Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


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Mikrobe des Jahres 2016 – Streptomyces – die Pharmazeuten unter den Mikroben

Titelblatt Version 1 Pilzhyhpe mit Cluster von Streptomyceten-H

Streptomyces mit stark sporulierender Oberfläche, der rot gefärbte Stoffwechselprodukte ausscheidet (@Hildgund Schrempf)

Ta-daah! Trommelwirbel und Fanfare für die neue Mikrobe des Jahres 2016 und gleichzeitig unsere Mikrobe im Februar hier im Mikrobenzirkus! Die Bakteriengattung Streptomyces wurde in diesem Jahr von der VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) für den Titel ausgewählt.

Streptomyces ist sehr bedeutsam in der Medizin als Wirkstoffproduzent. Zwei Nobelpreise 1952 und 2015 wurden schon für das Antibiotikum Streptomycin und das Antiparasitikum Ivermectin vergeben.

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Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten – hier sichtbar als klare Hemmhöfe im Bakterienrasen, Fotomontage (@Hildgund Schrempf)

Aus Streptomyceten sind heute mehrere Tausend sehr unterschiedliche organische Moleküle bekannt. Diese können z.B. das Wachstum von Pflanzen stimulieren, hemmen andere Bakterien (Antibiotika) oder Pilze (Fungizide). Einige beeinflussen auch unser Immunsystem oder verhindern das Wachstum von Tumoren (Zytostatika).  Sie leben mit den Bakterien in enger Gemeinschaft und profitieren so von der Abwehr schädlicher Mikroorganismen. Bis heute ist Streptomyces mit rund 70 Prozent der erfolgreichste Lieferant antibiotischer Wirkstoffe, die therapeutisch einsetzbar sind. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass noch viele bislang unbekannte Schätze aus Streptomyceten in den nächsten Jahren gehoben werden können.

Diese Bakterien haben viele weitere Talente: Sie spielen eine wesentliche Rolle beim Recycling abgestorbener Pflanzen, für die Humusbildung und sorgen nebenbei für den frischen Duft von Waldboden.

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Streptomyces bauen tierische und pflanzliche Reste über Zwischenstufen zu wertvoller Erde um (@Hildgund Schrempf)

Streptomyceten scheiden zahlreiche Enzyme aus und bauen damit viele komplexe Substanzen ab, beispielsweise schwer spaltbare Stoffe wie Cellulose aus Holz oder Chitin von Insektenpanzern und Pilzen. Die entstehenden kleineren Nährstoffe dienen den Streptomyceten als Nahrung. So sorgen diese Bakterien für das Recycling von Pflanzenfasern und Resten abgestorbener Organismen.
Auch für Insekten sind sie sehr nützlich. Im Darm von Regenwürmern, Termiten und anderen Lebewesen bauen Streptomyceten schwer verdauliche Stoffe ab. Streptomyces trägt wesentlich zum ökologischen Stoffkreislauf bei sowie zur Bildung von Kompost und Humus. Zudem scheiden die Bakterien komplizierte, oft auffällig gefärbte Moleküle aus, die für unsere Gesundheit von unschätzbarer Bedeutung sein können. (Quelle: VAAM )

Nobelpreis für Streptomyces (Video)

Viele weitere spannende Informationen unter http://www.mikrobe-des-jahres.de/

Ein für Mikrobiologen sehr schönes Plakat zum Download findet ihr unter unter http://www.mikrobe-des-jahres.de/content/files/Plakat-MdJ-2016.pdf

Über den folgenden Schülerwettbewerb zur Mikrobe des Jahres halte ich euch hier auch auf dem Laufenden.

Mit mikrobiellen Grüßen 🙂 !

 


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Das größte Bakterium der Welt – Thiomargarita namibiensis

Meet the Microbe 1/2016 – Thiomargarita namibiensis.

T_namibiensis1

Thiomargarita namibiensis. Image from Oceanus Online Magazine.

In Afrika leben nicht nur die größten Landtiere der Welt. Auch gigantische Bakterien kommen dort vor. Im Jahre 1997 wurde die „Schwefelperle von Namibia“ erstmals von einer internationalen Forschergruppe im namibischen Meeresboden entdeckt.

