Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Trickreiche Erreger – Wie Bakterien unseren Körper erobern

Ich freue mich, euch heute im Mikrobenzirkus einen Gastartikel meines Kollegen Dr. Andreas Fischer, Wissenschaftsredakteur am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, zu präsentieren.  Viel Spaß beim Lesen!

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Robert Koch – Deutscher Mediziner und Mikrobiologe (Quelle: Wikipedia Public Domain)

Viele Menschen setzen Bakterien mit gefährlichen Krankheiten wie Pest und Cholera gleich. Zu Zeiten des berühmten Mikrobiologen Robert Koch (1843-1910), der zum Beispiel den Erreger der Tuberkulose entdeckt hat, wurde den Bakterien noch der Kampf angesagt.

Mittlerweile wissen wir aber, dass die weitaus meisten Arten völlig harmlos sind und uns zum Teil sogar Hilfe leisten, etwa bei der Verdauung. Gefährliche Krankheitserreger sind unter den Bakterien dagegen die Ausnahme, und sie arbeiten mit cleveren Tricks, denn dank unseres ausgeklügelten Immunsystems ist es gar nicht so leicht, den menschlichen Körper zu infizieren: Es erkennt Eindringlinge sofort, beseitigt sie und kann sich später sogar an sie erinnern. Trotzdem finden manche Bakterienarten immer wieder ein Schlupfloch.

Die beste Waffe: Eine schnelle Vermehrung

Einige Bakterien bilden unter optimalen Bedingungen alle 15 Minuten eine neue Generation aus unzähligen Individuen. Diejenigen, die mit ihrer Umgebung – zum Beispiel unserem Körper – am besten klarkommen, vermehren sich auch am stärksten. So ist jede neue Generation ein kleines Bisschen besser anpasst als die vorherige. Der Karieserreger Streptococcus mutans treibt es in Sachen Anpassung ganz auf die Spitze: In seinem Wohnzimmer – der Zahntasche – tötet er andere Bakterienarten und nimmt deren Erbmaterial auf. Ganz nach dem Motto „Du bist, was du isst“ schluckt er so die Überlebenstricks seiner Konkurrenten und macht sie zu seinen eigenen.

Appetit auf ein Softeis?

Jeder kennt sie, aber niemand will sie: Salmonellen. Sie sitzen in Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch oder Softeis und animieren uns gern zu Dauerläufen Richtung Badezimmer. Im Laufe der Jahrmillionen haben Salmonellen ein filigranes Werkzeug entwickelt, das sie zu erfolgreichen Infizierern macht. Gelangen sie über das Essen in unseren Darm, bilden sie aus tausenden Molekülbausteinen winzige Spritzen aus, mit denen sie verschiedene Substanzen in die Darmzellen injizieren. Wie eine Droge veranlassen diese Substanzen die Darmzellen dazu, Dinge zu tun, die sie normalerweise nie tun würden: Sie nehmen die Salmonellen widerstandslos auf – Unternehmen Infektion geglückt.

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Eine Salmonelle (rot) bringt die Darmzelle dazu, sie mit ihrer Membran zu umschließen und aufzunehmen – hier in 20.000-facher Vergrößerung. Bild: HZI/Manfred Rohde

Kommt nun der Arzt mit einem Antibiotikum um die Ecke, räumen die meisten Salmonellen das Feld. Doch einige von ihnen machen es wie manche Menschen, wenn großer Stress droht: Sie schlafen ihn weg. Für Salmonellen bedeutet das, die Zellteilung runterzufahren und zu warten, bis das Antibiotikum durch ist. Viele Antibiotika töten nur sich teilende Bakterien, und so überdauern die Salmonellen mit dieser Strategie den Giftangriff als Schläferzellen.

Einfach wieder ausspucken

Bakterien der Gattungen Escherichia und Pseudomonas haben andere Tricks auf Lager, um sich vor Antibiotika zu schützen. In ihrer Außenhülle haben sie kleine Pumpen, mit denen sie Giftstoffe aus ihrem Innern befördern können. Das Darmbakterium Escherichia nutzt seine Pumpen eigentlich, um die giftigen Gallensalze des Darms zu beseitigen. Sonst könnten sie sich gar nicht erst dort ansiedeln. Mit Antibiotika machen sie genau das gleiche: Sie spucken sie sozusagen einfach wieder aus.

Der Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa hat neben den Minipumpen noch einen anderen Schutzmechanismus: Er bildet Biofilme. Das sind dichte Kolonien in einem Netzwerk aus Zucker, das die Bakterien selbst um sich herum aufbauen. So schützt sich Pseudomonas vor Angriffen des Immunsystems und kann sogar lange Antibiotika-Therapien überstehen.


Tarnung ist alles

Streptokokken haben ein ganzes Arsenal an Infektionstricks entwickelt: Sie verschanzen sich in Biofilmen, tragen Rüstungen aus Zucker und beseitigen sogar ihre Hinterlassenschaften. Der Scharlach-Erreger Streptococcus pyogenes greift sogar direkt ins Immunsystem ein: Wenn eine menschliche Zelle von ihm infiziert wurde, sendet sie einen Hilferuf in Form eines bestimmten Botenstoffes aus, der Abwehrzellen anrücken lässt. Die Streptokokken besitzen aber eine molekulare Schere, mit der sie den Hilferuf einfach zerstückeln und somit verstummen lassen. Ganz ähnlich machen es auch die allseits „beliebten“ Chlamydien. Sie bekommen beim Eindringen in eine menschliche Zelle eine Art Siegel angehängt, das sie als Müll kennzeichnet. Normalerweise werden sie dann einfach ausgesondert und aufgelöst. Aber auch sie besitzen eine ganz bestimmte Schere, mit der sie das Siegel wieder abschneiden und sich so vor der Müllabfuhr der Zelle verstecken.

Bakterien sind also ganz schön clever, wenn es darum geht, uns zu infizieren. Nur gut, dass die meisten von ihnen friedliche Absichten verfolgen.

Habt ihr Fragen oder Anregungen?

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Survival-Training für Keime in der Spülmaschine

Wenn wir unser Geschirr in die Spülmaschine stellen, gehen davon aus, dass es sauber wird. Geschirr und Bestecke werden von Speiseresten und von allerlei unerwünschten Anhängseln befreit und erstrahlen hoffentlich hinterher in neuem Glanz mit hygienischer Frische.

