Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


4 Kommentare

Dürfen Bello und Miez mit ins Bett?

Quelle- KI-generiert mit ChatGPT


Liebe Freunde und Freundinnen des Mikrobenzirkus,

wir verbringen heutzutage rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Das beeinflusst natürlich, wie gut unser Immunsystem noch trainiert wird. Unsere Umwelt wird immer keimfreier und dadurch verarmen auch unsere Mikrobiome in ihrer Vielfalt an Mikroorganismen.
Dazu hat auch unser Immunsystem nichts mehr, woran sich unser Körper auf natürliche Weise „abarbeiten“ kann. Aus Jux und Dollerei attackiert es dann Pollen, Haare usw.

Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass Haustiere nicht nur Schlamm und Schmutz mit nach Hause bringen, sondern, dass sie auch als eine Art natürlicher Lieferdienst guter Mikroben funktionieren. Ein Großteil der Mikroben, die unseren Darm besiedeln, gelangt über Nahrung und unsere Atemluft dorthin.
Hunde beeinflussen sogar die Zusammensetzung der Bakterien im Hausstaub, was sich positiv auf das Raumklima auswirken kann. Dabei handelt es sich um harmlose, nicht krankheitserregende Bakterien, die bei einem gesunden Immunsystem keine Infektionen verursachen. Viele dieser Mikroben stammen aus der Erde und siedeln sich auch im Hundedarm an. Interessanterweise wird das Mikrobiom von Hundebesitzer nach kurzer Zeit um genau diese Bakterien bereichert. Forschende konnten allein auf Basis der Mikrobiom-Daten Hunde ihren Haltern zuordnen!

Eine spannende Studie von Dr. Susan Lynch von der University of California zeigte, dass Mäuse, die Hausstaub aus Haushalten mit Hunden ausgesetzt waren, seltener an Asthma erkrankten. Eine bestimmte Bakterienart, Lactobacillus johnsonii, konnte identifiziert werden, die diesen Schutz bietet.

Das Fazit: Tierkontakte in der frühen Kindheit wirken sich positiv auf die Darmflora aus und können das Immunsystem stärken sowie das Allergierisiko senken. Stichwort: Bauernhofstudien: Kinder, die auf Bauernhöfen mit viel Kontakt zur Natur und zu Tieren aufwachsen, zeigten viel weniger Allergien und Asthma als Kinder, die in der Stadt aufwachsen.

An dieser Stelle möchte ich auch gleich mit dem Mythos der „allergiesicheren“ Hunderassen aufräumen. Selbst nackte Hunde ohne Fell, verlieren noch Hautschuppen und Allergene. Überraschenderweise war der Labrador Retriever in Studien die Rasse, die am wenigsten Allergien auslöste. Die Annahme, dass lockige Hunderassen wie Pudel oder Wasserspaniel generell antiallergisch seien, hat dagegen keine wissenschaftliche Grundlage.

Und wie ist es mit Katzen?

Als bekennende Katzenliebhaberin, die aktuell leider gerade ein „katerloses“ Leben führt (weil unser alter Kater Kasper letztes Jahr verstarb), kann ich bestätigen, dass die Stubentiger einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden haben.

Und nicht nur das: Eine Studie des Asthma in Childhood Research Centers in Kopenhagen ergab, dass Katzen eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und Allergenen ins Haus bringen – und das zu unserem Vorteil. Forschende fanden heraus, dass Katzen den Effekt eines Gens neutralisieren können, das bei Kindern das Risiko für Asthma verdoppelt. Lebt eine Katze im Haushalt, wird dieses Gen nie aktiviert – ein erstaunlicher Fund, der selbst die Wissenschaft überrascht hat. Warum dies nur bei Katzen und nicht bei Hunden funktioniert und wie der genaue Mechanismus funktioniert, ist noch unzureichend geklärt.

Zurück zur Frage: Ist es gesund, Tiere im Bett schlafen zu lassen?

Wenn es nach den Fellnasen oder unseren Kindern geht, ist die Antwort wohl ein klares Ja. Neben der Stressreduktion und positiven Effekten auf die Herzgesundheit, ist es unter bestimmten Bedingungen unbedenklich, Haustiere im Bett schlafen zu lassen.
Wichtig ist, dass die Tiere frei von Parasiten wie Zecken und Flöhen sind und regelmäßig geimpft sowie entwurmt werden. Auch auf Hygiene im Schlafzimmer solltet ihr stärker achten – die Bettwäsche muss häufiger gewechselt werden, da die Tiere eben auch Haare und Schmutz ins Bett tragen können.

