Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Lactobacillus-Gastartikel auf BETTER THAN EVER

Better than ever

Quelle: Better than ever

Das Online-Portal Better Than Ever hatte mich zu einem Gastartikel eingeladen – über das nützliche Bakterium Lactobacillus und seine Bedeutung für unsere Gesundheit.

Lactobacillus ist wichtig bei der Verdauung, für gestillte Babys, als Milchsäurebildner für begeisterte Fermentierer und vieles mehr.

Hier ist der Link: https://better-than-ever.com/tipps/lactobacillus-alleskoenner-fuer-die-gesundheit/

Viel Spaß beim Lesen!

Probiotische Grüße

Susanne

 


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Walnüsse fördern gute Darmbakterien

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Walnüsse sind positiv für die Darmflora (Quelle: Pixabay)

Walnüsse sind gesund – sie verbessern so viele Werte – Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker und Gefäßzustand. In einer Studie zeigte sich überdies, dass Walnüsse positiv auf die Darmflora einwirken. Ein gesunder Darm ist bekanntlich der Schlüssel zur Gesundheit. Unsere Ernährung wiederum kann unser Mikrobiom beeinflussen.

Eine spannende aktuelle LMU-Studie belegte jetzt, dass der regelmäßige Verzehr von Walnüssen sich günstig auf unser Darmmikrobiom auswirkt.  Was bedeutet aber regelmäßig?

 

Täglich 43 Gramm Walnüsse über 8 Wochen müsstet ihr schon vertilgen. Dann verbessert sich nicht nur der Cholesterinspiegel im Blut, sondern auch die Darmflora. Nur dann sind mehr probiotische und Buttersäure produzierende Bakterien im Stuhl nachweisbar.

„In der Studie konnte gezeigt werden, dass regelmäßiger Walnussverzehr, Bakterien fördert, die mit weniger Übergewicht und weniger Zuckerkrankheit verknüpft sind.“

Prof. Dr. Parhofer, Oberarzt in der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Universität München.

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Darmflora (Pixabay)

Bereits in den vergangenen Jahren wurde in Studien unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Parhofer ein positiver gesundheitlicher Effekt der Walnuss bestätigt.

 

43 Gramm pro Tag verbessern den Fettstoffwechsel und senken das schlechte Cholesterin nachweislich um ca. 5%, völlig unabhängig ob bei der Ernährung Fette oder Kohlenhydrate weggelassen werden. Somit konnte in der Studie nachgewiesen werden, dass alleinig der Nussverzehr der ausschlaggebende Faktor für den positiven Effekt auf den Cholesterinspiegel ist.

Jetzt jeden Tag ein paar Walnüsse knabbern?

Auf jeden Fall! Walnüsse eigenen sich sehr gut als kleiner Snack zwischendurch oder als crunchy Topping auf Salaten, Müsli, Quark und Co.

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Probiotische Grüße

Susanne

Originalpublikation:
A Walnut-Enriched Diet Affects Gut Microbiome in Healthy Caucasian Subjects: A Randomized, Controlled Trial
Charlotte Bamberger, Andreas Rossmeier, Katharina Lechner, Liya Wu, Elisa Waldmann, Sandra Fischer, Renée G. Stark , Julia Altenhofer, Kerstin Henze und Klaus G. Parhofer, Nutrients 2018
doi:10.3390/nu10020244


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Sport verändert das Darmmikrobiom

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Sport verändert das Mikrobiom im Darm (Quelle: Pexels CCO)

Der Darm steht immer noch hoch im Kurs. Seit etwa zehn Jahren wird das Darmmikrobiom erforscht: seine Fehlbesiedlung steht in engem Zusammenhang mit Fettleibigkeit, Krebs Diabetes oder chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen. Bisher konnten noch nicht alle Zusammenhänge zweifelsfrei beweisen werden.

Sicher ist aber: die Bakterien im Darm beeinflussen unsere Gesundheit. Spannend ist für die Forscher nun, wie sie unsere Darmflora beeinflussen können. Und hier kommt der Sport ins Spiel.  Eine neue Studie ergab, dass sich Bewegung direkt auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirkt.

Nützliche Bakterien mögen es sportlich

Die Studien zum Einfluss des Bewegungsverhaltens auf das Darmmikrobiom begannen die Forscher der Universität Illinois zuerst an einem Mausmodell. Jacob Allen und Jeffrey Woods untersuchten zwei Gruppen von Versuchsmäuse: eine sportliche Trainingsgruppe, die Zugang zu einem Laufrad hatte und eine „Sportmuffelgruppe“ ohne Sportgerät.
Nach sechswöchiger Beobachtung entnahmen die Wissenschafter Stuhlproben der Tiere beider Gruppen und implantierten diese in keimfreie Nager. Das Mikrobiom der Spendertiere zeigte je nach sportlicher oder untrainierter Gruppenzugehörigkeit gewisse Veränderungen, die sich auf die Empfängermäuse übertrugen.

Fazit: Die joggenden Mäuse lieferten an ihre Nagerkollegen mehr gute Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren (z.B. Butyrat) produzierten.  Die guten Darmbakterien siedelten sich im Darm der Empfängermäuse an und daraufhin passierten einige Veränderungen im Darm

  • Die kurzkettigen Fettsäuren senkten den pH-Wert im Darm und das behinderte die Vermehrung von Krankheitserregern im Darm.
  • Ein Mangel dieser Fettsäuren wird mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert.
  • Wurden die Mäuse mit krankmachenden Keimen infiziert, erholten sich die mit dem transplantierten Sportlerstuhl schneller.

 

Mehr kurzkettige Fettsäuren bei schlanken Menschen

Nach dem Experiment im Mausmodell überprüften die Forscher ihre Hypothese am Menschen. Sie luden 18 schlanke und 14 übergewichtige Studienteilnehmer ein, die alle hauptsächlich sitzende Tätigkeiten ausübten. Im Versuch mussten die Probanden dreimal wöchentlich im Rahmen von sechs Wochen Ausdauertraining absolvieren. Nach der sportintensiven Zeit lebten die Teilnehmer so weiter wie zuvor. In regelmäßigen Abständen gaben sie Stuhlproben an die Wissenschaftler ab.
Es konnten auch bei den Menschen ähnliche Ergebnisse dokumentiert werden. In diesem Fall sind Menschen auch nur Mäuse.

  • Die Konzentration kurzkettiger Fette, wie Butyrat erhöhte sich.
  • Genetische Tests belegten überdies Veränderungen im Mikrobiom.
  • Bei schlanken Probanden wirkte die Bewegung besonders gut, doch sobald sie den Sport wieder aufgaben, verschwanden die positiven Effekte wieder.

Zukünftig müssen noch weitere Studien gemacht werden, um klare Zusammenhänge und Empfehlungen zu präsentieren, trotzdem zeigt die Untersuchung einmal mehr, wie wichtig Bewegung für unsere Gesundheit ist.

„Dies sind die ersten Studien, die zeigen, dass Bewegung unabhängig von der Ernährung oder anderen Faktoren Einfluss auf den Darm hat. Die Quintessenz ist, dass es deutliche Unterschiede gibt, wie das Mikrobiom von übergewichtigen oder schlanken Menschen auf Bewegung reagiert. Wir müssen noch herausfinden, warum das so ist.“ (Jeffrey Woods, Universität Illinois)

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Fazit für uns: Etwas mehr Bewegung ist nicht nur für uns gut, sondern auch für unser Darmmikrobiom und unsere Gesundheit. Mit einer regelmäßigen Laufrunde könnt ihr auch noch etwas für eure Verdauung und einen gesunden Darm tun.

Ich habe meine Laufschuhe schon wieder herausgeholt und jogge mehrmals morgens um 7 vor der Arbeit meine Runde. Und ihr so?