Eine nützliche Erfindung ist diese Maschine, für die die kluge Amerikanerin Josephine Cochrane im Jahre 1886 ein Patent für einen mit Wasserdruck arbeitenden Geschirrspüler eingereicht hatte. Sie gilt als Erfinderin des Geschirrspülers. Die erste Geschirrspülmaschine wurde übrigens auf der Weltausstellung 1893 in Chicago präsentiert. Seitdem sparen wir Zeit beim Geschirrspülen ‑ verbrauchen wohl auch viel mehr Geschirr.

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Ganz so zuverlässig funktioniert das aber nicht mit der Hygiene, wie Mikrobiologen seit einigen Jahren wissen. In einem Durchschnittshaushalt bildet die Küche immer einen besonderen Hotspot für Keime ‑ allein schon deshalb weil hier viele Lebensmittel verarbeitet werden und mit Wasserquellen auch eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Der Spüllappen, das Schneidebrett oder der Kühlschrank sind bekannte Keimparadiese. Die Überlebenskünstler unter den Mikroben machen es sich dabei gerade in der Spülmaschine gemütlich, wie eine Studie im Fachjournal Applied and Environmental Microbiology zeigt. Bei dem Survivaltraining muss ein Keim rotierende Spritzdüsen, die alkalische Spüllauge versprühen, hohe PH-Werte der lauge, fettlösende Tenside , eventuelle im Spülmittel enthaltende stärke- und eiweißspaltende Enzyme sowie Temperaturen zwischen 30- 70 Grad Celsius aushalten – das ist nur etwas für die fittesten.

Schwarzer Hefepilz in jedem dritten Gerät

Wissenschaftler um Prem Krishnan Raghupathi von der Universität Kopenhagen untersuchten, welche Lebewesen den unwirtlichsten Bedingungen im Haushalt widerstehen können. Dazu untersuchten sie Proben aus 24 Spülmaschinen. Bislang wusste man zwar, dass Pilze in Spülmaschinen leben – die bakteriellen Bewohner waren aber noch gänzlich unbekannt.

Entdeckt wurden am Tatort Spülmschaschine einige Verdächtige: u.a. die sehr robusten Bakterien der Gattungen Pseudomonas, Escherichia und Acinetobacter. Diese Bakterien sind zwar überwiegend harmlos – können aber bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auch gefährlich werden.

Bei neueren Spülmaschinen bildete der Hefepilz Candida erste Kolonien und erobert das Terrain. Dann gesellen sich gern die Hefegattungen Cryptococcus und Rhodotorula dazu, die bei einer Immunschwäche ein pilzliche Infektion im Blut auslösen können.
In den Maschine konnten die Forscher auch die pathogenen Pilze Exophiala und Aureobasidium aufspüren.
Exophalia dermatitidis – kann wie der Name schon verrät- unter anderem auch Hauterkrankungen verursachen. 2011 hatte ein Team aus Slowenien, China und den Niederlanden den schwarzen Hefepilz in jeder dritten der weltweit untersuchten 189 Spülmaschinen gefunden. Uns Menschen besiedelt der Pilz selten. Im Gegensatz zu anderen Keimen würde er sich auch nicht auf Porzellan festsetzen, beruhigen die Wissenschaftler. Trotzdem ist er nicht ganz ungefährlich, da er mit der Atemluft in den Körper eindringen könne, wenn die Maschine nach dem Spülgang zu früh geöffnet wird und wir den heißen Dampf einatmen.

Ein Sofa für Mikroben

Diese ganze Gesellschaft aus Pilzen und Bakterien macht es sich besonders gern auf den Gummidichtungen gemütlich – das sind sozusagen die Sofalandschaften für Bazille & Co. Sie bilden gemischte Biofilme aus, die den Mikroben Schutz gegen harsche Umwelteinflüsse bieten. In den Biofilmen dominierten die Baketrien der Gattungen Gordonoia, Micrococcus und Exiguobacterium – die letzteren gehörten zu jenen Bakterien, die auch im sibirischen Permafrost überleben können. Weiterhin fanden sich Stämme wie Meiothermus, die sich dank spezifischer Organellen leicht an Oberflächen anheften können und kurzzeitig sogar bis zu 70 Grad Celsius tolerieren.

CSI Spülmaschine: Menschliches Mikrobenprofil im Spüler  

Wenig überraschend fanden sich in den Spülmaschinen außerdem auch Bakterien, die typischerweise die Haut oder den Darm des Menschen besiedeln, wie Staphylokokken, Streptokokken und Enterokokken. Bislang konnten die Forscher sie aber noch nicht unter so extremen Bedingungen nachweisen.

„Die Fülle der Bakterien im Inneren (der Spülmaschinen) spiegelt das Mikrobenprofil der menschlichen Bewohner.“  (Autoren der Studie)

Weitere Einflüsse die einen Einfluss haben, sind das Alter der Maschine, die Häufigkeit des Gebrauchs, Reinigungsmittel und Wasser. Bei hartem Wasser entwickelt sich in den Biofilmen zum Beispiel eine größere Pilzvielfalt.

Inwieweit die Keime in Spülmaschinen nun wirklich eine Quelle von Krankheiten sein können, können und wollen die Forscher noch nicht abschließend beurteilen. Mit den in der Studie genutzten Methoden konnten die spezifischen Mikroorganismen nicht hinreichend genau bestimmt werden. Zudem unterscheiden die Tests nicht zwischen toten und lebenden Zellen und Sporen – also den Überdauerungsformen der Bakterien.

Tipps zur Pflege der Spülmaschine und Waschmaschine

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 Die Forscher empfehlen aber:

  1. Nach einem Spülgang zu warten, bis sich die Luft in der Maschine abgekühlt hat, damit sich etwaige Erreger nicht mit dem Dampf im Raum verteilen können.
  2. Gummidichtungen, Filter, und den Sprüharm regelmäßig zu reinigen, bei mindestens 60 Grad Celsius spülen und bleichmittelhaltige Geschirrreiniger zu verwenden.

 

Für Waschmaschinen gilt das übrigens ebenso

Sie taugen bei niedrigen Temperaturen nicht als Sterilisatoren. Werden ein neues Baumwoll-T-Shirt gemeinsam mit der getragener Kleidung gewaschen, so verteilen sich alten und neue Bakterien einfach gleichmäßig über alle Wäschestücke – das stellte eine kleine Untersuchung in belgischen Haushalten fest. Zudem mixen sie sich auch noch mit jenen im einströmenden Wasser und der waschmaschineneigenen Mikroben-WG.

