Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Sie ist gekürt: die Mikrobe des Jahres 2025 – Corynebacterium glutamicum

Weltmarktführer im Tonnenmaßstab

Liebe Freundinnen und Freunde des Mikrobenzirkus,

ein frisches Jahr liegt vor uns mit all seinen neuen Chancen und Möglichkeiten und ich verkünde gleich die große Nachricht im Reich der Allerkleinsten: Habemus microbium!

Die Mikrobe des Jahres 2025 heißt Corynebacterium glutamicum – gekürt von der VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie). „Coryne“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Keule“ – eine Anspielung auf die Form der Bakterien.

(Foto: Corynebacterium glutamicum im Raster-Elektronenmikroskop. Die Stäbchen sind nicht ganz gleichmäßig und ähneln daher Keulen (griechisch coryne). Die „schnappende“ Zellteilung führt zu aufgeklappten V-förmigen Strukturen. Foto: Urska Repnik, Universität Kiel (CC BY 4.0).)

Wer bei einem „Keulenbakterium“ spontan an einen prähistorischen Höhlenmenschen denkt, der unvorsichtigen Säbelzahntigern eins über die Rübe zieht, liegt jedoch falsch. Denn Corynebacterium glutamicum ist keineswegs eine gefährliche Urzeit-Kreatur, sondern vielmehr ein friedlicher Spitzenproduzent in Sachen Aminosäuren. Dieses Bakterium wirft jährlich so viele Tonnen seines Hauptprodukts auf den Markt, dass ein Güterzug einmal quer durch Deutschland damit befüllt werden könnte – voller Natriumglutamat! Beeindruckend, oder?

Wer noch nie von Corynebacterium glutamicum gehört hat, ist aber nicht allein. Man könnte es fast einen „Hidden Champion“ nennen, denn das Bakterium ist – ganz ohne große Schlagzeilen – ein unangefochtener Weltmarktführer, der pro Jahr sage und schreibe 3,5 Millionen Tonnen Natriumglutamat produziert. Mit anderen Worten: Wenn ihr euch fragt, was da so lecker in eurem Essen schmeckt, könnte es gut sein, dass Corynebacterium eifrig dazu beigetragen hat.

Auf der Spur des Umami-Geschmacks

Die Geschichte des Bakteriums liest sich beinahe wie eine kulinarische Detektivstory: Mitte der 1950er-Jahre suchten zwei japanische Forscher nach Mikroorganismen, die „Umami“ produzieren – jenen herzhaften, fleischigen Geschmack, der sich wohltuend von süß, sauer, salzig und bitter unterscheidet. In reifen Tomaten, Parmesan oder Schinken ist dieser Umami-Ton ganz natürlich vorhanden, und bei asiatischen Gerichten steht er oft im Rampenlicht. Auch von meinen eigenen Fermentationsexperimenten ist mir dieser Geschmack gut vertraut.

Die Forschenden stießen schließlich auf Corynebacterium glutamicum, das auf wundersame Weise Glutamat ausscheidet. Dieser Fund legte den Grundstein für eine globale Industrie. Heute stammen die gewaltigen Mengen an Natriumglutamat (das Salz der Glutaminsäure) aus der Produktion dieser zähen Stäbchenbakterien.

Große Ideen, kleine Helfer

Seit rund 40 Jahren schauen Wissenschaftler*innen in Deutschland diesem bescheidenen Bakterium sehr genau auf die Zellwand. Die stabile, mehrschichtige Hülle macht es widerstandsfähig gegenüber zahlreichen schädlichen Substanzen. Übrigens teilt sich das Bakterium auf solch ungewöhnliche Weise, dass sich die Tochterzellen wie ein kleines Scharnier öffnen. Alles sehr unkonventionell, aber offensichtlich äußerst erfolgreich.

Mithilfe gentechnischer Kniffe und ausgefeilter Methoden der synthetischen Biologie lassen sich den Bakterien neben Aminosäuren auch ganz andere nützliche Stoffe entlocken:

  • Gesundheitsfördernde Naturstoffe
  • Antioxidantien
  • Antimikrobielle Peptide

Das klingt fast wie der Inhalt eines Zukunftslabors – und ist dennoch genau das, woran Corynebacterium-Masteminds seit Jahrzehnten feilen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Bakterien so zu programmieren, dass sie nicht länger Nahrungsmittel (wie Zuckerrohr oder Getreide) als Futter benötigen, sondern stattdessen Pflanzenschalen, Biodiesel-Abfälle und andere Reststoffe verwerten können. So wird das kleine Bakterium zum cleveren Recycling-Helfer, der unsere fossilen Ressourcen schont und sich nahtlos in einen Kreislauf aus nachwachsenden Rohstoffen einfügt.
Sehr 21. Jahrhundert, wenn ihr mich fragt.

Ganz harmlos? Nicht immer!

Glücklicherweise ist Corynebacterium glutamicum für uns Menschen völlig ungefährlich – und damit ein echter Sympathieträger in jeder Biotechnologie-Abteilung. Auch andere verwandte Corynebakterien-Arten, die auf unserer Haut leben, sind sogar für unser Mikrobiom nützlich.
Doch es gibt auch schwarze Schafe in der Verwandtschaft:

  • Corynebacterium diphtheriae war einst ein gefürchteter Killer namens „Würgeengel der Kinder“. Bis zum späten 19. Jahrhundert starben jährlich rund 50.000 Kinder allein in Deutschland an Diphtherie.
  • Andere in Tieren verbreitete Corynebakterien-Arten besitzen Toxine, die mitunter auch für Menschen gefährliche Krankheiten verursachen können.
  • Und dann wäre da noch die Verwandtschaft zu Mycobacterium tuberculosis, dem Erreger der Tuberkulose, an der jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen weltweit sterben.

Diese genetischen Ähnlichkeiten sind für Forschende jedoch ein Glücksfall: Indem sie genau studieren, wie die Zellwand von Corynebacterium glutamicum aufgebaut ist, erhalten sie wertvolle Hinweise auf potenzielle Angriffspunkte für neue Medikamente. So kann das freundliche und harmlose Keulenbakterium vielleicht künftig helfen, den tückischen Tuberkulose-Erreger besser zu bekämpfen und Angriffspunkte für neue Medikamente zu identifizieren.

