Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


4 Kommentare

Dürfen Bello und Miez mit ins Bett?

Quelle- KI-generiert mit ChatGPT


Liebe Freunde und Freundinnen des Mikrobenzirkus,

wir verbringen heutzutage rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Das beeinflusst natürlich, wie gut unser Immunsystem noch trainiert wird. Unsere Umwelt wird immer keimfreier und dadurch verarmen auch unsere Mikrobiome in ihrer Vielfalt an Mikroorganismen.
Dazu hat auch unser Immunsystem nichts mehr, woran sich unser Körper auf natürliche Weise „abarbeiten“ kann. Aus Jux und Dollerei attackiert es dann Pollen, Haare usw.

Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass Haustiere nicht nur Schlamm und Schmutz mit nach Hause bringen, sondern, dass sie auch als eine Art natürlicher Lieferdienst guter Mikroben funktionieren. Ein Großteil der Mikroben, die unseren Darm besiedeln, gelangt über Nahrung und unsere Atemluft dorthin.
Hunde beeinflussen sogar die Zusammensetzung der Bakterien im Hausstaub, was sich positiv auf das Raumklima auswirken kann. Dabei handelt es sich um harmlose, nicht krankheitserregende Bakterien, die bei einem gesunden Immunsystem keine Infektionen verursachen. Viele dieser Mikroben stammen aus der Erde und siedeln sich auch im Hundedarm an. Interessanterweise wird das Mikrobiom von Hundebesitzer nach kurzer Zeit um genau diese Bakterien bereichert. Forschende konnten allein auf Basis der Mikrobiom-Daten Hunde ihren Haltern zuordnen!

Eine spannende Studie von Dr. Susan Lynch von der University of California zeigte, dass Mäuse, die Hausstaub aus Haushalten mit Hunden ausgesetzt waren, seltener an Asthma erkrankten. Eine bestimmte Bakterienart, Lactobacillus johnsonii, konnte identifiziert werden, die diesen Schutz bietet.

Das Fazit: Tierkontakte in der frühen Kindheit wirken sich positiv auf die Darmflora aus und können das Immunsystem stärken sowie das Allergierisiko senken. Stichwort: Bauernhofstudien: Kinder, die auf Bauernhöfen mit viel Kontakt zur Natur und zu Tieren aufwachsen, zeigten viel weniger Allergien und Asthma als Kinder, die in der Stadt aufwachsen.

An dieser Stelle möchte ich auch gleich mit dem Mythos der „allergiesicheren“ Hunderassen aufräumen. Selbst nackte Hunde ohne Fell, verlieren noch Hautschuppen und Allergene. Überraschenderweise war der Labrador Retriever in Studien die Rasse, die am wenigsten Allergien auslöste. Die Annahme, dass lockige Hunderassen wie Pudel oder Wasserspaniel generell antiallergisch seien, hat dagegen keine wissenschaftliche Grundlage.

Und wie ist es mit Katzen?

Als bekennende Katzenliebhaberin, die aktuell leider gerade ein „katerloses“ Leben führt (weil unser alter Kater Kasper letztes Jahr verstarb), kann ich bestätigen, dass die Stubentiger einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden haben.

Und nicht nur das: Eine Studie des Asthma in Childhood Research Centers in Kopenhagen ergab, dass Katzen eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und Allergenen ins Haus bringen – und das zu unserem Vorteil. Forschende fanden heraus, dass Katzen den Effekt eines Gens neutralisieren können, das bei Kindern das Risiko für Asthma verdoppelt. Lebt eine Katze im Haushalt, wird dieses Gen nie aktiviert – ein erstaunlicher Fund, der selbst die Wissenschaft überrascht hat. Warum dies nur bei Katzen und nicht bei Hunden funktioniert und wie der genaue Mechanismus funktioniert, ist noch unzureichend geklärt.

Zurück zur Frage: Ist es gesund, Tiere im Bett schlafen zu lassen?