  • Die Survival –Spezialisten haben erst ab 60 Grad und bei bleichhaltigen Waschmittel keine Chance mehr.

 

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Studien:

Accepted manuscript posted online 12 January 2018, doi: 10.1128/AEM.02755-17 Appl. Environ. Microbiol. March 2018 vol. 84 no. 5 e02755-17 http://aem.asm.org/content/84/5/e02755-17

Zalar, P., Novak, M., de Hoog, G., & Gunde-Cimerman, N. (2011). Dishwashers – A man-made ecological niche accommodating human opportunistic fungal pathogens Fungal Biology DOI: 10.1016/j.funbio.2011.04.007

Belgische Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1878614614001603

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Mein neues Sachbuch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – ab 14.1.2019

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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke Wie MIkroben unseren Alltag bestimmen Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner (Randomhouse, Autorin: Susanne Thiele, Erscheinungstermin 14.1.2019)

Es gibt Neuigkeiten aus dem Autorenleben! Mit der Verlagsankündigung bei Randomhouse ist es nun offiziell: Am 14.1. 2019 kommt mein neues Sachbuch heraus – an dem ich gerade noch fleißig einige Kapitel schreibe.

Es geht natürlich um Mikroben – in unserem Alltag und in unserer nächsten Umgebung. Wer meinem Blog schon länger folgt, hat ab und zu diesen Themen schon etwas gelesen.

Zum Inhalt:

Schöner wohnen mit Mikroben

Wir können sie nicht sehen und doch leben wir mit Milliarden von ihnen zusammen: Mikroben. Sie bevölkern unser Bad, richten es sich kuschelig in unserem Schlafzimmer ein und lassen es sich in unserer Küche schmecken. Wie wir Bakterien, Viren und Pilze erfolgreich in Schach halten und welche uns und unserer Gesundheit sogar nützen, erzählt die Mikrobiologin Susanne Thiele so fundiert wie unterhaltsam.
Mit vielen nützlichen Tipps für die richtige Hygiene im Alltag.

Susanne Thiele (Autorin)

Susanne Thiele, geboren 1970, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«.

Alle Infos auf der Verlagsseite:
Randomhouse: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke

Mikrobiologische Grüße

Susanne

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Mikroben, Fermente, neue Buchprojekte – Rückblick 2017

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Happy New Year! (Pixabay)

Liebe Mikrobenfreunde…das Jahr ist fast zu Ende und es wird Zeit für den Jahresrückblick 2017 auf all das Geschriebene im Mikrobenzirkus-Blog.

Zuallererst aber ein herzliches Dankeschön an alle, die mir seit 2014 die Treue halten und auch an alle, die neu dazugekommen sind.

Der Mikrobenzirkus wächst und gedeiht fröhlich weiter. In diesem Jahr hatte ich unglaubliche 37.500 Aufrufe und 24.000 Besucher. (Im Vergleich dazu im Vorjahr 2017: 11.000 Aufrufe und rund 7.400 Besucher).

Die Zeit war auch 2017 wieder sehr knapp, da ich den Blog nebenberuflich betreibe und wieder ein Sachbuch schreibe. So gibt es meist zwei – drei größere Beiträge im Monat. Trotzdem ist die Artikelzahl wieder etwas angestiegen. In diesem Jahr gab es 36 Artikel, also ganze 10 mehr als 2017 :-)! Ein kleines Ranking für euch:

  • Die besten Artikel des Jahres 2017 sind:

Platz 1:  Männergrippe ist kein Märchen (810 Aufrufe)

Platz 2: Migräne sind Bakterien schuld? (443 Aufrufe)

Platz 3: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarium – färbt Seen und Flamingos pink (373 Aufrufe)

  • Die best-geklickten Beiträge des Blogs insgesamt sind:

Platz 1:  Alles Käse: Wie kommen die Löcher in den Käse? (2477 Aufrufe)

Platz 2: Ist meine Katze eine Keimschleuder (1463 Aufrufe)

Platz 3: Deutschland blubbert- Neuer Foodtrend Fermentation (1374 Aufrufe)

Platz 4: Warum Adele und Prinz Harry jetzt weniger duschen – Cleansing Reduction (1371 Aufrufe)

  • Neue Themen:

Im letzten Jahr habe ich im Blog auch ein neues Thema gestartet – die Fermentation: Es geht in dieser Kategorie ganz praktisch um das Selbermachen von Sauerkraut & Kimchi, Joghurt, fermentierten Getränken (Kefir & Kombucha) oder auch Brotbacken mit Sauerteig. Wer selber fermentiert, verliert schnell seine Ängste vor Bazille, Pilz & Co.

Ihr begleitet mich sozusagen dabei, wie ich die Rezepte selber ausprobiere und könnt dann selbst experimentieren. Die Rezepte findet ihr im Blog in der Kategorie Gesunde Rezepte. Für Eure Fragen stehe ich immer gern bereit.

Auch neu ist meine Mikrobenzirkus-Community auf Instagram mit aktuell 933 mikrobenbegeisterten Followern. Dort gibt es täglich kleine Wissenshäppchen und viele schöne Fotos. Auch bei Facebook und Twitter könnt ihr mir natürlich folgen.

  • Mit dem Mikrobenzirkus on Tour war ich im letzten Jahr in:

Leipzig: Mit den „Blogs for Science“ zum Science March Germany

IMG_4596Amsterdam: Micropia – Besuch im Mikrobenzoo

Italien (Ligurien): Triora – Von Hexen und ligurischen Spezialitäten

Das Format wird es natürlich auch im nächsten Jahr geben, wenn ich unterwegs über Ideen und Geschichten stolpere.

  • Neue Netzwerke

Der Mikrobenzirkus wird auch zunehmend auf anderen Portalen verlinkt. Besonders freue ich mich über die Verlinkung oder Blogbeiträge von mir:

 

  • Neue Buchprojekte:

Wie ihr wahrscheinlich wisst, schreibe ich neben dem Bloggen auch noch Sachbücher: das Jahr war auch in dieser Hinsicht sehr aufregend.

AutorenduoIm März war ich auf der Leipziger Buchmesse und haben hier wieder an der Leipziger Autorenrunde teilgenommen. Ein sehr empfehlenswertes Netzwerk: Mehr dazu in meinem Artikel dazu.

csm_9783832164157_8d1e0a4165Im April 2017 ist auch unser Sachbuch endlich als Taschenbuch in Deutschland im Dumont Sachbuch-Verlag erschienen. Rezensionsexemplare bekommt ihr über den Verlag.

