Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Microbiology of Xmas

In diesem Jahr gibt es eine kleine Best of Show meiner weihnachtlichen Artikel. Mittlerweile hat sich einiges an ultimativem mikrobiologischem Weihnachtswissen angesammelt, was ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Weihnachtsgans besser ohne Dusche

Weihnachtsgans (Quelle: Jürgen Howaldt)

Wusstet ihr, dass ihr beim Zubereiten der Weihnachtsgans etwas mehr Vorsicht walten lassen solltet? Eine beliebte und oft empfohlene Praxis ist es, das Federvieh unter dem Wasserstrahl in der Spüle abzuduschen. Das ist nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht besonders hygienisch. Auf dem rohen Fleisch sitzen Keime, wie Salmonellen oder Campylobacter, die damit unnötig in der Küche herumspritzen und womöglich auf rohen Speisen wie Salat landen. Die Folge sind Bauchschmerzen oder im schlimmsten Fall auch Lebensmittelinfektionen. In den USA wurde dieser Zusammenhang entdeckt, als viele Patienten nach dem traditionellen Thanksgiving-Truthahn-Essen in den Kliniken auftauchten. Ganzen Artikel lesen.

Besuch bei Schwiegereltern beeinflusst Darmflora

Unsere Darmflora ist stressempfindlich (Quelle: Pixabay)


Weihnachten ist so besinnlich – denkste! Wusstet ihr, dass ein Besuch bei den Schwiegereltern durch den familiären Stress sogar eure Darmflora verändern kann? Das haben jetzt Forscher aus den Niederlanden herausgefunden. Die untersuchten Studienteilnehmer hatten viel weniger Ruminococcus-Bakterien in ihrem Darm. Eine Verschiebung der Häufigkeit des Auftretens dieses Bakteriums ist in Studien an Menschen und Tieren mit Depression und Ängstlichkeit assoziiert. Aber in der Weihnachtszeit stresst uns noch mehr. Daher nehmt diese Studie nicht ganz so ernst – auch wenn sie natürlich einen gewissen Unterhaltungswert hat. Zudem gibt es auch nette Schwiegereltern – so wie meine!
Link zur Studie.

Feuerzangenbowle nur mit Zuckerpilz

Weihnachtsklassiker „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann Quelle: wikipedia


Wusstet ihr, dass sogenannte Sprosspilze – besser bekannt als Hefen – eine essenzielle Rolle bei unserer nächsten Weihnachtstradition spielen? Stichwort: Alkoholische Gärung! Die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae ist in der Lage, Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid zu verstoffwechseln, Gut für uns und einen gemütlichen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt! Und Denkt daran! „Jeder nor einen wönzigen Schlock!“ – wie schon Heinz Rühmann empfiehlt! Ganzen Artikel lesen.

Schokolade – Teamwork mit Mikroben

(Public Domain)

Schokolade macht glücklich! Aber wusstet ihr, dass auch diese Leckerei nur durch die Mithilfe von Mikroben entstehen kann, Es geht dabei zurück bis zur Fermentation der Kakaobohnen. Daran sind auch Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen beteiligt. Nur so entstehen die typischen Schokoaromen, die wir so mögen.
Für unser Darmmikrobiom ist wiederum besonders dunkle Schokolade sehr fördernd. Bifidobakterien und Milchsäurebakterien verwerten sie besonders gern und halten uns damit gesund. Im Artikel dazu findet ihr auch noch ein tolles Alt-Aztekisches Kakaorezept zum Ausprobieren in der Weihnachtszeit.
Ganzer Artikel und Rezept

Schneeflocken mit Bakterien

Eiskristalle (Pixabay)

Wusstet ihr, dass Bakterien auch ihre „Flagellen im Spiel haben“, wenn es darum geht, Schneeflocken zu bilden? Wir werden hier in Niedersachsen zwar kein Fitzelchen Schnee sehen, aber es gibt ja auch noch Mikrobenzirkus-Leser*innen in anderen Regionen. Der Schneekünstler heißt Pseudomonas syringae. Die Bakterien sind Gefrierbeschleuniger durch bestimmte Proteinstrukturen auf ihrer Oberfläche, die die Ordnung und Dynamik von Molekülen in Wassertröpfchen beeinflussen können. damit wirken sie wie ein Kristallisationskeim für zauberhafte Schneeflocken. Ein richtiges Schneebakterium eben!
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Rudolphs rote Nase

Rentier (Pixabay)

Wusstet ihr, dass Rentier-Nasen besonders gut durchblutet sind und ein Viertel mehr Blutäderchen haben als menschliche Nasen. Dank dieses Umstandes ist Rudolph in der Lage, seiner Aufgabe als „fliegender und leuchtender Begleiter“ des Weihnachtsmannes besonders gut nachzukommen. Einige Wissenschaftler diskutieren sogar, ob Parasiten daran beteiligt sind, diese auffällige rote Nasenfarbe auszubilden. Über zwanzig besondere Mikroorganismen kommen nur im Nasenmikrobiom von Rentieren vor. Sogar das von den Bakterien zur Kommunikation genutzte Quorum sensing – eine Art Sprache unter Bakterien zur Absprache für gemeinsame Aktionen – war schon in der Diskussion. Beim leuchtenden Tintenfisch mit Leuchtbaketrien klappt das ja auch : )!
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DIY – Mikrobiologische Last Minute Geschenke

Salzzitronen

Ein echter Hingucker im Glas und schnell gemacht sind die Marokkanischen Salzzitronen. Die Fermentation kann beim Beschenkten noch etwas weiter laufen.
Hier ist der Link zum Rezept.

Ginger Beer

Auch ein Ansatz für Ginger Beer ist schnell zubereitet. Eure Freunde können ihn dann mit Zucker und Ingwer weiter füttern. Die selbst gebraute Ingwerlimonade ist eine spritzige und leckere Zutat für Cocktails wie Moscow Mule oder Dark Stormy oder auch einfach pur trinkbar.
Rezept zum Ansatz

Schöner wohnen mit Mikroben

Und wer noch ein gut recherchiertes lustiges Sachbuch verschenken möchte – ich habe da zufällig letztens eins geschrieben :-).