Wenn es nach den Fellnasen oder unseren Kindern geht, ist die Antwort wohl ein klares Ja. Neben der Stressreduktion und positiven Effekten auf die Herzgesundheit, ist es unter bestimmten Bedingungen unbedenklich, Haustiere im Bett schlafen zu lassen.
Wichtig ist, dass die Tiere frei von Parasiten wie Zecken und Flöhen sind und regelmäßig geimpft sowie entwurmt werden. Auch auf Hygiene im Schlafzimmer solltet ihr stärker achten – die Bettwäsche muss häufiger gewechselt werden, da die Tiere eben auch Haare und Schmutz ins Bett tragen können.

Doch eines ist sicher: Im Bett von Kleinkindern haben Haustiere nichts verloren, da hier das Verletzungsrisiko einfach zu groß ist.

Wenn ihr euch noch etwas mehr über Mikrobenkosmos von Katzen informieren wollt (Toxoplasmose aber auch andere Aspekte) , empfehle ich euch diesen älteren aber noch aktuellen Artikel im Mikrobenzirkus-Blog.

Weiterlesen

  • “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” von Susanne Thiele (2019); bestellbar unter
    9783453604872 | Buchhandlung Graff in Braunschweig (Öffnet in neuem Fenster)
  • S.V. Lynch, K.E. Fujimura u.a.: “House dust exposure mediates gut microbiome lactobacillus enrichment and airway immune defense against allergens and Virus infections”, in: Proc. Natl. Acad. Sci., 111, 2014, S. 805-810)

Tipp:

26.11. 19 Uhr ARTE Saloon “Mikrobiom – Die Macht der Mikroben”

Ich bin als Podiumsgast eingeladen beim interaktiven Format ARTE- Saloon auf dem youtube-Kanal von arte. In diesem Format werden interessante Reportagen von arte nochmal mit Fachleuten diskutiert und Fragen aus dem Chat beantwortet.

Es wird darum gehen, welchen Einfluss die Mikroorganismen auf uns haben, wie wir das Wissen darüber nutzen können und was wir noch nicht verstehen. Und ich werde etwas über die Inhalte meines Sachbuches “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” interviewt.
Ihr könnt live dabei sein und eure Fragen stellen.

Für alle, die sich schon vorab informieren wollen – hier ist der Link zur sehenswerten Reportage “Die Macht der Mikroben”

Meine Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne

Tragt euch gern für meine kostenlose Mikrobenzirkus-Autorinnen-Kolumne auf Steady ein. Da erreichen euch solche Informationen zu aktuellen Schreibprojekten, Buchtipps und meinen Lesungen noch viel eher.

Viele Grüße aus dem Mikrobenzirkus

Eure Susanne Thiele


2 Kommentare

Bakterien, Viren & Co. – Putzen wir uns krank?

Schießen wir mit Kanonen auf Spatzen? Antibakterielle Reiniger sind im Haushalt nicht nötig. (Bild: Shutterstock)

Dieser Mikrobenzirkus-Artikel erschien zuerst im Carl-Roth-Blog.

Mögen Sie Mikroben? Oder lässt Sie allein schon der Gedanke an solche winzigen Lebensformen zur Desinfektionsflasche greifen? Bakterien & Co. haben ein furchtbar schlechtes Image. Tägliche Nachrichten über Epidemien und gefährliche Krankheitserreger machen Mikroorganismen zu unseren Angstgegnern. Hygiene wird großgeschrieben und „antibakteriell“ klingt für die meisten Menschen positiv. Selbst Privathaushalte rüsten zur Schlacht gegen die winzigen Mitbewohner und manche sind schon keimärmer als ein OP-Saal!

Glaubt man den Warnungen von Naturschützern und Wissenschaftlern verursachen die Menschen gerade das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier, indem wir in die letzten unberührten Regionen vordringen. Dazu gehören auch die kleinsten Lebewesen im Mikrokosmos unsers Alltags.
Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) rücken in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution den Fokus gerade auf ein Ökosystem, das bisher verborgen vor unseren Augen existiert – in unseren Wohnungen und Häusern.
Hier leben Mikroben mit uns Haut an Haut und auch in unseren Körpern. Mehr als zweihunderttausend Mikroorganismen sind dort bisher bekannt. Allein auf unserer Haut leben tausende Bakterien, in unseren Wohnungen gut 40.000 Arten von Pilzen.
Mit scharfen Waffen wie Desinfektions- und Badewannenspray oder Antibiotika führen wir einen täglichen Kampf im Lebensraum Haus – ohne bisher langfristig zu wissen, welche Konsequenzen es am Ende für uns hat. Wir putzen zu viel und schaden damit womöglich einem Ökosystem, welches uns gesund erhält.