Gigant im Reich der Miniaturwesen

Briefmarke_Thiomargerita namibienis_

Briefmarke mit der „Schwefelperle von Namibia“ – Thiomargarita namibiensis © Quelle: Government of Namibia

In 100 Meter Tiefe entdeckte die damalige Bremer Diplombiologin Heide Schulz vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie an der namibischen Küste bis zu 0,75 mm große Exemplare der Kugelbakterien. Das ist etwa so groß wie ein Punkt hinter diesem Satz.

Völlig überraschend für die Mikrobiologen. Normalerweise sind Bakterien nur wenige tausendstel Millimeter groß und nicht mit bloßem Auge zu erkennen. Das hat auch einen guten Grund. Bakterien nehmen Nährstoffe aus ihrer wässrigen Umgebung nur durch passive Diffusion auf. Sie haben keinen Blutkreislauf oder ähnliche innere Transportsysteme. Große Bakterien würden auf Dauer einfach ‚verhungern‘.

Die monströse Schwefelperle ist damit mehr als 100 mal größer als normale Bakterien und bislang das größte bekannte Bakterium der Erde. Das hat ihr auch schon einige Prominenz eingebracht. So hat Thiomargarita es schon auf den „Science“-Titel, ins Guinness-Buch der Rekorde und zu einer eigenen Briefmarke gebracht.

 

Sagenhafte Größe und Speichertrick

Fünf hell leuchtende Thiomagerita Zellen neben einem menschlichen Haar_MPI Bremen

Hell leuchtende Thiomargarita Zellen neben einem menschlichen Haar Durchmesser von 0,1 mm).    © Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie/Schulz-Vogt

Wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht werden bis zu 30 meist kugelförmige Thiomargarita –Zellen von einer farblosen Schleimhülle zusammengehalten. Jede Zelle ist ein eigenes Bakterium. Der kuriose Mikroorganismus erscheint „weißschimmernd“ laut des lateinischen Namens und war dadurch sehr auffällig auf dem grün-bläulichen Schlamm des Meeresbodens zu sehen.

Die leuchtendweiße Farbe entsteht durch Schwefeleinschlüsse. Die Bakterien ernähren sich von Schwefelverbindungen (Sulfiden), die im Sedimentschlamm der Meere vorkommen. Um den Schwefel verdauen zu können, brauchen sie dringend Sauerstoff oder Nitrate. Nitrate aber gibt es kaum in der Umgebung der Schwefelperlen. Nitratreiches Wasser gelangt nur alle paar Monate bei Stürmen oder durch aufsteigende Methanblasen für kurze Zeit in die Tiefen in der Thiomargarita lebt. Eine besondere Anpassung der Bakterien an diese Situation ist gleichzeitig der Grund für die ungewöhnliche Größe der Riesen.

Die Bakterien sind innen hohl. Im Inneren befindet sich eine riesige Vakuole. Und die wird für einen besonderen Speichertrick benutzt. Anders als Sauerstoff, der als Gas frei in Zellen hinein und hinaus diffundieren kann, wird Nitrat als geladenes Ion über die Zellmembran aktiv aufgenommen und kann in der Zelle festgehalten werden. Die Bakterien können so in den Vakuolen Nitrat lange hochkonzentriert speichern. Durch die Speicherung von Nitrat zur Atmung und Schwefel als Energiequelle sind die Riesen in der Lage, lange Zeit unter ungünstigen äußeren Bedingungen zu überleben.

Rolle im Phosphatkreislauf

Thiomargarita namibiensis spielt eine sehr wichtige Rolle für die Ökologie. Die Bakterien verwerten organische Substanzen im Meeressediment und können die Bildung von Gestein mit einem hohen Phoshorgehalt auslösen. Damit verringert sich letztendlich die Menge an Phosphat im Meer. Die Gesteinsbildung wirkt damit einer Überdüngung der Meere entgegen, da Phosphat den Lebewesen nicht mehr als Nährstoff zur Verfügung steht.

Weitere Riesenbakterien

Thiomargarita namibiensis ist übrigens nicht alleine. Es wurden ähnliche Bakterien auch in anderen sulfidreichen Meeresgebieten gefunden z.B. Thiopilula (Schwefelbällchen) oder Thiophysa (Schwefelblase) an der Küste von Chile oder Costa Rica.