Ich wünsche euch fröhliche Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Mikrobiologische Grüße

Susanne

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    Apfel auf Rezept: 100 Millionen Bakterien

    An apple a day keeps the doctor away (@Shutterstock)

    Mein Vater hat mich früher als Kind immer dazu angestachelt, einen Apfel bis auf den Stiel zu verputzen. Es war unser kleiner Wettkampf, aber er hatte mehr Recht, als er damals ahnte.

    Was ist eigentlich dran, an dem englischen Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away.“ Viel Wahres zeigt die Recherche: In Äpfeln stecken viele Vitamine, Spurenelemente, Mineral – und Ballaststoffe, die gut für unsere Gesundheit sind. Die enthaltenen Pektine unterstützen unsere Verdauung und beugen sogar schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, wie eine Studie der Universität Oxford nahelegt: die Zahl der tödlichen Herzinfarkte und Schlaganfälle in Großbritannien ließe sich um etwa 8500 Fälle senken ließe, wenn jeder Brite über 50 täglich einen Apfel essen würde – zumindest statistisch.

    Aber Äpfel können noch viel mehr: Neben Vitaminen & Co nehmen wir mit Äpfeln eine ganze Portion Bakterien auf.

    „Rohes Obst und Gemüse sind eine Quelle nützlicher Darmmikroben.“

    Gabriele Berg, Technische Universität Graz


    Welche Bakterien sind das genau? Dazu ist laut der Biologin noch viel zu wenig bekannt, der Pilzgehalt von Äpfeln wäre dagegen bisher gut kartiert. Um das zu ändern, nahmen Berg und ihr Schweizer Team das Apfelmikrobiom genauer unter die Lupe.
    Sie analysierten exemplarisch die Sorte „Arlet“ – fein säuberlich aufgetrennt nach den unterschiedlichen Komponenten wie Frucht, Stiel, Schale, Kerne und Fruchtfleisch. Außerdem verglichen Sie Äpfel aus Bioanbau mit konventionell angebauten Äpfeln.

    Kerne sind Bakterien-Hotspots

    Das Ergebnis offenbarte ein Gewimmel von Bakterien in und auf den Äpfeln. Da hilft auch kein Waschen!


    „Unseren Schätzungen zufolge enthält ein typischer 240 Gramm schwerer Apfel durchschnittlich 114 Millionen von Bakterien.“

    Gabriele Berg, Technische Universität Graz

    Vor allem die Obstkerne scheinen wahre Bakterien-Hotspots zu sein, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie belegten. Weniger besiedelt ist das Fruchtfleisch und die Schale sogar nur geringfügig. Wer gern das Kerngehäuse mitisst, nähme nach den neuesten Erkenntnissen des Teams insgesamt zehnmal mehr Bakterien auf, als Menschen, die es verschmähen. Ohne Kerne sinkt die Mikrobenaufnahme auf nur noch rund zehn Millionen. Doch wie nützlich sind die Bakterien aus dem Obst überhaupt für unsere Gesundheit?

    Bio bietet Artenvielfalt

    Ob die Bakterien tatsächlich unsere gesunde Darmflora fördern oder ihr eher schaden, hängt offenbar ganz beträchtlich von der Anbaumethode ab. Die Untersuchungen ergaben, dass Bio-Äpfel eine weitaus vielfältigere und ausgewogenere Bakteriengemeinschaft zu bieten haben als die konventionell angebaute Variante. Die Forscher sind sogar der Meinung, dass das artenreiche Mikrobiom ökologisch angebauter Äpfel die Zusammensetzung unserer Darmflora zugunsten einzelner weniger Arten verhindern und so auch gleichzeitig vorbeugen könnte, dass sich krankmachende Bakterienspezies ausbreiten.

    Mehr hilfreiche Mikroben

    Die Bio-Äpfel punkten aber nicht nur in Sachen mikrobielle Vielfalt. Sie scheinen auch tatsächlich mehr nützliche und weniger schädliche Bakterien zu enthalten als das Obst aus konventionellem Anbau.
    Bakterien, die eher für ihr gesundheitsschädliches Potenzial bekannt sind, kamen verstärkt bei konventionell angebauten Äpfeln vor. „So wurden auf den meisten konventionellen Apfelproben Escherichia-Shigella – eine Gruppe von Bakterien, die bekannte Krankheitserreger enthält – gefunden, aber in keinem der Bio-Äpfel“, berichtet Berg. Dagegen kamen die für ihre probiotische Wirkung bekannten Lactobazillen (Milchsäurebakterien) in ökologisch angebauten Äpfeln vor.
    Das Öko-Obst hat womöglich auch noch einen Geschmacksvorteil. Gabriele Berg und ihr Team stellten fest, das sogenannte Methylobakterien bei Bioäpfeln deutlich zahlreicher vorkamen. Diese Mikroben verstärken bei Erdbeeren die Biosynthese von Aromastoffen. Diese Geschmacksverstärker-Funktion könnten sie auch bei Äpfeln übernehmen.

    Bei Pilzen wurden zudem besondere Sorten-Vorlieben in verschiedenen Studien bestätigt. Ob auch Bakterienarten spezielle Favoriten unter den Apfelsorten haben, soll nun die zukünftige Forschung zeigen.
    Bis dahin gilt der Tipp: Genießt Eure Äpfel doch öfter mal „mit Stumpf und Stiel“ und schneidet das Kerngehäuse nicht mehr heraus!

    Originalpublikation:

    Frontiers in Microbiology, 2019; doi: fmicb.201901629

    https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmicb.2019.01629/full

    Na dann guten Appetit!

    Probiotische Grüße

    Susanne

    Der Artikel erschien in abgeänderter Form zuerst im Carl Roth -Blog .