Artenvielfalt macht Lebensräume widerstandsfähiger

Schon lange interessieren sich Wissenschaftler für die Widerstandsfähigkeit in größeren Lebensräumen wie Wiesen und Wäldern gegen Schädlinge, Klimaschwankungen oder auch Krankheitserreger. Fazit dieser Studien: je höher die Vielfalt der Arten, desto eher können solche Störungen toleriert werden, weil nie alle Arten gleichzeitig betroffen sind.

Ziel der Forscher ist es nun, herauszufinden, ob diese Stabilitätstheorie auch für die Welt im Mikrokosmos gilt. Das hätte weitreichende Folgen für unsere Gesundheit.
So stören wir womöglich durch unsere Eingriffe in die mikrobielle Artenzusammensetzung unserer Umwelt, dass Krankheitserregern ganz natürlich eingedämmt werden. Wie Pflanzen und Tiere konkurrieren auch Mikroben in einem dicht besiedelten, artenreichen Raum um die vorhandenen Ressourcen. Neue Arten fassen daher schwerer Fuß. Ist der Lebensraum aber sowieso gestört, dann können sich schädliche Neuankömmlinge viel besser ausbreiten.

Mikroben schützen vor Krankheitserregern

Der Effekt, dass sich Krankheitserreger in artenarmen Ökosystemen schneller ausbreiten können, wurde schon mehrfach von Experten für die Mikrowelt beschrieben. So können Stäbchenbakterien der Art Clostridium difficile besonders gut Darmentzündungen mit Durchfall auslösen, wenn anfällige Menschen vorher eine Antibiotikatherapie bekamen.

Ein anderes Beispiel finden wir in jeder Dusche. In den Duschköpfen bilden sich schnell Biofilme aus krankheitsauslösenden Bakterien, sogenannte Nichttuberkulöse Mykobakterien. Besonders in Regionen, in den Wasser gechlort wird, treten diese Biofilme häufiger auf. Die Mykobakterien breiten sich zudem besonders gut auf metallenen Duschschläuchen aus.

Aber auch unsere Küchenschwämme passen in diese Reihe. Nach einer Studie von Forschern der Hochschule Furtwangen, der Justus-Liebig Universität und dem Helmholtz-Zentrum München. In gebrauchten Küchenschwämmen stellten die Wissenschaftler Bakterienkonzentrationen fest, wie sonst nur in Fäkalproben. Wurden die Schwämme nur mit heißem Wasser ausgewaschen oder in der Mikrowelle behandelt, stieg gerade der Anteil der für uns gefährlichen Bakterien an. Daher bleibt bisher nur ein regelmäßiges Austauschen der Schwämme als effektive Hygienemaßnahme.

Zum Abschluss aber noch ein positives Beispiel. Eine besonders hohe mikrobielle Artenvielfalt in unseren Wasserleitungen ist für uns sogar sehr nützlich. Unser Trinkwasser ist keinesfalls steril. In jedem Glas Leitungswasser tummeln sich bis zu 10 Millionen unerkannter Bakterien, wie Forscher der Universität Lund entdeckten. Mit anderen Mikroben bilden sie in den Rohrleitungen „Schleimstädte“ – symbiontische Lebensgemeinschaften mit anderen Pilzen, Algen und Protozoen.
Es sind vor allem diese guten Bakterien, die dabei helfen unser Trinkwasser zu reinigen und gegen Krankheitserreger zu schützen. Nach Schätzungen leben bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten in den Wasserleitungen z.B. die Sphingomonadaceae. Diese Gruppe baut fleißig Schadstoffe ab wie z.B. giftige Aromate.