Im August 2017 habe ich außerdem einen neuen Buchvertrag unterschrieben:  für ein Sachbuch, in dem sich natürlich auch alles um Mikroben dreht, Es kommt Anfang 2019 auf den Markt und ich bin fleißig am Recherchieren und Schreiben.

  • Dankeschööön!

Auch in diesem Jahr möchte ich mich besonders für eure positiven und oft sehr persönlichen und motivierenden Kommentare bedanken und die vielen Fragen, die mich erreichen. Ich freue mich immer ganz besonders über so viel Interesse am eigentlich unsichtbaren Mikrokosmos. Besonders meine Instagram-Truppe ist da sehr schnell und interaktiv.

Zum Schluss auch wieder die Frage an euch: Worüber möchtet ihr 2018 im Blog lesen? Welche Themen interessieren euch besonders?

Ich freue mich auf ein neues Jahr 2018 gemeinsam mit euch mit neuen Projekten und Geistesblitzen  :-)!

Also rutscht gut! Ich wünsche euch ein wundervolles 2018!

Mikrobiologische Grüße

Eure Susanne

 


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Micropia: Besuch im Mikrobenzoo in Amsterdam

MicropiaZwei Jahre ist es schon her, dass ich hier im Blog über Micropia ‑ den ersten Mikrobenzoo ‑ in Amsterdam berichtet habe. Ende Mai 2017 hatte ich nun endlich Gelegenheit, mir dieses Eldorado für Mikrobiologen selbst vor Ort anzuschauen: sozusagen ein Recherchetermin mit Familie mit zwei Teenagern (18 und 15 Jahre) für den Mikrobenzirkus in Amsterdam.

Micropia ist eine kleine aber feine Untereinheit des Stadtzoos Artis mitten in Amsterdam. Vom Bahnhof Amsterdam Centraal ist der Zoo ganz einfach mit der Tramlinie 9 zu erreichen ‑ wunderschön gelegen im Stadtteil Plantage.

Wir werden empfangen von freundlichen Besucher-Guides in weißen Laborkitteln, die uns die Tour durch das Museum und ein paar Kindern eine Art Stempel-Rally erklären. Dann geht es schon ab in den Fahrstuhl zur ersten Ebene des Museums. Dieser Einstieg durch eine Schleuse in den Mikrokosmos ist sehr gut gemacht. An der Decke des Fahrstuhls sehen wir uns auf einer Videowall zuerst selbst in voller Größe. Dann zoomt das Kamerabild über unseren Köpfen an das Auge eines Besuchers im Lift heran und zeigt uns die Mikroorganismen, die für gewöhnlich auf unseren Wimpern leben. Guter Effekt!

Aufwändige multimediale Exponate

Micropia ist wirklich ein einzigartiges und sehr aufwändiges Museum. Das Sehen und das Erleben der Mikroorganismen stehen für das Publikum im Mittelpunkt.

 

Sehr aufwändig inszeniert sind die meisten Exponate mit lebenden Mikroorganismen z. B. Bakterien oder Algen in großen Kolben, die regelmäßig erneuert werden müssen. Gleichzeitig kann man selbst Mikroskopieren und über einen Touchscreen den Mikroskop-Ausschnitt sehen. Je nach Interessenstiefe können wir die mediale Erweiterung der Exponate durchforsten, die mittels Filmen, Bildern und Texten Einblick in das Aussehen, Verhalten und die vielfältigen Beziehungen der Kleinstlebewesen zum Menschen gibt. Das funktioniert auch prima für die Eltern mit jüngeren Kindern neben uns.

Die Einzigartigkeit von Micropia liegt in der Mischung lebender und virtueller Mikroben. Die dramatischen Größenunterschiede zwischen den verschiedensten Kleinstlebewesen kann man auf einer fast 10 x 5 Meter großen, reaktiven Monitorwand erkennen, auf der die Mikroben wie in einem Aquarium schweben. In dem interaktiven Panorama mit extremophilen Mikroorganismen erleben wir Mikroben an Orten, die extreme Lebensbedingungen wie hohe Radioaktivität oder Kälte mit sich bringen. Die virtuellen Mikroorganismen schweben dank einer speziellen Projektionstechnik vor dynamischen 3D-Landschaften. Faszinierend!

Im Fokus: Positive Beziehung zwischen Mikroben und Menschen

Uns selbst und unseren Mikroben begegnen wir in der Ausstellung immer wieder. Am überraschendsten ist für die meisten Besucher in der Ausstellung der „Mikroben-Scan“ des eigenen Körpers, bei der sie interaktiv ihren Körper erforschen können. Ich trete sozusagen meinem virtuellen Ich gegenüber und kann die durchschnittliche Masse von zwei Kilogramm an Mikroben erforschen, die an und auf mir an unterschiedlichen Stellen meines Körpers leben. Die Technologie, die hierbei zum Einsatz kommt, ist ein hochentwickeltes Körpertracking.

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Körper-Scan auf Mikroben (S. Thiele)

 

Neben den Mikroben stehen immer wieder wir selbst im Zentrum der Ausstellung – und das auf mehreren Ebenen: als Betrachter, als interaktiv Handelnde und Forschende, und als Objekte, die es selbst zu erforschen gilt.

Sei es das „Kiss-o-meter“, bei dem wir erfahren, dass wir gerade 1 Million Bakterien und 100 verschiedene Typen ausgetauscht haben ;-). Oder eine beeindruckende Sammlung unterschiedlicher Kotsorten und Bakterien, die unseren Darm bewohnen.

Sehr beeindruckt hat mich persönlich eine ganze Wand voller Petrischalen mit Mikroben: Sie zeigt eine Vielzahl von, in unserem Haushalt mit uns lebenden, kleinen Nachbarn: Bakterien aus dem Teppich, vom Handy oder der Zahnbürste usw.

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Bakterien und Pilze, die mit uns im Haus leben (S. Thiele)

 

Mikroben im Kreislauf des Lebens

Bakterien und Pilze werden dringend gebraucht, damit der Kreislauf des Lebens funktioniert. Das wird in der Ausstellung extrem deutlich gemacht mit einem Exponat einer verwesenden Giraffe.  Aber auch vor Lebensmitteln machen die Mikroorganismen nicht halt.