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      Ginger Beer selber machen

      Wer kennt denn Enid Byltons „Fünf Freunde“? Wer diese ‚Famous Five‘ Bücher – wie sie im Original heißen –  gelesen hat, erinnert sich bestimmt daran, wie gerne die fünf Freunde essen. Da gibt es Scones, Gewürzkuchen und Ingwer Bier – eigentlich eher eine scharfe, süße Ingwer-Limonade. Und um genau diese geht es heute. Ginger Beer selbst zu brauen, ist nämlich gar nicht so schwer. #fermentationfriday

      Enid Blytons „Fünf Freunde“ liebten die scharfe Ingwer-Limonade (@Shutterstock)

      Beginnen wir damit,

      einen sogenannten Ginger-Bug heranzuzüchten. Ohne Ginger-Bug ist es auch kein echtes Ginger Beer. Das ist nichts anderes als ein lebender Organismus, der zur Fermentierung des Ingwer-Bieres beiträgt, und ihm so seinen einzigartigen, leicht herben Geschmack verleiht. Ihr könnt ihn ganz leicht selbst herstellen. Ähnlich wie beim Brauen eines richtigen Bieres, spielen auch beim Ginger Beer winzige Kulturen eine große Rolle. Doch anders als beim echten Bierbrauen, entsteht beim Fermentieren des Ingwers so gut wie kein Alkohol. Ginger Beer enthält somit genauso viel Alkohol wie ein alkoholfreies Bier. Da der tatsächliche Alkoholgehalt zuhause nicht zu 100 % bestimmt werden kann, sollten Kinder vorsichtshalber lieber andere Getränke trinken. 

      Grundrezept Ginger-Bug

      Quelle: Shutterstock
      • 200g Bio-Ingwer
      • 100g Rohrzucker
      • 200 ml Wasser
      • Fermentationsdauer: 24 – 48 Stunden

      Den Ingwer waschen und grob in Stücke schneiden. Nicht schälen, denn wir brauchen die Bakterienflora außen auf der Schale. Den Ingwer mit dem Zucker und Wasser in einer Küchenmaschine pürieren. Es entsteht ein flüssig-braunes Ingwerpüree.
      Die Mischung in ein Bügelglas ohne Gummidichtung geben, da ihr eine starke Gasbildung erwarten könnt. 2-3 Tage an einem warmen Ort stehen lassen und dabei täglich mit einem Esslöffel Zucker zu füttern und umrühren. Das Ingwer-Mus und das Wasser trennen sich immer wieder, aber das ist ganz normal.
      Sobald es im Ansatz stark zu blubbern beginnt, könnt ihr das Bier „brauen“. Dazu die Hälfte vom Ansatz nehmen und ihn dann wieder mit Ingwer und Zucker auffüllen – ähnlich wie beim Sauerteig. Im Urlaub könnt ihr den Ingweransatz auch gut im Kühlschrank „zwischenparken“.

      Ginger Beer brauen:

      • Flaschen mit Bügelverschluss, z.B. 4 0,5 l Flaschen
      • Etwa 2 Liter Wasser
      • 100 g frischer Bioingwer
      • 100 ml Ingweransatz
      • 8 EL Zucker
      • Saft von einer Zitrone

      Optional: Optional gibt es auch Rezepte, die Zucker und Limette austauschen gegen 2 EL Ahornsirup und 200 ml Orangensaft auf 2 Liter Wasser, je nachdem wie es euch am besten schmeckt.

      1. Ausgekochte saubere Flaschen bis 3 cm unter den Rand mit kaltem Wasser auffüllen.
      2. Ingwer in keine Stifte schneiden und gleichmäßig auf die Flaschen verteilen.
      3. Ingweransatz mit Zucker und Zitronensaft gut vermischen und mit einem Trichter in die Flaschen geben.
      4. Nach 2-3 Tagen sammelt sich das Ingwerfruchtfleisch oben im Flaschenhals und das Ginger Beer ist fertig!
      5. Aber Vorsicht! Die Kohlendioxidbildung ist wirklich sehr heftig. Bevor ihr die Flaschen öffnet unbedingt im Kühlschrank gut durchkühlen und in der Spüle mit einem Tuch darüber öffnen. Ich habe schon mehrmals meine Küche komplett putzen dürfen, inklusive Fensterfront 🙂 – das ist mein Lerneffekt!
      6. Ihr könnt das Ginger Beer vor dem Trinken, durch ein Sieb gießen, das hält die feinen Fruchtreste zurück.
      7. Das fertige Getränk ab jetzt im Kühlschrank aufbewahren. Die Flaschen unbedingt weiterhin 1x täglich öffnen, damit sich nicht zu viel Druck aufbaut. Die Flaschen könnten sonst explodieren.

      Mir schmeckt das Ginger Beer wirklich sehr gut. Es hat eine fruchtige Schärfe und einen feinen Schaum. Probiert es einfach mal aus!

      Tipp zum Mixen: Perfekter Moscow Mule

      Gemixt mit Ginger Beer: Moscow Mule (Quelle: Shutterstock)
      • 5 cl Wodka
      • 2 cl frisch gepressten Limettensaft (1/2 Limette)
      • 3-4 dünne Gurkenscheibchen oder Limettenspalten zum Dekorieren
      • Minze (optional)
      • 12-15 cl Ginger Beer

      Wodka Limettensaft und Ginger Beer in einen mit Eiswürfeln gefüllten Kupferbecher geben. Umrühren! Mit den Gurkenscheiben, Limettenspalte und Minze dekorieren. Fertig!

      Viel Spaß beim Ausprobieren! Mikrobiologische Grüße


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      Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke: Buchrezension „Baking Science Traveller“ -Blog

      Meine Blog-Kollegin Becky vom Baking Science Traveller-Blog war im April wieder fleißig und hat einige Wissenschaftsbücher für große und kleine Leser rezensiert: unter anderem auch mein neues Sachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke“.

