Mikrobenzirkus

Gesund mit Mikroben leben


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Fermentierte Kirschtomaten – prickelnder Sommergenuss im Glas

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Süße Kirschtomaten kann man mit Basilikum und Knoblauch gut fermentieren (Quelle: S. Thiele)

Den Sommer ins Glas bekommt ihr mit den fermentierten süßen Kirschtomaten. Es sieht nicht nur besonders hübsch aus, sondern schmeckt auch wunderbar.

Hier zum Rezept für 1 Liter-Bügelglas:

  • 500 g reife Kirschtomaten (mit einem Zahnstocher 5 mal anpieksen)
  • mind. frische 12 Basilikumblätter (oder auch Rosmarin und Thymian)
  • 1 halbe kleine Knoblauchknolle
  • 35 g unraffiniertes Meersalz

IMG_6291Das Meersalz in 1 Liter lauwarmen Wasser auflösen. Tomaten putzen und spülen. Dann abwechselnd mit z. B. Knoblauch und Basilikum ins Glas stapeln. Die 3,5-prozentige Salzlake einfüllen  – bis die Tomaten bedeckt sind.

Die Tomaten werden mit einem Gewicht beschwert, damit sie unter der Flüssigkeit sind.

Das Ferment mindestens 5 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen und später im Kühlschrank aufbewahren. Nach dem Öffnen sprudelt und zischt es ganz schön – das ist ein gutes Zeichen.

Die Tomaten sind ein echtes Highlight zum Abendbrot – zu Kräuterquark, in Wraps, auf Brot, zu Zucchini-Pasta oder was euch sonst noch einfällt.

Ich wünsch euch gutes Gelingen ! #fermentationfriday

Probiotische Grüße

Susanne

 

 

 

 

 

 


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Der Feind im Küchenschwamm

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Küchenschwämme enthalten 362 Arten von Bakterien (Bild: Weka Business Medien)

Küchenschwämme kommen in jeder Küche vor – mit mehr oder weniger langer Lebensdauer. Manche greisen Exemplare zeigen schon richtige „Zersetzungserscheinungen“, ehe sie erneuert werden. Die Schwämme sind kleine Keimschleudern – das war uns schon soweit bekannt und ist auch nicht sonderlich überraschend.

Der Küchenschwamm an sich – besteht aus einem Schaumstoff wie Polyurethan. Seine Poren bieten eine große Oberfläche, in denen sich Essensreste und immer ein wenig Feuchtigkeit befinden – ein Paradies für Bakterien. Mikrobiologen aus Gießen, Furtwangen und München haben jetzt nachgezählt:

Bis zu 50 Milliarden Bakterien leben allein in einem Kubikzentimeter Schwämmchen.

Soweit so gut: Bisher war eine Hygiene-Empfehlung an uns, die Küchenschwämme in der Mikrowelle zu sterilisieren oder auszukochen. Die neueste Information dazu ist aber: Das reicht nicht mehr und ist keine langfristige Lösung!

Gerade ist dazu die weltweit erste umfassende Studie zur Keimbelastung von gebrauchten Spülschwämmen erschienen. Die Forschungsarbeit war ein Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Furtwangen (HFU) mit der Justus Liebig-Universität Gießen und dem Helmholtz-Zentrum München und erschien im Fachjournal „Scientific Reports“.

Vorsicht bei geschwächtem Immunsystem

Die Forscher entdeckten in 14 gebrauchten Küchenschwämmen aus dem Großraum Villingen-Schwemmingen 362 verschiedene Arten von Bakterien. In den Poren der Schwämme leben hauptsächlich harmlose Umwelt- und Wasserbakterien.

Die Forscher fanden aber auch unter anderem, drei bekannte, antibiotikaresistente Erreger. Diese Keime können Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – wie Kranke oder Ältere mit Atemwegsinfekten – anstecken.
Dazu gehören insbesondere Bakterien wie Acinetobacter johnsonii, Moraxella osloensis und Chryseobacterium hominis, die zu Infektionen führen können.


Schädliche Krankheitskeime wie Durchfallerreger oder Lebensmittel vergiftende Bakterien konnten die Wissenschaftler kaum nachweisen.

Erhitzen reicht nicht aus!