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Quellen:

http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/19490976.2017.1372077

http://journals.lww.com/acsm-msse/Abstract/publishahead/Exercise_Alters_Gut_Microbiota_Composition_and.97045.aspx


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Powerprogramm für deine Darmbakterien

still-life-2338824_1920Der Dezember und die Adventszeit haben es in sich. Die paar Tage Völlerei über die Festtage mit der Familie sind dabei gar nicht das Problem. Seit November wechseln sich nette Treffen mit den Freunden auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein bei den Nachbarn oder zumindest Pfefferkuchen im Büro ab.  Dazu kommt noch der Stress, da das Jahresende naht und viele Dinge unerledigt sind. Wer fühlt sich gerade nicht schlapp und ausgepowert?

Es wird also Zeit, mal wieder aktiv etwas für uns und unsere Energie zu tun. Schließlich sind wir das, was wir essen! Eine gesunde Ernährung hat einen direkten Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Schokolade und der ganze andere Süßkram fördern nicht gerade ein gesundes Darmmikrobiom.

Damit wir die Feiertage gut überstehen, kommt jetzt ein kleines Powerprogramm für unsere Darmbakterien, damit wir gemeinsam die Festtage gut überstehen.

  •  Iss mehr gute Bakterien!
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Möhren – eine Woche fermentiert (Quelle Susanne Thiele)

Iss in diesen Weihnachtstagen ausreichend und regelmäßig Lebensmittel (Probiotika), die die Artenvielfalt in deinem Darm erhöhen. Die probiotischen Darmmikroben werden in unserem Verdauungstrakt meistens nicht dauerhaft heimisch. Wirkungsvoll sind sie aber dennoch, wenn sie regelmäßig gegessen werden.
Die besten Quellen für gute Bakterien, die unsere Verdauung unterstützen sind: Joghurt, Kefir, Kombucha, Miso, Tempeh, Sauerkraut oder Kimchi und natürlich auch Brot aus Sauerteig.

Versuch doch außerdem mal selbst frisches Gemüse zu fermentieren! Es ist wirklich unglaublich einfach.

Die Rezepte findest Du hier im Blog. Ich empfehle Dir als Anfänger das Sauerkraut oder die fermentierten Gewürzmöhren.

  • Füttere die guten Bakterien, die deinem Darm bewohnen!
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Darmflora (Pixabay)

Willst Du die guten und nützlichen Bewohner in deinem Darm fördern, solltest Du auch Präbiotika zu Dir nehmen. Das sind vor allem Kohlenhydrate, die ganz speziell diese Mikroorganismen in deinem Darm besonders gern „verfuttern“, wie den Ballaststoff Inulin, der aus vielen Fruktose-Molekülen zusammengesetzt ist.

Gutes „Bakterienfutter“ jetzt im Winter sind zum Beispiel: Chicorée, Kichererbsen, Linsen, Knoblauch, Zwiebeln, Schwarzwurzeln, Lauch, Pastinaken und Nüsse. Eine gute Alternative ist auch Malzkaffee, er liefert auch das „Bakterienleckerli“ Inulin, da er aus Zichorien-Wurzel gemacht wird.

  • Tricks für mehr Ballaststoffe!
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Vollkornbrot enthält ausreichend Ballaststoffe (Pixabay)

Die Ballaststoffe sind der unverdauliche Teil unserer Nahrung, der unseren Darm durchreist und über den Stuhl wieder verlässt. Unsere westliche Ernährung ist meist sehr arm an diesen Fasern und Ballaststoffen in unserer Nahrung. Das führt zu einem Verlust der Artenvielfalt im Darm.
Die Forschung hat aber gezeigt, dass Ballaststoffe einen sehr positiven Effekt auf die Darmgesundheit haben. Selbst die Faserstoffe, die von den Bakterien verschmäht werden, sind wichtig für den Darm und die Figur. Sie machen länger satt, senken den Blutzuckerspiegel, regen die Darmbewegungen an – das führt zu einer guten Verdauung und verhindert eine Verstopfung.
Die Faserstoffe „räumen“ im wahrsten Sinne des Wortes im Darm auf. Sie reinigen, saugen Giftstoffe auf und tragen sie letztendlich aus dem Darm heraus. Bei fettreichem Essen, welches in der Weihnachtszeit nicht selten ist, binden sie gesättigte Fette, die nicht in den Speckröllchen hängenbleiben. Auch der Cholesterinspeigel bleibt niedrig.

Ein paar Tipps gefällig?

Peppt euers Frühstück mit Vollkornflocken mit Apfel (mit Schale) oder streut Leinsamen, Sesam oder Nüsse drüber! Vollkornbrot oder –Nudeln sind immer zu bevorzugen!
Nüsse, Beeren und Rohkost öfter in den Winterspeiseplan einbauen!

 

  • Mehr resistente Stärke – unwiderstehlich für Darmbakterien!

Resistente Stärke ist ein Leckerbissen, bei dem Darmbakterien nicht „Nein“ sagen können. Und wie kommst Du da ran? Ganz einfach – die Stärke kommt in kalten Kartoffeln und kaltem Reis vor. Nach dem Erhitzen und anschließenden Abkühlen verändert sich die Stärke in einigen Nahrungsmitteln und kann der Verdauung in den oberen Darmabschnitten besser standhalten. Ein heißer Tipp sind nicht ganz reife grüne Bananen im Joghurtshake!
Als ein Effekt der resistenten Stärke gilt, dass sie die besonders die Zahl der „guten“ Bifidobakterien im Darm erhöht, die uns schlank halten. Auch feingemahlene oder Mandeln im Müsli lassen diese begehrten Bakterien wachsen.

  • Trink mehr!
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Ausreichend Trinken ist wichtig! (Pixabay)

Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig für unsere Verdauung. Bei einer erhöhten Ballaststoffzufuhr ist es sehr wichtig viel zu trinken! Die Ballaststoffe quellen auf und binden Wasser.

 

Am besten ausgleichen über kalorienarme Getränke wie Wasser, Tee, Kaffee.

 

  • Sport macht Darmbakterien Spaß!
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Sport macht Darmbakterien Spaß! (Pixabay)

Wissenschaftler haben es bewiesen: Wir machen unsere Darmmikroben sehr glücklich, wenn wir Sport treiben. Die Mikroflora von 40 professionellen Rugbyspielern sah deutlich abwechslungsreicher aus, als die von 46 übergewichtigen Nichtsportlern aus. Auffallend viele Akkermansia –Bakterien tummelten sich bei den Sportlern. Diese Keime schützen bekanntlich vor Übergewicht und Zuckerkrankheit.

 

Also baut doch nach dem Gänsebraten zumindest mal einen 30 minütigen Spaziergang ein, der verbraucht etwa 100- 130 Kalorien und hilft viel besser als der Verdauungsschnaps danach! Wer sich täglich konsequent ein halbe Stunde bewegt, hat schon eine Menge für seine Gesundheit und die Figur getan.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit!

Mikrobiologische Grüße

Susanne

Artikel zum Weiterlesen: Beeinflussen Darmbakterien unser Wunschgewicht ?


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Jetlag im Bauch – Zeitumstellung bringt Darmkeime aus dem Tritt

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Die Zeitumstellung beeinflusst auch unser Darmmikrobiom (Pixabay)

Bei der Umstellung auf die Winterzeit wird die Uhr Ende Oktober eine Stunde zurückgestellt: Eine Stunde geschenkter Schlaf – alle Eulen schreien „Holdrio“. Denn für Nachtmenschen ist die Umstellung auf die Winterzeit ein Grund zum Jubeln. Anders bei der Sommerzeit. Da werden die Zeitmesser vorgestellt und uns wird eine Stunde geklaut. Eine Stunde weniger Schlaf, dafür bleibt es abends länger hell.