      Fazit: Ein sehr spannendes Buch! Das Thema ist allgegenwärtig. aber dadurch, dass die Mikroben unter unserem Radar leben, nehmen wir sie nicht so sehr wahr. Trotzdem gehören zu diesen Lebewesen weit mehr als Krankheitserreger und es ist keine Lösung und auch nicht erwünscht, auf alles antibakterielles Putzmittel zu geben. Ein tolles Buch, leicht geschrieben und mit vielen Quellenangaben versehen!“

      Die ganze Rezension findet ihr hier.

      Auch sonst ist der Blog sehr empfehlenswert. Hier werden Mathematik, Reisen und „nerdiges Backen“ auf sehr sympathische Weise kombiniert. Schaut mal vorbei!

      @Baking Science Traveller

      Mikrobiologische Grüße

      Susanne


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      Mehr Mut zum Dreck: Mikrobenzirkus bei DLF Nova

      Sie sind einfach überall – im Bett, in der Küche, in unserer Handtasche oder im Bus: Milliarden von Mikroben. das ist weder schlimm noch gefährlich. Die meisten von ihnen sind sogar nützlich. Putzen kann auch krank machen. Also mehr Mut zum gesunden Dreck!

      Im Podcast findet Ihr mein Interview mit dem Moderator Sebastian Sonntag von Deutschlandfunk Nova unter dem Link https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/mikroben-mehr-mut-zum-dreck könnt ihr noch viel mehr Spannendes über Mikroben

      Zum Weiterlesen empfehle ich Euch mein neues Sachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke“

      Mikrobiologische Grüße

      Susanne


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      Bakterien, Viren & Co. – Putzen wir uns krank?

      Schießen wir mit Kanonen auf Spatzen? Antibakterielle Reiniger sind im Haushalt nicht nötig. (Bild: Shutterstock)

      Dieser Mikrobenzirkus-Artikel erschien zuerst im Carl-Roth-Blog.

      Mögen Sie Mikroben? Oder lässt Sie allein schon der Gedanke an solche winzigen Lebensformen zur Desinfektionsflasche greifen? Bakterien & Co. haben ein furchtbar schlechtes Image. Tägliche Nachrichten über Epidemien und gefährliche Krankheitserreger machen Mikroorganismen zu unseren Angstgegnern. Hygiene wird großgeschrieben und „antibakteriell“ klingt für die meisten Menschen positiv. Selbst Privathaushalte rüsten zur Schlacht gegen die winzigen Mitbewohner und manche sind schon keimärmer als ein OP-Saal!

      Glaubt man den Warnungen von Naturschützern und Wissenschaftlern verursachen die Menschen gerade das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier, indem wir in die letzten unberührten Regionen vordringen. Dazu gehören auch die kleinsten Lebewesen im Mikrokosmos unsers Alltags.
      Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) rücken in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution den Fokus gerade auf ein Ökosystem, das bisher verborgen vor unseren Augen existiert – in unseren Wohnungen und Häusern.
      Hier leben Mikroben mit uns Haut an Haut und auch in unseren Körpern. Mehr als zweihunderttausend Mikroorganismen sind dort bisher bekannt. Allein auf unserer Haut leben tausende Bakterien, in unseren Wohnungen gut 40.000 Arten von Pilzen.
      Mit scharfen Waffen wie Desinfektions- und Badewannenspray oder Antibiotika führen wir einen täglichen Kampf im Lebensraum Haus – ohne bisher langfristig zu wissen, welche Konsequenzen es am Ende für uns hat. Wir putzen zu viel und schaden damit womöglich einem Ökosystem, welches uns gesund erhält.

      Artenvielfalt macht Lebensräume widerstandsfähiger

      Schon lange interessieren sich Wissenschaftler für die Widerstandsfähigkeit in größeren Lebensräumen wie Wiesen und Wäldern gegen Schädlinge, Klimaschwankungen oder auch Krankheitserreger. Fazit dieser Studien: je höher die Vielfalt der Arten, desto eher können solche Störungen toleriert werden, weil nie alle Arten gleichzeitig betroffen sind.

      Ziel der Forscher ist es nun, herauszufinden, ob diese Stabilitätstheorie auch für die Welt im Mikrokosmos gilt. Das hätte weitreichende Folgen für unsere Gesundheit.
      So stören wir womöglich durch unsere Eingriffe in die mikrobielle Artenzusammensetzung unserer Umwelt, dass Krankheitserregern ganz natürlich eingedämmt werden. Wie Pflanzen und Tiere konkurrieren auch Mikroben in einem dicht besiedelten, artenreichen Raum um die vorhandenen Ressourcen. Neue Arten fassen daher schwerer Fuß. Ist der Lebensraum aber sowieso gestört, dann können sich schädliche Neuankömmlinge viel besser ausbreiten.

      Mikroben schützen vor Krankheitserregern

      Der Effekt, dass sich Krankheitserreger in artenarmen Ökosystemen schneller ausbreiten können, wurde schon mehrfach von Experten für die Mikrowelt beschrieben. So können Stäbchenbakterien der Art Clostridium difficile besonders gut Darmentzündungen mit Durchfall auslösen, wenn anfällige Menschen vorher eine Antibiotikatherapie bekamen.

      Ein anderes Beispiel finden wir in jeder Dusche. In den Duschköpfen bilden sich schnell Biofilme aus krankheitsauslösenden Bakterien, sogenannte Nichttuberkulöse Mykobakterien. Besonders in Regionen, in den Wasser gechlort wird, treten diese Biofilme häufiger auf. Die Mykobakterien breiten sich zudem besonders gut auf metallenen Duschschläuchen aus.

      Aber auch unsere Küchenschwämme passen in diese Reihe. Nach einer Studie von Forschern der Hochschule Furtwangen, der Justus-Liebig Universität und dem Helmholtz-Zentrum München. In gebrauchten Küchenschwämmen stellten die Wissenschaftler Bakterienkonzentrationen fest, wie sonst nur in Fäkalproben. Wurden die Schwämme nur mit heißem Wasser ausgewaschen oder in der Mikrowelle behandelt, stieg gerade der Anteil der für uns gefährlichen Bakterien an. Daher bleibt bisher nur ein regelmäßiges Austauschen der Schwämme als effektive Hygienemaßnahme.