 

Fazit:

Nicht nur mir als Mikrobiologin sondern auch meiner Familie hat diese Ausstellung sehr gefallen. Das Museum erscheint auf den ersten Blick nicht sehr groß – bietet aber für verschiedene Altersklassen ab ca. 10 Jahren eine Fülle an Informationen und interaktiven Möglichkeiten, sich spielerisch Wissen zu erarbeiten.  Die Exponate sind sehr gut gemacht und pflegeaufwändig. Wissenschaftler sind ständig in der Ausstellung und kontrollieren Kulturen oder stehen für Fragen zur Verfügung.

Der Mikrokosmos bleibt nicht nur beschränkt auf Bakterien, Viren Pilze oder Phagen. Auch Algen, Ameisen oder kleine Käfer finden hier noch Platz.

Ausstellungsdesign und Multimedia

Die Ausstellung wurde vom niederländischen Ausstellungsdesignbüro Kossmann.dejong in enger Zusammenarbeit mit ART+COM Studios gestaltet. Während Kossmann.dejong für die Gesamtkonzeption des Ausstellungsdesigns und Szenografie verantwortlich war, arbeitete ART+COM in erster Linie an der Konzeption, Gestaltung und Entwicklung der medialen Exponate – von den ersten Skizzen zum Interaktionsdesign bis hin zur Programmierung und zum Hardwaredesign.

Unbedingt Probieren!

Das Café-Restaurant „De Plantage“ gleich neben Micropia ist ein echter Insider-Tipp. Es ist ein gemütliches und nostalgisches Gartenrestaurant am Artis-Zoo mit einer schönen Sonnenterasse. Gegenüber kann man Flamingos und Störche beobachten.

Meine Empfehlung: Tartines (geroosterd desembrood) Crème van Hollandse geitenkaas (Ziegenkäse) met gegrilde honingpeer (Honigbirne), rucola an hazelnoot. LEKKER!

Mikrobiologische Grüße aus Amsterdam

Susanne

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Weltbuchtag 2017: Sachbuchverlosung für Biologiebegeisterte #bloggerschenkenlesefreude

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Buchverlosung zum Welttag des Buches 2017 (Quelle: Thiele)

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Heute am 23. April feiern alle Lesebegeisterten den „Welttag des Buches“. Buchhandlungen und Verlage öffnen die Türen, Blogger und Autoren starten viele Aktionen rund um dieses Lesefest.

Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

Buchverlosung im Mikrobenzirkus

Für alle Sachbuchfans und Biologiebegeisterten gibt es in diesem Jahr hier im Blog erstmals eine Buchverlosung. Damit nehme ich gleichzeitig an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teil.

Ich verlose 2 Exemplare unseres Sachbuches „Sex macht Spass, aber viel Mühe“ – Eine Entdeckungsreise zur schönsten Sache der Welt (erschienen 2014 im Orell Füssli Verlag) entstanden in der eigenen Textwerkstatt unseres Autorenteams gemeinsam mit Steffen Münzberg und Vladimir Kochergin. Für die Mikroben-Fans unter euch gibt es natürlich auch einige interessante Kapitel darin.

Klappentext:

Warum gibt es eigentlich Männchen und Weibchen? Warum vermehren sich Blattläuse jungfräulich, Elefanten aber nicht? Warum haben wir Menschen überhaupt Sex? Warum gibt es Geschlechter? Wäre es vielleicht besser, wir würden uns auch mit geschlechtsloser Vermehrung begnügen? Viele Lebewesen fahren damit ganz ausgezeichnet. Zumindest legt dies die Scheidungsrate bei Schimmelpilzen nahe. Die Autoren erklären kurzweilig, warum die meisten von uns keine Zwitter sind und zeigen, was Frauen und Männer aneinander schön finden. Sie erfahren, warum uns Sex musikalisch gemacht hat und wie unsere behaarten Primatenkollegen, die Gorillas und Bonobos, flirten und ihre Beziehungen pflegen. Waren wir Menschen schon immer monogam? Was bestimmt wer wir sind und wen wir lieben? Diese Fragen beantwortet dieses humorvolle Aufklärungsbuch.

Zum Reinlesen auf Amazon

Konditionen zum Mitmachen:

  1. Einfach einen kurzen Kommentar schicken, warum Du Dich für das Buch interessierst.
  2. Bewerbungsschluss ist 29.4. 2017. Dann werden unter allen Interessierten zwei Gewinner verlost und hier bekannt gegeben.

Viel Glück!

Susanne

Nachtrag 29.4.2017: Bekanntgabe der Gewinner der Sachbuchverlosung.

Das Los hat entschieden. Die beiden Gewinner sind Christian vom Paleo-Blog und Heike Baller. Herzlichen Glückwunsch! Ich schreibe euch nochmal über die Email-Adressen für den Postversand der Bücher.

Viele Grüße

Susanne

 


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Marsch für Wissenschaft 22. April 2017 – Blogger for Science

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Blogger erheben die Hände gegen Faktenfeindlichkeit und rufen auf zum „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts. (Logo: Julia Uraji mit freepix.com)

Hashtag: #BlogsforScience

Der „Marsch für Wissenschaft“ am 22. April 2017 geht uns alle an:

In den USA ist die Idee eines „march for science“ entstanden, der am 22. April stattfinden soll. Auch in Deutschland wird in 20 Städten (Berlin, Bonn/Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart, Tübingen) wie auch in Österreich (Wien) demonstriert werden. Die Demonstration wird von vielen Wissenschaftsorganisationen, wie zum Beispiel der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Leibniz-Gemeinschaft unterstützt.

Demonstriert wird für eine Gesellschaft, in der Fakten die Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, nicht nur als Meinungen angesehen werden. Es geht gegen „alternative Fakten“, „Fake News“ und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation.

Die gleichen Ziele verfolgt die Blogger-Gemeinschaftsaktion „Blogger for Science&Facts“, die von „Wissenschaft kommuniziert“ initiiert wurde.  „Wissenschaft kommuniziert“ und Mikrobenzirkus rufen alle an Demokratie Interessierten auf, sich zu beteiligen.

„Auch für mich sind wissenschaftliche Fakten Basis meiner Arbeit – ob im Wissenschaftsblog Mikrobenzirkus oder im täglichen Job in der Wissenschaftskommunikation einer Forschungseinrichtung im Dialog mit der Öffentlichkeit.“

Die bisher teilnehmenden Blogs findet ihr hier.