Besonders bedenklich: In den Schwämmen, die regelmäßig in der Mikrowelle und durch heißes Auswaschen gereinigt wurden, tummelten sich besonders viele potentiell krankheitserregende Keime. Teils erreichen diese Bakterien sogar Konzentrationen, wie man sie sonst nur noch in Fäkalproben findet.

Die Forscher gehen davon aus, dass auch die Reinigung der Schwämme durch Auswaschen zwar kurzzeitig die Anzahl der Keime vermindert; in den schnell wieder hochwachsenden „Wohngemeinschaften“ sind dann aber die Krankheitserreger viel schneller, vermutlich weil sie viel stresstoleranter sind. Vom Erhitzen in der Mikrowelle raten Experten ebenfalls ab, weil die Keime sich auch auf andere Lebensmittel verteilen können, die später dort zubereitet werden.

„Waschen bei 60 Grad oder noch besser 90 Grad mit Waschpulver in der Waschmaschine wäre gut, um die Küchenschwämme keimfrei zu bekommen.“

Markus Egert, Hochschule Furtwangen (WELT)

Allerdings könnte der sehr häufig nachgewiesene Krankheitserreger Moraxella osloensis selbst dieses Reinigungsprogramm überstehen. Das Bakterium ist nicht nur gegen Penicillin resistent, sondern lebt auch auf gewaschener Wäsche weiter. Es steht unter dem Verdacht, schlechten Geruch zu erzeugen. Es kann also auch für stinkende Küchenschwämme oder den unangenehmen Geruch alter Waschlappen verantwortlich sein.

„Am besten ist es vermutlich, die Schwämme unter Druck und Hitze im Schnellkochtopf keimfrei zu bekommen.“

Markus Egert, Hochschule Furtwangen (WELT)

Ob diese Methode wirklich ausreicht, müssen die Wissenschaftler noch testen.

Fazit: Derzeit gibt es keine wirklich gute, wissenschaftlich belegte Methode, um gegen Keime in Spülschwämmen vorzugehen. Wir können ihn nur wegschmeißen und ersetzen. Nur in neuen Spülschwämmen direkt aus dem Geschäft fanden die Forscher überhaupt keine Keime.
Die Experten empfehlen daher, Küchenschwämme regelmäßig zu entsorgen, anstatt sie zu reinigen, etwa in einem wöchentlichen Rhythmus.

Das kurbelt dann die Schwamm-Wirtschaft an!

Publikation:
Microbiome analysis and confocal microscopy of used kitchen sponges reveal massive colonization by Acinetobacter, Moraxella and Chryseobacterium species; DOI:10.1038/s41598-017-06055-9 1 

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Gewürzmöhren fermentieren – Anfängerrezept

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Mohrrüben lassen sich ganz einfach mit Gewürzen fermentieren (Quelle: Susanne Thiele)

Meine Mikrobenzirkus-Leser/innen baten mich darum, hier ein  recht einfaches Anfänger-Rezept zu empfehlen. Dem komme ich hiermit natürlich gern nach.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem folgenden veganen Rezept gemacht, welches man auch für andere Gemüsesorten abwandeln kann. Sieht auch sehr schön im Glas aus.

Für das Ferment habe ich ein spezielles Ball Mason Widemouth-Glas mit Gärdeckel verwendet. Es klappt aber auch mit jedem normalen 1 Liter-Bügelglas. Die Gläser können geschlossen bleiben, auch wenn etwas Gas entsteht. Nach Aussage von erfahrenen Fermentier-Experten ist noch kein Glas explodiert 😀.

Zutaten:

1kg Bio-Mohrrüben

etwa 1 Liter 3 %ige Salzlake (30 g Salz auf 1 Liter Leitungswasser)

je 3 Teelöffel Gewürzkörner (schwarzer Pfeffer, Koriander)

4 Teelöffel Senfkörner

Kardamom kann man auch dazugeben (eher sparsam verwenden, schmeckt schnell seifig)

Zubereitung:

  • Die Möhren werden mit einem Sparschäler geschält und in Stifte geschnitten.
  • Alle Gewürze werden auf dem Boden des 1-Liter-Glases verteilt, dann die Möhrenstifte eng aufrecht einstapeln. Nach oben noch 2-3 Zentimeter Luft lassen.
  • Mit der Salzlake auffüllen.
  • Mit einem passenden Gewicht beschweren, Gemüse muss unter Wasser sein.
  • 10 Tage bzw. auch bis zu 2-3 Wochen bei Raumtemperatur fermentieren lassen.
  • danach im Kühlschrank aufbewahren.