      Zum Abschluss aber noch ein positives Beispiel. Eine besonders hohe mikrobielle Artenvielfalt in unseren Wasserleitungen ist für uns sogar sehr nützlich. Unser Trinkwasser ist keinesfalls steril. In jedem Glas Leitungswasser tummeln sich bis zu 10 Millionen unerkannter Bakterien, wie Forscher der Universität Lund entdeckten. Mit anderen Mikroben bilden sie in den Rohrleitungen „Schleimstädte“ – symbiontische Lebensgemeinschaften mit anderen Pilzen, Algen und Protozoen.
      Es sind vor allem diese guten Bakterien, die dabei helfen unser Trinkwasser zu reinigen und gegen Krankheitserreger zu schützen. Nach Schätzungen leben bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten in den Wasserleitungen z.B. die Sphingomonadaceae. Diese Gruppe baut fleißig Schadstoffe ab wie z.B. giftige Aromate.

      Schöner und gesünder wohnen mit Mikroben:

      Was heißt das nun für unser Zusammenleben mit Haushaltskeimen? Nur ganz wenige von ihnen lösen Krankheiten aus. Die meisten helfen uns sogar, gesund zu bleiben. Wir sollten nützliche Keime sogar in unseren Räumen behalten, ja, sie sogar regelrecht kultivieren. Mehr Mut zu etwas gesundem Dreck! Auch wenn das natürlich bei den meisten ein Umdenken in puncto Reinlichkeit oder Hygiene bedeutet.

      Öffnen Sie also Ihre Türen und Fenster und lassen Sie etwas mehr mikrobielle Artenvielfalt in Ihre vier Wände. Dies sorgt für ein gesundes und stabiles Gleichgewicht in der Zusammensetzung der Mikroorganismen. Lüften Sie regelmäßig, stellen Sie Zimmerpflanzen in Ihre Wohnung, halten Sie einen Hund oder eine Katze! Haustiere sind eine Quelle guter Mikroben. Desinfektionsmittel sind im normalen Haushalt völlig unnötig. Zum Putzen sind drei Standardreiniger ausreichend: Neutralreiniger, Zitronensäure oder Essig sowie Scheuermilch für hartnäckige Verschmutzungen.

      Viele weitere Anregungen, wie Sie Ihren heimischen Mikrobenzoo hegen und pflegen können und dabei gesund bleiben, finden Sie zum Weiterlesen in meinem aktuellen Sachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – Wie Mikroben unseren Alltag bestimmen“ (Heyne Verlag, 2019,).

      Link: https://www.randomhouse.de/Paperback/Zu-Risiken-und-Nebenwirkungen-fragen-Sie-Ihre-Tuerklinke/Susanne-Thiele/Heyne/e543156.rhd

      Originalpublikation:

      Dunn, R. R., Reese, A. T., & Eisenhauer, N. (2019). Biodiversity-ecosystem function relationships on bodies and in buildings. Nature Ecology & Evolution, 3(1), 7-9. doi:10.1038/s41559-018-0750-9

      Über die Autorin:

      Susanne Thiele ist Mikrobiologin und Wissenschaftsautorin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog, „Mikrobenzirkus“ (als Wissenschaftsblog 2018 ausgezeichnet).
      Blog: www.mikrobenzirkus.com Twitter: @mikrobenzirkus Facebook: @mikrobenzirkus Instagram: @mikrobenzirkus


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      Schnelles veganes Kimchi

      Unser Sauerkraut ist in der koreanischen Küche das Kimchi. Dieses Gericht ist wirklich ein koreanisches Nationalgericht – sozusagen der fermentierte Nationalstolz. Für uns ist es schwer nachzuvollziehen, wie sehr das milchsaure Kraut mit der kulinarischen Identität Südkoreas verbunden ist. Zu jeder, wirklich ausnahmslos jeder Mahlzeit wird Kimchi als Beilage serviert – und zudem auch mit Reis gebraten, in Suppen eingelegt oder in Teigtaschen gefüllt. Bis ins 13. Jahrhundert reichen die ersten Aufzeichnungen darüber zurück.
      Kimchi gilt als sehr gesund, denn es soll ein langes Leben verleihen. Im Gegensatz zum Sauerkraut, welches bei uns oft gekocht wird, wird Kimchi roh verzehrt, was die lebenden Kleinstorganismen nicht zerstört. Die Anwesenheit von Salz ermöglicht den Milchsäurebakterien ein fröhliches Vermehren, verleidet aber gleichzeitig den Fäulnis bewirkenden Mikroorganismen das Leben.
      Kimchi wird im Gegensatz zum Sauerkraut auch viel schärfer gewürzt. Neben der Milchsäure bestimmen Chili, Ingwer, Frühlingszwiebeln und Fischferment den Geschmack. Im folgenden Rezept probieren wir gemeinsam ein schnelles verganes Anfänger-Kimchi aus, ohne Fischsauce. Meine beiden Teenager sind gerade auf dem veganen Pfad. Die Zutaten könnt ihr unkompliziert in jedem gut sortierten Supermarkt kaufen.