Von der Petrischale zum Giganten der Industrie

Damit schließt sich der Kreis: Corynebacterium glutamicum ist ein echter Alleskönner, der vom nützlichen Labor-Liebling bis hin zum Weltmarktführer im Tonnenmaßstab alles zu bieten hat. Harmlos für Menschen, doch für Futtermittel- und Lebensmittelkonzerne nahezu unentbehrlich – schließlich sichern diese kleinen Organismen Güterzüge voller Umami-Genuss und erweisen sich zudem als wertvolle Forschungspartner im Kampf gegen gefährliche Infektionskrankheiten.

Man könnte ihn also guten Gewissens als eine Biotech-Ikone des 21. Jahrhunderts bezeichnen. Die VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) hat es sich daher nicht nehmen lassen, Corynebacterium glutamicum prompt zur Mikrobe des Jahres 2025 zu küren.

Vielleicht nicht ganz so glamourös wie ein roter Teppich in Hollywood, aber in der Welt der winzigen Mikroben ist das wohl das Äquivalent zum Oscar. Und das will etwas heißen, wenn man bedenkt, wie viele Myriaden von Bakterien in jedem Jahr genau darum rangeln.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Corynebacterium glutamicum – du hast es dir redlich verdient!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Start ins neue Jahr!

Viele Grüße aus dem Mikrobenzirkus

Herzlich, Susanne 😉


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Dürfen Bello und Miez mit ins Bett?

Quelle- KI-generiert mit ChatGPT


Liebe Freunde und Freundinnen des Mikrobenzirkus,

wir verbringen heutzutage rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Das beeinflusst natürlich, wie gut unser Immunsystem noch trainiert wird. Unsere Umwelt wird immer keimfreier und dadurch verarmen auch unsere Mikrobiome in ihrer Vielfalt an Mikroorganismen.
Dazu hat auch unser Immunsystem nichts mehr, woran sich unser Körper auf natürliche Weise „abarbeiten“ kann. Aus Jux und Dollerei attackiert es dann Pollen, Haare usw.

Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass Haustiere nicht nur Schlamm und Schmutz mit nach Hause bringen, sondern, dass sie auch als eine Art natürlicher Lieferdienst guter Mikroben funktionieren. Ein Großteil der Mikroben, die unseren Darm besiedeln, gelangt über Nahrung und unsere Atemluft dorthin.
Hunde beeinflussen sogar die Zusammensetzung der Bakterien im Hausstaub, was sich positiv auf das Raumklima auswirken kann. Dabei handelt es sich um harmlose, nicht krankheitserregende Bakterien, die bei einem gesunden Immunsystem keine Infektionen verursachen. Viele dieser Mikroben stammen aus der Erde und siedeln sich auch im Hundedarm an. Interessanterweise wird das Mikrobiom von Hundebesitzer nach kurzer Zeit um genau diese Bakterien bereichert. Forschende konnten allein auf Basis der Mikrobiom-Daten Hunde ihren Haltern zuordnen!

Eine spannende Studie von Dr. Susan Lynch von der University of California zeigte, dass Mäuse, die Hausstaub aus Haushalten mit Hunden ausgesetzt waren, seltener an Asthma erkrankten. Eine bestimmte Bakterienart, Lactobacillus johnsonii, konnte identifiziert werden, die diesen Schutz bietet.

Das Fazit: Tierkontakte in der frühen Kindheit wirken sich positiv auf die Darmflora aus und können das Immunsystem stärken sowie das Allergierisiko senken. Stichwort: Bauernhofstudien: Kinder, die auf Bauernhöfen mit viel Kontakt zur Natur und zu Tieren aufwachsen, zeigten viel weniger Allergien und Asthma als Kinder, die in der Stadt aufwachsen.

An dieser Stelle möchte ich auch gleich mit dem Mythos der „allergiesicheren“ Hunderassen aufräumen. Selbst nackte Hunde ohne Fell, verlieren noch Hautschuppen und Allergene. Überraschenderweise war der Labrador Retriever in Studien die Rasse, die am wenigsten Allergien auslöste. Die Annahme, dass lockige Hunderassen wie Pudel oder Wasserspaniel generell antiallergisch seien, hat dagegen keine wissenschaftliche Grundlage.

Und wie ist es mit Katzen?

Als bekennende Katzenliebhaberin, die aktuell leider gerade ein „katerloses“ Leben führt (weil unser alter Kater Kasper letztes Jahr verstarb), kann ich bestätigen, dass die Stubentiger einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden haben.

Und nicht nur das: Eine Studie des Asthma in Childhood Research Centers in Kopenhagen ergab, dass Katzen eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und Allergenen ins Haus bringen – und das zu unserem Vorteil. Forschende fanden heraus, dass Katzen den Effekt eines Gens neutralisieren können, das bei Kindern das Risiko für Asthma verdoppelt. Lebt eine Katze im Haushalt, wird dieses Gen nie aktiviert – ein erstaunlicher Fund, der selbst die Wissenschaft überrascht hat. Warum dies nur bei Katzen und nicht bei Hunden funktioniert und wie der genaue Mechanismus funktioniert, ist noch unzureichend geklärt.

Zurück zur Frage: Ist es gesund, Tiere im Bett schlafen zu lassen?

Wenn es nach den Fellnasen oder unseren Kindern geht, ist die Antwort wohl ein klares Ja. Neben der Stressreduktion und positiven Effekten auf die Herzgesundheit, ist es unter bestimmten Bedingungen unbedenklich, Haustiere im Bett schlafen zu lassen.
Wichtig ist, dass die Tiere frei von Parasiten wie Zecken und Flöhen sind und regelmäßig geimpft sowie entwurmt werden. Auch auf Hygiene im Schlafzimmer solltet ihr stärker achten – die Bettwäsche muss häufiger gewechselt werden, da die Tiere eben auch Haare und Schmutz ins Bett tragen können.

Doch eines ist sicher: Im Bett von Kleinkindern haben Haustiere nichts verloren, da hier das Verletzungsrisiko einfach zu groß ist.

Wenn ihr euch noch etwas mehr über Mikrobenkosmos von Katzen informieren wollt (Toxoplasmose aber auch andere Aspekte) , empfehle ich euch diesen älteren aber noch aktuellen Artikel im Mikrobenzirkus-Blog.