Die Fermentationsart wird als „wilde Fermentation“ bezeichnet, weil wir keine Starterkulturen dazugeben. Die Milchsäurebakterien befinden sich am Gemüse und an unseren Händen.

Nach einer Woche schmeckten die Möhrenstifte bei mir schon angenehm säuerlich und waren noch knackig. Deshalb musste ich meine Fermente auch schon gegen die gefräßige Familie verteidigen oder demnächst für mehr Nachschub sorgen.

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Dann wünsche ich euch gutes Gelingen! Und lasst hier mal hören, ob es auch so gut geklappt hat.

Mikrobiologische Grüße

Eure Susanne

 

Quelle:

abgewandelt nach „Fermentieren ganz einfach selbst gemacht“ von Cathrin Brandes

 

 

 


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Mikrobiom: Bakterien ähneln sich bei Paaren

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Zweisamkeit führt bei Paaren dazu, dass sich die Hautbakterien angleichen. (Quelle: Pixabay)

Männer und Frauen sind in vielen Dingen ganz verschieden. Mars und Venus, Sie wissen schon! Leben sie aber zusammen, werden sie sich immer ähnlicher und auch ihre Bakterien gleichen sich an.

KissDass ein zehn Sekunden dauernder Kuss zu einem Austausch von rund 80 Millionen Bakterien führt, war uns bislang schon bekannt (Studie in Microbiome).

Nun gibt es aber Neuigkeiten. Wer mit seinem Partner zusammen lebt, teilt nicht nur Kaffeebecher und Sofa, sondern auch die Bakterien, die auf der Haut leben. Das fanden jetzt Forscher der Universität Waterloo, USA heraus. Manche Körperstellen sind dabei stärker betroffen als andere.

Männer und Frauen übertragen offenbar einige Stämme ihrer Hautbakterien auf ihren Partner, sodass sich die Bakteriengemeinschaft auf der Haut vermischt.

Dabei war die stärkste Übereinstimmung der Hautbakterien an den Füßen der Probanden in der Studie zu finden, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin mSystems berichten.

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„Das ergibt durchaus Sinn: Man duscht und geht auf demselben Fußboden barfuß. Dieser Vorgang führt wahrscheinlich zum Austausch der Bakterien mit dem Partner und auch mit dem Boden“, berichtet der Studienautor Josh Neufeld.

Es zeigte sich, dass ein spezielles Computerprogramm sogar mit 86-prozentiger Genauigkeit identifizieren konnte, wer als Paar gemeinsam in einem Haushalt lebt.

Andere Einflüsse wie das Geschlecht und die betrachtete Körperregion spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und hätten sogar größere Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bakterienflora als der Partner. Beispielsweise ähnle der mikrobiologische Abstrich der Haut an den Innenseiten der Oberschenkel einer Frau viel mehr dem anderer Frauen, als dem ihres Partners.

Für die Studie untersuchten Forscher 330 Abstriche von 17 verschiedenen Hautregionen. Alle Studienteilnehmer kamen aus dem Raum um Waterloo und waren heterosexuell. Die Abstriche nahmen die Teilnehmer selbst, zum Beispiel in der Nase, an den Handflächen und im Bauchnabel.

Mikrobiologische Grüße

Susanne


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Micropia: Besuch im Mikrobenzoo in Amsterdam

MicropiaZwei Jahre ist es schon her, dass ich hier im Blog über Micropia ‑ den ersten Mikrobenzoo ‑ in Amsterdam berichtet habe. Ende Mai 2017 hatte ich nun endlich Gelegenheit, mir dieses Eldorado für Mikrobiologen selbst vor Ort anzuschauen: sozusagen ein Recherchetermin mit Familie mit zwei Teenagern (18 und 15 Jahre) für den Mikrobenzirkus in Amsterdam.

