Menschen, wenn großer Stress droht: Sie schlafen ihn weg. Für Salmonellen bedeutet das, die Zellteilung runterzufahren und zu warten, bis das Antibiotikum durch ist. Viele Antibiotika töten nur sich teilende Bakterien, und so überdauern die Salmonellen mit dieser Strategie den Giftangriff als Schläferzellen.

Einfach wieder ausspucken

Bakterien der Gattungen Escherichia und Pseudomonas haben andere Tricks auf Lager, um sich vor Antibiotika zu schützen. In ihrer Außenhülle haben sie kleine Pumpen, mit denen sie Giftstoffe aus ihrem Innern befördern können. Das Darmbakterium Escherichia nutzt seine Pumpen eigentlich, um die giftigen Gallensalze des Darms zu beseitigen. Sonst könnten sie sich gar nicht erst dort ansiedeln. Mit Antibiotika machen sie genau das gleiche: Sie spucken sie sozusagen einfach wieder aus.

Der Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa hat neben den Minipumpen noch einen anderen Schutzmechanismus: Er bildet Biofilme. Das sind dichte Kolonien in einem Netzwerk aus Zucker, das die Bakterien selbst um sich herum aufbauen. So schützt sich Pseudomonas vor Angriffen des Immunsystems und kann sogar lange Antibiotika-Therapien überstehen.


Tarnung ist alles

Streptokokken haben ein ganzes Arsenal an Infektionstricks entwickelt: Sie verschanzen sich in Biofilmen, tragen Rüstungen aus Zucker und beseitigen sogar ihre Hinterlassenschaften. Der Scharlach-Erreger Streptococcus pyogenes greift sogar direkt ins Immunsystem ein: Wenn eine menschliche Zelle von ihm infiziert wurde, sendet sie einen Hilferuf in Form eines bestimmten Botenstoffes aus, der Abwehrzellen anrücken lässt. Die Streptokokken besitzen aber eine molekulare Schere, mit der sie den Hilferuf einfach zerstückeln und somit verstummen lassen. Ganz ähnlich machen es auch die allseits „beliebten“ Chlamydien. Sie bekommen beim Eindringen in eine menschliche Zelle eine Art Siegel angehängt, das sie als Müll kennzeichnet. Normalerweise werden sie dann einfach ausgesondert und aufgelöst. Aber auch sie besitzen eine ganz bestimmte Schere, mit der sie das Siegel wieder abschneiden und sich so vor der Müllabfuhr der Zelle verstecken.

Bakterien sind also ganz schön clever, wenn es darum geht, uns zu infizieren. Nur gut, dass die meisten von ihnen friedliche Absichten verfolgen.

Habt ihr Fragen oder Anregungen?

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Survival-Training für Keime in der Spülmaschine

Wenn wir unser Geschirr in die Spülmaschine stellen, gehen davon aus, dass es sauber wird. Geschirr und Bestecke werden von Speiseresten und von allerlei unerwünschten Anhängseln befreit und erstrahlen hoffentlich hinterher in neuem Glanz mit hygienischer Frische.

Eine nützliche Erfindung ist diese Maschine, für die die kluge Amerikanerin Josephine Cochrane im Jahre 1886 ein Patent für einen mit Wasserdruck arbeitenden Geschirrspüler eingereicht hatte. Sie gilt als Erfinderin des Geschirrspülers. Die erste Geschirrspülmaschine wurde übrigens auf der Weltausstellung 1893 in Chicago präsentiert. Seitdem sparen wir Zeit beim Geschirrspülen ‑ verbrauchen wohl auch viel mehr Geschirr.

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Ganz so zuverlässig funktioniert das aber nicht mit der Hygiene, wie Mikrobiologen seit einigen Jahren wissen. In einem Durchschnittshaushalt bildet die Küche immer einen besonderen Hotspot für Keime ‑ allein schon deshalb weil hier viele Lebensmittel verarbeitet werden und mit Wasserquellen auch eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Der Spüllappen, das Schneidebrett oder der Kühlschrank sind bekannte Keimparadiese. Die Überlebenskünstler unter den Mikroben machen es sich dabei gerade in der Spülmaschine gemütlich, wie eine Studie im Fachjournal Applied and Environmental Microbiology zeigt. Bei dem Survivaltraining muss ein Keim rotierende Spritzdüsen, die alkalische Spüllauge versprühen, hohe PH-Werte der lauge, fettlösende Tenside , eventuelle im Spülmittel enthaltende stärke- und eiweißspaltende Enzyme sowie Temperaturen zwischen 30- 70 Grad Celsius aushalten – das ist nur etwas für die fittesten.