Weiterlesen

  • “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” von Susanne Thiele (2019); bestellbar unter
    9783453604872 | Buchhandlung Graff in Braunschweig (Öffnet in neuem Fenster)
  • S.V. Lynch, K.E. Fujimura u.a.: “House dust exposure mediates gut microbiome lactobacillus enrichment and airway immune defense against allergens and Virus infections”, in: Proc. Natl. Acad. Sci., 111, 2014, S. 805-810)

Tipp:

26.11. 19 Uhr ARTE Saloon “Mikrobiom – Die Macht der Mikroben”

Ich bin als Podiumsgast eingeladen beim interaktiven Format ARTE- Saloon auf dem youtube-Kanal von arte. In diesem Format werden interessante Reportagen von arte nochmal mit Fachleuten diskutiert und Fragen aus dem Chat beantwortet.

Es wird darum gehen, welchen Einfluss die Mikroorganismen auf uns haben, wie wir das Wissen darüber nutzen können und was wir noch nicht verstehen. Und ich werde etwas über die Inhalte meines Sachbuches “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” interviewt.
Ihr könnt live dabei sein und eure Fragen stellen.

Für alle, die sich schon vorab informieren wollen – hier ist der Link zur sehenswerten Reportage “Die Macht der Mikroben”

Meine Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne

Tragt euch gern für meine kostenlose Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne auf Steady ein. Da erreichen euch solche Informationen zu aktuellen Schreibprojekten, Buchtipps und meinen Lesungen noch viel eher.

Viele Grüße aus dem Mikrobenzirkus

Eure Susanne Thiele


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„Zombiviren“ aus dem Permafrost?

Liebe Mikroben-Fans,

Anfang des Jahres schwappte die Schlagzeile „Arctic zombie viruses in Sibiria could spark terrifying new pandemic, scientists warn“ aus der Londoner Sonntagszeitung The ObserverHealth in die deutschen Medien, die mich als Mikrobiologin natürlich aufhorchen ließ, weil sie so gut zum Thema unseres aktuellen Science-Thrillers „TOXIN“ passte, den ich als Koautorin mit Kathrin Lange veröffentlich habe.

Der Genetiker Jean-Michael Claverie von der Universität Aix-Marseille warnte davor, dass uralte Viren, die im Permafrostboden in der Arktis-Region eingefroren sind, eines Tages durch die Erwärmung des Erdklimas freigesetzt und einen großen Krankheitsausbruch auslösen könnten. Diese Viren schlummern dort seit zehntausenden von Jahren in Überesten von Mammuts und Säbelzahntigern und könnten Tieren und Menschen heute immer noch gefährlich werden. Sie könnten sogar eine Pandemie auslösen – nicht durch eine für die Wissenschaft neue Krankheit, sondern durch Erreger aus der fernen Vergangenheit.

Das klingt nach Science-Fiction?

Wie gefährlich sind die “Zombieviren” oder andere Erreger aus dem tauenden Eis wirklich? Nehmen wir das Thema etwas auseinander…und vor allem die reißerische Bezeichnung Zombievirus in einer Überschrift. So etwas „liebe“ ich ja als Pressefrau am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung besonders…;-)

Zu allererst eine gute Nachricht: Die sogenannten “Zombieviren” haben ihren Namen nicht deshalb, weil sie uns Menschen in Zombies verwandeln könnten. Diese „Methusalem-Viren“ sind selbst die Untoten, die seit prähistorischen Zeiten im Eis überdauern und wieder zum Leben erwachen können. Sie schlummern gut gekühlt im ewigen Eis und Gletschern, die man auch als Permafrost bezeichnet.


Natürliche Kühlschränke als Zeitkapseln

Permafrostböden kann man sich vorstellen, wie eine riesige, natürliche und dazu luftsichere Gefriertruhe. Ein Viertel der Landfläche der Nordhalbkugel ist dauerhaft gefroren, dazu gehören Alaska, Nordkanada, der Norden Europas und weite Teile Sibiriens. Sogar in Deutschland gibt es einen Ort an dem alpiner Permafrost vorkommt: die Zugspitze.
Namensgebend für diese Dauerfrostböden ist die Tatsache, dass die Temperaturen des Bodens in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren unter null Grad Celsius liegt. Wie Beton stabilisiert der Permafrost den Untergrund – bis circa 1,6 Kilometer reicht der Dauerfrost zum Beispiel in Sibirien ins Erdinnere. Der perfekte Ort zum Konservieren, kalt, frei von Sauerstoff und Licht.

BU: Permafrost in Alaska (Shutterstock)


In Permafrostböden sind deshalb gigantische Mengen organischen Materials, hauptsächlich abgestorbene Pflanzenreste eingeschlossen – aber auch beispielsweise noch ganze Mammuts zu finden – nicht nur in Form von Knochen, sondern komplett – mit konservierten Haaren, Gewebe und Blut.

Mumifizierte Karibus wie in unserem Sciencethriller „Toxin“ oder dieses kleine Mammut (42.000 Jahre alt) im Permafrostboden in Sibirien sind gar nicht so selten…

Schaut mal vorbei beim spannenden Insta-Account der Geologin Katherine Parsons unter kati.digs.dinos.


Das ewige Eis taut

Viele der arktischen Eisschichten bestehen schon seit der letzten Eiszeit. Taut es, drohen Felsstürze, Schlammlawinen, Gletscher lösen sich auf, Gebäude, Eisenbahnstrecken, Landepisten und Straßen verlieren ihren Halt und sacken ab. Thermokarst nennt man diese Verformungen im Gefolge des Auftauens. 2023 war das wärmste Jahr der bisherigen Messgeschichte.

Durch steigende Temperaturen und Hitzewellen im Sommer infolge des Klimawandels taut der Permafrostboden auf. Die bislang eingefrorenen Mikroorganismen z.B. Bakterien und Viren werden aktiv und fangen an, sich das organische Material auf diesem „reich gedeckten Büffet“ zu zersetzen. Dabei gelangen Treibhausgase wie Lachgas, Methan und Kohlendoxid in die Atmosphäre.
Wenn der Klimawandel weiterhin so rasant voranschreitet und die Erderwärmung nicht auf ein Minimum begrenzt werden kann, könnten 75 Prozent der Permafrostböden noch in diesem Jahrhundert verschwinden – laut Experten vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven. Dann erwachen uralte Bakterien und Viren aus ihrem Dornröschenschlaf…


Jahrtausende alte Mikroorganismen noch funktionsfähig

Ein realer Vorfall aus dem Jahre 2016 setzte damals unsere Thriller-Idee für „TOXIN“ in Gang. In einem heißen Sommer gab der Permafrost auf der Jamal-Halbinsel in Nordsibirien mit Anthrax verseuchte Rentierkadaver frei, die bei einer historischen Milzbrandseuche um 1945 eingegangen waren. Ein zwölfjähriger Junge verstarb an der Krankheit, mehr als 70 Menschen kamen in eine Klinik und mehr als 200.000 Rentiere mussten getötet werden.