Micropia ist eine kleine aber feine Untereinheit des Stadtzoos Artis mitten in Amsterdam. Vom Bahnhof Amsterdam Centraal ist der Zoo ganz einfach mit der Tramlinie 9 zu erreichen ‑ wunderschön gelegen im Stadtteil Plantage.

Wir werden empfangen von freundlichen Besucher-Guides in weißen Laborkitteln, die uns die Tour durch das Museum und ein paar Kindern eine Art Stempel-Rally erklären. Dann geht es schon ab in den Fahrstuhl zur ersten Ebene des Museums. Dieser Einstieg durch eine Schleuse in den Mikrokosmos ist sehr gut gemacht. An der Decke des Fahrstuhls sehen wir uns auf einer Videowall zuerst selbst in voller Größe. Dann zoomt das Kamerabild über unseren Köpfen an das Auge eines Besuchers im Lift heran und zeigt uns die Mikroorganismen, die für gewöhnlich auf unseren Wimpern leben. Guter Effekt!

Aufwändige multimediale Exponate

Micropia ist wirklich ein einzigartiges und sehr aufwändiges Museum. Das Sehen und das Erleben der Mikroorganismen stehen für das Publikum im Mittelpunkt.

 

Sehr aufwändig inszeniert sind die meisten Exponate mit lebenden Mikroorganismen z. B. Bakterien oder Algen in großen Kolben, die regelmäßig erneuert werden müssen. Gleichzeitig kann man selbst Mikroskopieren und über einen Touchscreen den Mikroskop-Ausschnitt sehen. Je nach Interessenstiefe können wir die mediale Erweiterung der Exponate durchforsten, die mittels Filmen, Bildern und Texten Einblick in das Aussehen, Verhalten und die vielfältigen Beziehungen der Kleinstlebewesen zum Menschen gibt. Das funktioniert auch prima für die Eltern mit jüngeren Kindern neben uns.

Die Einzigartigkeit von Micropia liegt in der Mischung lebender und virtueller Mikroben. Die dramatischen Größenunterschiede zwischen den verschiedensten Kleinstlebewesen kann man auf einer fast 10 x 5 Meter großen, reaktiven Monitorwand erkennen, auf der die Mikroben wie in einem Aquarium schweben. In dem interaktiven Panorama mit extremophilen Mikroorganismen erleben wir Mikroben an Orten, die extreme Lebensbedingungen wie hohe Radioaktivität oder Kälte mit sich bringen. Die virtuellen Mikroorganismen schweben dank einer speziellen Projektionstechnik vor dynamischen 3D-Landschaften. Faszinierend!

Im Fokus: Positive Beziehung zwischen Mikroben und Menschen

Uns selbst und unseren Mikroben begegnen wir in der Ausstellung immer wieder. Am überraschendsten ist für die meisten Besucher in der Ausstellung der „Mikroben-Scan“ des eigenen Körpers, bei der sie interaktiv ihren Körper erforschen können. Ich trete sozusagen meinem virtuellen Ich gegenüber und kann die durchschnittliche Masse von zwei Kilogramm an Mikroben erforschen, die an und auf mir an unterschiedlichen Stellen meines Körpers leben. Die Technologie, die hierbei zum Einsatz kommt, ist ein hochentwickeltes Körpertracking.

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Körper-Scan auf Mikroben (S. Thiele)

 

Neben den Mikroben stehen immer wieder wir selbst im Zentrum der Ausstellung – und das auf mehreren Ebenen: als Betrachter, als interaktiv Handelnde und Forschende, und als Objekte, die es selbst zu erforschen gilt.

Sei es das „Kiss-o-meter“, bei dem wir erfahren, dass wir gerade 1 Million Bakterien und 100 verschiedene Typen ausgetauscht haben ;-). Oder eine beeindruckende Sammlung unterschiedlicher Kotsorten und Bakterien, die unseren Darm bewohnen.

Sehr beeindruckt hat mich persönlich eine ganze Wand voller Petrischalen mit Mikroben: Sie zeigt eine Vielzahl von, in unserem Haushalt mit uns lebenden, kleinen Nachbarn: Bakterien aus dem Teppich, vom Handy oder der Zahnbürste usw.

