Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Mein neues Sachbuch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – ab 14.1.2019

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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke Wie MIkroben unseren Alltag bestimmen Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner (Randomhouse, Autorin: Susanne Thiele, Erscheinungstermin 14.1.2019)

Es gibt Neuigkeiten aus dem Autorenleben! Mit der Verlagsankündigung bei Randomhouse ist es nun offiziell: Am 14.1. 2019 kommt mein neues Sachbuch heraus – an dem ich gerade noch fleißig einige Kapitel schreibe.

Es geht natürlich um Mikroben – in unserem Alltag und in unserer nächsten Umgebung. Wer meinem Blog schon länger folgt, hat ab und zu diesen Themen schon etwas gelesen.

Zum Inhalt:

Schöner wohnen mit Mikroben

Wir können sie nicht sehen und doch leben wir mit Milliarden von ihnen zusammen: Mikroben. Sie bevölkern unser Bad, richten es sich kuschelig in unserem Schlafzimmer ein und lassen es sich in unserer Küche schmecken. Wie wir Bakterien, Viren und Pilze erfolgreich in Schach halten und welche uns und unserer Gesundheit sogar nützen, erzählt die Mikrobiologin Susanne Thiele so fundiert wie unterhaltsam.
Mit vielen nützlichen Tipps für die richtige Hygiene im Alltag.

Susanne Thiele (Autorin)

Susanne Thiele, geboren 1970, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«.

Alle Infos auf der Verlagsseite:
Randomhouse: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 


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Zehn Dinge, die Du über Antibiotika wissen solltest

Anlässlich der World Antibiotic Awareness Week (14.–20. November) und des Europäischen Antibiotika-Tages am 18. November gibt es auch hier ein paar wissenswerte Informationen zu Antibiotika und zum verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medikamenten.

1. Antibiotika helfen bei bakteriellen Infektionen, wirken aber nicht gegen Viren.

Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das Bakterien abtötet oder ihr Wachstum aufhält. Penicillin gehört zu dieser Medikamentengruppe und war eines der ersten Antibiotika. Durch Medikamente wie Antibiotika leben Menschen heute bis zu 40 Jahre länger als 1901.  Antibiotika und andere Arzneimittel sind, neben anderen Faktoren wie verbesserter Wasserqualität, Hygiene und Ernährung, ein Grund dafür, dass die Lebenserwartung in Deutschland deutlich gestiegen ist. Derzeit gibt es rund 80 verschiedene Antibiotika.

2. Die Entdeckung des Penicillins war ein Zufallsfund.

Am 28. September 1928 machte Alexander Fleming eine der wichtigsten Entdeckungen der Medizingeschichte. der Forscher kam an diesem Morgen in sein Labor uns sah, dass bei einem seiner Versuche etwas schiefgegangen war. Schimmel hatte sich in einer der Glasschalen ausgebreitet, die zu einem Experiment gehörten. Fleming wollte den Inhalt der Schale eigentlich vernichten. Aber er beobachtete, dass dort, wo sich der Schimmelpilz in der Bakterienkultur ausgebreitet hatte, keine Staphylokokken mehr wuchsen! Der Pilz produzierte also einen Stoff, der die Bakterien zerstört. Diesen Stoff nannte er Penicillin, in Anlehnung an den lateinischen Namen des Schimmelpilzes. Fleming hatte also ein Mittel gegen bakterielle Erkrankungen gefunden.
Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis die ersten Patienten Penicillin einnehmen. Erst zwölf Jahre später, 1940, gelang es den Wissenschaftlern Howard Florey und Ernst Chain, reines Penicillin aus Schimmelpilzen zu gewinnen und an Tieren und Menschen zu testen. Das war eine Sensation, ein solches Medikament hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Viele Menschen waren deshalb an Krankheiten wie Tuberkulose gestorben. Heute können wir solche Krankheiten mit Antibiotika wie Penicillin bekämpfen. Weil das Penicillin so wichtig ist, erhielt Alexander Fleming zusammen mit Howard Florey und Ernst Chain im Jahr 1945 den Nobelpreis für Medizin.
Der erste Mensch, der jemals mit Penicillin behandelt wurde, war übrigens ein 43-jähriger Polizist aus London, der sich beim Rasieren geschnitten und sich an der infizierten Wunde eine Blutvergiftung zugezogen hatte. Tatsächlich war das Fieber nach 5 Tagen verschwunden, doch weil die Penicillinvorräte aufgebraucht waren, konnte die Behandlung nicht fortgesetzt werden und der Mann verstarb nach einem Monat. Während des inzwischen tobenden 2. Weltkrieges interessierten sich die amerikanischen Streitkräfte sehr für das neue Medikament. Ab 1944 erfolgte die großtechnische Produktion des Penicillins für die US-amerikanischen Streitkräfte. Erst ab März 1945 konnten es auch Zivilisten auf Rezept in amerikanischen Drugstores kaufen.