Die Sommerzeit wurde aus Gründen aus Gründen der Energieeinsparung in Deutschland 1980 eingeführt. Energiespareffekte sind allerdings nicht nachweisbar. Bei sensiblen Menschen kann es dagegen vorübergehend zu Müdigkeit und Schlafstörungen führen.

Dabei sind die „Eulen“ Schlaftypen, die abends länger wach sind und morgens schwer aus den Federn kommen. Die Umstellung auf die z.B. die Winterzeit fällt ihnen leicht, weil sie morgens eine Stunde länger liegen bleiben dürfen. Ich als Frühaufsteher und „Lerche“ werde wohl einige Wochen noch früher als 5 Uhr wach werden.

Unsere innere Uhr

Alle Lebewesen haben eine innere Uhr – selbst Mikroorganismen, die unseren Darm bewohnen, sind davon nicht ausgenommen. Die mikroskopisch kleine Gesellschaft in unserem Inneren ist genauso störanfällig, wie der Mensch für die Zeitverschiebungen. Das berichteten israelische Wissenschaftler im Fachjournal „Cell“.

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Auch Fernreisen über verschiedenen Zeitzonen haben Einfluß auf unsere Darmflora und damit auf unsere Gesundheit (Pixabay)

Die Forscher hatten im Jahre 2014 zum ersten Mal beobachtet, dass auch die Darmbewohner ihren eigenen Biorhythmus mit dem ihres Wirtes synchronisieren. Gerät unsere innere Uhr durcheinander, kommen auch die Darmkeime aus dem Takt. Schuld daran können die Zeitumstellung, aber auch Fernreisen über mehrere Zeitzonen oder Schichtarbeit sein. Dies könnte unsere Gesundheit und Psyche beeinflussen.

 

Das Team um Eran Elinav vom Weizmann Institute of Science in Rehovot konnte in einem Experiment mit Mäusen zeigen, dass dies zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Unser Körper wird vor allem durch den Tag-Nacht-Rhythmus, den regelmäßigen Wechsel von Licht und Dunkelheit gesteuert. Statistische Analysen zeigten, dass Schichtarbeiter oder Vielreisende vermehrt an Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht leiden.

Darmflora unterliegt tageszeitlichen Schwankungen

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Unsere Darmbakterien sind mehr als nur einfache Verdauungshelfer – das zeigt sich in den letzten Jahren immer klarer. Der richtige Mikroben-Mix scheint vor Asthma und Allergien, vor Übergewicht und Diabetes zu schützen, sogar die Psyche könnte durch Bakterien beeinflusst werden.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Zusammensetzung der über 1000 Arten von Darmbakterien im Laufe des Tages änderte – zunächst bei Mäusen. Sie fanden, dass die Häufigkeit verschiedener Arten von Bakterien im Verlauf des Tages zu- und abnahm. Auch spezifische Funktionen der Darmflora veränderten sich rhythmisch. Bei den nachtaktiven Nagern dominierten in der Dunkelphase etwa Stoffwechselwege, die mit dem Energiehaushalt, der Nahrungsverwertung oder dem Wachstum in Verbindung stehen. In der hellen Phase stand unter anderem die Entgiftung im Vordergrund.

Unregelmäßige Essenszeiten sorgen im Darm für Chaos

Getaktet werde die innere Uhr der Bakterien auch über den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, berichten die Wissenschaftler in „Cell“. Veränderten die Forscher die Fütterungszeiten der Mäuse und den Hell-Dunkel-Wechsel, geriet die Darmflora der Tiere durcheinander. Eine fetthaltige Ernährung führte unter diesen Bedingungen zu Übergewicht und Glukoseintoleranz, die als Vorstufe von Diabetes gilt. Bei den normal getakteten Mäusen geschah das nicht. Übertrugen die Wissenschaftler die Mikroben aus dem Darm von Mäusen im künstlichen Jetlag auf keimfreie Artverwandte, legten diese ebenfalls an Gewicht und Körperfett zu. Auch ihr Blutzuckerspiegel stieg.

In einem Folgeexperiment zeigten die Forscher, dass auch die Darmflora des Menschen rhythmischen Schwankungen unterliegt und ein Jetlag ebenfalls die Zusammensetzung der Bakterien verändert. Mäuse, die Bakterien aus dem Darm solcher Probanden erhielten, nahmen zu und ihr Blutzuckerspiegel stieg.

Studie erklärt, warum häufiger Jetlag krank macht

Ihre Ergebnisse seien als vorläufig zu betrachten, schreiben die Wissenschaftler. Sie legten jedoch nahe, dass Störungen der inneren Uhr beim Menschen die mikrobielle Gemeinschaft im Darm veränderten, was wiederum Stoffwechselprobleme verursachen könne. Dies erkläre möglicherweise die Verbindung zwischen Schichtarbeit, häufigen Flugreisen und Erkrankungen. Zur Behandlung biete sich demnach eine gezielt probiotische oder antimikrobielle Therapie an, schreiben die Forscher.

Zeitumstellung und Jetlag schaden der Darmflora nur vorübergehend

Dass sich die Darmflora in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme ändert, ist für weiter Experten, wie den Mikrobiologen Michael Blaut, Leiter der Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam icht weiter verwunderlich. Allerdings komme die Studie seiner Meinung nach zu interessanten Ergebnissen.

Sie liefere überzeugende Argumente dafür, dass ein Organismus auch in seiner Mikroflora abgebildet werde. Blaut betonte, dass Veränderungen der Darmflora wie die nach einem Jetlag oder nach der halbjährlichen Zeitumstellung innerhalb kurzer Zeit umkehrbar seien.

Praktische Tipps, um die innere Uhr umzustellen:

  • Abends zur gleichen Zeit wie immer schlafen gehen!
  • Sorge dafür, dass Du nachts kein Licht und tagsüber viel Licht von draußen bekommst!
  • Plagt die Müdigkeit, dann tanke einfach tagsüber mehr Sonnenlicht und geh an die frische Luft!
  • Keine aufputschenden Getränke am Abend, wie Kaffee etc.!

 

Eine gute Umstellung wünsche ich Dir!

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Mikrobiom: Bakterien ähneln sich bei Paaren

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Zweisamkeit führt bei Paaren dazu, dass sich die Hautbakterien angleichen. (Quelle: Pixabay)

Männer und Frauen sind in vielen Dingen ganz verschieden. Mars und Venus, Sie wissen schon! Leben sie aber zusammen, werden sie sich immer ähnlicher und auch ihre Bakterien gleichen sich an.

KissDass ein zehn Sekunden dauernder Kuss zu einem Austausch von rund 80 Millionen Bakterien führt, war uns bislang schon bekannt (Studie in Microbiome).

Nun gibt es aber Neuigkeiten. Wer mit seinem Partner zusammen lebt, teilt nicht nur Kaffeebecher und Sofa, sondern auch die Bakterien, die auf der Haut leben. Das fanden jetzt Forscher der Universität Waterloo, USA heraus. Manche Körperstellen sind dabei stärker betroffen als andere.

Männer und Frauen übertragen offenbar einige Stämme ihrer Hautbakterien auf ihren Partner, sodass sich die Bakteriengemeinschaft auf der Haut vermischt.

Dabei war die stärkste Übereinstimmung der Hautbakterien an den Füßen der Probanden in der Studie zu finden, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin mSystems berichten.

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„Das ergibt durchaus Sinn: Man duscht und geht auf demselben Fußboden barfuß. Dieser Vorgang führt wahrscheinlich zum Austausch der Bakterien mit dem Partner und auch mit dem Boden“, berichtet der Studienautor Josh Neufeld.

Es zeigte sich, dass ein spezielles Computerprogramm sogar mit 86-prozentiger Genauigkeit identifizieren konnte, wer als Paar gemeinsam in einem Haushalt lebt.