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Bakterien und Pilze, die mit uns im Haus leben (S. Thiele)

 

Mikroben im Kreislauf des Lebens

Bakterien und Pilze werden dringend gebraucht, damit der Kreislauf des Lebens funktioniert. Das wird in der Ausstellung extrem deutlich gemacht mit einem Exponat einer verwesenden Giraffe.  Aber auch vor Lebensmitteln machen die Mikroorganismen nicht halt.

 

Fazit:

Nicht nur mir als Mikrobiologin sondern auch meiner Familie hat diese Ausstellung sehr gefallen. Das Museum erscheint auf den ersten Blick nicht sehr groß – bietet aber für verschiedene Altersklassen ab ca. 10 Jahren eine Fülle an Informationen und interaktiven Möglichkeiten, sich spielerisch Wissen zu erarbeiten.  Die Exponate sind sehr gut gemacht und pflegeaufwändig. Wissenschaftler sind ständig in der Ausstellung und kontrollieren Kulturen oder stehen für Fragen zur Verfügung.

Der Mikrokosmos bleibt nicht nur beschränkt auf Bakterien, Viren Pilze oder Phagen. Auch Algen, Ameisen oder kleine Käfer finden hier noch Platz.

Ausstellungsdesign und Multimedia

Die Ausstellung wurde vom niederländischen Ausstellungsdesignbüro Kossmann.dejong in enger Zusammenarbeit mit ART+COM Studios gestaltet. Während Kossmann.dejong für die Gesamtkonzeption des Ausstellungsdesigns und Szenografie verantwortlich war, arbeitete ART+COM in erster Linie an der Konzeption, Gestaltung und Entwicklung der medialen Exponate – von den ersten Skizzen zum Interaktionsdesign bis hin zur Programmierung und zum Hardwaredesign.

Unbedingt Probieren!

Das Café-Restaurant „De Plantage“ gleich neben Micropia ist ein echter Insider-Tipp. Es ist ein gemütliches und nostalgisches Gartenrestaurant am Artis-Zoo mit einer schönen Sonnenterasse. Gegenüber kann man Flamingos und Störche beobachten.

Meine Empfehlung: Tartines (geroosterd desembrood) Crème van Hollandse geitenkaas (Ziegenkäse) met gegrilde honingpeer (Honigbirne), rucola an hazelnoot. LEKKER!

Mikrobiologische Grüße aus Amsterdam

Susanne

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Das Bakterium, das die „Titanic“ frisst

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Rostbärte (Rusticles) am Wrack der Titanic (By Courtesy of NOAA/Institute for Exploration/University of Rhode Island (NOAA/IFE/URI).

Schon seit 100 Jahren verfällt die Titanic auf dem Grund des Nordatlantiks. Ein ungewöhnliches Bakterium hilft dabei kräftig mit. So wird Leonardo di Caprio und Kate Winslet – den beiden Stars aus dem gleichnamigen Blockbuster– buchstäblich der Dampfer unter den Sohlen weggefressen.

Der Untergang der „Titanic“ ist die wohl bekannteste Katastrophe der Seefahrt: Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Als das Schiff 1985 in 3800 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans entdeckt wurde, war es schon in keinem guten Zustand mehr. Schon in 15 bis 20 Jahren könnten die Überreste komplett verschwunden sein, schätzen Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung. Die Ursache dafür ist bakterieller Eisenfraß. Das Wrack ist von Eisenfilmen und Rost überzogen.

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Halomonas titanicae (gemeinfrei)

Vor einigen Jahren entdeckte ein Forscherteam um Antonio Ventosa von der Universität Sevilla auf dem Wrack in Eisenflocken eine bisher unbekannte Bakterienart, die nach ihrem Fundort Halomonas titanicae genannt wurde.

 

Sie berichteten im Fachmagazin „International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology“ darüber.

 

 

„Eigentlich wächst dieses Bakterium gerne im Warmen bei über 30 Grad. Aber dort, wo das Wrack liegt, sind es vier Grad.“
Antje Boetius vom AWI

In der kalten Tiefsee müssten die Schiffsüberreste eigentlich geschützt sein. Tatsächlich aber zersetzen die Mikroben trotz der Kälte die Schiffswände. Sie tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß. Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen.