3. Bakterienresistenzen sind ein natürliches Phänomen.

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Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten – hier sichtbar als klare Hemmhöfe im Bakterienrasen, Fotomontage (@Hildgund Schrempf)

Die grundsätzlichen Ursachen für Antibiotika-Resistenzen liegen in der Evolution. Seit rund zwei Milliarden Jahren existieren Bakterien auf der Erde – in denen sie fortwährend mutieren und neue Abwehrmechanismen gegen Bedrohungen entwickeln. Sie vermehren sich in ungeheurer Geschwindigkeit und Anzahl. So bringen sie immer wieder neue Varianten hervor – auch solche, die mit Giften besser umgehen können als ihre Vorfahren. Sie können ihren Stoffwechsel umstellen, Schutzmechanismen aktivieren und Resistenzgene austauschen. Dabei können sich die Resistenzgene über besondere Austauschmechanismen auch auf andere Mikrobenstämme verbreiten.
Ist der Antibiotika-Einsatz wie in Kliniken hoch, genießen resistente Erreger einen Überlebensvorteil vor ihren Artgenossen und vermehren sich besonders gut. Um zu verhindern, dass eines Tages keine wirksamen Antibiotika mehr zur Bekämpfung von lebensbedrohlichen bakteriellen Infektionen zur Verfügung stehen, müssen wir verantwortungsvoll mit diesen wichtigen und oft lebensrettenden Arzneimitteln umgehen.

4. Antibiotika-Resistenzen nehmen zu.

Antibiotika waren lange Zeit ein verlässliches Mittel, um Infektionen zu bekämpfen, doch das hat sich geändert. Multiresistente Keime in Krankenhäusern nehmen zu. Sie stellen ein immer ernster werdendes und vor allem globales Problem dar. Eine britische Studie schätzt, dass jedes Jahr bis zu 700.000 Menschen weltweit an resistenten Bakterieninfektionen sterben. Bezogen auf Deutschland sind das etwa 6000 Todesfälle. Der Grund: Oft wird Antibiotika eingenommen, obwohl eine Virusinfektion vorliegt. Bei dieser sind Antibiotika nutzlos. Trotzdem verlangen viele Menschen, die zum Beispiel mit einer Erkältung oder einer Grippe zum Arzt gehen, dass dieser ihnen Antibiotika verschreiben solle. Manche Ärzte verschreiben daraufhin das Medikament, um die Erkrankten zu beruhigen. Aber dieses Verhalten fördert Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika. 80 bis 90 Prozent aller Antibiotika werden im Rahmen der ärztlichen Grundversorgung verordnet, vorwiegend für Atemwegsinfektionen. Etwa 50 Millionen Antibiotika werden jährlich unnötigerweise verscheriben. Ein faktor der die Resistenzentwicklung fördert. Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, können harmlose Operationen wie beispielsweise eine Zahn- oder Gelenkoperation, Chemotherapien bei Krebs oder die Versorgung von Frühchen sehr schwierig werden.