Andere Einflüsse wie das Geschlecht und die betrachtete Körperregion spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und hätten sogar größere Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bakterienflora als der Partner. Beispielsweise ähnle der mikrobiologische Abstrich der Haut an den Innenseiten der Oberschenkel einer Frau viel mehr dem anderer Frauen, als dem ihres Partners.

Für die Studie untersuchten Forscher 330 Abstriche von 17 verschiedenen Hautregionen. Alle Studienteilnehmer kamen aus dem Raum um Waterloo und waren heterosexuell. Die Abstriche nahmen die Teilnehmer selbst, zum Beispiel in der Nase, an den Handflächen und im Bauchnabel.

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Migräne: Sind Bakterien schuld?

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Migräne bedeutet weit mehr als übliches „Kopfweh“. Rund 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne. Frauen häufiger als Männer. Im Schnitt erleiden die meisten zwei Attacken im Monat, die jeweils bis zu drei Tage dauern. (Quelle: CC0_Public Domain)

Da ich – wie 15 Prozent der Bevölkerung – in Abständen heftige Migräneattacken bekomme, verfolge ich interessiert neue Forschungsansätze und Theorien zur Vorbeugung und Behandlung. Neue Theorien zur Migränevorbeugung stehen im engen Zusammenhang mit dem Vagusnerv oder mit einem „Nitratkopfschmerz“.

Gehirn und Darm eng verbunden

Der Vagusnerv zieht seine Bahn vom Gehirn aus in den Bauchraum und ist an der Regulation fast aller inneren Organe beteiligt. Er kontrolliert Funktionen wie unseren Herzschlag, die Atmung, Verdauung. Einige Forscher gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen Migräne und dem Mikrobiom besteht – die bei jedem Menschen individuelle Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm.

„Die Bakterien haben einen Einfluss auf die Barriere-Funktion der Darmwand, die Gifte und schädliche Keime am Eindringen hindert. Bei einer Darmentzündung etwa ist dieser Mechanismus gestört. Es gibt Hinweise, dass das Mikrobiom auch auf Entzündungszellen im Hirn wirken kann.“
Andreas Straube, Leiter der Neurologischen Poliklinik am Klinikum Großhadern und Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

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Hintergrund dafür ist die Vermutung, dass nicht allein das Gehirn über Nerven Informationen an den Darm sendet, sondern dass diese Kommunikation auch umgekehrt läuft. Bezogen auf die Migräne lautet die These, dass bestimmte Bakterienstämme in der Darmwand über den Vagusnerv als Verbindung zum Gehirn Attacken begünstigen können.

 

Daraus ergibt sich der Umkehrschluss: eine gezielte Veränderung der Darmflora müsste helfen können, Anfälle zu verhindern. Migräne hat häufig auch mit Beschwerden des Magen -Darm-Traktes zu tun.
Aktuell laufen im Team von Andreas Straube kleine Studien mit bestimmten Probiotika, welche die Darmflora von Migränepatienten verändern sollen. Erste positive Effekte sind zu sehen. Es sind aber noch weitere umfangreiche Forschungen notwendig, um tatsächlich zu klären, ob man so Migräne lindern kann.

Mundflora möglicher Triggerfaktor

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Grünes Blattgemüse sorgt bei manchen Menschen für Kopfschmerzen. Dabei könnte es sich um einen Nitratkopfschmerz handeln, verursacht durch bestimmte Bakterien, die in der Mundflora leben. (CC=_Public Domain)

 

Eine weitere neue Theorie konzentriert sich besonders auf die Bakterienflora im Mund von Migränepatienten. Der Verzehr Nitrathaltiger Lebensmittel könnte bei einigen Betroffenen Kopfschmerzattacken auslösen.

Nitrat kommt zu Beispiel in Wurst, Rote Beete, Kohlrabi oder grünem Blattgemüse wie Spinat vor. Manche Menschen bekommen nach dem Verzehr dieser Lebensmittel Kopfschmerzen. In Untersuchungen verursachte auch medizinisch verabreichtes Nitrat – etwa aus Nitrosprays für Patienten mit Angina Pectoris oder Herzinsuffizienz – bei vier bis fünf Anwendern starke Kopfschmerzen aus. Welche Gründe sehen die Forscher?

Bakterien reduzieren Nitrat

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In der Mundhöhle leben Bakterien, die Nitrate aus der Nahrung zu Nitrit reduzieren können, z.B. die Gattungen Pseudomonas oder Streptokokken. Wir Menschen verfügen selber nicht über ein entsprechendes Enzym dazu.
Im Blutkreislauf kann Nitrit dann zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt werden, welches gefäßerweiternd wirkt.
Eine starke Weitung der Adern im Gehirn gilt als wahrscheinlicher Auslöser plötzlicher Migräneattacken. Verzögerte Attacken, zum Beispiel nach dem Verzehr von triggernden Lebensmitteln, werden vermutlich durch andere Mechanismen ausgelöst (darunter die NO-abhängige S-Nitroyslierung).

„Bisher wurde angenommen, dass gewisse Lebensmittel – darunter Schokolade, Wein und nitratreiche Speisen – Migräne auslösen oder ihr Auftreten zumindest begünstigen können. Daher vermuteten wir, dass eventuell ein Zusammenhang zwischen der Ernährung, den Mikrobiomen eines Menschen, und dem Auftreten von Migräne besteht. “
Antonio Gonzalez, Hauptautor der unten genannten Studie im Journal MSystems,

In einer  Mikrobiomanalyse fand das Team um Prof. Dr. Rob Knight von der San Diego School of Medicine in Kalifornien heraus, dass bei Migränikern mehr Nitrat-reduzierende Bakterien in der Mundhöhle vorkommen als bei anderen Menschen. Die Forscher hatten das Mikrobiom in Kot- und Speichelproben von Menschen, die unter Migräne leiden aus dem „American Gut Project“ analysiert, wie sie im Journal MSystems beschrieben. Dabei stellten die Forscher fest, dass Menschen, die häufig unter Migränen litten, mehr nitratreduzierende Bakterien aufwiesen. Insgesamt wurden über 170 Oral- und 2.000 Stuhlproben analysiert.

„Wir konnten feststellen, dass die im Mund vorkommenden Bakterien sich in Maßen positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Im Überschuss wurden sie allerdings mit Migräne-Anfällen in Verbindung gebracht. Bisher ist noch unklar, ob die erhöhte Anzahl von Mikroben Auslöser oder Folgeerscheinung einer Migräne ist.“
Dr. Embriette Hyde

Noch unklare Erkenntnis: Weitere Studien notwendig

Obwohl die Migräne-Erkenntnisse natürlich revolutionär wirken und mögliche Erklärungen liefern könnten, ist der Zusammenhang von Nitrat und den Attacken noch nicht eindeutig bestätigt. Es ließe sich schwer beurteilen, ob die erhöhte Anzahl der Nitrat-reduzierenden Bakterien in den Speichelproben eine zufällige Begleiterscheinung sei oder tatsächlich mit einer Unverträglichkeit von Blatt- und Wurzelgemüse zusammenhängt.
Weitere Studien sollen es sich zur Aufgabe machen, genau diese Antwort zu liefern, um betroffenen Patienten bei der Vermeidung von quälenden Schmerzattacken behilflich zu sein. Falls ein Zusammenhang besteht, könnten zukünftig einmal Probiotika zur Migräneprohylaxe entwickelt werden.

Link zur Publikation:

Migraines are correlated with higher levels of nitrate-, nitrite-, and nitric oxide-reducing oral microbes in the American Gut Project Cohort,” wurde online publiziert am 18. Oktober 2016  im Journal  der American Society for Microbiology.