Schöner und gesünder wohnen mit Mikroben:

Was heißt das nun für unser Zusammenleben mit Haushaltskeimen? Nur ganz wenige von ihnen lösen Krankheiten aus. Die meisten helfen uns sogar, gesund zu bleiben. Wir sollten nützliche Keime sogar in unseren Räumen behalten, ja, sie sogar regelrecht kultivieren. Mehr Mut zu etwas gesundem Dreck! Auch wenn das natürlich bei den meisten ein Umdenken in puncto Reinlichkeit oder Hygiene bedeutet.

Öffnen Sie also Ihre Türen und Fenster und lassen Sie etwas mehr mikrobielle Artenvielfalt in Ihre vier Wände. Dies sorgt für ein gesundes und stabiles Gleichgewicht in der Zusammensetzung der Mikroorganismen. Lüften Sie regelmäßig, stellen Sie Zimmerpflanzen in Ihre Wohnung, halten Sie einen Hund oder eine Katze! Haustiere sind eine Quelle guter Mikroben. Desinfektionsmittel sind im normalen Haushalt völlig unnötig. Zum Putzen sind drei Standardreiniger ausreichend: Neutralreiniger, Zitronensäure oder Essig sowie Scheuermilch für hartnäckige Verschmutzungen.

Viele weitere Anregungen, wie Sie Ihren heimischen Mikrobenzoo hegen und pflegen können und dabei gesund bleiben, finden Sie zum Weiterlesen in meinem aktuellen Sachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – Wie Mikroben unseren Alltag bestimmen“ (Heyne Verlag, 2019,).

Link: https://www.randomhouse.de/Paperback/Zu-Risiken-und-Nebenwirkungen-fragen-Sie-Ihre-Tuerklinke/Susanne-Thiele/Heyne/e543156.rhd

Originalpublikation:

Dunn, R. R., Reese, A. T., & Eisenhauer, N. (2019). Biodiversity-ecosystem function relationships on bodies and in buildings. Nature Ecology & Evolution, 3(1), 7-9. doi:10.1038/s41559-018-0750-9

Über die Autorin:

Susanne Thiele ist Mikrobiologin und Wissenschaftsautorin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog, „Mikrobenzirkus“ (als Wissenschaftsblog 2018 ausgezeichnet).
Blog: www.mikrobenzirkus.com Twitter: @mikrobenzirkus Facebook: @mikrobenzirkus Instagram: @mikrobenzirkus


4 Kommentare

Mein neues Sachbuch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke – ab 14.1.2019

35160487Thiele_RisikenundNebenwirkungen

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke Wie MIkroben unseren Alltag bestimmen Neues und Erstaunliches über unsere vielseitigen Mitbewohner (Randomhouse, Autorin: Susanne Thiele, Erscheinungstermin 14.1.2019)

Es gibt Neuigkeiten aus dem Autorenleben! Mit der Verlagsankündigung bei Randomhouse ist es nun offiziell: Am 14.1. 2019 kommt mein neues Sachbuch heraus – an dem ich gerade noch fleißig einige Kapitel schreibe.

Es geht natürlich um Mikroben – in unserem Alltag und in unserer nächsten Umgebung. Wer meinem Blog schon länger folgt, hat ab und zu diesen Themen schon etwas gelesen.

Zum Inhalt:

Schöner wohnen mit Mikroben

Wir können sie nicht sehen und doch leben wir mit Milliarden von ihnen zusammen: Mikroben. Sie bevölkern unser Bad, richten es sich kuschelig in unserem Schlafzimmer ein und lassen es sich in unserer Küche schmecken. Wie wir Bakterien, Viren und Pilze erfolgreich in Schach halten und welche uns und unserer Gesundheit sogar nützen, erzählt die Mikrobiologin Susanne Thiele so fundiert wie unterhaltsam.
Mit vielen nützlichen Tipps für die richtige Hygiene im Alltag.

Susanne Thiele (Autorin)

Susanne Thiele, geboren 1970, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet sie die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«.

Alle Infos auf der Verlagsseite:
Randomhouse: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke

Mikrobiologische Grüße

Susanne

    [wpgdprc "Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden."]