5. Wie verbreiten sich Antibiotikaresistenzen?

Dazu gibt hier ein sehr gutes Schaubild des European Center für Disease Prevention and Control (ECDC ).

How does antibiotic resistance spread?

Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen (Quelle ECDC)

6. Alte Wirkstofftypen bei Antibiotika von 1930 bis 1960

Ob bei Bakterien, die Lungenentzündungen hervorrufen können oder Tuberkulose, ihre Resistenzen gegen Antibiotika werden zur Bedrohung für den Menschen. Im Wettlauf mit den Mikroben wird nach neuen Antibiotika geforscht. Denn fast alle heutigen Antibiotika gehen auf die Wirkstofftypen zurück, die zwischen 1930 und 1960 entdeckt wurden. Obwohl die Genome sämtlicher wichtiger Krankheitserreger bekannt sind, hat das noch zu keinem nennenswerten Fortschritt in der Entwicklung von Antibiotika geführt. Neue Wirkstoffe weden dringend gebraucht!

7. Neue Antibiotika aus Naturstoffen

Viele Pharmaunternehmen haben sich aus der aufwändigen und kostspieligen Forschung zurückgezogen. Denn Antibiotika werden im akuten Fall immer nur kurzfristig verabreicht. Es lässt sich damit also nicht so viel Geld verdienen wie mit Medikamenten, deren Einnahme dauerhaft notwendig ist. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen zukünftig bei der Entwicklung neuer Antibiotika unterstützt werden und eng mit der Grundlagenforschung an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten.

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Agarplatten mit Myxobakterien, die antibiotische Wirkstoffe bilden (Quelle: HZI Braunschweig)

Chancen für neue Antibiotika sehen Forscher beispielsweise in Naturstoffen. Manchmal bilden Mikroorganismen sehr interessante Resistenzen aus. Etwa 80 Prozent der Antibiotika stammen aus der Natur. Eine schier unerschöpfliche Quelle für neue Wirkstoffe bilden etwa Pilze. Sie produzieren Antibiotika natürlicherweise, um sich gegen Bakterien durchzusetzen und deren Angriffe zu überleben. Gerade bei den Pilzen sieht man durch molekularökologische Untersuchungen, wie groß ihre Vielfalt ist. Man schätzt, dass es bis zu fünf Millionen Arten gibt. Wissenschaftlich beschrieben sind erst rund 100.000. Die Herausforderung ist nun, dass man diese Organismen für die Forschung zugänglich macht. (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig).

8. Gemeinsam im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Doch nicht nur die Entwicklung neuer Wirkstoffe verhindert aufkommende Antibiotika-Resistenzen. Auch der Umgang mit bisher verwendeten Medikamenten muss überdacht und verändert werden. Wenn Antibiotika dort verwendet werden, wo sie nicht unbedingt notwendig sind, steigt das Risiko für Resistenzen unnötig. Einen Lösungsansatz, um den zu verschwenderischen Einsatz von Antibiotika einzudämmen, könnte die internationalen „One Health“-Initiative sein, die verschiedene Beteiligte an einen Tisch bringt, wie Humanmediziner und landwirtschaftliche Anwender von Antibiotika. (Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie der Bundesregierung (DART 2020)

9. Was kannst Du tun, damit Antibiotika auch in Zukunft wirksam bleiben?

Durch eine verantwortungsvolle Anwendung von Antibiotika können Resistenzen vermieden werden. Auch Du kannst mithelfen!