Doch eines ist sicher: Im Bett von Kleinkindern haben Haustiere nichts verloren, da hier das Verletzungsrisiko einfach zu groß ist.

Wenn ihr euch noch etwas mehr über Mikrobenkosmos von Katzen informieren wollt (Toxoplasmose aber auch andere Aspekte) , empfehle ich euch diesen älteren aber noch aktuellen Artikel im Mikrobenzirkus-Blog.

Weiterlesen

  • “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” von Susanne Thiele (2019); bestellbar unter
    9783453604872 | Buchhandlung Graff in Braunschweig (Öffnet in neuem Fenster)
  • S.V. Lynch, K.E. Fujimura u.a.: “House dust exposure mediates gut microbiome lactobacillus enrichment and airway immune defense against allergens and Virus infections”, in: Proc. Natl. Acad. Sci., 111, 2014, S. 805-810)

Tipp:

26.11. 19 Uhr ARTE Saloon “Mikrobiom – Die Macht der Mikroben”

Ich bin als Podiumsgast eingeladen beim interaktiven Format ARTE- Saloon auf dem youtube-Kanal von arte. In diesem Format werden interessante Reportagen von arte nochmal mit Fachleuten diskutiert und Fragen aus dem Chat beantwortet.

Es wird darum gehen, welchen Einfluss die Mikroorganismen auf uns haben, wie wir das Wissen darüber nutzen können und was wir noch nicht verstehen. Und ich werde etwas über die Inhalte meines Sachbuches “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” interviewt.
Ihr könnt live dabei sein und eure Fragen stellen.

Für alle, die sich schon vorab informieren wollen – hier ist der Link zur sehenswerten Reportage “Die Macht der Mikroben”

Meine Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne

Tragt euch gern für meine kostenlose Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne auf Steady ein. Da erreichen euch solche Informationen zu aktuellen Schreibprojekten, Buchtipps und meinen Lesungen noch viel eher.

Viele Grüße aus dem Mikrobenzirkus

Eure Susanne Thiele


Leave a comment

Stromleitendes Bakterium Electronema ist „Mikrobe des Jahres 2024“

Liebe Mikrobenzirkus-Community,

ich wünsche euch allen ein gesundes und glückliches 2024! Bleibt gesund und neugierig ;-)…

Wir starten auch gleich traditionell mit der Wahl der Mikrobe des Jahres! In diesem Jahr ist das Kabelbakterium Electronema ausgezeichnet worden, von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM).

Stromleitende Bakterien: das klingt wie Science Fiction. Doch es gibt sie in der Realität. Kabelbakterien sind eine Gruppe von Bakterien, die erst vor zwölf Jahren in Dänemark entdeckt wurde und sie stellen unser Naturverständnis auf den Kopf.

Die Mikrobe des Jahres 2024, das Kabelbakterium Candidatus Electronema, 10.000fach vergrößert, bildet „Kabelsalat“. Aufnahme: Pia B. Jensen, Aarhus (CC BY 4.0)

Eine Entdeckung und rätselhafte Stromflüsse

Im Jahr 2012 stellte ein Student der Universität Aarhus in Dänemark mit einem Mikroskop fest, dass er auf ein Kabelbakterium blickte, eine mehrere Zentimeter lange Verkettung von Zellen, die wie ein lebendiges Stromkabel in der Lage ist, Strom durch Sedimente am Meeresboden nach oben zu leiten. Seitdem war das Team um Prof. Nielsen damit beschäftigt, mehr über diese neue Lebensform zu erfahren, die unser Verständnis des Elementekreislaufs im Ökosystem sowie viele weitere Annahmen potenziell revolutionieren könnte.

Da die Organismen vorwiegend in sauerstoffarmen Sedimenten vorkommen, haben Kabelbakterien eine besondere Strategie zur Energiegewinnung entwickelt. Sie schließen sich in Gruppen zu langen elektrisch leitfähigen Filamenten zusammen. Diese mikrobiellen Ketten können Strom über mehrere Zentimeter leiten.

Kabelbakterien Candidatus Electrothrix-„Drähte“ auf einem Objektträger im Labor (Foto: L. R. Damgaard & S. Larsen, CC BY4.0).


Zu Beginn wollte Lars Peter Nielsen, Professor für mikrobielle Ökologie in Aarhus, erforschen, was die Ursache für diese Stromflüsse ist, die er in der Bucht von Aarhus entdeckt hatte. Seine Ausgangshypothese – eine in einem Nanodrahtgitter angeordnete Bakteriengemeinschaft – wurde schnell fallen gelassen, als die Kabelbakterien unter der Linse vergrößert wurden. „Plötzlich fügte sich alles zusammen, es war eine Lebensform, deren Existenz sich niemand vorgestellt hatte – ein lebender Organismus, der Strom über größere Entfernungen im Zentimeterbereich leiten kann. Bis dahin war dies lediglich im Nano- oder Mikromaßstab möglich“, sagte Professor Nielsen.

Unter Verwendung von Robotern und eines speziell entwickelten Mikrosensors maß das Team die elektrischen Felder von Kabelbakterien in der Bucht von Tokio und anschließend in einer Quelle, welcher der Heimat Professor Nielsens näher war, da diese sich in dem Hintergarten des Professors befand.

Wie lassen die Bakterien den Strom fließen?

Ganz einfach: Kabelbakterien gelten als Ingenieure des Ökosystems, denn sie bilden aus tausenden von Zellen zentimeterlange Ketten, die elektrischen Strom leiten können. Am unteren Ende ernährt sich die Kette von sauerstoffarmem, schwefelhaltigem Sediment und leitet die gewonnene Energie als Elektronen nach oben zur Sedimentoberfläche. Dort holt sich die Kette den Sauerstoff zum Atmen. Das eine Ende isst, das andere atmet.


Oder detaillierter: Ihre Kettenform ermöglicht dem mehrzelligen „Körper“ der Bakterien eine sehr effektive und einzigartige Arbeitsteilung. So leben Tausende von Zellen jedes einzelnen Kabels im unteren Teil des Sediments von Gewässern, wie sie Sulfid zu Sulfat umwandeln. Dabei entstehen negativ geladenen Elektronen, die über die stromleitenden Fasern ans andere Ende des „Bakterienkabels“ an der Sedimentoberfläche fließen und dort auf Sauerstoff übertragen werden. die Bakterien überbrücken diese Entfernung, in dem sie Elektronen von einem Ende der Kette zum anderen transportieren. Damit können Kabelbakterien als einzige Organismen das Sulfid in einer Zone verbrauchen, wo es keinen Sauerstoff gibt: ein großer Vorteil gegenüber anderen konkurrierenden Organismen.

Kabelbakterien reduzieren Schadstoffe

Besonders beeindruckend ist Fähigkeit von Electronema, mikrobielle Aktivitäten zu simulieren, die nur mit Sauerstoff möglich sind, und Populationen, die dort sonst nicht leben können. Das heißt im Klartext, dass Kabelbakterien auch häufig in Gewässern vorkommen können, die mit Kohlenwasserstoffen verunreinigt sind, zum Beispiel nach einer Öl- oder Benzinverschmutzung. Durch ihren besonderen Stoffwechsel können die Bakterien Schadstoffe einfach schneller abbauen. Sie steigern den Abbau aromatischer Kohlenwasserstoffe und organischer Stoffe wie Faulschlamm in den Sedimenten überdüngter Seen. Es gibt sogar erste Überlegungen, Electronema zur Sanierung von kontaminierten Standorten einzusetzen. Durch Elektroden im Sediment könnte die Wirkung der Kabelbakterien gezielt stimuliert werden.

Klimawichtig: Electronema reduziert Treibhausgase

In überfluteten Reisfeldern entsteht jährlich eine große Menge des klimaschädlichen Methans. Die Kabelbakterien leben im Wurzelbereich von Reispflanzen und können dort die Methanbildung verringern. Erste Versuche mit Reispflanzen ergaben, dass die Zugabe von Candidatus Electronema zum Boden, die Methanemissionen um mehr als 90 Prozent reduziert. Vermutlich zapfen die Bakterien die Sauerstoffversorgung der Reiswurzel an und das ermöglicht so ein ständiges Recycling von Sulfat im Boden.
Zu erklären ist das so: Kabelbakterien transportieren Elektronen entlang ihrer Filamente, also den Ketten, und verändern so die geochemischen Bedingungen des wassergesättigten Bodens. Sie recyceln die Schwefelverbindungen des Bodens und halten dort eine große Menge Sulfat zurück. Dies hat zur Folge, dass die Methan-produzierenden Mikroben ihre Aktivität reduzieren. Für die Forschenden gilt es nun noch herauszufinden, wie die Kabelbakterien im Reisfeld oder in Mooren noch gezielt stimuliert werden können, um den Methanausstoß zu verringern.