      Einkaufsliste

      Zutaten für ein verganes Kimchi (S. Thiele
      • 1 großer Chinakohl
      • 2 Karotten
      • 1 weißer Rettich
      • 1 Bund Frühlingszwiebeln
      • 1 großes Stück Ingwer
      • 4 Knoblauchzehen
      • 2 rote Chilis
      • Salz
      • Wasser

      Zubereitung

      • Den Chinakohl in fingerbreite Streifen schneiden, in eine große Schüssel geben und mit Salzlake (20g Salz/ 1 Liter Wasser) bedecken. Den Kohl zusammen und unter die Lake drücken und mit einem Teller beschweren. Für mindestens 2 Stunden stehen lassen.
      • Karotten und Rettiche schälen, grob raspeln und aufheben. Frühlingszwiebeln in dicke Ringe schneiden.
      • Ingwer und Knoblauch fein zerkleinern mit den entkernten Chilis und etwas Kohl-Salzlake mischen. Den Kohl von der Lake mit einem Sieb trennen und gut ausdrücken. Die Salzlake aufheben.
      • Den Kohl mit den Karotten, Rettich und Frühlingszwiebeln in einer Schüssel gut vermischen und die Chili-Knoblauch-Mischung darüber geben. Gut verkneten. Vorsichtig nachsalzen falls nötig.
      • Das Kimchi in Gläser mit Bügelverschluss füllen, fest andrücken bis keine Luftblasen mehr zu sehen sind. Wenn das Kraut nicht mit Flüssigkeit bedeckt ist, etwas Salzlake nachfüllen. Die Gläser nicht höher als zwei Finger unter dem Glasrand füllen. (Überlaufgefahr)
      • Die Gläser zur Fermentation 3-7 Tage an einem warmen Ort stellen, damit die Milchsäurebakterien ihren Job machen können. Es entstehen leichter Schaum und Bläschen – das ist ganz normal. Ihr könnt das Kraut täglich etwas andrücken, falls es „hochwächst“ und dabei gleich probieren, ob es euch schon scharfsauer genug ist.
      • Wenn euch der Geschmack zusagt, wird das Kimchi in den Kühlschrank gestellt (Stopp der Fermentation) und ist dort mindestens 2-3 Monate haltbar.
      • Nach und nach werdet ihr euch immer mehr an die würzigeren Kimchi-Varianten herantrauen.
      • Zubereitungszeit: ca. 2 Stunden
      • Fermentation: 3-7 Tage
      • Haltbarkeit: 2-3 Monate
      • Das Rezept ist inspiriert vom Buch „Fermentieren ganz einfach selbst gemacht“ von Cathrin Brandes)

      Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, hinterlasst mir sehr gern einen Kommentar!

      Probiotische Grüße

      Susanne


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      Magnetospirillium ist Mikrobe des Jahres 2019

      Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von M. gryphiswaldense. © Frank Müller, Universität Bayreuth

      Magnetische Bakterien – die gibt es wirklich! Die Bakterien der Gattung Magnetospirillum sind die Mikroben des Jahres 2019. Diese im Wasser lebenden Bakterien können sich am Magnetfeld der Erde orientieren – und eignen sich als nützliche Helfer im Bereich von Biotechnologie und Medizin. So können die Mikroben zum Beispiel als Kontrastmittel fungieren oder dabei helfen, Zellen künstlich zu steuern.

      Sich teilende Zelle von Magnetospirillum gryphiswaldense mit Magnetitkristallen (Transmissions-elektronenmikroskopische Aufnahme). © Frank Mickoleit, Universität Bayreuth

      Seefahrer vertrauen seit Jahrhunderten auf ihren Kompass. Doch die Natur nutzt dieses Prinzip schon viel länger. Viele Lebewesen können das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und sich an ihm orientieren. Zugvögel beispielsweise nutzen ihren magnetischen Sinn als Richtungsweiser auf ihren langen Flügen. Aber auch Fische, Füchse, Wildschweine und Hunde besitzen einen Magnetsinn. Selbst im Reich der Allerkleinsten gibt es Organismen, die sich am irdischen Magnetfeld orientieren: Bakterien.
      Als Kompass tragen diese Mikroben winzige Ketten von Kristallen aus dem Eisenoxid Magnetit in sich. Faszinierend ist es anzusehen, wenn sie alle einheitlich ausregerichtet unter dem Mikroskop umherflitzen.

      Bakterien mit Magnetsinn – Kristalle aus Eisenoxid

      Magnetospirillum gryphiswaldense in Teilung mit Magnetitkristallen (rot) und Membranvesikeln (gelb) und dem speziellen Cytoskelett (grün) sowie Geißeln zur Fortbewegung (ocker). © Mauricio Toro-Nahulepan, Universität Bayreuth/ Jürgen Plitzko, MPI für Biochemie, Martinsried

      Erstmals entdeckt wurden diese besonderen Bakterien durch den Italiener Salvatore Bellini. Dieser stieß mit seinen Beobachtungen im Jahr 1963 zwar zunächst noch auf Unglauben. Doch mit der Verbreitung des Elektronenmikroskops bestätigte Richard Blakemore zwölf Jahre später die Existenz magnetischer Mikroben: In Schlammproben sah er Mikroorganismen mit Ketten magnetischer Kristalle, die sich wie eine Kompassnadel im magnetischen Feld ausrichteten.
      Heute weiß man, dass spezielle Enzyme Eisen-Ionen aus der Umgebung in die Bakterienzelle transportieren. Dort bilden sich Ketten aus 15 bis 30 Eisenoxid-Kristallen, die zusammen als Magnet wirken. Ein Zellskelett aus langen Proteinfäden, ähnlich aufgebaut wie unsere Muskeln, hält die Kristalle in der Zellmitte und sortiert sie bei der Zellteilung gleichmäßig.

      Vorteil bei der Orientierung im Wasser

      Zusammen mit einem speziellen Sauerstoffsensor orientieren sich die Bakterien mit ihrem inneren „Magneten“ so im Wasser: Sie suchen gezielt Schichten mit einem optimalen geringen Sauerstoffgehalt auf. Die magnetischen Pole der Erde helfen ihnen, sich in der richtigen Wassertiefe auszurichten. Ihre schraubenförmige Gestalt hilft dabei, sich im Bodensediment zu bewegen.
      Dank der detaillierten Erkenntnisse zur Biosynthese und Funktion der Magnetosomen gilt Magnetospirillum mittlerweile auch als wichtiger Modellorganismus für die Bildung bakterieller Organellen.

