Mikrobenzirkus

Von Mikroben und Menschen

Mikrobenjäger mit Flossen

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Bakterientaucher_DSMZTypische moderne Mikrobiologen stehen immer nur hübsch steril verpackt im weißem Kittel im Labor? Ganz falsch! Häufig geht es darum, Mikroorganismen direkt aus der Umwelt zu isolieren, um sie dann bestimmen zu können. Und diese „Umwelten“ können zum Teil recht unwirtliche Gegenden sein, wie etwa Mülldeponien oder auch nicht so leicht zugängliche – wie Unterwasserökosysteme. Also untertauchen!

Seit kurzem gibt es nun die ersten wissenschaftlichen Bakterientaucher in Braunschweig am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen. Die DSMZ ist sozusagen eine „Arche Noah“ für Bakterien, Pilze, Viren und verschiedene Zelllinien. Der Fachmann spricht von einem Bioressouren-Zentrum. Und die Braunschweiger DSMZ gehört weltweit zu den größten. Ein Ziel der Wissenschaftler ist es, für die Sammlungen ständig neue Mikroben zu suchen, sie identifizieren und dann für die Forschung zur Verfügung zu stellen.

Auf der ständigen Suche nach neuen Mikroorganismen scheuen die Mikrobenjäger im Team um DSMZ-Nachwuchsgruppenleiter Dr. Christian Jogler neuerdings auch nicht davor zurück, die Flossen anzuschnallen und unter Wasser nach ihren „Schätzchen“ zu fahnden.

Ah super, da kann man den Beruf super mit dem Hobby verknüpfen? Auch falsch! Nicht jeder „dahergeschwommene“ Mikrobiologe darf das. Die Wissenschaftler sind ausgebildet und zertifiziert nach den Standards des Welttauchsportverbandes CMAS und spezialisiert auf die Erforschung von Bakterien. Vier Personen gehören zur Tauchgruppe, alle erfahrene Mikrobiologen mit einer zusätzlichen CMAS-Ausbildung zum wissenschaftlichen Taucher. Dabei geht es neben strengen Sicherheitsbestimmungen bei der Probenahme unter Wasser auch darum, sich vor Ort ein Bild vom Lebensraum der Bakterien zu machen und besonders umweltschonend vorzugehen. Schließlich sollen sich die Ökosysteme ungestört weiter entwickeln. Aber wozu das Ganze?

Meer als Apotheke der Zukunft

Tangwälder_JoglerJogler und sein Team haben eine Tauchexpedition vor zu den kalifornischen Tangwäldern in der Bucht von Monterey, 100 Kilometer südlich von San Francisco. Die Tangwälder gelten als die „Regenwälder des Meeres“. Sie sind besonders artenreich an Pflanzen und Tieren, aber auch an Mikroorganismen. Und diese sind bisher noch nicht gut untersucht.

Hier kann man noch eine mikrobiologische Schatzkiste öffnen, mit unbekannten kleinen Organismen mit einem unglaublichen Potential an mikrobiologischen Fähigkeiten. Die Gruppe der Breitbandantibiotika der Cephalosporine, verwandt dem Penicillin, basiert zum Beispiel auf einer marinen Pilzart. Eine Gruppe ungewöhnlicher Meeresbakterien sind auch die Planktomyceten, die Stoffwechselprodukte mit antimikrobieller Wirkung herstellen. Also vielleicht ebenfalls Kandidaten für die Entwicklung zukünftiger Antibiotika.

Aber nicht nur die die Wirkstoffe stehen im Fokus der Forscher, sondern auch das Zusammenleben der Mikroorganismenarten in ihrem natürlichen Biotop. Es geht darum, zu verstehen, wann sich die Mikroben als die Haupterzeuger der Meeresmedizin am wohlsten fühlen.

Zukünftig werden aber nicht nur die tropischen Meere aufgrund ihres Artenreichtums erforscht. Auch die Nordsee, das Wattenmeer, kalte Polarwasser könnten mit ihren Algen, Bakterien und Pilzen hochinteressant werden.

Hier sind noch weitere Schätze zu vermuten.

Quelle: Pressemitteilung DSMZ

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Autor: Susanne Thiele

Biologin und Wissenschaftsautorin aus Braunschweig www.susanne-thiele.de

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