Wie real ist nun die Gefahr, dass der Klimawandel der Menschheit Krankheiten wiederbringt, die längst ausgerottet schienen?

Analysen von Bohrkernen, von Fossilien und deren DNA brachten schon eine ganze Reihe urzeitlicher Viren, Bakterien und andere Kleinstlebewesen ans Tageslicht. Forschende haben schon knapp 50.000 Jahre alte Viren aus dem Permafrost „wiederbelebt“ oder 24.000 Jahre alte Rädertierchen aufgeweckt. Zuletzt wurden auch 14.000 Jahre alte Fadenwürmern „reanimiert“.

Jahrtausende alte Viren können sogar noch infektiös sein.
Der im „Observer“ genannte Wissenschaftler Jean-Michel Claverie ist kein unbekannter „Virenjäger“ im ewigen Eis. Er hat selbst mit seinem Forschungsteam um Jean-Marie Alempic im Jahr 2014 zum ersten Mal lebende Viren aus dem Permafrost Sibiriens freigelegt und gezeigt, dass sie immer noch einzellige Organismen infizieren können. Das waren zwar nur Amöben, die infiziert wurden, „das heißt aber nicht, dass andere Viren, die im Permafrost eingefroren sind, nicht möglicherweise Krankheiten bei Menschen auslösen könnten“, so Claverie im Observer.

Pocken- und Herpesviren

Eine weitere Studie des französischen Teams zu 13 unbekannten Viren aus dem Eis folgte in einer Prepint*-Studie auf bioRxiv (Vorab-Studie, noch ohne wissenschaftliches Begutachtungsverfahren einer Fachzeitschrift) unter Beteiligung des AWI in Bremerhaven. Darunter Spuren von Pocken- und Herpesviren. Die älteste Probe war fast 48.500 Jahre alt und trägt den Namen Pandoravirus yedoma und ist so groß, dass man es schon mit einem normalen Lichtmikroskop nachweisen kann. Insgesamt ist die Forschungslage aber noch etwas dünn.

BU: Ein koloriertes Elektronenmikroskop-Bild eines Pandoravirus, eines Riesenvirus, das im sibirischen Permafrost gefunden wurde.
Image courtesy of Chantal Abergel / Jean-Michel Claverie] Created by Digital Micrograph, Gatan Inc.

Noch etwas höher ist die Gefahr bei Erregern, die schon Menschen infiziert haben und jetzt mit aufgetauten menschlichen Leichen aus dem Permafrost wiederauftauchen. Beispielhaft seien hier Viren der Spanischen Grippe genannt, die man bei einer verstorbenen Frau einer indigenen Volksgruppe fand, die einhundert Jahre in einem Massengrab in einem abgelegenen Inuit-Dorf in der Nähe der Brevig Mission lag.

„Das Szenario, dass ein unbekanntes Virus, welches einst einen Neandertaler infiziert hat, zurückkehrt, ist zu einer realen, wenn auch unwahrscheinlichen Möglichkeit geworden.”

(Jean-Michel Claverie, Universität Aix-Marseille)

Das Problem, was Claverie hier sieht: Wenn sich ein Virus lange Zeit im Eis verbirgt, mit dem wir seit Tausenden von Jahren nicht in Berührung gekommen sind, könnte es sein, dass unsere Immunabwehr nicht ausreicht. Denn die Strukturen solch alter Viren ähnelt keiner, wären, wie die Covid-19-Pandemie gezeigt hat.

Bakterien überdauern den Tiefschlaf im Eis besser

Widerstandsfähiger und damit potenziell gefährlicher als Viren aus dem ewigen Eis sind bakterielle Erreger. Bestimmte Bakterien, wie, der im Thriller „TOXIN“ verwendete Milzbranderreger Bacillus anthracis, können mit ihren Sporen im Boden überdauern. Wissenschaftler*innen entdeckten in Jakutien im Norden Sibiriens Mikroorganismen in Schichten, die sie auf ein Alter von mehr als drei Millionen Jahren schätzten. Diesen bakteriellen Erregern kann man allerdings mit heutigen Antibiotika meist gut Einhalt gebieten.

BU: Milzbranderreger Bacillus anthracis verursacht auch Hautläsionen als Hautmilzbrand (Shutterstock)


Gefahren durch Minen, Ölbohrungen und Schiffsverkehr

Eine Gefahr sehen die Forschenden eher von einer ganz anderen Seit: das Verschwinden des arktischen Meereises und des Permafrostes verändern die Landnutzung, führen zu mehr Schifffahrt und dem Bau von Minen und Ölbohrungen. Und dies wäre nicht das erste Mal, dass Epidemien so ausgelöst werden, wenn Menschen in vorher unbesiedelte Gebiete vordringen, so Marion Koopmann, Virologin am Medical Center in Rotterdam.

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftler*innen arbeiten die Forscher deshalb an einem Überwachungsnetzwerk und Quarantäneeinrichtungen. So sollen schon sehr früh Fälle von Infektionen bemerkt, vor Ort behandelt und sofort eingedämmt werden.
So wäre man am besten auf die Möglichkeit neu auftretender Krankheiten vorbereitet. Einig sind sich die Expertenkreise auch darüber, dass noch weitere Forschung nötig ist, um herauszufinden, welche potenziellen Gefahren sich noch im ewigen Eis im Tiefschlaf befinden. Buchstäblich auf Eis gelegt sind leider auch einige Forschungsprojekte in Sibirien aufgrund des russischen Angriffskrieges.

Eine Möglichkeit existiert noch, um die Risiken zu minimieren und alle Probleme wie eine Wunderwaffe auf einmal lösen: nämlich die Klimaerwärmung schnellstens einzudämmen.


Für die interessierten Leser*innen von TOXIN hier noch ein besonderer Tipp:

Der im Thriller erwähnte Permafrosttunnel in Fairbanks, in zwei der Protagonisten (Gereon und Airi) ihren verloren gegangene Anthrax-Stamm wiederentdecken, existiert auch in der Realität. Der Fox-Permafrost-Tunnel ist ein Relikt des Kalten Krieges, wurde 1963 als Eisbunker gebaut und untersteht noch heute der Armeeabteilung Cold Regions Research and Engineering Laboratory (CRREL), die dort wissenschaftliche Studien zum schwindenden Permafrost durchführt. Im Tunnel kann man in den geführten Besuchertouren durch die gefrorenen Schichten sozusagen bis ins Pleistozän hinabsteigen. Man findet hier Reste von Mammuts, Karibus, Gräsern, über 30.000 Jahre alte Bakterien – eine Reise in die Zeitgeschichte der Erde. Spannend!

Und ihr könnt das hier gleich virtuell erleben unter folgendem Link in den Link:

Permafrost- Tunnel- Projekt: Webseite und virtuelle Tour sind zu finden unter:

https://virtualice.byrd.osu.edu/permafrost/


Service-Hinweis zum Buch bestellen – deutschlandweit und versandkostenfrei

TOXIN und auch PROBE 12 könnt ihr bei Interesse bei Graff der Buchhandlung meines Vertrauens in Braunschweig bestellen unter: Toxin bestellen

Das war es für heute!

Ich wünsche euch einen tollen Rest-Februar…ab und zu riecht es schon nach Frühling…

Schreibt mir gerne! Ich freue mich wie immer über eure Kommentare, über Anregungen oder auch Aufreger ;-)!

PS: Wenn euch dieser Newsletter zusagt, empfehlt ihn sehr gerne an weitere Mikrobenfreunde weiter über diesen Link zur Anmeldung.

Viele Grüße aus dem Mikrobenzirkus

Eure Susanne


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Stromleitendes Bakterium Electronema ist „Mikrobe des Jahres 2024“

Liebe Mikrobenzirkus-Community,

ich wünsche euch allen ein gesundes und glückliches 2024! Bleibt gesund und neugierig ;-)…

Wir starten auch gleich traditionell mit der Wahl der Mikrobe des Jahres! In diesem Jahr ist das Kabelbakterium Electronema ausgezeichnet worden, von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM).

Stromleitende Bakterien: das klingt wie Science Fiction. Doch es gibt sie in der Realität. Kabelbakterien sind eine Gruppe von Bakterien, die erst vor zwölf Jahren in Dänemark entdeckt wurde und sie stellen unser Naturverständnis auf den Kopf.

Die Mikrobe des Jahres 2024, das Kabelbakterium Candidatus Electronema, 10.000fach vergrößert, bildet „Kabelsalat“. Aufnahme: Pia B. Jensen, Aarhus (CC BY 4.0)

Eine Entdeckung und rätselhafte Stromflüsse

Im Jahr 2012 stellte ein Student der Universität Aarhus in Dänemark mit einem Mikroskop fest, dass er auf ein Kabelbakterium blickte, eine mehrere Zentimeter lange Verkettung von Zellen, die wie ein lebendiges Stromkabel in der Lage ist, Strom durch Sedimente am Meeresboden nach oben zu leiten. Seitdem war das Team um Prof. Nielsen damit beschäftigt, mehr über diese neue Lebensform zu erfahren, die unser Verständnis des Elementekreislaufs im Ökosystem sowie viele weitere Annahmen potenziell revolutionieren könnte.

Da die Organismen vorwiegend in sauerstoffarmen Sedimenten vorkommen, haben Kabelbakterien eine besondere Strategie zur Energiegewinnung entwickelt. Sie schließen sich in Gruppen zu langen elektrisch leitfähigen Filamenten zusammen. Diese mikrobiellen Ketten können Strom über mehrere Zentimeter leiten.

Kabelbakterien Candidatus Electrothrix-„Drähte“ auf einem Objektträger im Labor (Foto: L. R. Damgaard & S. Larsen, CC BY4.0).


Zu Beginn wollte Lars Peter Nielsen, Professor für mikrobielle Ökologie in Aarhus, erforschen, was die Ursache für diese Stromflüsse ist, die er in der Bucht von Aarhus entdeckt hatte. Seine Ausgangshypothese – eine in einem Nanodrahtgitter angeordnete Bakteriengemeinschaft – wurde schnell fallen gelassen, als die Kabelbakterien unter der Linse vergrößert wurden. „Plötzlich fügte sich alles zusammen, es war eine Lebensform, deren Existenz sich niemand vorgestellt hatte – ein lebender Organismus, der Strom über größere Entfernungen im Zentimeterbereich leiten kann. Bis dahin war dies lediglich im Nano- oder Mikromaßstab möglich“, sagte Professor Nielsen.

Unter Verwendung von Robotern und eines speziell entwickelten Mikrosensors maß das Team die elektrischen Felder von Kabelbakterien in der Bucht von Tokio und anschließend in einer Quelle, welcher der Heimat Professor Nielsens näher war, da diese sich in dem Hintergarten des Professors befand.

Wie lassen die Bakterien den Strom fließen?

Ganz einfach: Kabelbakterien gelten als Ingenieure des Ökosystems, denn sie bilden aus tausenden von Zellen zentimeterlange Ketten, die elektrischen Strom leiten können. Am unteren Ende ernährt sich die Kette von sauerstoffarmem, schwefelhaltigem Sediment und leitet die gewonnene Energie als Elektronen nach oben zur Sedimentoberfläche. Dort holt sich die Kette den Sauerstoff zum Atmen. Das eine Ende isst, das andere atmet.


Oder detaillierter: Ihre Kettenform ermöglicht dem mehrzelligen „Körper“ der Bakterien eine sehr effektive und einzigartige Arbeitsteilung. So leben Tausende von Zellen jedes einzelnen Kabels im unteren Teil des Sediments von Gewässern, wie sie Sulfid zu Sulfat umwandeln. Dabei entstehen negativ geladenen Elektronen, die über die stromleitenden Fasern ans andere Ende des „Bakterienkabels“ an der Sedimentoberfläche fließen und dort auf Sauerstoff übertragen werden. die Bakterien überbrücken diese Entfernung, in dem sie Elektronen von einem Ende der Kette zum anderen transportieren. Damit können Kabelbakterien als einzige Organismen das Sulfid in einer Zone verbrauchen, wo es keinen Sauerstoff gibt: ein großer Vorteil gegenüber anderen konkurrierenden Organismen.

Kabelbakterien reduzieren Schadstoffe

Besonders beeindruckend ist Fähigkeit von Electronema, mikrobielle Aktivitäten zu simulieren, die nur mit Sauerstoff möglich sind, und Populationen, die dort sonst nicht leben können. Das heißt im Klartext, dass Kabelbakterien auch häufig in Gewässern vorkommen können, die mit Kohlenwasserstoffen verunreinigt sind, zum Beispiel nach einer Öl- oder Benzinverschmutzung. Durch ihren besonderen Stoffwechsel können die Bakterien Schadstoffe einfach schneller abbauen. Sie steigern den Abbau aromatischer Kohlenwasserstoffe und organischer Stoffe wie Faulschlamm in den Sedimenten überdüngter Seen. Es gibt sogar erste Überlegungen, Electronema zur Sanierung von kontaminierten Standorten einzusetzen. Durch Elektroden im Sediment könnte die Wirkung der Kabelbakterien gezielt stimuliert werden.

Klimawichtig: Electronema reduziert Treibhausgase

In überfluteten Reisfeldern entsteht jährlich eine große Menge des klimaschädlichen Methans. Die Kabelbakterien leben im Wurzelbereich von Reispflanzen und können dort die Methanbildung verringern. Erste Versuche mit Reispflanzen ergaben, dass die Zugabe von Candidatus Electronema zum Boden, die Methanemissionen um mehr als 90 Prozent reduziert. Vermutlich zapfen die Bakterien die Sauerstoffversorgung der Reiswurzel an und das ermöglicht so ein ständiges Recycling von Sulfat im Boden.
Zu erklären ist das so: Kabelbakterien transportieren Elektronen entlang ihrer Filamente, also den Ketten, und verändern so die geochemischen Bedingungen des wassergesättigten Bodens. Sie recyceln die Schwefelverbindungen des Bodens und halten dort eine große Menge Sulfat zurück. Dies hat zur Folge, dass die Methan-produzierenden Mikroben ihre Aktivität reduzieren. Für die Forschenden gilt es nun noch herauszufinden, wie die Kabelbakterien im Reisfeld oder in Mooren noch gezielt stimuliert werden können, um den Methanausstoß zu verringern.

Übersicht der unterschiedlichen Anwendungspotenziale der Kabelbakterien, Quelle: Vincent Scholz & Tillmann Lüders

Biologisch abbaubare Stromkabel statt Elektroschrott

Die Stromleitung in den Proteinfasern der Kabelbakterien ähneln der eines metallischen Kabels, schreibt die VAAM. Damit seien sie für eine auf Biomaterialien basierende Elektronik äußerst interessant. Weltweit wird nur ein Fünftel der jährlich über 50 Millionen Tonnen Elektroschrott recycelt. Biologisch abbaubare Stromleiter könnten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Die leitfähigen Strukturen der Kabelbakterien sind auch schon patentiert, von einer kommerziellen Nutzung ist die Entwicklung allerdings noch weit entfernt.

Kunstprojekt: Über Kabelbakterien gelesene Gedichte

Besonders gefallen hat mir die ausgefallene Idee der spanischen Künstlerin Anna Pasco Bolta, die die elektrische Leitfähigkeit der Bakterien bereits in ihren Projekten „Let’s Symbiose und Be With “ nutzt: mit Electronema-Filamenten verbindet sie Mikrofon und Verstärker für ihre über die Kabelbakterien gelesenen Gedichte. Auf Instagram unter:

Anna Pasco Bolta: Let’s symbiose and be with, performance and installation of audio-circuit cable bacteria love letter 2023. (c) Anna Pasco Bolta

(http://www.annapascobolta.com/, https://www.instagram.com/apascobolta/)

Novum bei der Juryauswahl: Noch keine Reinkultur

Die VAAM ernennt mit Electronema übrigens erstmals eine Bakterienart zur Mikrobe des Jahres für denen vollständige Beschreibung eine Reinkultur noch fehlt. Denn Kabelbakterien könne zwar in der Natur nachgewiesen, aber noch nicht isoliert im Labor weitervermehrt werden. Ihr wichtigster Vertreter trägt daher den vorläufigen Namen Candidatus Electronema.

Mittlerweile sind zwölf Arten von Kabelbakterien bekannt. Wie Candidatus Electronema können diese auch noch nicht als Reinkultur im Labor vermehrt werden, aber dank genauer Genomdaten sind sie sehr gut charakterisiert.

Vermutlich sind bisher über 99 Prozent der Mikroben unserer Welt noch nicht im Labor isoliert und beschrieben – viele spannende Eigenschaften dieser unsichtbaren Lebenswelt bleiben uns daher bisher noch verborgen.

Dann wünsche ich uns allen ein spannendes Jahr mit vielen neuen Erkenntnissen…

Wer ihn noch nicht kennt und wer sich für meine Schreibprojekte an mikrobiologischen Sachbüchern oder Science-Thrillern interessiert – hier geht es zur Anmeldung zu meinem kostenlosen Autorinnen-Newsletter.

Mikrobiologische Grüße

Ihre/Eure Susanne Thiele

Links:

VAAM

Mikrobe des Jahres 2024 / VAAM – Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie e.V.


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„Bakterien und so“…unterstützt Johannas Crowdfunding-Projekt für ein Bilderbuch!

Jane Jott publiziert gereimte Bilderbücher für Kinder (Quelle: Jane Jott)

Mikrobiologinnen sind mir ja immer sehr sympathisch und wenn sie noch dazu so engagierte Autorinnen für eine gute Sache sind – sowieso. Deshalb möchte ich euch heute auf das Herzensprojekt der Mikrobiomforscherin Johanna Nelkner aufmerksam machen. Support unter mikrobiologischen Autorinnen sozusagen…J!

Am Telefon erzählt mir Johanna, dass sie unter dem Pseudonym Jane Ott schon länger gereimte Bilder-Sachbücher schreibt, zu denen sie ihre beiden kleinen Kinder inspiriert haben.

Hilfe gesucht für ein neues Herzensprojekt

Im neuen Bilderbuch „BAKTERIEN UND SO“ für 3-6-jährige Kinder, welches Johanna gerade realisieren möchte, geht es um die Lebensorte und Talente von Mikroben. Superschurken oder Superhelden?

„Bakterien und weitere Winzlinge leben überall, ob in superheißer oder eiskalter Umgebung, im tiefsten Ozean oder den höchsten Wolken, auch in uns Menschen. Diese Mikroben haben so einige Talente: sie helfen Pflanzen beim Wachsen, können Gas und Strom produzieren, helfen bei der Verdauung und der Herstellung von Medikamenten, und pupsen die Löcher in den Käse. Das Bilderbuch “Bakterien und so, die leben wo?!” entführt euch und eure Kinder in diesen Mikrokosmos.“

Johanna hat ein Crowdfunding-Projekt auf Start Next gestartet, um eine Erstauflage von 200 liebevoll von Carlotta Klee illustrierten Bücher zu realisieren.
Ihr könnt dieses Projekt unterstützen und zahlreiche tolle Dankeschöns von Jane Ott erhalten wie das „Spirit Mikroben Orakel“, gehäkelte Minimikroben, das Kita-Paket mit Experimentier-Ideen oder das Mikroben-Malbuch Bundle.

„Mir liegt besonders das „Kinderheld*in“ Dankeschön am Herzen“, sagte mir Johanna. „Das habe ich extra  für Kindergärten und Grundschulen zusammengestellt. Da gibt es
obendrauf eine Sammlung an Ideen für eine Projektwoche zum Thema
Mikroben. Mit Experimentideen und Bastelideen, geeignet für Kinder ab
drei Jahren.“

Hier ist der Link für eure Unterstützung des Crowdfunding-Projektes, das noch bis zum 6.10 2022 läuft https://www.startnext.com/bakterienundso.


Also ran an die Häkelmikroben und schaut mal rein…:-)

Viele Grüße

Susanne


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Mikroben-Lektüre für Kids von 7-99

Wer sich für die Sommerferien auch etwas mikrobiologische Lektüre vornehmen oder verschenken will, dem empfehle ich zwei sehr gut gemachte Jugendsachbücher, die nicht nur für ganz junge Leser*innen interessant sind.

1. „Superstarke Bakterien“ von Steve Mould

Gewinner: Jugendsachbuchpreis 2018
Lesealter 7-99 Jahre. Bei Antolin.de verfügbar

YouTube-Star Steve Mould – selbst wissenschaftlicher Experte – gibt eine Einführung in die spannende Welt der Bakterien, Viren & Co – mit einem tollem Neon-Cover.
Praktische Alltagsbeispiele beantworten viele Fragen über Mikroorganismen – zum Beispiel wie Schimmelpilze entstehen oder warum Grippeviren ansteckend sind. Was lebt eigentlich in Deinem Körper? Dabei wird naturwissenschaftliches Sachwissen mit witzigen Comic-Illustrationen kinderleicht, anschaulich und unterhaltsam präsentiert. Auf Mikrofotografien können die Nachwuchsforscher*innen sogar selbst einen Blick durchs Mikroskop werfen. Die Mikroorganismen sind mit bloßem Auge kaum zu sehen, trotzdem schlummern in ihnen echte Superkräfte. Bakterien, Viren, Pilze oder Algen sind außerdem nützliche Helfer, die wir für das Leben auf der Erde brauchen.

Mikrobenzirkus-Fazit: Leseempfehlung! Mir gefällt besonders, dass Steve Mould auf Basis naturwissenschaftlicher Grundlagen der Mikrobiologie mit dem Mythos aufräumt, dass Bakterien nur schädlich sind und krankmachen würden. Das passt perfekt zum Mikrobenzirkus-Blog. Schließlich ist überwiegend das Gegenteil der Fall: Mikroorganismen unterstützen unseren Körper, ohne Mikroben gäbe es weder Käse noch Joghurt oder Brot und selbst Medizin wird aus Bakterien hergestellt. Mould lädt ein, sich auf eine spielerische Art mit Biologie zu beschäftigen und selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Das Buch hat auch ein Glossar.

Bestellen: Versandkostenfrei deutschlandweit zu bestellen bei Graff Braunschweig

2. „Die spannende Welt der Viren und Bakterien“ von Karsten Brensing und Katrin Linke

Lesealter 9-99 Jahre

Dieses sehr aktuelle Buch ist im Januar 2021 erschienen und deckt schon viele Fragen zur Corona-Pandemie ab – auf leicht verständlichem Niveau.
Es geht zum Beispiel um die Übertragungswege von Viren und Bakterien, Aufbau von einzelligen Pilzen. Dem folgt eine kleine Zeitreise durch die Entdeckungsgeschichte von Krankheitserregern und wie man sie bekämpfen kann.
Damit sind wir schnell bei den Begriffen Pandemie, Hygiene, Immunsystem und Impfungen. Alles wird sehr gut erklärt und mit witzigen Zeichnungen untermalt.
Auch das Thema Mikrobiom wird nicht ausgespart und balanziert das Image der Mikroben wieder in die gute Mitte. das Buch komplettiert ein Glossar und Literaturempfehlungen für Lehrer und Lehrerinnen.

Mikrobenzirkus-Fazit: Absolute Lesempfehlung! Das Buch ist aber im Alter definitiv etwas höher und mit mehr Hintergrundwissen anzusetzen als „Superstarke Bakterien“ von Steve Mould, der die Infos noch kürzer, einfacher und knackiger verpackt. Der Vorteil der längeren Texte hier im Buch ist aber, dass komplizierte Sachverhalte besser ausgeführt werden können. Infokästen, kleine Experimente und schöne Vergleiche tragen zum sehr guten Verständnis bei. Ein Geschenktipp auch für die Großeltern oder andere erwachsene Nichtbiologen!

Prominente Empfehlungen:

„Was für ein tolles Buch! Ein Riesenaufwand für ein Kinderbuch  – und es hat sich gelohnt.“

Prof. Christian Drosten, Charité Berlin

„Ein Kinderbuch auf faszinierend hohem Niveau. Egal was man schon weiß – nach dem Lesen dieses Buches weiß man mehr.“

Dr. med Ernst Tabori, Direktor Deutsches Beratungszentrum für Hygiene

Bestellen: Versandkostenfrei deutschlandweit zu bestellen bei Graff Braunschweig

Viel Spaß beim Lesen uns Entdecken!

Lasst mich gern wissen, wie euch die Bücher gefallen haben.

MIkrobiologische Grüße

Susanne

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    1 Kommentar

    Coronavirus-Update: Pressezentrale im Homeoffice

    Coronavirus (@shutterstock)

    Ich lebe noch! Danke der Nachfrage! Nachdem ich von einigen Mikrobenzirkus-Lesern ganz besorgte Emails bekommen habe, ob es mir denn gesundheitlich gut gehe, möchte ich ein kurzes Lebenszeichen geben. Mir geht es gut, aber den Mikrobenzirkus-Blog habe ich trotzdem leider in diesen verrückten Coronazeiten etwas vernachlässigen müssen. Der Job geht gerade absolut vor.

    Ich erlebe als Pressesprecherin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) mit meinem Team gerade die heftigsten und arbeitsreichsten Zeiten in meinem gesamten Berufsleben.
    Seit Januar beschäftigt uns das neuartige Coronavirus SARS CoV-2 mit Presseanfragen und Experteninterviews zum Einordnen der wissenschaftlichen Ergebnisse mit einer steil ansteigenden Kurve. Ging es am Anfang nur darum, die Geschehnisse in China in Wuhan zu kommentieren, so ist das neuartige Coronavirus seit März richtig in Europa, in Deutschland – in unserem Alltag angekommen. Die Bilder aus Italien stimmten besorgt.
    Die Telefone sind seither im Dauerbetrieb, die Pressefächer laufen täglich voll mit Anfragen von Journalisten oder auch besorgten Bürgern. Ich arbeite auch noch mit im Krisenstab des HZI, der unser Zentrum auch auf die Corona-Pandemie vorbereiten musste. Kurz: Es fiel es mir schwer, mich auch noch spät abends zu motivieren, hier darüber zu schreiben.

    Außerdem braucht es auch nicht noch eine Seite, die zum Coronavirus informiert. Dazu gibt es schon genug zentrale informative Seiten, die viel Arbeit investieren, um aktuell zu bleiben, wie das www.rki., www.bmg.de oder www.infektionschutz.de.de  und nicht zu vergessen das Corona-Infoportal des HZI, meines Zentrums mit aktuellen Beitragen und Statements zu unserem Beitrag zur Corona-Forschung www.helmholtz-hzi.de. Ich empfehle auch, wer ihn wirklich noch nicht kennt, den NDR-Podcast von Prof. Christian Drosten, Virologe und Institutsleiter an der Charité Berlin, der mit beruhigender Stimme viele komplexe Fragen rund um das Virus, aufbereitet für Laien, erklärt.

    Die Wissenschaftskommunikation hat in diesen Tagen eine besonders wichtige Rolle. Aber auch nicht immer eine einfache Aufgabe, wenn die Expert*innen als Berater der Bundesregierung für die politischen Entscheidungen sitzen oder Positionspapiere für die weiteren Maßnahmen schreiben. Wissenschaft mit einer Verantwortung für die Gesellschaft. Die Maßnahmen, die aus der Sicht von Virologen, Epidemiologen oder Modellierern auf das Infektionsgeschehen empfohlen werden, passen wiederum anderen Seiten z.B. Wirtschaftsexperten oder Psychologen nicht. Existenzen stehen auf dem Spiel. Das sind schwere Entscheidungen für die Politik, die die Folgen gesamtgesellschaftlich abwägen muss. Sei es, seit dem 23. März eine Kontaktsperre zu verhängen oder sie zum 4. Mai, wie gestern verkündet, etwas zu lockern.

    So arbeite ich seit Mitte März auch mit meinem gesamten Team im Homeoffice – verstreut über Deutschland von Braunschweig bis Würzburg. Aber es geht viel besser, als wir anfangs annahmen. Ich bin in der Situation, dass meine Kinder schon das Gymnasium besuchen oder studieren. Das Homeoffice mit kleinen Kindern wäre schwieriger.
    Ich habe ein nettes Gartenbüro mit Blick ins Grüne. Video- oder Telefonkonferenzen strukturieren meinen Tag. Mit dem Team gibt es aber auch viel privaten Austausch – ganz wichtig in diesen Tagen! Es funktioniert sehr gut – aber auch dank meines sehr motivierten Presseteams. Als Leiterin bin ich aber trotzdem oft mit Präsenztagen am Zentrum in strategischen Meetings.

    Homeoffice im umgebauten Gartenhaus (@Thiele_privat)


    Meine Familie bekommt plötzlich meinen Job hautnah mit. Sonst bin ich einfach weg zur Arbeit. Jetzt sitzen sie fast mittendrin in der heimischen Pressestelle, fühlen sich etwas gestresst durch mein dauerklingelndes Handy, oder Mittag- und Abendessen, die platzen, weil der Journalist*in dringend eine Antwort braucht, weil die nächste Videokonferenz anberaumt wird oder ein TV-Team spontan kommt.
    Pressesprecher*in wollen sie wohl in naher Zukunft nicht mehr werden ;-). Viel zu stressig! Aber vielleicht ändert sich das auch nochmal!
    Pressesprecherin ist ja auch ein spannender Beruf. Finde ich jedenfalls!

    Bleibt gesund! #stayathome #wir bleibenzuhause

    Mikrobiologische Grüße

    Susanne


    1 Kommentar

    Marsch für Wissenschaft 22. April 2017 – Blogger for Science

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    Blogger erheben die Hände gegen Faktenfeindlichkeit und rufen auf zum „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts. (Logo: Julia Uraji mit freepix.com)

    Hashtag: #BlogsforScience

    Der „Marsch für Wissenschaft“ am 22. April 2017 geht uns alle an:

    In den USA ist die Idee eines „march for science“ entstanden, der am 22. April stattfinden soll. Auch in Deutschland wird in 20 Städten (Berlin, Bonn/Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart, Tübingen) wie auch in Österreich (Wien) demonstriert werden. Die Demonstration wird von vielen Wissenschaftsorganisationen, wie zum Beispiel der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Leibniz-Gemeinschaft unterstützt.

    Demonstriert wird für eine Gesellschaft, in der Fakten die Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, nicht nur als Meinungen angesehen werden. Es geht gegen „alternative Fakten“, „Fake News“ und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation.

    Die gleichen Ziele verfolgt die Blogger-Gemeinschaftsaktion „Blogger for Science&Facts“, die von „Wissenschaft kommuniziert“ initiiert wurde.  „Wissenschaft kommuniziert“ und Mikrobenzirkus rufen alle an Demokratie Interessierten auf, sich zu beteiligen.

    „Auch für mich sind wissenschaftliche Fakten Basis meiner Arbeit – ob im Wissenschaftsblog Mikrobenzirkus oder im täglichen Job in der Wissenschaftskommunikation einer Forschungseinrichtung im Dialog mit der Öffentlichkeit.“

    Die bisher teilnehmenden Blogs findet ihr hier.

    Wichtige Links:

     

    In Braunschweig findet leider kein eigener Marsch statt. So werden die meisten Interessierten die Demo in Berlin unterstützen.

    Also macht auf die Aktionen aufmerksam und nehmt selbst teil!

    Bloggergrüße

    Susanne