      Magnetospirillium-Forscher der ersten Stunde

      Prof. Dr. Dirk Schüler, © Christian Wißler, Universität Bayreuth

      Professor Dr. Dirk Schüler ist seit fast 30 Jahren von diesen Bakterien fasziniert. Als Student im Greifswalder Labor von Manfred Köhler entdeckte er 1990 Magnetospirillium im Schlamm eines kleinen Flusses. Darauf ist auch der Namenszusatz „gryphiswaldense“ zurückzuführen. Zeitgleich gab es große politische Umwälzungen – der Fall der Mauer. Gemeinsam mit den Experten aus dem Münchner Labor von Karl-Heinz Schleifer und Rudolf Amann konnten sie das neuentdeckte Bakterium mit modernen Methoden untersuchen. Es wurde namensgebend für die ganze Gattung Magnetospirillium.

      Innovative Waffe gegen Tumore ?

      Für die Biotechnologie und die Medizin bieten die Bakterien faszinierende Möglichkeiten. Doch auch darüber hinaus bietet Magnetospirillum faszinierende Möglichkeiten: Die winzigen Magnete haben eine einheitliche Größe, Form und hohe Magnetisierung, die synthetische Nanopartikel nicht erreichen. Aus diesem Grund können sie als Kontrastmittel in der medizinischen Bildgebung fungieren – dabei übertreffen sie die Wirksamkeit kommerzieller magnetischer Kontrastmittel deutlich, wie Versuche zeigen.
      Zudem erzeugen die Magnetosomen der Bakterien in Zellen oder Geweben Wärme, wenn ein starkes Magnetfeld angelegt wird – in Tierversuchen ließen sich damit Tumoren verkleinern. Außerdem ist es Forschern bereits gelungen, den kompletten Biosyntheseweg aus Magnetospirillum in fremde Bakterien übertragen. So lassen sich in Zukunft womöglich Zellen künstlich magnetisieren und dadurch „steuern“. lebende Magnetbaketrien könnten sogar als „Mikroroboter“ mit Medikamenten beladen werden und diese dann zum Wirkunsgort im Körper, etwa zu Tumoren bringen.

      Selbst magnetische Bakterien fischen?

      Nun bleibt die Frage, ob auch Laien magnetotaktische Bakterien finden könnten? Sicher, meint Prof. Dirk Schüler von der Universität Bayreuth. Das wäre nicht schwer. In jedem Gartenteich oder flachen Tümpel gibt es viele verschiedene Arten: Stäbchen, Kugeln, Spiralen.
      Betrachtet man den Rand eines Schlammtropfens mit einem Phasenkontrastmikroskop, das wenigsten 100fach, besser 400fach vergrößert, an den man einen kleinen Stabmagneten hält. Dann schwimmen die Magnetbakterien hartnäckig in diese Richtung und wenden, sobald man den Magneten umdreht.

      Links:

      Mikrobiologische Grüße

      Susanne

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        9 Kommentare

        Die Wissenschaftsblogs des Jahres 2018 sind gewählt: Bronze für den Mikrobenzirkus

        Die Wahl zum „Wissenschaftsblog 2018“ ist abgeschlossen und heute wurden die Ergebnisse bekanntgegeben! Der „Wissenschafts-Block in Bronze“ wurde an meinen „Mikrobenzirkus“ verliehen. Eine große Überraschung für mich, über die ich mich sehr gefreut habe. An dieser Stelle vielen Dank an alle Leser, die mit abgestimmt haben !

        Wissenschafts-Block 2018 in Bronze für den Mikrobenzirkus

        Hier für euch die netten Wort in der Begründung der Preisvergabe von Reiner Korbmann vom Blog „Wissenschaft kommuniziert“, der diese Wahl bereits zum achten Mal veranstaltet hat.

        Der „Wissenschafts-Blog des Jahres 2018“ in Bronze: Mikrobenzirkus von Susanne Thiele

        Kann man sich für winzige Plagegeister begeistern, wie Bakterien, Viren, Pilze usw.? Man kann! Und wie, das führt Susanne Thiele vor. Die Mikrobiologin ist fasziniert von den winzigsten Organismen und schafft es, diese Begeisterung an die Leser ihres Blogs weiterzugeben: Sie erzählt Geschichten, etwa vom Sauerkraut, sie zeigt wunderschöne Bilder, etwa die unterschiedlichsten Mikroben auf Agarplatten in leuchtenden Farben (übrigens auch auf Instagramm) und sie variiert das Thema Mikroben tatsächlich so kreativ und vielfältig wie ein Zirkusprogramm.

        Man mag eine Abscheu gegen die Kleinstorganismen haben (die andererseits so lebenswichtig für uns sind), man kommt aber nicht an ihren attraktiven Seiten vorbei, die die Bloggerin in ihrem Ideenreichtum und ihrem Engagement jeweils neu erfindet. Das ist ein gut gemachter, optisch attraktiver Blog, wie man sich ihn als Blogger wünscht, und der in der Lage ist, eine in der Öffentlichkeit meist nur mit Krankheiten verbundene Disziplin aus den negativen Assoziationen herauszuholen. Da wiederum kommt Susanne Thiele ihr privater Blog auch beruflich zugute, denn sie ist Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Infektionforschung in Braunschweig.

        Die weiteren Gewinner sind der „Theorie-Blog“ des Politikwissenschaftlers Dr. Sebastian Huhnholz aus Hannover, den er mit Kollegen betreibt  (Gold) und der „Zukunfts-Blog“ der ETH Zürich (Silber).der Sonderpreis der Redaktion geht an den Blog „Baking Science Traveller„, der Mathematikerin Isabelle Beckmann, der ihr Interesse für Wissenschaft, Reisen mit dem täglichen Leben als Mutter verbindet.

        Fazit: Diese Leserwertung und der Preis sind ein schönes Feedback für mich. Ein Blog lebt ja von seinem Gegenüber. Mir macht es unheimlich viel Spaß für euch Themen „auszugraben“ und so gibt auch 2019 weiterhin spannende Geschichten aus dem Mikrokosmos, Mitmachexperimente und auch Buchrezensionen hier im Mikrobenzirkus.

        Mikrobiologische Grüße

        Susanne

        Worüber möchtet ihr mehr lesen? Schreibt mir gern einen Kommentar!