Übersicht der unterschiedlichen Anwendungspotenziale der Kabelbakterien, Quelle: Vincent Scholz & Tillmann Lüders

Biologisch abbaubare Stromkabel statt Elektroschrott

Die Stromleitung in den Proteinfasern der Kabelbakterien ähneln der eines metallischen Kabels, schreibt die VAAM. Damit seien sie für eine auf Biomaterialien basierende Elektronik äußerst interessant. Weltweit wird nur ein Fünftel der jährlich über 50 Millionen Tonnen Elektroschrott recycelt. Biologisch abbaubare Stromleiter könnten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Die leitfähigen Strukturen der Kabelbakterien sind auch schon patentiert, von einer kommerziellen Nutzung ist die Entwicklung allerdings noch weit entfernt.

Kunstprojekt: Über Kabelbakterien gelesene Gedichte

Besonders gefallen hat mir die ausgefallene Idee der spanischen Künstlerin Anna Pasco Bolta, die die elektrische Leitfähigkeit der Bakterien bereits in ihren Projekten „Let’s Symbiose und Be With “ nutzt: mit Electronema-Filamenten verbindet sie Mikrofon und Verstärker für ihre über die Kabelbakterien gelesenen Gedichte. Auf Instagram unter:

Anna Pasco Bolta: Let’s symbiose and be with, performance and installation of audio-circuit cable bacteria love letter 2023. (c) Anna Pasco Bolta

(http://www.annapascobolta.com/, https://www.instagram.com/apascobolta/)

Novum bei der Juryauswahl: Noch keine Reinkultur

Die VAAM ernennt mit Electronema übrigens erstmals eine Bakterienart zur Mikrobe des Jahres für denen vollständige Beschreibung eine Reinkultur noch fehlt. Denn Kabelbakterien könne zwar in der Natur nachgewiesen, aber noch nicht isoliert im Labor weitervermehrt werden. Ihr wichtigster Vertreter trägt daher den vorläufigen Namen Candidatus Electronema.

Mittlerweile sind zwölf Arten von Kabelbakterien bekannt. Wie Candidatus Electronema können diese auch noch nicht als Reinkultur im Labor vermehrt werden, aber dank genauer Genomdaten sind sie sehr gut charakterisiert.

Vermutlich sind bisher über 99 Prozent der Mikroben unserer Welt noch nicht im Labor isoliert und beschrieben – viele spannende Eigenschaften dieser unsichtbaren Lebenswelt bleiben uns daher bisher noch verborgen.

Dann wünsche ich uns allen ein spannendes Jahr mit vielen neuen Erkenntnissen…

Wer ihn noch nicht kennt und wer sich für meine Schreibprojekte an mikrobiologischen Sachbüchern oder Science-Thrillern interessiert – hier geht es zur Anmeldung zu meinem kostenlosen Autorinnen-Newsletter.

Mikrobiologische Grüße

Ihre/Eure Susanne Thiele

Links:

VAAM

Mikrobe des Jahres 2024 / VAAM – Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie e.V.


Leave a comment

„Bakterien und so“…unterstützt Johannas Crowdfunding-Projekt für ein Bilderbuch!

Jane Jott publiziert gereimte Bilderbücher für Kinder (Quelle: Jane Jott)

Mikrobiologinnen sind mir ja immer sehr sympathisch und wenn sie noch dazu so engagierte Autorinnen für eine gute Sache sind – sowieso. Deshalb möchte ich euch heute auf das Herzensprojekt der Mikrobiomforscherin Johanna Nelkner aufmerksam machen. Support unter mikrobiologischen Autorinnen sozusagen…J!

Am Telefon erzählt mir Johanna, dass sie unter dem Pseudonym Jane Ott schon länger gereimte Bilder-Sachbücher schreibt, zu denen sie ihre beiden kleinen Kinder inspiriert haben.

Hilfe gesucht für ein neues Herzensprojekt

Im neuen Bilderbuch „BAKTERIEN UND SO“ für 3-6-jährige Kinder, welches Johanna gerade realisieren möchte, geht es um die Lebensorte und Talente von Mikroben. Superschurken oder Superhelden?