Wichtige Links:

 

In Braunschweig findet leider kein eigener Marsch statt. So werden die meisten Interessierten die Demo in Berlin unterstützen.

Also macht auf die Aktionen aufmerksam und nehmt selbst teil!

Bloggergrüße

Susanne

 

 


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Rudolphs rote Nase mikrobiologisch erklärt – Merry Xmas!

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„Rudolph, the red-nosed reindeer had a very shiny nose. And if you ever saw it, you would even say it glows.“

Jedes Kind kennt „Rudolph“, das Rentier mit der roten Nase, aus dem Weihnachtslied, das Mitte des vergangenen Jahrhunderts populär wurde. Auch Bilderbücher machten es bekannt. Als rechte Hand des Weihnachtsmanns hilft es in jedem Jahr beim Geschenke austragen. Das fliegende Rentier zieht den schweren Santa-Claus- Schlitten an der Spitze. Dafür ist es bestens ausgerüstet mit einer anatomischen Besonderheit ­- einer glühend roten Nase. Damit findet es unbeirrbar den Weg durch Nacht und dichten Nebel.
Regelmäßig versuchen Forscher sich in der Weihnachtszeit an wissenschaftlichen Erklärungen für Rudolphs rote Leuchte. Was lässt die Nase so rot erstrahlen?

Rentier mit heißer Nase

Wissenschaftler aus Norwegen und den Niederlanden hatten eine Studie in der Weihnachtsausgabe 2012 der renommierten Medizin-Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht. Bei einem Vergleich von Nasen von Rentieren und gesunden Menschen stellten sie fest, dass Rentiernase ein Viertel mehr Blutäderchen haben als menschliche Riechorgane. Damit enthalten die Nasen von Rentieren auch eine besonders große Menge an roten Blutkörperchen, die Sauerstoff transportieren können und den Tieren helfen, ihre Körpertemperatur zu kontrollieren.

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Wärmeinfrarotbilder zeigen die rote Nase des Rentiers (Quelle: BMJ)

Fazit der Forscher: Rudolphs Nase ist also rot, weil sie besonders viele rote Blutkörperchen enthält und gut durchblutet ist. Dank des dichten Netzes an roten Blutkörperchen ist das Rentier „anatomisch und physiologisch“ geeignet, seinen Aufgaben als fliegender Begleiter des Weihnachtsmannes nachzukommen.
Zudem hätten Rentiere eine höhere Dichte von Schleimdrüsen in ihrem Riechorgan, die bei wechselnden Wetterbedingungen und extremen Temperaturen für ein „optimales Nasenklima“ sorgen und das Organ schützen würden. Wärmeinfrarotbilder zeigten, dass Rentiere tatsächlich rote Nasen haben. Eines tun Rentiere niemals – frieren. Dafür sind aber nicht nur rote Nasen sondern auch ihr Fell und ihre Hufe verantwortlich.

 

Rudolph mit Naseninfektion?

Vielleicht hat Rudolph auch nur Schnupfen oder ein Infektion? Im Jahre 1986 hatte der norwegische Biologe Odd Halvorsen dazu eine Erklärung im Fachjournal „Parasitology Today“ veröffentlicht. Er führte die rote Nase einfach auf Parasitenbefall zurück. Wie auch andere Wiederkäuer wird das Rentier von vielen Parasiten geplagt, darunter auch Stechmücken, Zungenwürmer oder Fliegenlarven. In den Nasenhöhlen von Rentieren gäbe es ein spezielles Nasenmikrobiom, über zwanzig einzigartige Mikroben, die im Ausnahmefall die Färbung verursachen könnten.

Oder biolumineszentes Rentier?

Wenn man Rudolphs rotes Riechorgan zum Schluss mikrobiologisch „beleuchtet“, sollte man ein eine bekanntes Phänomen, welches schon für den Tintenfisch aus Hawai (Euprymna scolopes) beschrieben wurde,  nicht außer Acht lassen. Sein Körper enthält das Leuchtorgan, einen Sack angefüllt mit biolumineszenten Bakterien (Vibrio fischeri). Diese symbiontische Beziehung bietet für die Bakterien ausgezeichnete Bedingungen, um sich zu vermehren. Wenn diese eine ausreichende Anzahl erreicht haben, beginnen sie zu leuchten. Den Prozess, durch den die Bakterien wissen, dass sie genug Mikroorganismen sind, bezeichnet man als quorum sensing. Die Bakterien „sprechen“ sozusagen miteinander indem sie besondere chemische Moleküle produzieren. Mehr Bakterien produzieren dementsprechend mehr davon – bis ein bestimmter Level erreicht ist, dann agieren die Bakterien zusammen.
Im Fall des Tintenfischs wird Licht produziert. Die langarmigen Räuber spüren mit der eingebauten Taschenlampe ihre Beute auf. Gleichzeitig tarnt das Licht die nächtlichen Jäger. Denn im hellem Mond- oder Sternenlicht verhindert es, dass der Tintenfisch einen Schatten wirft und dadurch für Fressfeinde sichtbar wird. Ganz praktisch!

„Then one foggy Christmas Eve, Santa came to say, Rudolph with your nose so bright, won’t you guide my sleigh tonight?“

Könnte der Grund für die leuchtend-rote Nase nicht also auch eine symbiontische Beziehung mit dem Bakterium (Vibrio rudolphii) sein, welche das Riechorgan mit seinem besonderen Nasenklima kolonisiert und durch quorum sensing am Heiligabend zum Leuchten bringt? Sollte man mal drüber nachdenken :-)…

Fröhliche Weihnachten! Merry Christmas!

 

Quellen:

Why Rudolph’s nose is red: observational study BMJ 2012; 345 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e8311 (Published 17 December 2012) Cite this as: BMJ 2012;345:e8311, http://www.bmj.com/content/bmj/345/bmj.e8311.full.pdf

Epidemiology of reindeer parasites. Halvorsen Odd. Parasitol Today. 1986 Dec;2(12):334-9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15462756

 


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Mikrobenzirkus meets Stadt-Land-Food-Festival 2016 Berlin

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Heute mal ein Veranstaltungstipp in eigener Sache. In der nächsten Woche könnt ihr mich live mit einem Vortrag beim Stadt-Land Food-Festival 2016 in Berlin erleben.

