Mikrobenzirkus

Von Mikroben und Menschen

Männergrippe ist kein Märchen!

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Kermit hat der Männerschnupfen erwischt! Quelle: CCO Public Domain

Wir kennen es alle: Große und kleine kranke Männer sind wehleidig und fast dem Tode nah. Mit einem Männerschnupfen ist nicht zu spaßen! Da braucht es schon unsere gesammelte weibliche Aufmerksamkeit und Fürsorge, damit sich die Erkältung nicht sogar noch in etwas Schlimmeres oder das Ende der Menschheit wandelt. Wir Frauen denken dann oft: „So eine Mimose!“ Mit etwas Hühnersuppe und Streicheleinheiten lässt sich in der Regel aber jeder Todgeweihte wieder beruhigen.

Nun ist es aber eindeutig wissenschaftlich erwiesen und wir müssen wirklich umdenken: Männer leiden stärker, wenn es um eine Erkältung oder Grippe geht. Sie erkranken im Vergleich zu Frauen häufiger und schwerer an Infekten. Forscher der Universität Innsbruck haben einige Studien miteinander verglichen. Dabei kam heraus: Männer sind anfälliger für Viren und Bakterien. Nehmen wir das klassische Grippevirus heraus – erkranken in Europa mehr Männer als Frauen.

Schuld haben die Hormone

Eine Ursache für die Unterschiede könnten die unterschiedlichen Hormonhaushalte sein, die sich auf das Immunsystem auswirken. Es gibt viele Faktoren, die den Verlauf einer Erkältung beeinflussen – aber zu den größten Faktoren gehören tatsächlich die beiden Hormone Östrogen und Testosteron.
Forscher der Universität von Pennsylvania, Philadelphia, haben 2015 herausgefunden, dass Frauen ein besseres Immunsystem als Männer haben. Der Grund dafür, ist das zweite X-Chromosom. Mit entsprechenden Genen ausgestattet, unterstützt es die Immunabwehr besser als das männliche Y-Chromosom.

Warum ist das weibliche Immunsystem stärker?

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Jeder Mensch hat 23 Chromosomenpaare, die sich in jeder einzelnen Körperzelle wiederfinden. Chromosomen sind DNA-Bündel, die rund 2.000 Gene umfassen. Zusammen enthalten die 46 Chromosomen alle Informationen über den Organismus, zu dem sie gehören. Ein Chromosomenpaar besteht bei Männern aus einem X-Chromosom und einem Y-Chromosom, bei Frauen aus zwei X-Chromosomen. Diese Doppelung der X-Chromosomen ist laut der US-Forscher der Schlüssel zu der Überlegenheit des weiblichen Immunsystems. Denn das X-Chromosom enthält mehr für die Immunabwehr zuständige Gene als das Y-Chromosom. Die Konsequenz: Die B-Zellen und T-Zellen, wichtige Bestandteile des Immunsystems, werden bei Frauen stärker aktiviert.

Auch die Forscher der amerikanischen John Hopkins University in Baltimore haben herausgefunden, dass uns Frauen das weibliche Sexualhormon Östrogen vor Grippe schützt. Es wirkt offenbar antiviral gegen das Influenza-A-Virus. Bei Männern klappt das naturgemäß nicht. Bei Versuchen fanden die Wissenschaftler heraus, dass das weibliche Hormon Östrogen das Grippevirus daran hindert, sich in den Nasenzellen zu vermehren. So können sich die Grippeviren bei Frauen weniger schnell im Körper verbreiten.

Evolutionsgeschichtliche Hintergründe

Auch Ärzte halten die Hormonthese für plausibel. Der MDR-Fernseharzt Carsten Lekutat meint dazu:

„Es macht vom Körper her absolut Sinn ein starkes Leiden zu produzieren, damit der Mann sich in die Höhle legt, sich mit einem Fell zudeckt und nicht jagen geht und eine Herzmuskelentzündung riskiert.“

Evolutionsgeschichtlich haben Frauen wahrscheinlich mehr Östrogen und ein stärkeres Immunsystem, damit sie sich um die Pflege des Nachwuchses kümmern konnten.

Doch Frauen scheinen mit ihrem Immunsystem nicht nur von Haus aus besser gegen Grippe gerüstet zu sein: Wie Forscher an der Standford Universität Kalifornien 2013 herausfanden, wirken auch Grippeimpfungen bei Frauen besser als bei Männern. Demnach wurden bei Frauen nach der Impfung mehr Antikörper im Blut nachgewiesen. Grund ist der Testosteronspiegel: Je mehr Testosteron im Blut, desto geringer die Zahl der Antikörper.

Für Männer sind diese Erkenntnisse natürlich nun nicht nur für die Rechtfertigung für längere Krankschreibungen hilfreich. In Zukunft könnte eine künstliche Anhebung ihres Östrogen-Spiegels eine sinnvolle Alternative zu Antibiotika darstellen.

Was hilft gegen Männergrippe?

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Mit ein paar Tricks können aber auch Männer mit den starken Abwehrkräften einer Frau mithalten:

  1. Händewaschen, da Viren sich sehr gern über die Hände verbreiten.
  2. Gesunde Ernährung: Vitamine statt Süßigkeiten essen und Sport sorgen dafür, dass die Abwehrkräfte gestärkt sind
  3. Ein Geheimtipp Zink: das hilft noch besser als Vitamin C.

So hat die Männergrippe keine Chance.

Gute Besserung an alle Männer und Frauen, die die Grippewelle erwischt hat!

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Autor: Susanne Thiele

Biologin und Wissenschaftsautorin aus Braunschweig www.susanne-thiele.de

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