 

Kommentare und Anregungen sind wie immer herzlich willkommen!

 

Quellen:

Schulz, H. N.; Brinkhoff, T.; Ferdelman, T. G.; Hernández Mariné, M.; Teske, A.; Jørgensen, B. B. Dense Population of a Giant Sulfur Bacterium in Namibian Shelf Sediments Science 284, 389-544 (1999)

Schulz, H. N.; Schulz, H. D. Large Sulfur Bacteria and the Formation of PhosphoriteScience 307, 416-418 (2005)

Brock, J.; Schulz-Vogt, H. N. Sulfide induces phosphate release from polyphosphate in cultures of a marine Beggiatoa strain The ISME Journal 5, 497-506 (2011)

 

 


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Conan, das Superbakterium

Credit: TEM of D. radiodurans acquired in the laboratory of Michael Daly, Uniformed Services University, Bethesda, MD, USA. http://www.usuhs.mil/pat/deinococcus/index_20.htm - Copy at en:Image:Deinococcus.jpg, uploaded by en:user:Statkit1, taken from www.ornl.gov/ORNLReview/v34 The Oak Ridge National Laboratory

Credit: TEM of D. radiodurans acquired in the laboratory of Michael Daly, Uniformed Services University, Bethesda, MD, USA. http://www.usuhs.mil/pat/deinococcus/index_20.htm

Meet the Microbe 11/2015 – Deinococcus radiodurans 

Das Superbakterium Deinococcus radiodurans wird im Guinness Book of World records als das „the world’s toughest bacterium“ gelistet. Und das aus gutem Grund.

Die Mikrobe ist das widerstandsfähigste Lebewesen auf der Erde. Säure, extrem kalte extrem oder heiße Temperaturen, Vakuum oder lange Trockenperioden machen ihr nichts aus. Besonders beeindruckend unter ihren Eigenschaften ist ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber radioaktiver Strahlung.

Daher wird sie von manchen Wissenschaftlern auch als „Conan das Bakterium“ bezeichnet, nach dem gleichnamigen Filmhelden Conan, der Barbar, der mehrfach dem fast unausweichlichen Tode entkommt.

Deinococcus überlebt ohne Übertreibung die 1.500 fache Dosis an radioaktiver Strahlung, die andere Organismen schon vernichten würde. Die Mikrobe verträgt nach dem US-Forscher Michael Daly eine Strahlenbelastung von bis zu 10.000 Gray. Bereits 6 Gray sind für einen Menschen tödlich. Dabei ist Gray die Maßeinheit der physikalischen Größe, welche die Wirkung von Strahlung ausdrückt.

Entdeckung in der Konserve

Das ungewöhnliche rote kokken-förmige Bakterium mit der damals unbekannten Resistenz gegen Ultraviolett- und Röntgenstrahlung wurde Ende der 1950er Jahre in einem landwirtschaftlichen Labor von Arthur W. Anderson entdeckt. Dort wurden Fleischkonserven mit hohen Dosen radioaktiver Gamma-Strahlung sterilisiert. Doch Deinococcus radiodurans wuchs und vermehrte sich fröhlich weiter. Dem wollte man auf den Grund gehen.

Bruchsicheres Erbmaterial

Welche biologischen Mechanismen schaffen eine solche Supermikrobe, die so widerstandsfähig gegen Strahlung ist? Zum einen hat das Bakterium eine sehr starke Zellwand, die es vor UV-Strahlung schützt. Das aber allein reicht natürlich noch nicht.

Der Mikroorganismus hat besondere Reparaturmechanismen, um sein Erbgut, also seine DNA, außergewöhnlich gut und schnell zu reparieren, wenn durch die Einwirkung von radioaktiver Strahlung z.B. Brüche entstanden sind. Also eine Art zerstörungssichere DNA. Die Reparatur wird durch bestimmte Enzyme übernommen, die die DNA oder die Chromosomen schnell wieder instandsetzen. Sogar Doppelbrüche können schnell repariert werden. Deinococcus ist von der ganz schnellen Truppe und kann 500 solcher Reparaturen in derselben Zeit durchführen, in der das Darmbakterium E. coli etwa 2-3 schafft.