„Bakterien und weitere Winzlinge leben überall, ob in superheißer oder eiskalter Umgebung, im tiefsten Ozean oder den höchsten Wolken, auch in uns Menschen. Diese Mikroben haben so einige Talente: sie helfen Pflanzen beim Wachsen, können Gas und Strom produzieren, helfen bei der Verdauung und der Herstellung von Medikamenten, und pupsen die Löcher in den Käse. Das Bilderbuch “Bakterien und so, die leben wo?!” entführt euch und eure Kinder in diesen Mikrokosmos.“

Johanna hat ein Crowdfunding-Projekt auf Start Next gestartet, um eine Erstauflage von 200 liebevoll von Carlotta Klee illustrierten Bücher zu realisieren.
Ihr könnt dieses Projekt unterstützen und zahlreiche tolle Dankeschöns von Jane Ott erhalten wie das „Spirit Mikroben Orakel“, gehäkelte Minimikroben, das Kita-Paket mit Experimentier-Ideen oder das Mikroben-Malbuch Bundle.

„Mir liegt besonders das „Kinderheld*in“ Dankeschön am Herzen“, sagte mir Johanna. „Das habe ich extra  für Kindergärten und Grundschulen zusammengestellt. Da gibt es
obendrauf eine Sammlung an Ideen für eine Projektwoche zum Thema
Mikroben. Mit Experimentideen und Bastelideen, geeignet für Kinder ab
drei Jahren.“

Hier ist der Link für eure Unterstützung des Crowdfunding-Projektes, das noch bis zum 6.10 2022 läuft https://www.startnext.com/bakterienundso.


Also ran an die Häkelmikroben und schaut mal rein…:-)

Viele Grüße

Susanne


3 Kommentare

5 Jahre Mikrobenzirkus: Wisskomm auf vielen Kanälen – ein Blick zurück und neue Projekte 2020

Liebe Freunde der Mikroben, in schöner Tradition schreibe ich am Jahresanfang eine kleine Bilanz für das Jahr 2019 und erzähle euch etwas zu den Projekten im neuen Jahr.

5 Jahre – wir haben ein Jubiläum

Am 31. Dezember 2019 ist der Mikrobenzirkus 5 Jahre alt geworden. Prost darauf und eine fast mikrobenfreie Torte (steril ist ja unreal 😉 ) für uns gemeinsam…ich hätte gar nicht gedacht, dass ich das Bloggen neben meinem Job und meinen ganzen anderen Aktivitäten so lang durchhalte. Und vor allem, dass ihr so lange Lust habt, mit mir in den Mikrokosmos zu reisen 🙂 !

Insgesamt gab es hier seit 2014:

  • 103 Beiträge zu aktueller Forschung zu Mikroorganismen, kuriose Fakten zu Mikroben oder Lifehacks zum gesunden Überleben im Mikrobendschungel zu lesen
  • 156.048 Aufrufe insgesamt
  • 89.530 Besucher insgesamt

Eure Lieblingsbeiträge

Genau diese mikrobiologischen Lifehacks sind wieder unter den Topthemen:

Die Social Media-Fangemeinde auf Instagram (@mikrobenzirkus), Facebook und Twitter wächst und gedeiht ebenfalls.

Mikrobenzirkus on Tour

Mikrobenzirkus beim 15. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit in Berlin

Als Referentin im Modul „Endlich verständlich – Wie erreiche ich neue Zielgruppen“ hatte ich Gelegenheit, den Mikrobenzirkus als Positiv-Beispiel für gelungene Wissenschaftsblogs vorzustellen. Im Anschluss gab es noch eine spannende Diskussionsrunde moderiert von Lisa Rufus.

Workshop W1.4 Susanne Thiele Pressesprecherin HZI, Science Bloggerin, Sachbuchautorin; Lydia Möcklinghoff Tropenökologin und Verhaltensbiologin, Buchautorin, Science Slammerin, Podcast-Moderatorin; Lars Dittrich, Neurobiologe, Wisskommer, YouTuber; André Lampe Science Slammer, Science Blogger, Moderator
bei dem 15. BMBF-Forum für Nachhaltigkeit in Berlin. 13.05.2019. – © Felix Zahn/photothek.net

Instagram-Piratin beim Forum Wissenschaftskommunikation 2019

Im Dezember habe ich als Instagram-Piratin den Account von Wissenschaft im Dialog etwas mikrobiologisch infiziert. Mit dabei waren noch weitere Wissenschaftskommunikatoren, die aus ihrem speziellen Fokus heraus über das Forum berichteten.
Unsere Storys findet ihr unter dem folgendem Link unter den Highlights des FWK19.