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          3 Kommentare

          Neujahrsgrüße, ein vierter Geburtstag und neue Projekte 2019

          Liebe Mikrobenzirkus-Freunde… es wird wieder Zeit für einen Jahresrückblick 2018, einen Blick voraus und vor allem für eine Geburtstagstorte: Happy Birthday! Der Mikrobenzirkus ist nämlich mittlerweile 4 Jahre alt. An dieser Stelle natürlich ein großes Dankeschön an alle, die über die vier Jahre die Treue halten oder auch neu dazugekommen sind.

          Besucherzahlen:

          Der Mikrobenzirkus_nöog wurde am 31.12.2018 vier Jahre alt. (Fotolia)

          Der Mikrobenzirkus hatte im Jahr 2018 in diesem Jahr 60.190 Aufrufe und 34.060 Besucher. Im Vergleich dazu die Zahlen für 2017: 37.500 Aufrufe und 24.000 Besucher. Und das obwohl ich in diesem Jahr nur 22 Beiträge veröffentlich habe: Geschrieben habe ich zwar trotzdem, aber verstärkt an meinem neuen Buch. Dazu später mehr.

          Beliebteste Beiträge 2018:

          Beliebteste Themen im Blog:

          2016 hatte ich im Blog auch mit dem „DIY Mikrobenzirkus“ begonnen: sprich mit der Fermentation in vielen Variationen. Dabei geht es darum, zu lernen, wie wir Sauerkraut & Kimchi, Joghurt, fermentierte Getränke (Kefir & Kombucha) herstellen können oder auch wie man Brot mit Sauerteig bäckt. Diese Kategorie im Blog hat sich als besonders erfolgreich bei euch gezeigt. Die Rezepte werden viel geklickt und ich erhalte immer viele Nachfragen von euch.
          Der Fermentationsonlinekongress bei dem ich 2018 zweimal mit einem Video-Interview teilgenommen habe, hat die Besucherzahlen im Sommer dementsprechend in die Höhe schnellen lassen (7995 Aufrufe im Juli).
          Die Rezepte findet ihr im Blog in der Kategorie DIY Rezepte. Für eure Fragen stehe ich immer gern bereit.

          Mikrobenzirkus in den Social Media:

          Mikrobenzirkus auf Instagram

          Besonders aktiv ist meine Mikrobenzirkus-Community auf Instagram, die im letzten Jahr auf 1180 mikrobenbegeisterte Follower angewachsen ist. Ich gestalte den Instagram-Kanal als einen Themenkanal mit interessanten Neuigkeiten und Geschichten zur Mikrobiologie in unserem Alltag. Dort gibt es täglich kleine Wissenshäppchen, viele schöne Fotos und natürlich auch die Rezepte zu den Fermentionsexperimenten.

          In diesem Jahr wurde mein Instagram-Kanal auch als ein gutes Beispiel zur Wissenschaftsvermittlung vorgestellt vom Blogportal http://www.wissenschaftskommunikation.de. Hier könnt ihr den ganzen Artikel lesen noch einmal lesen.
          Wissenschafts¬Kommunikation via Instagram – drei Beispiele:
          Instagram kann ein nützliches Medium für die Wissenschaftskommunikation sein. Wir stellen drei Kanäle mit unterschiedlichen Zielen vor. Die Macherinnen und Macher verraten uns, über welche Themen sie sprechen, wen sie damit erreichen möchten und wie das Publikum auf sie reagiert.
          Auch bei Facebook (@mikrobenzirkus) und Twitter (@mikrobenzirkus) könnt ihr mir natürlich folgen.

          Mikrobenzirkus auf der Shortlist „Wissenschaftsblogs 2018“

          Wahl der Wissenschaftsblogs 2018

          Über die Nominierung meines Blogs für die Wahl der spannendsten „Wissenschaftsblogs 2018“ habe ich mich sehr gefreut. Insgesamt standen stehen 22 Blogs zur Auswahl. In einer anderen Kategorie wird auch ein „Blogteufelchen“ vergeben. Die Stimmenabgabe ist schon abgeschlossen, Das Ergebnis steht aber noch aus. Wir bleiben gespannt!

          Ausblick 2019:

          Mein neues Sachbuch erscheint am 11.2. 2019

          Ab Mitte Februar wird es dazu Lesungstermine, eine Leserunde bei Lovelybooks geben. Auch auf der Leipziger Buchmesse im März können wir uns direkt dazu unterhalten.

          Alle Infos zum Buch und sogar schon eine Leseprobe findet ihr auf der Verlagsseite vom Heyne-Verlag (Randomhouse).

          Workshop Fermentation am 9.5.2019

          Im Mai gebe ich zum ersten Mal an der VHS in Braunschweig einen Kurs zur „Kunst der Fermentation“ für Interessierte und Anfänger.

          Gemüse wild fermentieren Workshop mit Verkostung
          Kursinhalt: Fermente sind lecker, lange haltbar und dazu noch sehr gesund: Der Workshop vermittelt Ihnen Theorie und Praxis der Milchsäuregärung und betrachtet auch weitere Arten der Fermentation (Joghurt, Sauerteig, Wasser/Milch-Kefir, Kombucha u.v.m.). Bevor es zu theoretisch wird, probieren wir uns durch eine bunte Vielfalt verschiedener Gemüsefermente und fermentierter Getränke bei einer sauren Verkostung. Zum Abschluss stellen wir gemeinsam ein schnelles Ferment im Bügelglas zum Mit-nach-hause-nehmen her. Einige Rezeptideen erhalten Sie außerdem zum fröhlichen Weiterexperimentieren.

          Anmeldung und weitere Infos:  

          Daneben wird es natürlich weiterhin im Mikrobenzirkus neue Blogartikel und Mitmach-Rezepte sowie Buchempfehlungen geben.
          Ich freue mich immer über Kommentare oder Anregungen von euch!

          Dann wünsche ich euch allen ein spannendes und vor allem gesundes 2019! Wir lesen uns!

          Mikrobiologische Grüße

          Susanne

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