Schwarzer Hefepilz in jedem dritten Gerät

Wissenschaftler um Prem Krishnan Raghupathi von der Universität Kopenhagen untersuchten, welche Lebewesen den unwirtlichsten Bedingungen im Haushalt widerstehen können. Dazu untersuchten sie Proben aus 24 Spülmaschinen. Bislang wusste man zwar, dass Pilze in Spülmaschinen leben – die bakteriellen Bewohner waren aber noch gänzlich unbekannt.

Entdeckt wurden am Tatort Spülmschaschine einige Verdächtige: u.a. die sehr robusten Bakterien der Gattungen Pseudomonas, Escherichia und Acinetobacter. Diese Bakterien sind zwar überwiegend harmlos – können aber bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auch gefährlich werden.

Bei neueren Spülmaschinen bildete der Hefepilz Candida erste Kolonien und erobert das Terrain. Dann gesellen sich gern die Hefegattungen Cryptococcus und Rhodotorula dazu, die bei einer Immunschwäche ein pilzliche Infektion im Blut auslösen können.
In den Maschine konnten die Forscher auch die pathogenen Pilze Exophiala und Aureobasidium aufspüren.
Exophalia dermatitidis – kann wie der Name schon verrät- unter anderem auch Hauterkrankungen verursachen. 2011 hatte ein Team aus Slowenien, China und den Niederlanden den schwarzen Hefepilz in jeder dritten der weltweit untersuchten 189 Spülmaschinen gefunden. Uns Menschen besiedelt der Pilz selten. Im Gegensatz zu anderen Keimen würde er sich auch nicht auf Porzellan festsetzen, beruhigen die Wissenschaftler. Trotzdem ist er nicht ganz ungefährlich, da er mit der Atemluft in den Körper eindringen könne, wenn die Maschine nach dem Spülgang zu früh geöffnet wird und wir den heißen Dampf einatmen.

Ein Sofa für Mikroben

Diese ganze Gesellschaft aus Pilzen und Bakterien macht es sich besonders gern auf den Gummidichtungen gemütlich – das sind sozusagen die Sofalandschaften für Bazille & Co. Sie bilden gemischte Biofilme aus, die den Mikroben Schutz gegen harsche Umwelteinflüsse bieten. In den Biofilmen dominierten die Baketrien der Gattungen Gordonoia, Micrococcus und Exiguobacterium – die letzteren gehörten zu jenen Bakterien, die auch im sibirischen Permafrost überleben können. Weiterhin fanden sich Stämme wie Meiothermus, die sich dank spezifischer Organellen leicht an Oberflächen anheften können und kurzzeitig sogar bis zu 70 Grad Celsius tolerieren.

CSI Spülmaschine: Menschliches Mikrobenprofil im Spüler  

Wenig überraschend fanden sich in den Spülmaschinen außerdem auch Bakterien, die typischerweise die Haut oder den Darm des Menschen besiedeln, wie Staphylokokken, Streptokokken und Enterokokken. Bislang konnten die Forscher sie aber noch nicht unter so extremen Bedingungen nachweisen.

„Die Fülle der Bakterien im Inneren (der Spülmaschinen) spiegelt das Mikrobenprofil der menschlichen Bewohner.“  (Autoren der Studie)

Weitere Einflüsse die einen Einfluss haben, sind das Alter der Maschine, die Häufigkeit des Gebrauchs, Reinigungsmittel und Wasser. Bei hartem Wasser entwickelt sich in den Biofilmen zum Beispiel eine größere Pilzvielfalt.

Inwieweit die Keime in Spülmaschinen nun wirklich eine Quelle von Krankheiten sein können, können und wollen die Forscher noch nicht abschließend beurteilen. Mit den in der Studie genutzten Methoden konnten die spezifischen Mikroorganismen nicht hinreichend genau bestimmt werden. Zudem unterscheiden die Tests nicht zwischen toten und lebenden Zellen und Sporen – also den Überdauerungsformen der Bakterien.

Tipps zur Pflege der Spülmaschine und Waschmaschine

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 Die Forscher empfehlen aber:

  1. Nach einem Spülgang zu warten, bis sich die Luft in der Maschine abgekühlt hat, damit sich etwaige Erreger nicht mit dem Dampf im Raum verteilen können.
  2. Gummidichtungen, Filter, und den Sprüharm regelmäßig zu reinigen, bei mindestens 60 Grad Celsius spülen und bleichmittelhaltige Geschirrreiniger zu verwenden.

 

Für Waschmaschinen gilt das übrigens ebenso

Sie taugen bei niedrigen Temperaturen nicht als Sterilisatoren. Werden ein neues Baumwoll-T-Shirt gemeinsam mit der getragener Kleidung gewaschen, so verteilen sich alten und neue Bakterien einfach gleichmäßig über alle Wäschestücke – das stellte eine kleine Untersuchung in belgischen Haushalten fest. Zudem mixen sie sich auch noch mit jenen im einströmenden Wasser und der waschmaschineneigenen Mikroben-WG.

  • Die Survival –Spezialisten haben erst ab 60 Grad und bei bleichhaltigen Waschmittel keine Chance mehr.

 

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Studien:

Accepted manuscript posted online 12 January 2018, doi: 10.1128/AEM.02755-17 Appl. Environ. Microbiol. March 2018 vol. 84 no. 5 e02755-17 http://aem.asm.org/content/84/5/e02755-17

Zalar, P., Novak, M., de Hoog, G., & Gunde-Cimerman, N. (2011). Dishwashers – A man-made ecological niche accommodating human opportunistic fungal pathogens Fungal Biology DOI: 10.1016/j.funbio.2011.04.007

Belgische Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1878614614001603

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Mein neues Sachbuch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – ab 14.1.2019

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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke Wie MIkroben unseren Alltag bestimmen Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner (Randomhouse, Autorin: Susanne Thiele, Erscheinungstermin 14.1.2019)

Es gibt Neuigkeiten aus dem Autorenleben! Mit der Verlagsankündigung bei Randomhouse ist es nun offiziell: Am 14.1. 2019 kommt mein neues Sachbuch heraus – an dem ich gerade noch fleißig einige Kapitel schreibe.

Es geht natürlich um Mikroben – in unserem Alltag und in unserer nächsten Umgebung. Wer meinem Blog schon länger folgt, hat ab und zu diesen Themen schon etwas gelesen.

Zum Inhalt:

Schöner wohnen mit Mikroben

Wir können sie nicht sehen und doch leben wir mit Milliarden von ihnen zusammen: Mikroben. Sie bevölkern unser Bad, richten es sich kuschelig in unserem Schlafzimmer ein und lassen es sich in unserer Küche schmecken. Wie wir Bakterien, Viren und Pilze erfolgreich in Schach halten und welche uns und unserer Gesundheit sogar nützen, erzählt die Mikrobiologin Susanne Thiele so fundiert wie unterhaltsam.
Mit vielen nützlichen Tipps für die richtige Hygiene im Alltag.

Susanne Thiele (Autorin)

Susanne Thiele, geboren 1970, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«.

Alle Infos auf der Verlagsseite:
Randomhouse: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke

Mikrobiologische Grüße

Susanne

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Mikroben, Fermente, neue Buchprojekte – Rückblick 2017

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Happy New Year! (Pixabay)

Liebe Mikrobenfreunde…das Jahr ist fast zu Ende und es wird Zeit für den Jahresrückblick 2017 auf all das Geschriebene im Mikrobenzirkus-Blog.

Zuallererst aber ein herzliches Dankeschön an alle, die mir seit 2014 die Treue halten und auch an alle, die neu dazugekommen sind.

Der Mikrobenzirkus wächst und gedeiht fröhlich weiter. In diesem Jahr hatte ich unglaubliche 37.500 Aufrufe und 24.000 Besucher. (Im Vergleich dazu im Vorjahr 2017: 11.000 Aufrufe und rund 7.400 Besucher).

Die Zeit war auch 2017 wieder sehr knapp, da ich den Blog nebenberuflich betreibe und wieder ein Sachbuch schreibe. So gibt es meist zwei – drei größere Beiträge im Monat. Trotzdem ist die Artikelzahl wieder etwas angestiegen. In diesem Jahr gab es 36 Artikel, also ganze 10 mehr als 2017 :-)! Ein kleines Ranking für euch:

  • Die besten Artikel des Jahres 2017 sind:

Platz 1:  Männergrippe ist kein Märchen (810 Aufrufe)

Platz 2: Migräne sind Bakterien schuld? (443 Aufrufe)

Platz 3: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarium – färbt Seen und Flamingos pink (373 Aufrufe)

  • Die best-geklickten Beiträge des Blogs insgesamt sind:

Platz 1:  Alles Käse: Wie kommen die Löcher in den Käse? (2477 Aufrufe)

Platz 2: Ist meine Katze eine Keimschleuder (1463 Aufrufe)

Platz 3: Deutschland blubbert- Neuer Foodtrend Fermentation (1374 Aufrufe)

Platz 4: Warum Adele und Prinz Harry jetzt weniger duschen – Cleansing Reduction (1371 Aufrufe)

  • Neue Themen:

Im letzten Jahr habe ich im Blog auch ein neues Thema gestartet – die Fermentation: Es geht in dieser Kategorie ganz praktisch um das Selbermachen von Sauerkraut & Kimchi, Joghurt, fermentierten Getränken (Kefir & Kombucha) oder auch Brotbacken mit Sauerteig. Wer selber fermentiert, verliert schnell seine Ängste vor Bazille, Pilz & Co.

Ihr begleitet mich sozusagen dabei, wie ich die Rezepte selber ausprobiere und könnt dann selbst experimentieren. Die Rezepte findet ihr im Blog in der Kategorie Gesunde Rezepte. Für Eure Fragen stehe ich immer gern bereit.

Auch neu ist meine Mikrobenzirkus-Community auf Instagram mit aktuell 933 mikrobenbegeisterten Followern. Dort gibt es täglich kleine Wissenshäppchen und viele schöne Fotos. Auch bei Facebook und Twitter könnt ihr mir natürlich folgen.

  • Mit dem Mikrobenzirkus on Tour war ich im letzten Jahr in:

Leipzig: Mit den „Blogs for Science“ zum Science March Germany

IMG_4596Amsterdam: Micropia – Besuch im Mikrobenzoo

Italien (Ligurien): Triora – Von Hexen und ligurischen Spezialitäten

Das Format wird es natürlich auch im nächsten Jahr geben, wenn ich unterwegs über Ideen und Geschichten stolpere.

  • Neue Netzwerke

Der Mikrobenzirkus wird auch zunehmend auf anderen Portalen verlinkt. Besonders freue ich mich über die Verlinkung oder Blogbeiträge von mir:

 

  • Neue Buchprojekte:

Wie ihr wahrscheinlich wisst, schreibe ich neben dem Bloggen auch noch Sachbücher: das Jahr war auch in dieser Hinsicht sehr aufregend.

AutorenduoIm März war ich auf der Leipziger Buchmesse und haben hier wieder an der Leipziger Autorenrunde teilgenommen. Ein sehr empfehlenswertes Netzwerk: Mehr dazu in meinem Artikel dazu.

csm_9783832164157_8d1e0a4165Im April 2017 ist auch unser Sachbuch endlich als Taschenbuch in Deutschland im Dumont Sachbuch-Verlag erschienen. Rezensionsexemplare bekommt ihr über den Verlag.

Im August 2017 habe ich außerdem einen neuen Buchvertrag unterschrieben:  für ein Sachbuch, in dem sich natürlich auch alles um Mikroben dreht, Es kommt Anfang 2019 auf den Markt und ich bin fleißig am Recherchieren und Schreiben.

  • Dankeschööön!

Auch in diesem Jahr möchte ich mich besonders für eure positiven und oft sehr persönlichen und motivierenden Kommentare bedanken und die vielen Fragen, die mich erreichen. Ich freue mich immer ganz besonders über so viel Interesse am eigentlich unsichtbaren Mikrokosmos. Besonders meine Instagram-Truppe ist da sehr schnell und interaktiv.

Zum Schluss auch wieder die Frage an euch: Worüber möchtet ihr 2018 im Blog lesen? Welche Themen interessieren euch besonders?

Ich freue mich auf ein neues Jahr 2018 gemeinsam mit euch mit neuen Projekten und Geistesblitzen  :-)!

Also rutscht gut! Ich wünsche euch ein wundervolles 2018!

Mikrobiologische Grüße

Eure Susanne

 


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Micropia: Besuch im Mikrobenzoo in Amsterdam

MicropiaZwei Jahre ist es schon her, dass ich hier im Blog über Micropia ‑ den ersten Mikrobenzoo ‑ in Amsterdam berichtet habe. Ende Mai 2017 hatte ich nun endlich Gelegenheit, mir dieses Eldorado für Mikrobiologen selbst vor Ort anzuschauen: sozusagen ein Recherchetermin mit Familie mit zwei Teenagern (18 und 15 Jahre) für den Mikrobenzirkus in Amsterdam.

Micropia ist eine kleine aber feine Untereinheit des Stadtzoos Artis mitten in Amsterdam. Vom Bahnhof Amsterdam Centraal ist der Zoo ganz einfach mit der Tramlinie 9 zu erreichen ‑ wunderschön gelegen im Stadtteil Plantage.

Wir werden empfangen von freundlichen Besucher-Guides in weißen Laborkitteln, die uns die Tour durch das Museum und ein paar Kindern eine Art Stempel-Rally erklären. Dann geht es schon ab in den Fahrstuhl zur ersten Ebene des Museums. Dieser Einstieg durch eine Schleuse in den Mikrokosmos ist sehr gut gemacht. An der Decke des Fahrstuhls sehen wir uns auf einer Videowall zuerst selbst in voller Größe. Dann zoomt das Kamerabild über unseren Köpfen an das Auge eines Besuchers im Lift heran und zeigt uns die Mikroorganismen, die für gewöhnlich auf unseren Wimpern leben. Guter Effekt!

Aufwändige multimediale Exponate

Micropia ist wirklich ein einzigartiges und sehr aufwändiges Museum. Das Sehen und das Erleben der Mikroorganismen stehen für das Publikum im Mittelpunkt.

 

Sehr aufwändig inszeniert sind die meisten Exponate mit lebenden Mikroorganismen z. B. Bakterien oder Algen in großen Kolben, die regelmäßig erneuert werden müssen. Gleichzeitig kann man selbst Mikroskopieren und über einen Touchscreen den Mikroskop-Ausschnitt sehen. Je nach Interessenstiefe können wir die mediale Erweiterung der Exponate durchforsten, die mittels Filmen, Bildern und Texten Einblick in das Aussehen, Verhalten und die vielfältigen Beziehungen der Kleinstlebewesen zum Menschen gibt. Das funktioniert auch prima für die Eltern mit jüngeren Kindern neben uns.

Die Einzigartigkeit von Micropia liegt in der Mischung lebender und virtueller Mikroben. Die dramatischen Größenunterschiede zwischen den verschiedensten Kleinstlebewesen kann man auf einer fast 10 x 5 Meter großen, reaktiven Monitorwand erkennen, auf der die Mikroben wie in einem Aquarium schweben. In dem interaktiven Panorama mit extremophilen Mikroorganismen erleben wir Mikroben an Orten, die extreme Lebensbedingungen wie hohe Radioaktivität oder Kälte mit sich bringen. Die virtuellen Mikroorganismen schweben dank einer speziellen Projektionstechnik vor dynamischen 3D-Landschaften. Faszinierend!

Im Fokus: Positive Beziehung zwischen Mikroben und Menschen

Uns selbst und unseren Mikroben begegnen wir in der Ausstellung immer wieder. Am überraschendsten ist für die meisten Besucher in der Ausstellung der „Mikroben-Scan“ des eigenen Körpers, bei der sie interaktiv ihren Körper erforschen können. Ich trete sozusagen meinem virtuellen Ich gegenüber und kann die durchschnittliche Masse von zwei Kilogramm an Mikroben erforschen, die an und auf mir an unterschiedlichen Stellen meines Körpers leben. Die Technologie, die hierbei zum Einsatz kommt, ist ein hochentwickeltes Körpertracking.

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Körper-Scan auf Mikroben (S. Thiele)

 

Neben den Mikroben stehen immer wieder wir selbst im Zentrum der Ausstellung – und das auf mehreren Ebenen: als Betrachter, als interaktiv Handelnde und Forschende, und als Objekte, die es selbst zu erforschen gilt.

Sei es das „Kiss-o-meter“, bei dem wir erfahren, dass wir gerade 1 Million Bakterien und 100 verschiedene Typen ausgetauscht haben ;-). Oder eine beeindruckende Sammlung unterschiedlicher Kotsorten und Bakterien, die unseren Darm bewohnen.

Sehr beeindruckt hat mich persönlich eine ganze Wand voller Petrischalen mit Mikroben: Sie zeigt eine Vielzahl von, in unserem Haushalt mit uns lebenden, kleinen Nachbarn: Bakterien aus dem Teppich, vom Handy oder der Zahnbürste usw.

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Bakterien und Pilze, die mit uns im Haus leben (S. Thiele)

 

Mikroben im Kreislauf des Lebens

Bakterien und Pilze werden dringend gebraucht, damit der Kreislauf des Lebens funktioniert. Das wird in der Ausstellung extrem deutlich gemacht mit einem Exponat einer verwesenden Giraffe.  Aber auch vor Lebensmitteln machen die Mikroorganismen nicht halt.

 

Fazit:

Nicht nur mir als Mikrobiologin sondern auch meiner Familie hat diese Ausstellung sehr gefallen. Das Museum erscheint auf den ersten Blick nicht sehr groß – bietet aber für verschiedene Altersklassen ab ca. 10 Jahren eine Fülle an Informationen und interaktiven Möglichkeiten, sich spielerisch Wissen zu erarbeiten.  Die Exponate sind sehr gut gemacht und pflegeaufwändig. Wissenschaftler sind ständig in der Ausstellung und kontrollieren Kulturen oder stehen für Fragen zur Verfügung.

Der Mikrokosmos bleibt nicht nur beschränkt auf Bakterien, Viren Pilze oder Phagen. Auch Algen, Ameisen oder kleine Käfer finden hier noch Platz.

Ausstellungsdesign und Multimedia

Die Ausstellung wurde vom niederländischen Ausstellungsdesignbüro Kossmann.dejong in enger Zusammenarbeit mit ART+COM Studios gestaltet. Während Kossmann.dejong für die Gesamtkonzeption des Ausstellungsdesigns und Szenografie verantwortlich war, arbeitete ART+COM in erster Linie an der Konzeption, Gestaltung und Entwicklung der medialen Exponate – von den ersten Skizzen zum Interaktionsdesign bis hin zur Programmierung und zum Hardwaredesign.

Unbedingt Probieren!

Das Café-Restaurant „De Plantage“ gleich neben Micropia ist ein echter Insider-Tipp. Es ist ein gemütliches und nostalgisches Gartenrestaurant am Artis-Zoo mit einer schönen Sonnenterasse. Gegenüber kann man Flamingos und Störche beobachten.

Meine Empfehlung: Tartines (geroosterd desembrood) Crème van Hollandse geitenkaas (Ziegenkäse) met gegrilde honingpeer (Honigbirne), rucola an hazelnoot. LEKKER!

Mikrobiologische Grüße aus Amsterdam

Susanne

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Weltbuchtag 2017: Sachbuchverlosung für Biologiebegeisterte #bloggerschenkenlesefreude

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Buchverlosung zum Welttag des Buches 2017 (Quelle: Thiele)

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Heute am 23. April feiern alle Lesebegeisterten den „Welttag des Buches“. Buchhandlungen und Verlage öffnen die Türen, Blogger und Autoren starten viele Aktionen rund um dieses Lesefest.

Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

Buchverlosung im Mikrobenzirkus

Für alle Sachbuchfans und Biologiebegeisterten gibt es in diesem Jahr hier im Blog erstmals eine Buchverlosung. Damit nehme ich gleichzeitig an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teil.

Ich verlose 2 Exemplare unseres Sachbuches „Sex macht Spass, aber viel Mühe“ – Eine Entdeckungsreise zur schönsten Sache der Welt (erschienen 2014 im Orell Füssli Verlag) entstanden in der eigenen Textwerkstatt unseres Autorenteams gemeinsam mit Steffen Münzberg und Vladimir Kochergin. Für die Mikroben-Fans unter euch gibt es natürlich auch einige interessante Kapitel darin.

Klappentext:

Warum gibt es eigentlich Männchen und Weibchen? Warum vermehren sich Blattläuse jungfräulich, Elefanten aber nicht? Warum haben wir Menschen überhaupt Sex? Warum gibt es Geschlechter? Wäre es vielleicht besser, wir würden uns auch mit geschlechtsloser Vermehrung begnügen? Viele Lebewesen fahren damit ganz ausgezeichnet. Zumindest legt dies die Scheidungsrate bei Schimmelpilzen nahe. Die Autoren erklären kurzweilig, warum die meisten von uns keine Zwitter sind und zeigen, was Frauen und Männer aneinander schön finden. Sie erfahren, warum uns Sex musikalisch gemacht hat und wie unsere behaarten Primatenkollegen, die Gorillas und Bonobos, flirten und ihre Beziehungen pflegen. Waren wir Menschen schon immer monogam? Was bestimmt wer wir sind und wen wir lieben? Diese Fragen beantwortet dieses humorvolle Aufklärungsbuch.

Zum Reinlesen auf Amazon

Konditionen zum Mitmachen:

  1. Einfach einen kurzen Kommentar schicken, warum Du Dich für das Buch interessierst.
  2. Bewerbungsschluss ist 29.4. 2017. Dann werden unter allen Interessierten zwei Gewinner verlost und hier bekannt gegeben.

Viel Glück!

Susanne

Nachtrag 29.4.2017: Bekanntgabe der Gewinner der Sachbuchverlosung.

Das Los hat entschieden. Die beiden Gewinner sind Christian vom Paleo-Blog und Heike Baller. Herzlichen Glückwunsch! Ich schreibe euch nochmal über die Email-Adressen für den Postversand der Bücher.

Viele Grüße

Susanne

 


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Marsch für Wissenschaft 22. April 2017 – Blogger for Science

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Blogger erheben die Hände gegen Faktenfeindlichkeit und rufen auf zum „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts. (Logo: Julia Uraji mit freepix.com)

Hashtag: #BlogsforScience

Der „Marsch für Wissenschaft“ am 22. April 2017 geht uns alle an:

In den USA ist die Idee eines „march for science“ entstanden, der am 22. April stattfinden soll. Auch in Deutschland wird in 20 Städten (Berlin, Bonn/Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart, Tübingen) wie auch in Österreich (Wien) demonstriert werden. Die Demonstration wird von vielen Wissenschaftsorganisationen, wie zum Beispiel der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Leibniz-Gemeinschaft unterstützt.

Demonstriert wird für eine Gesellschaft, in der Fakten die Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, nicht nur als Meinungen angesehen werden. Es geht gegen „alternative Fakten“, „Fake News“ und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation.

Die gleichen Ziele verfolgt die Blogger-Gemeinschaftsaktion „Blogger for Science&Facts“, die von „Wissenschaft kommuniziert“ initiiert wurde.  „Wissenschaft kommuniziert“ und Mikrobenzirkus rufen alle an Demokratie Interessierten auf, sich zu beteiligen.

„Auch für mich sind wissenschaftliche Fakten Basis meiner Arbeit – ob im Wissenschaftsblog Mikrobenzirkus oder im täglichen Job in der Wissenschaftskommunikation einer Forschungseinrichtung im Dialog mit der Öffentlichkeit.“

Die bisher teilnehmenden Blogs findet ihr hier.

Wichtige Links:

 

In Braunschweig findet leider kein eigener Marsch statt. So werden die meisten Interessierten die Demo in Berlin unterstützen.

Also macht auf die Aktionen aufmerksam und nehmt selbst teil!

Bloggergrüße

Susanne

 

 


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Rudolphs rote Nase mikrobiologisch erklärt – Merry Xmas!

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„Rudolph, the red-nosed reindeer had a very shiny nose. And if you ever saw it, you would even say it glows.“

Jedes Kind kennt „Rudolph“, das Rentier mit der roten Nase, aus dem Weihnachtslied, das Mitte des vergangenen Jahrhunderts populär wurde. Auch Bilderbücher machten es bekannt. Als rechte Hand des Weihnachtsmanns hilft es in jedem Jahr beim Geschenke austragen. Das fliegende Rentier zieht den schweren Santa-Claus- Schlitten an der Spitze. Dafür ist es bestens ausgerüstet mit einer anatomischen Besonderheit ­- einer glühend roten Nase. Damit findet es unbeirrbar den Weg durch Nacht und dichten Nebel.
Regelmäßig versuchen Forscher sich in der Weihnachtszeit an wissenschaftlichen Erklärungen für Rudolphs rote Leuchte. Was lässt die Nase so rot erstrahlen?

Rentier mit heißer Nase

Wissenschaftler aus Norwegen und den Niederlanden hatten eine Studie in der Weihnachtsausgabe 2012 der renommierten Medizin-Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht. Bei einem Vergleich von Nasen von Rentieren und gesunden Menschen stellten sie fest, dass Rentiernase ein Viertel mehr Blutäderchen haben als menschliche Riechorgane. Damit enthalten die Nasen von Rentieren auch eine besonders große Menge an roten Blutkörperchen, die Sauerstoff transportieren können und den Tieren helfen, ihre Körpertemperatur zu kontrollieren.