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Bildquelle: WHO/ Volkov

  •  Nimm Antibiotika nur nach Verschreibung durch den Arzt ein.
  • Nimm die Medikamente immer so lange und in der Dosis ein, die der Arzt empfohlen hat.
  • Heb keine Reste von Antibiotika für eine nächste Infektion auf.
  • Gib Antibiotika, die der Arzt dir verordnet hat, nicht an andere Patienten weiter.
  • Entsorge die Antibiotika nicht über die Toilette oder das Waschbecken. Gib sie in den Hausmüll, so werden sie rückstandlos verbrannt. Wenn Antibiotika in das Abwasser gelangen, verbreiten sich die Substanzen in die Umwelt und Resistenzen werden gefördert. Apotheken bieten außerdem einen kostenlosen Rücknahmeservice für Medikamente an.
  • Vermeide Infektionen so gut wie möglich. Oft helfen schon einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen.

 

10. Wie kannst Du Dich vor Infektionen schützen?

  • Lass Dich gegen Infektionskrankheiten impfen. Die Schutzimpfung gegen Grippe (saisonale Influenza) sollte jährlich wiederholt werden.
  • Wasch Dir mehrmals täglich die Hände mit Wasser und Seife für etwa 30 Sekunden, auch zwischen den Fingern. Händewaschen ist Pflicht nach jedem Toilettenbesuch, vor jeder Mahlzeit sowie nach dem Kontakt mit Tieren und rohem Fleisch.
  • Putze Dir die Nase mit Einmaltaschentüchern und entsorge Sie diese anschließend schnell. Wasch Dir auch nach dem Naseputzen die Hände.
  • Huste oder niese nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge. Halte dabei möglichst großen Abstand zu anderen Menschen.
  • Berühre Dein Gesicht möglichst wenig mit den Händen.
  • Lüfte mehrmals täglich. Am besten das Fenster für einige Minuten komplett öffnen. Das sorgt für ein besseres Raumklima.

Komm gut durch die Erkältungszeit!

Wenn Du noch mehr über Antibiotikaresistenzen im Blog lesen möchtest – dann findest Du hier noch mehr Lesestoff.

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Haben Menschen und Bakterien ein gestörtes Verhältnis?

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Podiumsdiskussion in der Veranstaltungsreihe „Tatsache-Forschung unter der Lupe“ im Haus der Wissenschaft in Braunschweig (Foto: S. Thiele)

Bakterien haben ein echtes Imageproblem. Die meisten mögen sie nicht oder haben sogar Angst vor ihnen. Sie werden mit Krankheit, Schmutz und sogar Tod in Verbindung gebracht. Manche Menschen haben sogar so große Ängste, sich zu infizieren, dass diese Phobien krankhaft werden. In unserem Alltag versuchen wir mühselig Mikroben zu bekämpfen – sogar Haushaltsreiniger wirken heute schon antibakteriell.

Ist diese übertriebene Hygiene wirklich nötig? Und woher kommt diese Angst vor dem unsichtbaren Mikrokosmos eigentlich? Was meinen Mikrobiologen und Ärzte dazu? Zu diesem interessanten Thema habe ich in der letzten Woche eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Experten im Haus der Wissenschaft in Braunschweig besucht und fasse hier gern einige wichtige Statements zusammen.

Der Menschen und eine „uralte“ Angst vor Bakterien?

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Prof. Jörg Overmann (Foto: DSMZ)

 

„Die Angst vor Bakterien ist ganz einfach historisch bedingt“, sagt Prof. Jörg Overmann vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig. Krankheiten wie Tuberkulose, Diphterie oder Milzbrand, Cholera und Tetanus versetzten die Bevölkerung vor hundert Jahren in Angst und Schrecken.

Viele der ersten Bakterien, die Pioniere wie Louis Pasteur und Robert Koch entdeckten, waren Krankheitserreger und die Verursacher dieser Krankheiten. So wurde ein Bild von einer unsichtbaren Gefahr aus dem Mikrokosmos geprägt. Die Forscher hatten damals auch noch nicht die technischen Möglichkeiten, um überhaupt zu erkennen, dass Bakterien überall um uns und in uns sind. Und vor allem nützliche“, sagt Jörg Overmann. So wurden Bakterien als Feinde verteufelt, wie auch alte Informations- und Werbeplakate für die Bevölkerung zeigen.