Thema Fermentation im Mikrobenzirkus

Ja ich muss es zugeben, das Thema Fermentation begeistert mich immer mehr und auch sehr viele Leser*innen des Blogs. Deshalb wird es zukünftig auch einen etwas größeren Teil einnehmen.
Das liegt vor allem auch daran, dass ich seit dem Jahre 2019 selbst Workshops gebe. Das macht mir viel Spaß und an dieser Wissensvermittlung möchte ich euch natürlich virtuell gern mehr teilhaben lassen.

Ihr findet mich bei den Online-Fermentationskongressen. z.B. https://online-kongress-info.de/event/fermentation-kongress-2019/

Meine nächsten Workshops in der Region Braunschweig:

Vom Blog zum Sachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke“

Wie ihr wahrscheinlich wisst, schreibe ich auch sehr gern Bücher. Das ist neben meinem Vollzeitjob als Pressesprecherin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung nicht immer so ganz einfach. Aber ich bleibe zumindest thematisch bei den Mikroben und natürlich in der Wissenschaftskommunikation.
Mein aktuelles Sachbuch, zu dem die Idee sozusagen über das Bloggen im MIkrobenzirkus entstand, kam am 11. Februar 2019 heraus. Das zog in den ersten Monaten etwas Presserummel und danach viele Lesungen nach sich – was natürlich sehr schön ist.

Hier eine Auswahl von Rezensionen und Beiträgen:

(Quelle: S. Thiele)
  • NANO, MDR-TV-Beitrag 15.11.2019: „Der richtige Mikrobenmix“
    „Auch wenn man noch so viel putzt: Bakterien und andere Mikroben wird man nie aus seiner Wohnung verbannen können. Und das ist auch gut so. Gemeinsam mit Mikrobiologin Susanne Thiele besuchen wir eine Familie in Sachsen, zeigen in ihrer Wohnung beliebte Bakterien-Treffpunkte und erklären, warum wir es mit der Hygiene nicht übertreiben dürfen.“
  • „Sie sind einfach überall – im Bett, in der Küche, in unserer Handtasche oder im Bus: Milliarden von Mikroben. Das ist weder schlimm noch gefährlich. Die meisten von ihnen sind sogar nützlich, sagt die Mikrobiologin Susanne Thiele. Putzen kann deshalb auch krank machen. Also: Mehr Mut zum Dreck!“, DEUTSCHLANDFUNK NOVA 2019
  • MDR-Fernsehen: „Liebe Deine Mikroben“, MDR Wissen 2019
  • „Die Mikrobe im Eigenheim…humorvoll, aber fundiert“, DIE PTA 2019
  • „Sterben lernen, Macht und Sex, Goldwäsche und Mikroben im Alltag (Ö1 aus Österreich Kontext Buchbesprechung aus Österreich 2019)
  • Interview bei den Wortfinderinnen (März, 2010)
  • „Was uns nicht umbringt, macht uns härter…Susanne Thiele versteht Mikroben gut. Ihr neues Sachbuch ist eine Zumutung und gut fürs Immunsystem“, Braunschweiger Zeitung, März 2019
  • Die meisten Keime schaden nicht“, ist das Fazit, daher fordert Susanne Thiele „etwas mehr Mut zum Schmutz. …. Diese Vielfalt ist übrigens noch lange nicht vollständig erforscht, und so liegt Thieles Buch voll im Trend.“, NEUE BRAUNSCHWEIGER

Neue Buchprojekte 2020/2021

Viel darf ich ja noch nicht verraten. Aber ja es gibt bereits einen neuen Buchvertrag mit einem großen Publikumsverlag.
Und ganz spannend für mich: Es wird mörderisch & wissenschaftlich. Es gibt also einen Genre-Wechsel hin zum Science-Thriller, den ich diesmal gemeinsam mit einer Autorenkollegin schreibe. Erscheinen wird das Buch aber erst 2021. Davor liegt noch viel Recherche und Zeit zum Schreiben. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Zeit zum DANKE sagen:

  • Mikrobenzirkus wieder auf der Shortlist zum Wissenschaftsblog 2019
    Im Dezember 2019 habt ihr den Mikrobenzirkus wiederum für die Shortlist zum Wissenschaftsblog 2019 gesetzt. Vielen Dank dafür! Über solch ein positives Feedback freue ich mich sehr.
  • Danke an den Journalisten Martin Wetzel, der den Mikrobenzirkus als Weihnachtstipp für die ganze Familie am 24.12.19 unter eine seiner Pressemitteilungen gesetzt hat. Da habe ich mit der Zielgruppeansprache doch ins Schwarze getroffen :-)…
    Lag bestimmt auch an meinem letzten Artikel „The Microbiology of Xmas“ :-).
  • Und natürlich ein Riesen-Dankeschön an Euch – Freunde der Bakterien, Pilze und Viren :-)! Schön, dass ihr immer noch dabei seid und euch interessiert.

Dann bleibt mir nur, euch ein gesundes und spannendes Jahr 2020 zu wünschen. Wir lesen uns!

Mikrobiologische Grüße

Eure Susanne

Schreibt mir gerne in die Kommentare, was ihr immer schon mal wissen wolltet. Worüber ich unbedingt mal schreiben sollte.
Es gibt bei mir keine dummen Fragen…:-)

    [wpgdprc "Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden."]


    Leave a comment

    Magnetospirillium ist Mikrobe des Jahres 2019

    Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von M. gryphiswaldense. © Frank Müller, Universität Bayreuth

    Magnetische Bakterien – die gibt es wirklich! Die Bakterien der Gattung Magnetospirillum sind die Mikroben des Jahres 2019. Diese im Wasser lebenden Bakterien können sich am Magnetfeld der Erde orientieren – und eignen sich als nützliche Helfer im Bereich von Biotechnologie und Medizin. So können die Mikroben zum Beispiel als Kontrastmittel fungieren oder dabei helfen, Zellen künstlich zu steuern.

    Sich teilende Zelle von Magnetospirillum gryphiswaldense mit Magnetitkristallen (Transmissions-elektronenmikroskopische Aufnahme). © Frank Mickoleit, Universität Bayreuth

    Seefahrer vertrauen seit Jahrhunderten auf ihren Kompass. Doch die Natur nutzt dieses Prinzip schon viel länger. Viele Lebewesen können das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und sich an ihm orientieren. Zugvögel beispielsweise nutzen ihren magnetischen Sinn als Richtungsweiser auf ihren langen Flügen. Aber auch Fische, Füchse, Wildschweine und Hunde besitzen einen Magnetsinn. Selbst im Reich der Allerkleinsten gibt es Organismen, die sich am irdischen Magnetfeld orientieren: Bakterien.
    Als Kompass tragen diese Mikroben winzige Ketten von Kristallen aus dem Eisenoxid Magnetit in sich. Faszinierend ist es anzusehen, wenn sie alle einheitlich ausregerichtet unter dem Mikroskop umherflitzen.

    Bakterien mit Magnetsinn – Kristalle aus Eisenoxid

    Magnetospirillum gryphiswaldense in Teilung mit Magnetitkristallen (rot) und Membranvesikeln (gelb) und dem speziellen Cytoskelett (grün) sowie Geißeln zur Fortbewegung (ocker). © Mauricio Toro-Nahulepan, Universität Bayreuth/ Jürgen Plitzko, MPI für Biochemie, Martinsried

    Erstmals entdeckt wurden diese besonderen Bakterien durch den Italiener Salvatore Bellini. Dieser stieß mit seinen Beobachtungen im Jahr 1963 zwar zunächst noch auf Unglauben. Doch mit der Verbreitung des Elektronenmikroskops bestätigte Richard Blakemore zwölf Jahre später die Existenz magnetischer Mikroben: In Schlammproben sah er Mikroorganismen mit Ketten magnetischer Kristalle, die sich wie eine Kompassnadel im magnetischen Feld ausrichteten.
    Heute weiß man, dass spezielle Enzyme Eisen-Ionen aus der Umgebung in die Bakterienzelle transportieren. Dort bilden sich Ketten aus 15 bis 30 Eisenoxid-Kristallen, die zusammen als Magnet wirken. Ein Zellskelett aus langen Proteinfäden, ähnlich aufgebaut wie unsere Muskeln, hält die Kristalle in der Zellmitte und sortiert sie bei der Zellteilung gleichmäßig.