Eine weitere clevere Strategie ist die Organisation der DNA bei Deinococcus in einer besonderen ringförmigen Struktur, einem „Toroid“. Diese hindert die Bruchstücke nach der Schädigung durch die Strahlung daran, von der Zellflüssigkeit weggeschwemmt zu werden. Das Erbmaterial wird trotz der Brüche am Platz gehalten, ähnlich wie bei einer bruchsicheren Verbundglasscheibe beim Auto und das Puzzle kann später schneller zusammengesetzt werden (Science-Studie von Smadar Levin-Zaidman vom Weizmann-Institut in Rehovot). Das Bakterium verliert damit keine Information.

Schließlich wird noch ein weiterer Trick genutzt. Ein doppelter Korrekturdurchlauf als Selbstreparaturmechanismus. Es liegen vier bis zehn Kopien des Genoms vor. Diese werden als Vorlage für einen zweiten Durchlauf genutzt, der Fehler in der anderen Kopie ausgleicht. Nur am Rande: Beobachtet wurde ein ähnlicher Reparaturmechanismus z.B. nur bei der männlichen Spermienzelle des Menschen, der eine ähnlich ringförmige DNA-Struktur aufweist, als Schutz vor radioaktiver Strahlung.

Science fiction oder Anpassung?

Das wirft gleich die nächste Frage auf. Warum verfügt eine Mikrobe auf der Erde über diese extremen Fähigkeiten im Umgang mit radioaktiver Strahlung? Welcher Evolutionsdruck hat dafür gesorgt, dass sich dieser „echte Held“ unter den Mikroorganismen entwickelte, obwohl nirgendwo auf der Erde diese Bedingungen anhaltend vorherrschen. Science fiction- Szenarien von unterirdischem Höhlen voller Radium oder unterirdische Kernreaktoren längst vergangener Zivilisationen natürlich sowieso ausgenommen.

Deinococcus Radiodurans auf Agarplatte (courtesy Science.nasa.org)

Deinococcus radiodurans auf Agarplatte
(courtesy Science.nasa.org)

Am wahrscheinlichsten ist eine Anpassung an Wassermangel. Denn extreme Austrocknung setzt die DNA unter ähnlichen Stress wie Strahlung. So ist es eher eine Anpassung der Spezies, schon vor langer Zeit, an sehr trockene Umgebungen.

Das Genom des aus mehr als drei Millionen Basenpaaren bestehenden Mikroorganismus wurde von Wissenschaftlern vom Institute for Genomic Research (TIGR) im November 1999 sequenziert. Dabei wurden bereits erste Hinweise gefunden, die zur Fähigkeit beitragen, unter Bedingungen der Nahrungsknappheit und des oxidativen Stresses große Schädigungen der DNA zu überleben.

Generalist und Weltenbummler

Wo ist das natürliche Habitat der Mikrobe Deinococcus? Die Bakterien können zusammen mit einer bestimmten Gattung von Cyanobakterien unter härtesten Lebensbedingungen leben. Man bezeichnet sie daher auch als „Extremophile“ in diesem Fall sogar als „poly-extremophil“.
Sie kommen eher sehr unwirtlichen Gegenden vor, wie im Lama-Elefanten-Kot, auf Fischen oder Enten, im radioaktiven Abfall oder in antarktischen trockenen Tälern vor. Die Bakterien finden auch an den lebensfeindlichsten Orten noch eine ökologische Nische und sind überall vertreten, auch in Kühlwasserkreisläufen von Atomreaktoren oder im Darm von Menschen.

Abgewanderte Marsmikrobe?

Der Überlebenskünstler Deinococcus ist natürlich von großem Interesse für die Astrobiologie und ein ganz heißer Kandidat für die Suche nach Leben im Weltall. Welche Organismen könnten sonst die Reise in einem Meteoriten durch den Weltraum überstehen, als solche die sehr widerstandsfähig gegenüber Strahlung und Vakuum sind.