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Wärmeinfrarotbilder zeigen die rote Nase des Rentiers (Quelle: BMJ)

Fazit der Forscher: Rudolphs Nase ist also rot, weil sie besonders viele rote Blutkörperchen enthält und gut durchblutet ist. Dank des dichten Netzes an roten Blutkörperchen ist das Rentier „anatomisch und physiologisch“ geeignet, seinen Aufgaben als fliegender Begleiter des Weihnachtsmannes nachzukommen.
Zudem hätten Rentiere eine höhere Dichte von Schleimdrüsen in ihrem Riechorgan, die bei wechselnden Wetterbedingungen und extremen Temperaturen für ein „optimales Nasenklima“ sorgen und das Organ schützen würden. Wärmeinfrarotbilder zeigten, dass Rentiere tatsächlich rote Nasen haben. Eines tun Rentiere niemals – frieren. Dafür sind aber nicht nur rote Nasen sondern auch ihr Fell und ihre Hufe verantwortlich.

 

Rudolph mit Naseninfektion?

Vielleicht hat Rudolph auch nur Schnupfen oder ein Infektion? Im Jahre 1986 hatte der norwegische Biologe Odd Halvorsen dazu eine Erklärung im Fachjournal „Parasitology Today“ veröffentlicht. Er führte die rote Nase einfach auf Parasitenbefall zurück. Wie auch andere Wiederkäuer wird das Rentier von vielen Parasiten geplagt, darunter auch Stechmücken, Zungenwürmer oder Fliegenlarven. In den Nasenhöhlen von Rentieren gäbe es ein spezielles Nasenmikrobiom, über zwanzig einzigartige Mikroben, die im Ausnahmefall die Färbung verursachen könnten.

Oder biolumineszentes Rentier?

Wenn man Rudolphs rotes Riechorgan zum Schluss mikrobiologisch „beleuchtet“, sollte man ein eine bekanntes Phänomen, welches schon für den Tintenfisch aus Hawai (Euprymna scolopes) beschrieben wurde,  nicht außer Acht lassen. Sein Körper enthält das Leuchtorgan, einen Sack angefüllt mit biolumineszenten Bakterien (Vibrio fischeri). Diese symbiontische Beziehung bietet für die Bakterien ausgezeichnete Bedingungen, um sich zu vermehren. Wenn diese eine ausreichende Anzahl erreicht haben, beginnen sie zu leuchten. Den Prozess, durch den die Bakterien wissen, dass sie genug Mikroorganismen sind, bezeichnet man als quorum sensing. Die Bakterien „sprechen“ sozusagen miteinander indem sie besondere chemische Moleküle produzieren. Mehr Bakterien produzieren dementsprechend mehr davon – bis ein bestimmter Level erreicht ist, dann agieren die Bakterien zusammen.
Im Fall des Tintenfischs wird Licht produziert. Die langarmigen Räuber spüren mit der eingebauten Taschenlampe ihre Beute auf. Gleichzeitig tarnt das Licht die nächtlichen Jäger. Denn im hellem Mond- oder Sternenlicht verhindert es, dass der Tintenfisch einen Schatten wirft und dadurch für Fressfeinde sichtbar wird. Ganz praktisch!

„Then one foggy Christmas Eve, Santa came to say, Rudolph with your nose so bright, won’t you guide my sleigh tonight?“

Könnte der Grund für die leuchtend-rote Nase nicht also auch eine symbiontische Beziehung mit dem Bakterium (Vibrio rudolphii) sein, welche das Riechorgan mit seinem besonderen Nasenklima kolonisiert und durch quorum sensing am Heiligabend zum Leuchten bringt? Sollte man mal drüber nachdenken :-)…

Fröhliche Weihnachten! Merry Christmas!

 

Quellen:

Why Rudolph’s nose is red: observational study BMJ 2012; 345 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e8311 (Published 17 December 2012) Cite this as: BMJ 2012;345:e8311, http://www.bmj.com/content/bmj/345/bmj.e8311.full.pdf

Epidemiology of reindeer parasites. Halvorsen Odd. Parasitol Today. 1986 Dec;2(12):334-9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15462756