Den Grund für die Zersetzung des UNESCO-Weltkulturerbes kennen die Wissenschaftler:

„Die Bakterien entziehen dem Eisen Elektronen als Energiequelle, um wachsen zu können. Sie leben also direkt vom Metall. Dieser Elektronenentzug führt dazu, dass das Metall rostet. Ein faszinierender Prozess.“
Antje Boetius vom AWI

Auch für moderne Unterwasserbauwerke könnten die Folgen des Eisenfraßes gefährlich werden. So könnten die Bakterien an Unterwasser-Ölpipelines ähnliche Schäden anrichten wie an der „Titanic“. Über dieses Problem im Meer wird bisher von der Industrie wenig gesprochen.

Der Vorsitzende des „Deutschen Titanic-Vereins von 1997“, Malte Fiebing-Petersen, sieht den kompletten Zerfall der „Titanic“ noch nicht ganz so bald kommen wie die AWI-Experten. „Die Natur holt sich das Schiff zurück. Das ist der Lauf der Dinge“, sagte Fiebing-Petersen.

Allerdings sei der Stahl nicht überall gleich dick. Die oberen Decks seien vermutlich tatsächlich in 10 bis 15 Jahren verschwunden. Die eigentliche Schiffshülle aber sei aus dickerem Stahl.

„Den aufrecht stehenden Bug werden wir noch viele Jahrzehnte haben.“
Malte Fiebing-Petersen

Literatur:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20061494

 

 

 

 


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Migräne: Sind Bakterien schuld?

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Migräne bedeutet weit mehr als übliches „Kopfweh“. Rund 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne. Frauen häufiger als Männer. Im Schnitt erleiden die meisten zwei Attacken im Monat, die jeweils bis zu drei Tage dauern. (Quelle: CC0_Public Domain)

Da ich – wie 15 Prozent der Bevölkerung – in Abständen heftige Migräneattacken bekomme, verfolge ich interessiert neue Forschungsansätze und Theorien zur Vorbeugung und Behandlung. Neue Theorien zur Migränevorbeugung stehen im engen Zusammenhang mit dem Vagusnerv oder mit einem „Nitratkopfschmerz“.

Gehirn und Darm eng verbunden

Der Vagusnerv zieht seine Bahn vom Gehirn aus in den Bauchraum und ist an der Regulation fast aller inneren Organe beteiligt. Er kontrolliert Funktionen wie unseren Herzschlag, die Atmung, Verdauung. Einige Forscher gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen Migräne und dem Mikrobiom besteht – die bei jedem Menschen individuelle Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm.

„Die Bakterien haben einen Einfluss auf die Barriere-Funktion der Darmwand, die Gifte und schädliche Keime am Eindringen hindert. Bei einer Darmentzündung etwa ist dieser Mechanismus gestört. Es gibt Hinweise, dass das Mikrobiom auch auf Entzündungszellen im Hirn wirken kann.“
Andreas Straube, Leiter der Neurologischen Poliklinik am Klinikum Großhadern und Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

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Hintergrund dafür ist die Vermutung, dass nicht allein das Gehirn über Nerven Informationen an den Darm sendet, sondern dass diese Kommunikation auch umgekehrt läuft. Bezogen auf die Migräne lautet die These, dass bestimmte Bakterienstämme in der Darmwand über den Vagusnerv als Verbindung zum Gehirn Attacken begünstigen können.

 

Daraus ergibt sich der Umkehrschluss: eine gezielte Veränderung der Darmflora müsste helfen können, Anfälle zu verhindern. Migräne hat häufig auch mit Beschwerden des Magen -Darm-Traktes zu tun.
Aktuell laufen im Team von Andreas Straube kleine Studien mit bestimmten Probiotika, welche die Darmflora von Migränepatienten verändern sollen. Erste positive Effekte sind zu sehen. Es sind aber noch weitere umfangreiche Forschungen notwendig, um tatsächlich zu klären, ob man so Migräne lindern kann.

Mundflora möglicher Triggerfaktor

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Grünes Blattgemüse sorgt bei manchen Menschen für Kopfschmerzen. Dabei könnte es sich um einen Nitratkopfschmerz handeln, verursacht durch bestimmte Bakterien, die in der Mundflora leben. (CC=_Public Domain)

 

Eine weitere neue Theorie konzentriert sich besonders auf die Bakterienflora im Mund von Migränepatienten. Der Verzehr Nitrathaltiger Lebensmittel könnte bei einigen Betroffenen Kopfschmerzattacken auslösen.