Das stützt auch die These der Panspermie, die besagt, dass einfache Lebensformen in der Lage sind, sich über große Distanzen durch das Universum zu bewegen. Einige könnten vor etwa 3,5 Milliarden Jahren den Weg gefunden haben und den Ursprung des Lebens auf der Erde begründet haben. In diesem Zusammenhang stellten Forscher 2002 im New Scientist die These auf, dass es sich bei Deinococcus radiodurans um eine abgewanderte Marsmikrobe handelt. NASA- Wissenschaftler hielten zuvor schon ein anderes Modell für möglich: eine uralte Mikrobe landet mit einem Meteor auf unserem roten Planeten wurde Basis des Lebens darauf.

Wahrscheinlich stimmt diese These nicht, aber eine geheimnisvolle Vergangenheit steht auch Conan, dem Bakterium für sein Marketing sehr gut.

Datenspeicher für die Zukunft

Als Datenspeicher für die Ewigkeit sind CD, Festplatte oder Papier nicht geeignet. Die besonders widerstandsfähigen Bakterien sind also auch als überdauernder Informationsträger interessant. Die Daten können in Form von künstlicher DNA in den Bakterien gespeichert und später wieder abgerufen werden. US- amerikanische Wissenschaftler haben zum Beispiel den Text des englischen Kinderliedes „It’s a Small World“ in den genetischen Code aus den vier Basen der DNS übersetzt und diese Sequenz in das Erbgut der Bakterien eingeschleust.

It’s a small world after all

It’s a small world after all

It’s a small world after all

It’s a small, small world

Disney – It’s A Small World Lyrics | MetroLyrics

Noch nach etwa 100 Bakteriengenerationen ließen sich die Sequenzen wieder auslesen. Die eingebrachte Information wurde als stabil abgespeichert und zusätzlich noch vermehrt durch die Vervielfältigung der Bakterien.

Kleiner Nachteil dabei: man kann leider nur sehr wenig Information abspeichern. Die Daten für den kurzen Liedtext mussten in vielen Bakterienspeichern abgelegt und nach dem Auslesen wieder in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Also etwas mühselig für die Nachrichtenübermittlung an unsere zukünftigen Generationen im Vergleich zu den üblichen Datenspeichern.

Retter für die biologische Sanierung

Bei der Herstellung von Atomwaffen entsteht radioaktiver Giftmüll, der schwer zu entsorgen ist. Zwar existieren Mikroben, die z.B. Uran fressen wie Geobacter metallireducens, der aber verträgt die radioaktive Strahlung nicht gut. Hier könnte nun Deinococcus der Retter sein.

Leider ist das Bakterium zwar strahlungsresistent, aber findet wiederum den Giftmüll nicht „lecker“, verwertet ihn also nicht. Damit ist es als Entseuchungshelfer nicht gut einsetzbar. Es sei denn man schleust Gene aus den giftmüllfressenden Supermikroben in Deinococcus ein. Das wäre eine sehr elegante Lösung für ein kompliziertes und durch uns Menschen selbst gemachtes Problem.

Fallen Dir noch weitere interessante Fakten zu Deinococcus ein?

Dann freue ich mich über einen Kommentar von Dir!

Quellen:

„Ringlike Structure of the Deinococcus radiodurans Genome: A Key to Radioresistance?“ in „Science“ (Bd. 299, S. 254) erschienen.

Kim, J.I. & Cox, M.M. The RecA proteins of Deinococcus radiodurans and Escherichia coli promote DNA strand exchange via inverse pathways. Proc Natl Acad Sci USA 99, 7917-7921 (June 11, 2002)

Makarova, K.S. et al. Genome of the extremely radiation-resistant bacterium Deinococcus radiodurans viewed from the perspective of comparative genomics. Microb Mol Biol Rev 65, 44-79 (March 2001).

Brim, H. et al. Engineering Deinococcus radiodurans for metal remediation in radioactive mixed waste environments. Nat Biotechnol 18, 85-95 (January 2000).

White, O. et al. Genome sequence of the radioresistant bacterium Deinococcus radiodurans R1. Science 286, 1571-1577 (November 19, 1999).

Kleine Wunderwerke. Die unsichtbare Macht der Mikroben. Idan Ben-Barak. Spektrum Akademischer Verlag 2010