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Poster about tuberculosis in children and methods of transmission, showing a child wearing a bib. Town of Hempstead, W.H. Runcie M.D. Health Officer

 

Ganz natürlich leben auf und in unserem Körper Abermillionen Bakterien ganz verschiedenster Arten. Auf jede unserer Körperzellen kommt im Schnitt ein Bakterium. Wer es ganz genau wissen will: Es sind und  1013   Zellen und 1014 Bakterien in unserem Körper – also etwa zehnmal mehr Bakterien als Körperzellen. Eigentlich ist unser Körper ein Superorganismus aus vielen Kleinstlebewesen und wir müssten vor uns selber Angst haben.

Ohne diese kleinen Untermieter würden wir auch gehörige gesundheitliche Probleme bekommen. Nichts funktioniert mehr normal, keine natürliche Haut- und Mundflora, keine Verdauung usw. Wir erben die Bakterien-Flora schon bei der natürlichen Geburt von unseren Müttern. Durch den Vaginalschleim und das Stillen mit Muttermilch überträgt sie sich auf uns. Neuerdings werden auch Kaiserschnittkinder nach der Operation manchmal mit dem Vaginalschleim der Mutter eingeschmiert, um keinen Entwicklungsnachteil zu riskieren.

„Wir kennen etwa 600 krankheitserregende Bakterien. Denen stehen 10 Millionen bis 1 Milliarde Bakterienarten gegenüber, die für den Menschen von Nutzen sind.“ (Prof. Jörg Overmann,  Leibniz-Institut DSMZ-Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig)

Die meisten bakteriellen Untermieter leben natürlich im Darm. Dort unterstützen sie die Verdauung, in dem sie sonst für uns unverdauliche Nährstoffe „knacken“ und sie helfen bei der Abwehr von Krankheitserregern. Die Forscher beginnen aber heutzutage erst ansatzweise zu verstehen, wie wichtig eigentlich die Symbiose von Menschen und Körperbakterien ist.

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Störung der Darmflora im Kindesalter mit Zivilisationskrankheiten wie Asthma und Übergewicht im späteren Leben verknüpft ist. Demzufolge raten Mediziner zu einem sehr sorgsamen Umgang mit Antibiotika. Bei jedem Antibiotikaeinsatz sterben nicht nur die Krankheitserreger sondern auch unzählige nützliche Darmbakterien. Diese regenerieren sich nach der Therapie zwar langsam wieder – aber womöglich verändert sich das Artenspektrum dauerhaft.

Konsequente Hygiene in Krankenhäusern ist wichtig

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Prof. Ralf-Peter Vonberg, (Foto MHH)

Der unbedachte Einsatz von Antibiotika hat auch zur Bildung von multiresistenten Erregern geführt. Diese können vor allem in Krankenhäusern große Probleme bereiten – darüber informierte Prof. Dr. Ralf-Peter Vonberg vom Institut für Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover. „Keime wie Clostridium difficile und andere schädliche Darmbakterien sind stark auf dem Vormarsch.“ Deshalb gibt es einen konsequenten Einsatz von bestimmten Hygienemaßnahmen in den Krankenhäusern. „Hände, medizinische Geräte und sanitäre Anlagen werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Von jedem Patienten, der in der MHH eingeliefert wird, machen wir eine Aufnahmeuntersuchung auf multiresistente Keime (MRSA) und problematische Darmbakterien. Sollte sich dann herausstellen, dass er einen riskanten Keim hat, wird er in einem Einzelzimmer isoliert“. Diese Maßnahmen sind auch erfolgreich. MRSA haben sie auf diese Weise in den Griff bekommen – die Infektionen mit diesem Keim sinken, sagte Vonberg.