Vom 1. bis zum 3. Oktober 2016 findet im Kreuzberger Kiez rund um die Markthalle Neun dieses besondere Festival statt – als Bühne für bäuerliche Landwirtschaft, handwerkliche Lebensmittelproduktion,  die Plattform für politischen Dialog und innovative Kochkultur – wie die Veranstalter auf der Seite http://stadtlandfood.com/ schreiben.

Auf Einladung von Cathrin Brandes und Olaf Schnelle bin ich Bestandteil eines bunten Programms in der „Werkstatt Gemüse“. Mit dem Vortrag

„Eine Portion Mikroben, bitte! Warum wir freundliche Mikroben brauchen“

werde ich etwas über das angespannte Verhältnis von Menschen und Bakterien erzählen und warum wir ohne unsere Mikroben eigentlich gar nicht existieren könnten.

Hier zur Vortragsankündigung am

Sonntag, den 2.Oktober von 16 – 17 Uhr in der Markthalle Neun, Werktstatt Gemüse, Eisenbahnstraße 42/43 in 10997 Berlin

Mikroben haben ein schlechtes Image – völlig ungerechterweise. Von etwa 10.000 heute bekannten Bakterienarten sind nur etwa 550 gefährliche Krankheitserreger. Die anderen leben friedlich mit und auf uns und in unserer Umwelt. Die meisten der Winzlinge sind harmlos und sogar gesund für uns. Kommen Sie mit auf eine spannende Expedition in den unsichtbaren Dschungel unserer Mikrobenwelt!

Die Werkstatt Gemüse wird sich hauptsächlich dem spannenden Thema Fermentation beschäftigen. Denn diese uralte Methode der Haltbarmachung ist zu sehr in Vergessenheit geraten. Selbst im Land des Sauerkrauts macht kaum einer noch selbst Sauerkraut ein, ganz zu schweigen von Salzgurken oder sauren Bohnen. Die Kuratoren der Werkstatt Gemüse haben sich auf die Fahnen geschrieben, diesen drohenden kulinarischen Kulturverlust abzuwenden und jedermann wieder für die Fermentation zu begeistern. In Tastings, Workshops und Vorträgen wird gezeigt, wie es geht, wie es schmeckt und warum es so gesund ist. Vom Krauthobeln, über das Ansetzen von Kimchi bis hin zu japanischen Fermentationstechniken. Hier wird geblubbert und gegärt!

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Fermentationsworkshops (Stadt Land Food-Festival)

 

Zum Thema Fermentation hatte ich hier im Blog für Interessierte auch schon mal etwas geschrieben.

Vielleicht sehen wir uns nächste Woche in Berlin?

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 


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Haben Menschen und Bakterien ein gestörtes Verhältnis?

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Podiumsdiskussion in der Veranstaltungsreihe „Tatsache-Forschung unter der Lupe“ im Haus der Wissenschaft in Braunschweig (Foto: S. Thiele)

Bakterien haben ein echtes Imageproblem. Die meisten mögen sie nicht oder haben sogar Angst vor ihnen. Sie werden mit Krankheit, Schmutz und sogar Tod in Verbindung gebracht. Manche Menschen haben sogar so große Ängste, sich zu infizieren, dass diese Phobien krankhaft werden. In unserem Alltag versuchen wir mühselig Mikroben zu bekämpfen – sogar Haushaltsreiniger wirken heute schon antibakteriell.

Ist diese übertriebene Hygiene wirklich nötig? Und woher kommt diese Angst vor dem unsichtbaren Mikrokosmos eigentlich? Was meinen Mikrobiologen und Ärzte dazu? Zu diesem interessanten Thema habe ich in der letzten Woche eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Experten im Haus der Wissenschaft in Braunschweig besucht und fasse hier gern einige wichtige Statements zusammen.

Der Menschen und eine „uralte“ Angst vor Bakterien?

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Prof. Jörg Overmann (Foto: DSMZ)

 

„Die Angst vor Bakterien ist ganz einfach historisch bedingt“, sagt Prof. Jörg Overmann vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig. Krankheiten wie Tuberkulose, Diphterie oder Milzbrand, Cholera und Tetanus versetzten die Bevölkerung vor hundert Jahren in Angst und Schrecken.

Viele der ersten Bakterien, die Pioniere wie Louis Pasteur und Robert Koch entdeckten, waren Krankheitserreger und die Verursacher dieser Krankheiten. So wurde ein Bild von einer unsichtbaren Gefahr aus dem Mikrokosmos geprägt. Die Forscher hatten damals auch noch nicht die technischen Möglichkeiten, um überhaupt zu erkennen, dass Bakterien überall um uns und in uns sind. Und vor allem nützliche“, sagt Jörg Overmann. So wurden Bakterien als Feinde verteufelt, wie auch alte Informations- und Werbeplakate für die Bevölkerung zeigen.

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Poster about tuberculosis in children and methods of transmission, showing a child wearing a bib. Town of Hempstead, W.H. Runcie M.D. Health Officer

 

Ganz natürlich leben auf und in unserem Körper Abermillionen Bakterien ganz verschiedenster Arten. Auf jede unserer Körperzellen kommt im Schnitt ein Bakterium. Wer es ganz genau wissen will: Es sind und  1013   Zellen und 1014 Bakterien in unserem Körper – also etwa zehnmal mehr Bakterien als Körperzellen. Eigentlich ist unser Körper ein Superorganismus aus vielen Kleinstlebewesen und wir müssten vor uns selber Angst haben.

Ohne diese kleinen Untermieter würden wir auch gehörige gesundheitliche Probleme bekommen. Nichts funktioniert mehr normal, keine natürliche Haut- und Mundflora, keine Verdauung usw. Wir erben die Bakterien-Flora schon bei der natürlichen Geburt von unseren Müttern. Durch den Vaginalschleim und das Stillen mit Muttermilch überträgt sie sich auf uns. Neuerdings werden auch Kaiserschnittkinder nach der Operation manchmal mit dem Vaginalschleim der Mutter eingeschmiert, um keinen Entwicklungsnachteil zu riskieren.

„Wir kennen etwa 600 krankheitserregende Bakterien. Denen stehen 10 Millionen bis 1 Milliarde Bakterienarten gegenüber, die für den Menschen von Nutzen sind.“ (Prof. Jörg Overmann,  Leibniz-Institut DSMZ-Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig)

Die meisten bakteriellen Untermieter leben natürlich im Darm. Dort unterstützen sie die Verdauung, in dem sie sonst für uns unverdauliche Nährstoffe „knacken“ und sie helfen bei der Abwehr von Krankheitserregern. Die Forscher beginnen aber heutzutage erst ansatzweise zu verstehen, wie wichtig eigentlich die Symbiose von Menschen und Körperbakterien ist.