Wie immer freue ich mich über deine Kommentare oder Anregungen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Spargel – gesund für dein Mikrobiom

Spargel Gesund fürs Mikrobiom

Quelle: Susanne Thiele

Es ist Spargelzeit! Hier in Niedersachsen geht in diesen Tagen eigentlich nichts ohne die weißen oder grünen Stangen. Traditionell geht die Spargelzeit bis zum Johannistag – dem 24. Juni. Manche nennen das Ende der Spargelsaison auch Spargelsilvester. Danach wird eigentlich kein Spargel mehr gestochen. Eigentlich!

Reich an wertvollen Inhaltsstoffen

Spargel ist ausgesprochen gesund und ideal zum Abnehmen – sofern man sich bei Butter und Soße etwas zurückhält. Er enthält kaum Kalorien, da er zu 95 Prozent aus Wasser besteht. Dann kommen noch circa zwei Prozent Proteinen, circa vier Prozent Kohlenhydrate und nur 0,2 Prozent Fette dazu. Das sind nur 150 Kalorien pro Kilogramm.
Die milchweißen Stangen enthalten außerdem viele wertvolle Inhaltsstoffe. Zum Beispiel Vitamin C, Vitamin E und die für das Nervensystem wichtigen B-Vitamine. Kalium wirkt das blutdrucksenkend und ist wichtig für das Funktionieren der Nervenreizleitungen. Das Kalzium im Spargel ist ein wichtiger Baustein für Zähne und Knochen. Phosphor verbessert den Transport, die Speicherung und die Verwertung von Energie im menschlichen Körper.
Als besonderen Inhaltsstoff enthält Spargel die Asparaginsäure. Sie regt die Nierenfunktion an und wirkt somit entwässernd und führt zur bekannten harntreibenden Wirkung des Spargels. Den typischen Spargelduft erkennt ja jeder! Ein Enzym spaltet die in der Asparaginsäure eingeschlossenen schwefelhaltigen Verbindungen, welche für den unangenehmen Geruch verantwortlich sind.

Spargel ist gesund für Dein Mikrobiom 

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Darmflora (Pixabay)

In unserem Darm leben Billionen von Bakterien, insbesondere im Dickdarm. Die Mikroorganismen bilden hier die natürliche Darmflora, auch Mikrobiom genannt. Ein gesundes Mikrobiom ist für den Körper ausgesprochen nützlich: Die Darmbakterien helfen bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen, verhindern, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten können, und tragen zum Funktionieren unseres Immunsystems bei. Außerdem regt die Darmflora die Darmbewegungen an und produziert das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K.

 

Spargel gehört zu den Gemüsesorten, die viele Ballaststoffe enthalten wie Inulin. Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fructose-Bausteinen. Diese „Präbiotika“ stecken auch in vielen Gemüsen wie zum Beispiel Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch, Artischocken und Bananen. Sie sind im Prinzip nichts anderes als besonders gutes Futter für Milchsäurebakterien (Laktobazillen) und andere „wohltätige“ Darmbakterien. Mit der Nahrung aufgenommen, gelangen sie praktisch unverdaut in den Darm. Manche der guten Bakterien im Dickdarm stürzen sich geradezu auf die Präbiotika, verwerten sie bevorzugt und können sich dadurch vermehren.

Im Gegensatz zu anderen Ballaststoffen können Inulin und Oligofructose nur von den guten Bakterien z.B. Bifidobakterien verdaut werden. Ohne die kleinen Helfer würden diese einfach wieder ausgeschieden. Krank machende Bakterienstämme wie etwa Clostridien und bestimmte Arten von E. coli haben es dann schwerer, sich im Darm auszubreiten. Zudem helfen Präbiotika auch bei einem trägen Darm, Durchfall oder Verstopfung.

Präbiotische Stoffe werden auch oft Backwaren, Müsli, Süßigkeiten oder Säuglingsnahrung zugesetzt. Am meisten freuen sich die guten Darmbewohner aber über die natürlichen Ballaststoffe aus Vollkorngetreide, Spargel oder auch Bananen. Rund 30 Gramm Präbiotika sollten Erwachsene am Tag zu sich nehmen. Das ist über einen ausgewogenen Lebensstil in der Regel gewährleistet.

Spargel macht munter  

Außerdem soll das königliche Gemüse müde Männer munter machen. Spargel sagt man eine potenzsteigende Wirkung nach. Schon in alten Zeiten wurde er als Liebenstrank und aphrodisierendes Pulver eingenommen. Grund dafür – so weiß man heute – ist das Vitamin E, welches bei Mattigkeit hilft. Auch bei müden Frauen hat es eine vitalisierende Wirkung.

Nicht für jeden gesund

Übrigens sollte nicht jeder viel Spargel essen. Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut sollten auf das edle Gemüse besser verzichten, weil sonst Gichtschübe zu befürchten sind. Auch wer zu Nierensteinen neigt, sollte Spargel besser von seiner persönlichen Speisekarte streichen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Love-Story mit Mikroben

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Mikroben bestimmen unsere Partnerauswahl (Illustration: Simone Ruschinzik)

Zum Valentinstag sollte man nicht nur seinem oder seiner Liebsten danken, sondern auch den dazugehörigen Genen und Mikroben. Zählt man die Zellen unseres Körpers, ist nur ein Zehntel davon menschlich. Die restlichen 90 Prozent sind Bakterien, das sogenannte Mikrobiom. Wir sind also eigentlich gar keine Einzelwesen- wir sind Holobionten!

Die Erforschung des Mikrobioms, der Gesamtheit der unseren Körper besiedelnden Mikroben, schreitet rasend voran. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Gemeinschaften, von denen die meisten in unserem Darm leben, unsere Gesundheit auf vielfältigen Wegen beeinflussen können: so beispielsweise das Auftreten von Allergien, unser Gewicht, unsere Anfälligkeit für Infektionen sowie unsere Launen. Mikroben machen uns sogar attraktiv und beeinflussen unsere Partnerwahl!

Mikroben machen sexy

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In einer Studie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) beobachtete man Erstaunliches, nachdem man Mäuse mit gesunden probiotischen Mikroorganismen fütterte. Die Männchen, deren Magen-Darm-Gesundheit auf diese Weise verbessert wurde, entwickelten sich zu regelrechten „Traumprinzen“ unter den Nagetieren. Sie zeigten ein besonders schön glänzendes Fell, hatten einen erhöhten Testosteronlevel und vergrößerte Hoden. Sie befruchteten ihre Partnerinnen häufiger und produzierten mehr Babies als die Kontrollmäuse.

Bei den Mäuseweibchen hatte die Probiotikagabe noch tiefgreifendere Konsequenzen. Bei den Tieren stieg der Level an Interleukin 10 an, welches dabei hilft, Entzündungen zu vermeiden und Schwangerschaften zu sichern. Außerdem wurde ein wichtiges Hormon produziert – Oxytocin – das sogenannte „Liebes- oder Bindungshormon“. Es wird beim Küssen ausgeschüttet oder beim Stillen. Oxytocin hat auch gleichzeitig große Effekte auf die Mutterschaft. Weibliche mit probiotischen Joghurt gefütterte Mäuse stillten ihre größeren Nachkommen länger und effektiver. Mäuse mit hohen Oxytocin – Level pflegten und umsorgten ihren Nachwuchs.

Danach gefragt, ob solche Erkenntnisse davon auf Menschen übertragen werden könnten, antwortete die Studienteilhaberin und Mikrobiologin Dr. Susan Erdmann vom MIT: „Es gibt bestimmt Zusammenhänge mit Menschen. Harvard-Wissenschaftler berichten konkret von besserer Samenqualität bei Männer nach Joghurt-Genuss“.

Mikroben lassen uns gesund und sexy aussehen. Sie machen die Haut weich und die Haare glänzend.

Bakterien & Co beeinflussen unsere Partnerwahl

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Unsere Erbinformation – die DNA Quelle: CCO Public Domain

Wenn Säugetiere – wie wir Menschen – ihre Partner aussuchen, tun sie dies auf der Basis eines gesunden Erscheinungsbildes.

Dabei wählen sie nicht nur ein attraktives und passendes Set an Genen, um gesunden Nachwuchs zu erzeugen – wahrscheinlich wählen sie auch gleichzeitig eine Mikrobenflora aus, die die Reproduktion erleichtern könnte. Offenbar verrät unsere individuelle Duftnote potenziellen Liebes-Kandidaten, wie es um unsere Abwehrkräfte bestellt ist.

Warum ist das Immunsystem so wichtig bei der Partnerwahl? Sex lohnt sich nur – sagen Evolutionsbiologen – wenn diese Fortpflanzung aussichtsreicher ist als eine Vermehrung ohne Sex. Ein großer Vorteil der schönsten Sache der Welt ist, dass sich die Erbinformationen von Ei- und Samenzelle mischen: Der Nachwuchs ist dadurch genetisch besser gegen Krankheiten gewappnet – das sichert das Überleben der Art.

Wirbeltiere haben in ihrem Erbgut Gene, die zum sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplex, kurz MHC-Komplex gehören. Dies ist ein „Erkennungsdienst“ für böse Eindringlinge. Die MHC-Gene sorgen dafür, dass unser Immunsystem fiese Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und größere Parasiten bekämpfen kann. Wir haben neun MHC-Gene, von denen es aber Hunderte von Varianten – die Allele – geben kann. Ganz bestimmte Allele sind für ganz bestimmte Eindringlinge zuständig. Daher ist es wichtig, dass der Nachwuchs von Partnern gezeugt wird, deren MHC-Allele sich deutlich voneinander unterscheiden, weil dann mehr Keime aufs Korn genommen werden können. Sex garantiert diese genetische Diversität.

Mikroben haben also eigentlich den Sex erfunden! Schaut man sich die ganze Sache aus der Perspektive der Mikroben macht das auch Sinn. Indem Mikroben die passenden Partner zusammenbringen, helfen sie dabei, ihr eigenes Fortbestehen zu sichern, indem ein neuer Wirt geschaffen wird. Das ist also eine typische Win-Win-Situation!

Danken Sie also den krankheitserregenden Mikroben und Parasiten für die Möglichkeit sich zu verlieben – mit allem was sonst noch dazu gehört.

Das Geheimnis der Körperdüfte

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Traummann am Duft erkennen? (Quelle: CCO Public Domain)

Immer der Nase nach, so könnte das Motto der Suche nach dem Traummann oder der Traumfrau lauten. Schon in den in den Tagen bevor Deos und Parfüms verwendet wurden, transportierten unsere Körpergerüche wichtige Informationen.

Im Tierreich klappt das zumindest perfekt. Mäuse können erschnüffeln, ob ihr potenzieller Partner zu ihnen passt. Brünstige Eber versprühen das Pheromon Androstenon, einen Botenstoff, auf den die Sauen besonders stehen.

Ähnliche Mechanismen vermuten die Forscher auch bei Menschen. Studien zeigen, auch wir folgen in Liebesdingen wahrscheinlich unserem Geruchssinn. Im Namen der Wissenschaft durften Frauen an getragenen Männer-T-Shirts schnuppern und daraus auf die Attraktivität der Hemdenträger schließen. Sie bevorzugten, unbewusst, den jeweils genetisch am besten passenden Partner für den fittesten Nachwuchs.

Neben den Pheromonen spielt auch unser Körperduft eine große Rolle. Normalerweise riecht menschlicher Schweiß nicht. Der Duft kommt erst zustande, wenn Mikroben, wie z.B. Staphylococcus epidermis den Schweiß „essen“ und damit unser individueller Körpergeruch entsteht, der darüber entscheidet, ob wir unser gegenüber riechen können oder nicht. Ob Frauen nun das Aroma des Mikroben-Mix wahrnehmen oder den Duft der Gene, bleibt aber noch ein Rätsel.

Küssen ist eigentlich eine Schluckimpfung

KissKüssen ist bei fast allen menschlichen Kulturen verbreitet. Manchmal ist es auch eher ein Nasenkuss. Auf alle Fälle ist es ein schönes Mittel gegen Virusinfektionen. Bei jedem Kuss werden etwa 80 Millionen Bakterien ausgetauscht. Also nichts für Hypochonder!

Die im Speichel des Partners enthaltenen Bakterien regen den Aufbau von Antikörpern an und verbessern so die Abwehrkräfte. Menschen tragen auch chronische virale Infektionen, die einen Fötus während der Schwangerschaft schädigen können. Das romantische Küssen ist damit wahrscheinlich auch gleichzeitig eine Art Schluckimpfung der Frauen. Damit erhalten sie potenziell gefährliche Infektionen vom Kindsvater und die Chancen einer gesunden Schwangerschaft steigen.

Bruder- und Schwesterliebe

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Affenliebe bei Bonobos (Quelle: CCO Public Domain)

Auch diese Liebe hat eine mikrobielle Komponente. Tiere, die in Gruppen zusammenleben, teilen Parasiten und Infektionen. Sie teilen damit natürlich auch gesundheitsfördernde Mikroben, die sich über die gleichen Mechanismen verbreiten.

Forscher vermuten, dass der Hintergrund nützliche Mikroben miteinander zu teilen, sogar das Sozialverhalten der Tiere begründen könnte. In einem Salamander-Nest werden beispielsweise Mikroben geteilt, um die Eier gegen pathogene Pilze zu schützen. Hummeln teilen symbiotische Bakterien, um sich gegen Parasiten zu wehren. Diese Thesen sind bei Säugetieren noch nicht ausreichend überprüft. Bekannt ist aber, dass Menschen, die zusammenleben, auch das das gleiche Mikrobiom aufweisen. Auch bei Pavianen wird dies beobachtet, die sich gegenseitig pflegen.

Mutterliebe und ein Schwung Mikroben

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Stillen Quelle: CCO Public Domain)

Mütter geben ebenfalls gute Mikroben an ihre Kinder weiter. Zum Beispiel fressen junge Elefanten den Kot ihrer Mutter, um mit den richtigen Mikroben die Nahrung zu verdauen.

Menschen erhalten den ersten Schwung Mikroben bei der Geburt durch den mütterlichen Geburtskanal. Später kommt das Stillen mit Muttermilch dazu, die Milchzucker enthält, den nur spezielle Mikroben in unserem Darm verdauen können.

Mutterliebe hat also auch viel mit dem Versorgen mit dem richtigen Set an Mikroben zu tun und einer strengen Kontrolle über die Mikroben, die wir weitergeben von einer Generation zur nächsten – zu unserem Vorteil.

 

Viel wird noch geforscht in diesem spannenden Feld. Es ist aber eine sehr interessante Vorstellung, dass Liebe, Verlangen, Romantik-Komödien im Kino oder sogar Shakespeares Sonette vom guten Zusammenspiel im wimmelnden Ökosystem der Mikroben abhängen.

Zum Weiterlesen: Dumont-Buchverlag: Warum wir es tun, wie wir es tun

(ab April 2017 als Taschenbuch)

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Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Warum Adele und Prinz Harry jetzt weniger duschen – Cleansing Reduction

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Täglich duschen – muss das eigentlich sein? (CC Public Domain, Pixabay)

Also irgendwann im Leben muss man(n) oder frau sich entscheiden. Entweder bin ich ein wohlriechender Mitmensch oder sollte ich der Mikroben-WG auf meiner Haut vielleicht eher eine gesunde ökologische Nische bieten? Eine schwierige Frage – ich möchte mich ja auch noch in der Umwelt unter Menschen bewegen…

Aber mal ganz ehrlich, wie sieht unser gewöhnlicher Morgen aus. Ich habe zum Beispiel unkomplizierte kurze Haare und springe morgens komplett unter die Dusche. Und das täglich. Natürlich! Wenn ich nach dem Büro noch Joggen gehe -so alle 2-3 Tage – dann dusche ich abends auch nochmal. Haare shampoonieren, sich einseifen unter dem Wasserstrahl – für mich ist das eine ganz selbstverständliche Hygiene.

Keine Zeiten für feine Näschen

Täglich duschen? Für unsere Vorfahren noch bis vor 150 Jahren war das ganz und gar nicht selbstverständlich. Sie duschten sich nie und wuschen sich kaum. Deos und Seifen waren nicht bekannt. Dementsprechend dürften sie auch gestunken haben. So richtig geändert hat sich das erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um 1850 forderte der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis erstmals medizinisches Personal auf, sich regelmäßig die Hände zu waschen vor dem Kontakt mit den Patienten. Etwas später entdeckte Louis Pasteur, der bekannte französische Chemiker, den Zusammenhang zwischen Bakterien und Krankheiten. So startete die Hygiene-Revolution. Wir leben heute viel gesünder und vor allem länger mit einer viel höheren Lebensqualität. Aber es gab vor 150 Jahren kaum Akne oder Hautallergien.

Unsere moderne Körperhygiene hat also nicht nur positive Seiten, vor allem nicht wenn sie zum übertriebenen Sauberkeitswahn auswächst. Mit all den Seifen, Lotionen, Deos und Shampoos „killen“ wir Tag für Tag Milliarden von guten Bakterien, die unsere Haut besiedeln. Ziemlich kontraproduktiv. Denn meistens sind das gute bakterielle Nachbarn, die schon Hunderttausende von Jahren mit uns leben. Die Mehrzahl ist uns wohlgesonnen, trägt zur Hautgesundheit bei und unterstützt uns in der Abwehr gefährlicher Keime an vorderster Front. Die Symbiose von Mensch und Mikrobe ist auch hier ein evolutionärer Glückfall!

Mikrokosmos Haut – „Terra incognita“

Wer lebt denn eigentlich Haut an Haut mit mir? Das Ökosystem unserer zarten Schutzhülle mit seinen zahlreiche Bakterien, Viren, Pilze und Milben ist noch weitgehend „Terra incognita“. Erst seit etwa 10 Jahren interessieren sich Biologen überhaupt für das Hautmikrobiom.
Mindestens sieben Milliarden Mikroorganismen besiedeln unsere knapp zwei Quadratmeter große Haut. Die Haut eines Embryos ist noch keimfrei, aber schon mit der Geburt beginnt die Besiedelung. Falten, Furchen und Flächen sind prima Wohnorte für Keime. Wer auf der Haut heimisch wird, hängt von den Genen, aber auch vom Wohnort, Klima mit seiner Feuchtigkeit und sogar vom Geschlecht ab. Frauen besitzen zum Beispiel eine viel größere Vielfalt verschiedener Bakterien an den Handflächen, obwohl sie sich durchschnittlich doppelt so häufig waschen.

Noch ein paar Zahlen gefällig? Mehr als 800.000 Bakterien pro cm2 tummeln sich auf unserer Kopfhaut. Auf der Stirn sind es durchschnittlich 154.881 pro cm2. Auf den Handflächen sind es fast 1.000 pro Quadratzentimeter. Bakterien leben auf jeder gesunden Haut. Besonders gern auf feuchten Partien. Sie umspannen unseren Körper wie ein Schutzschild und schützen ihn vor äußeren Einflüssen.

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Unsere Haut ist mit unterschiedlichen Bakterienstämmen besiedelt (Quelle: Nature Reviews Microbiology)

Wir nehmen außerdem auch noch ständig neue Mitbewohner in unseren Bakterienzoo aus der Umwelt auf. Wir teilen die Mikroben mit unseren Mitmenschen und Katz und Hund in unserer Umgebung. Wir sammeln sie von z. B. Türklinken und Computertastaturen auf. Dann entbrennt ein Konkurrenzkampf auf unserer Haut zwischen Alteingesessenen und neuen Eindringlingen um Nährstoffe und Wohnorte.

Man könnte ganz vereinfacht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien unterscheiden. Auch auf gesunder Haut befinden sich natürlich infektiöse Bakterien, aber sie werden von den anderen Bakterien sozusagen „in Schach gehalten“. Eine gesunde Haut hat immer eine Balance zugunsten der guten Bakterien z.B. verschiedene Milchsäurebakterien oder Staphylococcus epidermidis. Diese bringen die Mikroflora ins Gleichgewicht, fördern den natürlichen sauren pH-Wert der Haut, produzieren antimikrobiell wirkende Stoffe gegen Krankheitserreger und verbessern unserer Hautbarriere, indem sie die Verbindungen der Hautzellen untereinander stärken.
Unsere winzigen Mitbewohner sind Bodyguards, Reinigungskommando und Warnsystem zugleich. In Jahrmillionen der Co-Evolution hat sich in der Symbiose Mensch –Mikrobe ein perfektes Miteinander eingespielt. Das Mikrobiom der Haut ist aber auch anfällig für Störungen, wie jedes Ökosystem. Jede Veränderung stört die gesunde Balance. Desinfektionsmittel oder antimikrobielle Seifen sind natürlich Umweltkatstrophen in diesem Mikroben-Dschungel.

Seife & Co – Was passiert eigentlich beim Duschen?

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Seifen können unsere Haut austrocknen (CC Public Domain, Pixabay)

Mit Seife, Deos etc. bringen wir das tägliche Gleichgewicht der Haut gehörig durcheinander. Allein beim Duschen mit Wasser verlieren wir pro Duschgang etwa 30 bis 40 Prozent unserer Hautflora, laut dem Biotechunternehmer Jamie Heywood, Direktor von Aobiome, einer auf Hautbakterien spezialisierten Firma (SonntagsZeitung vom 24.1.16). „Unsere Haut wurde von der Evolution nicht darauf hin konzipiert, dass wir sie jeden Tag mit 37 Grad warmen Wasser durchwaschen“, sagt Heywood. Mit Seife killen wir sogar noch viel mehr Mikroben.

Unsere Mikrobenpopulation auf der Haut wird zwar niemals ganz leergefegt. Einige Bakterien werden sich immer in feinen Hautritzen, in Haarbalgen oder in Schweißporen halten und überleben. Aber die natürliche Balance der Haut ist gestört. Eine fast sterile Haut ist für unsere Gesundheit ein großes Problem. Wie beim Darm gilt hier auch- je vielfältiger und stabiler die Zusammensetzung der Mikrobengemeinschaft, desto gesünder. Zum Beispiel fand die Mikrobiomforscherin Elizabeth Grice von der University of Pennsylvania heraus, dass Wunden am schnellsten heilen, wenn besonders viele verschiedene Bakterien dort vorkommen.

Was passiert eigentlich, wenn unsere Hautbakterien ihre natürlichen Aufgaben nicht mehr ordentlich übernehmen können? Das untersuchen Wissenschaftler derzeit in Europa im Rahmen des „Microbes in Allergy and Autoimmunity Related to the Skin“- Project (MAARS). Hier erforschen die Wissenschaftler, ob die Baktierien der Entstehung von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis beteiligt sind. Alle diese Hautleiden haben möglicherweise mit einem gestörten Gleichgewicht der menschlichen Hautflora durch exzessive Körperhygiene zu tun. Mikroben kommunizieren nämlich nicht nur untereinander, sondern auch mit der Haut. Der Dermatologe Bernhard Homey von der Uniklinik Düsseldorf ist sich sicher, dass Mikroben mit den Immunzellen Informationen austauschen. Das wäre insofern sehr interessant, da bei Schuppenflechte und Neurodermitis ein fehlgesteuertes Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt (FOCUS Gesundheit „Die Haut“ (2014).