Der MRSA-Keim Staphylococcus aureus ist ein Paradebeispiel für einen Keim, der böse oder harmlos sein kann. Jeder dritte Mensch hat ihn in seiner Nase ohne irgendwelche Symptome einer Krankheit. So bringen die Leute die Erreger schon selbst mit in die Klinik, die später nach einer Operation kritisch werden können. Sind diese Keime dann gegen die gebräuchlichen Antibiotika resistent, sind die Therapiemöglichkeiten stark eingeschränkt und die Ärzte stehen mit dem Rücken zur Wand.

Zwar kommen wieder neue Antibiotika auf den Markt, aber die neuen Medikamente hängen der Resistenzentwicklung der Keime immer hinterher. Dazu kommt auch der unverantwortliche breite Einsatz von Antibiotika auf Wunsch der Patienten bei Husten und Schnupfen, die aber auf virulente Erreger zurückgehen. Hier müssen viele Ärzte dringend Fortbildungen bei der Antibiotikaversorgung erhalten, sagte Vonberg.
Viele Patienten haben heute schon Angst davor, überhaupt noch in ein Krankenhaus zu gehen. Wie hoch ist die Gefahr, sich anzustecken? Ein gewisses Restrisiko bleibt immer, aber er selbst hätte keine Angst in ein Krankenhaus zu gehen, meint dazu Prof. Vonberg.

„Wir brauchen Hygiene da, wo sie wichtig ist: im Krankenhaus. Aber außerhalb davon, plädiere ich dafür, Hygienehysterie zu vermeiden.“ (Prof. Ralf-Peter Vonberg, Institut für Krankenhaushygiene der Medizinische Hochschule Hannover)

Fragt man VonBerg danach, welche Tipps er seinen Patienten geben würde, so gibt er folgende Empfehlungen:

  • Im Krankenhaus den Arzt entschlossen vor der Behandlung danach fragen, ob er sich die Hände desinfiziert hat (auch wenn das etwas Mut erfordert)
  • Sich so wenig wie möglich mit den Händen ins Gesicht zu fassen, damit keine Keime in den Körper eindringen
  • In größeren Gruppen Handkontakte etwas einschränken
  • Im Ausland nur Durchgegartes essen und keine Salate usw. welche mit Trinkwasser gewaschen wurden
  • Im Familienhaushalt nur Händedesinfektion benutzen, wenn z.B. ein Familienmitglied einen Darminfekt hat, dann ist auch eine getrennte Toilette optimal

 

Flüchtlingskrise – Panik vor neuen Infektionen?

Vor allem in Schwellen und Entwicklungsländern breiten sich multiresistente Krankheitserreger dramatisch aus. Längst besiegt geglaubte Krankheiten wie Tuberkulose werden in Osteuropa, Indien und Afrika plötzlich wieder zum Problem.

Einige der von der langen Reise geschwächten Flüchtlinge bringen diese Erreger mit, berichtete Vonberg. „Aber das sind Einzelfälle, die wir gut beherrschen. Von einer Krankheitswelle, wie mitunter von der Bevölkerung angenommen, kann man nicht sprechen.“ Vorausetzung dafür ist nach Vonberg aber die gute Durchimpfungsrate in Deutschland.

Trotzdem beeinflussen Presseberichte natürlich die Menschen und ihre Ängste. So können manchmal auch wahnhafte Vorstellungen von einer „Kontamination“ durch Bakterien oder Viren entstehen. Damit können bei manchen Menschen direkt panische Ängste erzeugt werden, sagte PD Dr. Alexander Diehl von der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Städtischen Klinikum Braunschweig.

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PD Dr. Alexander Diehl,  (Foto: Klinikum Braunschweig)

 

Die wichtigste Hilfe für Betroffene ist dann zuerst eine Verhaltenstherapie. Die Patienten lernen über ein Entspannungstraining und eine Exposition gegenüber z.B. „keimbesiedelten“ Türklinken, wie sie ihre Kontaminationsangst und ihren Ekel beherrschen können. Manchmal klappt das auch nur im Zusammenspiel mit Medikamenten.

 

 

„Durch Achtsamkeit können wir Gefahren reduzieren, aber der Wunsch nach 100%iger Kontrolle kann zur Geißel werden.“ (Dr. Alexander Diehl, Klinik für Psychatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Städtisches Klinikum Braunschweig)

Ich freue mich immer über Kommentare !

Mit mikrobiologischen Grüßen

Susanne


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Mikrobe des Jahres 2016 – Streptomyces – die Pharmazeuten unter den Mikroben

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Streptomyces mit stark sporulierender Oberfläche, der rot gefärbte Stoffwechselprodukte ausscheidet (@Hildgund Schrempf)

Ta-daah! Trommelwirbel und Fanfare für die neue Mikrobe des Jahres 2016 und gleichzeitig unsere Mikrobe im Februar hier im Mikrobenzirkus! Die Bakteriengattung Streptomyces wurde in diesem Jahr von der VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) für den Titel ausgewählt.

Streptomyces ist sehr bedeutsam in der Medizin als Wirkstoffproduzent. Zwei Nobelpreise 1952 und 2015 wurden schon für das Antibiotikum Streptomycin und das Antiparasitikum Ivermectin vergeben.

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Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten – hier sichtbar als klare Hemmhöfe im Bakterienrasen, Fotomontage (@Hildgund Schrempf)

Aus Streptomyceten sind heute mehrere Tausend sehr unterschiedliche organische Moleküle bekannt. Diese können z.B. das Wachstum von Pflanzen stimulieren, hemmen andere Bakterien (Antibiotika) oder Pilze (Fungizide). Einige beeinflussen auch unser Immunsystem oder verhindern das Wachstum von Tumoren (Zytostatika).  Sie leben mit den Bakterien in enger Gemeinschaft und profitieren so von der Abwehr schädlicher Mikroorganismen. Bis heute ist Streptomyces mit rund 70 Prozent der erfolgreichste Lieferant antibiotischer Wirkstoffe, die therapeutisch einsetzbar sind. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass noch viele bislang unbekannte Schätze aus Streptomyceten in den nächsten Jahren gehoben werden können.

Diese Bakterien haben viele weitere Talente: Sie spielen eine wesentliche Rolle beim Recycling abgestorbener Pflanzen, für die Humusbildung und sorgen nebenbei für den frischen Duft von Waldboden.

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Streptomyces bauen tierische und pflanzliche Reste über Zwischenstufen zu wertvoller Erde um (@Hildgund Schrempf)

Streptomyceten scheiden zahlreiche Enzyme aus und bauen damit viele komplexe Substanzen ab, beispielsweise schwer spaltbare Stoffe wie Cellulose aus Holz oder Chitin von Insektenpanzern und Pilzen. Die entstehenden kleineren Nährstoffe dienen den Streptomyceten als Nahrung. So sorgen diese Bakterien für das Recycling von Pflanzenfasern und Resten abgestorbener Organismen.
Auch für Insekten sind sie sehr nützlich. Im Darm von Regenwürmern, Termiten und anderen Lebewesen bauen Streptomyceten schwer verdauliche Stoffe ab. Streptomyces trägt wesentlich zum ökologischen Stoffkreislauf bei sowie zur Bildung von Kompost und Humus. Zudem scheiden die Bakterien komplizierte, oft auffällig gefärbte Moleküle aus, die für unsere Gesundheit von unschätzbarer Bedeutung sein können. (Quelle: VAAM )

Nobelpreis für Streptomyces (Video)

Viele weitere spannende Informationen unter http://www.mikrobe-des-jahres.de/

Ein für Mikrobiologen sehr schönes Plakat zum Download findet ihr unter unter http://www.mikrobe-des-jahres.de/content/files/Plakat-MdJ-2016.pdf

Über den folgenden Schülerwettbewerb zur Mikrobe des Jahres halte ich euch hier auch auf dem Laufenden.

Mit mikrobiellen Grüßen 🙂 !