    Vorteil bei der Orientierung im Wasser

    Zusammen mit einem speziellen Sauerstoffsensor orientieren sich die Bakterien mit ihrem inneren „Magneten“ so im Wasser: Sie suchen gezielt Schichten mit einem optimalen geringen Sauerstoffgehalt auf. Die magnetischen Pole der Erde helfen ihnen, sich in der richtigen Wassertiefe auszurichten. Ihre schraubenförmige Gestalt hilft dabei, sich im Bodensediment zu bewegen.
    Dank der detaillierten Erkenntnisse zur Biosynthese und Funktion der Magnetosomen gilt Magnetospirillum mittlerweile auch als wichtiger Modellorganismus für die Bildung bakterieller Organellen.

    Magnetospirillium-Forscher der ersten Stunde

    Prof. Dr. Dirk Schüler, © Christian Wißler, Universität Bayreuth

    Professor Dr. Dirk Schüler ist seit fast 30 Jahren von diesen Bakterien fasziniert. Als Student im Greifswalder Labor von Manfred Köhler entdeckte er 1990 Magnetospirillium im Schlamm eines kleinen Flusses. Darauf ist auch der Namenszusatz „gryphiswaldense“ zurückzuführen. Zeitgleich gab es große politische Umwälzungen – der Fall der Mauer. Gemeinsam mit den Experten aus dem Münchner Labor von Karl-Heinz Schleifer und Rudolf Amann konnten sie das neuentdeckte Bakterium mit modernen Methoden untersuchen. Es wurde namensgebend für die ganze Gattung Magnetospirillium.

    Innovative Waffe gegen Tumore ?

    Für die Biotechnologie und die Medizin bieten die Bakterien faszinierende Möglichkeiten. Doch auch darüber hinaus bietet Magnetospirillum faszinierende Möglichkeiten: Die winzigen Magnete haben eine einheitliche Größe, Form und hohe Magnetisierung, die synthetische Nanopartikel nicht erreichen. Aus diesem Grund können sie als Kontrastmittel in der medizinischen Bildgebung fungieren – dabei übertreffen sie die Wirksamkeit kommerzieller magnetischer Kontrastmittel deutlich, wie Versuche zeigen.
    Zudem erzeugen die Magnetosomen der Bakterien in Zellen oder Geweben Wärme, wenn ein starkes Magnetfeld angelegt wird – in Tierversuchen ließen sich damit Tumoren verkleinern. Außerdem ist es Forschern bereits gelungen, den kompletten Biosyntheseweg aus Magnetospirillum in fremde Bakterien übertragen. So lassen sich in Zukunft womöglich Zellen künstlich magnetisieren und dadurch „steuern“. lebende Magnetbaketrien könnten sogar als „Mikroroboter“ mit Medikamenten beladen werden und diese dann zum Wirkunsgort im Körper, etwa zu Tumoren bringen.

    Selbst magnetische Bakterien fischen?

    Nun bleibt die Frage, ob auch Laien magnetotaktische Bakterien finden könnten? Sicher, meint Prof. Dirk Schüler von der Universität Bayreuth. Das wäre nicht schwer. In jedem Gartenteich oder flachen Tümpel gibt es viele verschiedene Arten: Stäbchen, Kugeln, Spiralen.
    Betrachtet man den Rand eines Schlammtropfens mit einem Phasenkontrastmikroskop, das wenigsten 100fach, besser 400fach vergrößert, an den man einen kleinen Stabmagneten hält. Dann schwimmen die Magnetbakterien hartnäckig in diese Richtung und wenden, sobald man den Magneten umdreht.

    Links:

    Mikrobiologische Grüße

    Susanne

      [wpgdprc "Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden."]


      2 Kommentare

      Lactobacillus-Gastartikel auf BETTER THAN EVER

      Better than ever

      Quelle: Better than ever

      Das Online-Portal Better Than Ever hatte mich zu einem Gastartikel eingeladen – über das nützliche Bakterium Lactobacillus und seine Bedeutung für unsere Gesundheit.

      Lactobacillus ist wichtig bei der Verdauung, für gestillte Babys, als Milchsäurebildner für begeisterte Fermentierer und vieles mehr.

      Hier ist der Link: https://better-than-ever.com/tipps/lactobacillus-alleskoenner-fuer-die-gesundheit/

      Viel Spaß beim Lesen!

      Probiotische Grüße

      Susanne