Natürlich sind aber nicht nur die Mikroorganismen schuld, wenn es uns juckt und die Haut schuppt. „Bei Hautkrankheiten gibt es immer ein komplexes Zusammenspiel zwischen der genetischen Veranlagung, den Umwelteinflüssen und dem Hautmikrobiom“, sagt Bernhard Homey. Bisher haben die Wissenschaftler den Einflussfaktor des Mikrobioms fast völlig ignoriert. Es wird noch mindestens fünf bis zehn Jahre dauern, bis passende Medikamente auf den Markt kommen.

Modernen Menschen fehlen bestimmte Hautbakterien?

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Uns modernen Menschen fehlen bestimmte Keime in der Hautflora. (CC Public Domain, Pixabay)

Uns modernen Menschen nach der Hygiene-Revolution fehlen schon wichtige Bakterien in unserem Hautmikrobiom. Die Balance der Hautmikroben stimme nicht mehr nach einem Befund von Heywoods Firma Aobiome. Deren wissenschaftlicher Leiter David Whitlock ist davon überzeugt, dass modernen Menschen heute sogenannte ammoniak-oxidierende Bakterien (AOB) fehlen. Normalerweise kommen diese Bakterien überall vor, wo es Ammoniak gibt – im Wasser oder Boden außer eben auf der menschlichen Haut.

Das war vor der Hygiene-Revolution wohl anders. Dies zeigt eine Studie mit der indigenen Volksgruppe der Yanomami im Amazonasgebiet. Alle Yanomami haben ammoniak-oxidierende Bakterien auf ihrer Haut. Bei uns westlichen Menschen findet man diese Bakterien bei weniger als einem Prozent der Bevölkerung. Ist das schon eine evolutionäre Anpassung an unsere veränderte Körperhygiene mit weitreichenden Konsequenzen? Zumal ammoniak-oxidierende Bakterien wichtige Funktion auf der Haut haben. Sie wandeln Ammoniak aus Schweiß und Urin in Nitrit und Stickstofmonoxid um. Beide Substanzen wirken anti-entzündlich. Diese Bakterien senken zudem den pH-Wert. Die Haut wird saurer und kann so andere schädliche Bakterienabwehren.

Diese Erkenntnisse nutzte Aobiome nun für eine neue hautfreundliche Produktlinie „Mothers Dirt“ (Mutters Dreck). Wichtigstes Produkt ist ein Spray mit lebenden ammoniak-oxidierenden Bakterien, welches ganz erfolgreich läuft und ohne viel Werbung schon 9000 Kunden mit guter Presse erreicht hat. Im Prinzip soll man sich täglich mit Bakterien besprühen und weniger waschen. Eine kleine Studie konnte schon zeigen, dass sich das Aussehen der Haut verbessere und die Haut sich besser anfühle.

Im Moment gibt es einige neue Firmen, die Produkte entwickeln, die sich die bessere Balance der Hautflora auf die Fahne schreiben. Zum Beispiel tüftelt in Magdeburg die Firma S-Biomedic an einer komplexen Mischung von Bakterien, die das Ungleichgewicht der Haut beheben soll. In Genf forscht eine Forschergruppe an einem natürlichen Deo. Die Firma ibiotics der Mikrobiologin Christine Lang entwickelt probiotische Kosmetik auf der Basis von Milchsäurebakterien. All das sind spannende Stories – dazu gibt es hier demnächst im Blog noch einen gesonderten Artikel.

Was ist denn nun mit dem Duschen?

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Wie duschen wir richtig? (Quelle: CC Public Domain, Pixabay)

Bleibt noch die Dusch-Frage zu klären. Soll ich weniger duschen oder vielleicht ganz ohne Seife? Ein spannendes Experiment des SWR odysso begleitete die junge Mutter Laura Blumenthal, die drei Wochen nicht mehr täglich duschte. Erlaubt waren nur einmal in der Woche duschen und sonst nur Katzenwäsche. Und es funktioniert!

Ergebnis des Duschexperiments. Nach einer Eingewöhnungszeit wurde der Duschrhythmus normal. Keiner rümpfte die Nase. Nach den drei Wochen hatte Laura sogar zwei neue Bakterienarten auf ihrer Haut – Acinetobacter iwoffii und Pseudomonas stutzeri – das sind Bakterien, die normalerweise in Spuren bei jedem Menschen vorkommen. Hier hatten sie günstige Bedingungen, sich zu vermehren. Diese Bakterien helfen uns, gesund zu bleiben.

Wie duscht man mikrobenfreundlich?

Und auch Hautärzte geben einige Tipps zum richtigen Duschen. (Hans-Georg Dauer, Hautarzt aus Köln und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen)

Nicht zu heiß duschen: Dies trocknet die Haut unnötig aus und es kommt leicht zu Verletzungen.

Nicht zu oft und zu lange duschen: Es ist nicht nötig täglich zu duschen, es sei denn man schwitzt sehr stark. Dann reicht es aber, sich nur mit Wasser abzubrausen. Sonst quillt die Haut zu stark auf.

Nicht zu viel Duschgel: Parfümierte Seife und Duschgele haben einen stark alkalischen pH-Wert. Damit wird der Säureschutzmantel der Haut angegriffen und Infektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen werden Tür und Tor geöffnet. Ein mildes Duschöl ohne Duftstoffe reicht vollkommen aus.

Nicht mit Shampoo den Körper waschen: Shampoos sind für die behaarte Kopfhaut entwickelt worden und trocknen die übrige Haut viel zu stark aus und strapazieren sie.


Kleiner Nachtrag: Antibakterielle Seife in USA vom Markt

Eine positive Nachricht gab es noch während der Recherchen zu diesem Artikel. „USA wirft Keimtöter vom Markt“ – so informierte die Laborwelt am 5.September 2016. Lange gab es Werbung für antibakterielle Seifen, die die ganze Familie vor Krankheitserregern von Infektionen schützen sollte. Doch dieses Bild täuschte gewaltig, wie viele Studien zeigten. Im Gegenteil spielen die Seifen wohl sogar eine Rolle bei der Entstehung multiresistenter Keime. Die US-amerikanische Arznei- und Lebensmittelbehörde hat nun Konsequenzen gezogen und die antibakteriellen Seifen für den Hausgebrauch verboten. Die Studien ergaben, dass herkömmliches Händewaschen genauso gut wirkt, wie das Waschen mit keimtötender Seife. Damit sind nun 19 aktive Inhaltsstoffe vom Markt genommen, darunter z. B. häufig verwendete Inhaltsstoffe wie Triclosan oder Triclocarban. Das Verbot betrifft im Moment nur Seifen, nicht die auch gebräuchlichen Desinfektionsmittel für unterwegs.

Fazit: Also nicht übertreiben mit der Hygiene. Alles zu sterilisieren ist voll retro. Weniger ist auch hier manchmal mehr.

In den Promi-Journalen heißt der neue Trend übrigens „Cleansing Reduction“, dem angeblich auch Sängerin Adele, Schauspielerin Jessica Simpson und der britische Prinz Harry frönen. Die Anhänger dieser Anti-Dusch-Bewegung stellen sich maximal zweimal pro Woche unter die Brause. Ihr Argument: Tägliches Duschen würde gesunde Bakterien wegspülen, die auf unserer Haut leben und Krankheitserreger bekämpfen. Zudem würden der Haut natürliche Fette entzogen, dadurch trockne sie aus.

Na also, wenn die VIP’s schon mitmachen…

Ich kaufe mir auch ein neues Duschöl und überlege, ob ich mal einen Tag mit dem Duschen aussetze!

Mikrobiologische Grüße

Susanne