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Störung der Darmflora im Kindesalter mit Zivilisationskrankheiten wie Asthma und Übergewicht im späteren Leben verknüpft ist. Demzufolge raten Mediziner zu einem sehr sorgsamen Umgang mit Antibiotika. Bei jedem Antibiotikaeinsatz sterben nicht nur die Krankheitserreger sondern auch unzählige nützliche Darmbakterien. Diese regenerieren sich nach der Therapie zwar langsam wieder – aber womöglich verändert sich das Artenspektrum dauerhaft.

Konsequente Hygiene in Krankenhäusern ist wichtig

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Prof. Ralf-Peter Vonberg, (Foto MHH)

Der unbedachte Einsatz von Antibiotika hat auch zur Bildung von multiresistenten Erregern geführt. Diese können vor allem in Krankenhäusern große Probleme bereiten – darüber informierte Prof. Dr. Ralf-Peter Vonberg vom Institut für Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover. „Keime wie Clostridium difficile und andere schädliche Darmbakterien sind stark auf dem Vormarsch.“ Deshalb gibt es einen konsequenten Einsatz von bestimmten Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern. „Hände, medizinische Geräte und sanitäre Anlagen werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Von jedem Patienten, der in der MHH eingeliefert wird, machen wir eine Aufnahmeuntersuchung auf multiresistente Keime (MRSA) und problematische Darmbakterien. Sollte sich dann herausstellen, dass er einen riskanten Keim hat, wird er in einem Einzelzimmer isoliert“. Diese Maßnahmen sind auch erfolgreich. MRSA haben sie auf diese Weise in den Griff bekommen – die Infektionen mit diesem Keim sinken, sagte Vonberg.

Der MRSA-Keim Staphylococcus aureus ist ein Paradebeispiel für einen Keim, der böse oder harmlos sein kann. Jeder dritte Mensch hat ihn in seiner Nase ohne irgendwelche Symptome einer Krankheit. So bringen die Leute die Erreger schon selbst mit in die Klinik, die später nach einer Operation kritisch werden können. Sind diese Keime dann gegen die gebräuchlichen Antibiotika resistent, sind die Therapiemöglichkeiten stark eingeschränkt und die Ärzte stehen mit dem Rücken zur Wand.

Zwar kommen wieder neue Antibiotika auf den Markt, aber die neuen Medikamente hängen der Resistenzentwicklung der Keime immer hinterher. Dazu kommt auch der unverantwortliche breite Einsatz von Antibiotika auf Wunsch der Patienten bei Husten und Schnupfen, die aber auf virulente Erreger zurückgehen. Hier müssen viele Ärzte dringend Fortbildungen bei der Antibiotikaversorgung erhalten, sagte Vonberg.
Viele Patienten haben heute schon Angst davor, überhaupt noch in ein Krankenhaus zu gehen. Wie hoch ist die Gefahr, sich anzustecken? Ein gewisses Restrisiko bleibt immer, aber er selbst hätte keine Angst in ein Krankenhaus zu gehen, meint dazu Prof. Vonberg.

„Wir brauchen Hygiene da, wo sie wichtig ist: im Krankenhaus. Aber außerhalb davon, plädiere ich dafür, Hygienehysterie zu vermeiden.“ (Prof. Ralf-Peter Vonberg, Institut für Krankenhaushygiene der Medizinische Hochschule Hannover)

Fragt man VonBerg danach, welche Tipps er seinen Patienten geben würde, so gibt er folgende Empfehlungen:

  • Im Krankenhaus den Arzt entschlossen vor der Behandlung danach fragen, ob er sich die Hände desinfiziert hat (auch wenn das etwas Mut erfordert)
  • Sich so wenig wie möglich mit den Händen ins Gesicht zu fassen, damit keine Keime in den Körper eindringen
  • In größeren Gruppen Handkontakte etwas einschränken
  • Im Ausland nur Durchgegartes essen und keine Salate usw. welche mit Trinkwasser gewaschen wurden
  • Im Familienhaushalt nur Händedesinfektion benutzen, wenn z.B. ein Familienmitglied einen Darminfekt hat, dann ist auch eine getrennte Toilette optimal

 

Flüchtlingskrise – Panik vor neuen Infektionen?

Vor allem in Schwellen und Entwicklungsländern breiten sich multiresistente Krankheitserreger dramatisch aus. Längst besiegt geglaubte Krankheiten wie Tuberkulose werden in Osteuropa, Indien und Afrika plötzlich wieder zum Problem.

Einige der von der langen Reise geschwächten Flüchtlinge bringen diese Erreger mit, berichtete Vonberg. „Aber das sind Einzelfälle, die wir gut beherrschen. Von einer Krankheitswelle, wie mitunter von der Bevölkerung angenommen, kann man nicht sprechen.“ Vorausetzung dafür ist nach Vonberg aber die gute Durchimpfungsrate in Deutschland.

Trotzdem beeinflussen Presseberichte natürlich die Menschen und ihre Ängste. So können manchmal auch wahnhafte Vorstellungen von einer „Kontamination“ durch Bakterien oder Viren entstehen. Damit können bei manchen Menschen direkt panische Ängste erzeugt werden, sagte PD Dr. Alexander Diehl von der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Städtischen Klinikum Braunschweig.

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PD Dr. Alexander Diehl,  (Foto: Klinikum Braunschweig)

 

Die wichtigste Hilfe für Betroffene ist dann zuerst eine Verhaltenstherapie. Die Patienten lernen über ein Entspannungstraining und eine Exposition gegenüber z.B. „keimbesiedelten“ Türklinken, wie sie ihre Kontaminationsangst und ihren Ekel beherrschen können. Manchmal klappt das auch nur im Zusammenspiel mit Medikamenten.

 

 

„Durch Achtsamkeit können wir Gefahren reduzieren, aber der Wunsch nach 100%iger Kontrolle kann zur Geißel werden.“ (Dr. Alexander Diehl, Klinik für Psychatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Städtisches Klinikum Braunschweig)

Ich freue mich immer über Kommentare !

Mit mikrobiologischen Grüßen

Susanne