Nitrat kommt zu Beispiel in Wurst, Rote Beete, Kohlrabi oder grünem Blattgemüse wie Spinat vor. Manche Menschen bekommen nach dem Verzehr dieser Lebensmittel Kopfschmerzen. In Untersuchungen verursachte auch medizinisch verabreichtes Nitrat – etwa aus Nitrosprays für Patienten mit Angina Pectoris oder Herzinsuffizienz – bei vier bis fünf Anwendern starke Kopfschmerzen aus. Welche Gründe sehen die Forscher?

Bakterien reduzieren Nitrat

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In der Mundhöhle leben Bakterien, die Nitrate aus der Nahrung zu Nitrit reduzieren können, z.B. die Gattungen Pseudomonas oder Streptokokken. Wir Menschen verfügen selber nicht über ein entsprechendes Enzym dazu.
Im Blutkreislauf kann Nitrit dann zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt werden, welches gefäßerweiternd wirkt.
Eine starke Weitung der Adern im Gehirn gilt als wahrscheinlicher Auslöser plötzlicher Migräneattacken. Verzögerte Attacken, zum Beispiel nach dem Verzehr von triggernden Lebensmitteln, werden vermutlich durch andere Mechanismen ausgelöst (darunter die NO-abhängige S-Nitroyslierung).

„Bisher wurde angenommen, dass gewisse Lebensmittel – darunter Schokolade, Wein und nitratreiche Speisen – Migräne auslösen oder ihr Auftreten zumindest begünstigen können. Daher vermuteten wir, dass eventuell ein Zusammenhang zwischen der Ernährung, den Mikrobiomen eines Menschen, und dem Auftreten von Migräne besteht. “
Antonio Gonzalez, Hauptautor der unten genannten Studie im Journal MSystems,

In einer  Mikrobiomanalyse fand das Team um Prof. Dr. Rob Knight von der San Diego School of Medicine in Kalifornien heraus, dass bei Migränikern mehr Nitrat-reduzierende Bakterien in der Mundhöhle vorkommen als bei anderen Menschen. Die Forscher hatten das Mikrobiom in Kot- und Speichelproben von Menschen, die unter Migräne leiden aus dem „American Gut Project“ analysiert, wie sie im Journal MSystems beschrieben. Dabei stellten die Forscher fest, dass Menschen, die häufig unter Migränen litten, mehr nitratreduzierende Bakterien aufwiesen. Insgesamt wurden über 170 Oral- und 2.000 Stuhlproben analysiert.

„Wir konnten feststellen, dass die im Mund vorkommenden Bakterien sich in Maßen positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Im Überschuss wurden sie allerdings mit Migräne-Anfällen in Verbindung gebracht. Bisher ist noch unklar, ob die erhöhte Anzahl von Mikroben Auslöser oder Folgeerscheinung einer Migräne ist.“
Dr. Embriette Hyde

Noch unklare Erkenntnis: Weitere Studien notwendig

Obwohl die Migräne-Erkenntnisse natürlich revolutionär wirken und mögliche Erklärungen liefern könnten, ist der Zusammenhang von Nitrat und den Attacken noch nicht eindeutig bestätigt. Es ließe sich schwer beurteilen, ob die erhöhte Anzahl der Nitrat-reduzierenden Bakterien in den Speichelproben eine zufällige Begleiterscheinung sei oder tatsächlich mit einer Unverträglichkeit von Blatt- und Wurzelgemüse zusammenhängt.
Weitere Studien sollen es sich zur Aufgabe machen, genau diese Antwort zu liefern, um betroffenen Patienten bei der Vermeidung von quälenden Schmerzattacken behilflich zu sein. Falls ein Zusammenhang besteht, könnten zukünftig einmal Probiotika zur Migräneprohylaxe entwickelt werden.

Link zur Publikation:

Migraines are correlated with higher levels of nitrate-, nitrite-, and nitric oxide-reducing oral microbes in the American Gut Project Cohort,” wurde online publiziert am 18. Oktober 2016  im Journal  der American Society for Microbiology.

Wie immer freue ich mich über deine Kommentare oder Anregungen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne