Mikrobenzirkus

Keine Panik vor Bazille, Virus & Co


4 Kommentare

Dem Biergeheimnis auf der Spur

beer-2166004_1920

Hefen geben dem Bier seinen besonderen Geschmack @Pixabay

Wasser, Malz und Hopfen braucht man für ein gutes Bier. Das war’s, fast zumindest. Damit aus den Zutaten ein alkoholisches Getränk wird, muss Hefe ausreichend Stärke und Zucker in Alkohol umwandeln. Wie das Bier schmeckt, hängt deshalb auch von bestimmten Fähigkeiten der Mikroorganismen ab. 

 

Die Hefe ist eine häufig unterschätzte Komponente beim Geschmack von Bier und auch Wein. Sie vergären natürlich den Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid: die Hefen tragen auch mit unterschiedlichen Geschmackskomponenten zum gesamten Mix im Fermentationsprozess bei.

Mikrobiologen entdecken nach und nach die Geheimnisse hinter dem Bier- und Wein-Geschmack. Um besser zu verstehen, wie das Ganze funktioniert, haben Wissenschaftler jetzt mit gentechnischen Methoden untersucht, welche Hefe-Gene genau verantwortlich für die Geschmacksnoten sind. Sie hoffen, dass sie damit in Zukunft Hefen züchten können, die spezifische Aromen und Geschmacksrichtungen produzieren.

In der Studie die in dieser Woche beim Journal mBio, ein Open-Access Journal der American Society for Microbiology erschien, berichten belgische Forscher, dass sie Hefe-Gene entdeckt haben, welche für die Geschmacksrichtung Phenylethylacetat verantwortlich sind – bekannt für seine angenehme Rosen- und Honig-Note.

„In einigen Weinen, nimmt man die Rosen-Note mehr als in anderen wahr. Aber warum einige Hefearten mehr dieser Verbindung herstellen als andere, war bisher unbekannt.“

Mikrobiologe  Johan Thevelein, einer der Autoren der Studie

Saccharomyces_cerevisiae_SEM

Mit einigen genetischen Tricks und High-Throughput-Analysen untersuchten die Forscher Saccharomyces cerevisiae, eine hybriden Art aus klassischer Bierhefe und einer weiteren Hefe. Sie wurden fündig und isolierten zwei Gene, die sie hinter der Produktion von Phenylethylacetat vermuten.

Unter Nutzung der CRISR/CAS9 –Gen Editing Methode mit einer „Genschere“- waren sie in der Lage durch die Übertragung der Gene eine neue Hefe-Art zu erschaffen, die die Verbindung für die Geschmacksnote nun signifikant erhöht.

Solche neuen Hefearten mit speziellen Eigenschaften für besondere Effekte bei Wein oder Bier zu züchten, ist prinzipiell nichts Neues – betonen die Forscher. Aber in der Vergangenheit war dieser Prozess sehr beschwerlich und oft ein Zufallstreffer. Die wissenschaftlichen Arbeiten der belgischen Forscher machen den ganzen Suchprozess gezielter und viel effizienter.

„Wir müssen nur zwei Dinge tun: Das gewünschte Merkmal in der Hefe verbessern und dabei aber nichts anderes in der Hefe verändern. In der Praxis ist das letzte viel schwerer als das erste. Werden bei der Fermentation Hefen verwendet, die nicht den gewünschten Effekt haben, läuft der ganze Gärprozess schlecht und das ganze Bier kann weggeschüttet werden.“

Johan Thevelein

Mit derselben Gene-Editing –Methode wurden in den vergangen Jahren schon weitere spezifische Gene hinter einer Vielzahl von Geschmäckern entdeckt: z.B. Nerolidol (ein holziger Duft) Ethyl-Acetat (ein süßer Duft wie in Nagelack). Gleichzeitig identifizierten Thevelein und sein Team die Gene für Bananen- und butter-ähnliche Düfte.

beer-barrel-956322_1920

Bierfass @Pixabay

Derzeitig kooperiert das Forscherteam mit einer Belgischen Brauerei, um ihre Erkenntnisse in der Praxis zu testen.

Und das ist sicher nicht der schlechteste Teil des ganzen Experiments 🙂 !

 

 

 

Quelle: http://mbio.asm.org/content/8/6/e01173-17?utm_source=press%20release&utm_medium=website

Mit mikrobiologischen Grüßen

Susanne


2 Kommentare

Probiotische Zucchini

Zucchini_deko

Fermentierte Zucchini solltest Du unbedingt mal probieren! (Quelle: Susanne Thiele)

Ran an die Zucchini! Wusstest Du schon, dass man sie auch fermentieren kann. Sie schmecken dann wie milchsaure Gurken und sind ziemlich lecker und außerdem richtig gesund für Deine Darmflora.

Was brauchst Du?

  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 kleine Chili
  • 3 frische Dillzweige
  • 1 Lorbeerblatt
  • 500 g kleine Zucchini
  • 1 gehäufter Esslöffel (20g Meersalz)
  • 3 Weinblätter (wenn vorhanden, sonst geht es auch ohne)
  • 1 Liter Bügelglas, kleiner Glasdeckel als Gewicht)
  • Leitungswasser

Wie funktioniert es?

  • 1 Liter Schnappglas vorbereiten. Deckel und Gummiring gut heiß ausspülen!
  • Chili in Streifen schneiden (Kerne bleiben drin). Mit Knoblauch, Dill und Lorbeerblatt unten in das Glas geben.
  • Zucchini gründlich waschen. Beide Enden abschneiden und dann in 2-3 cm große Stücke zerteilen.
  • Zucchini so eng wie möglich in das Glas schichten. Etwa 2 cm Freiraum unter dem Glasrand lassen. Das Glas mit Leitungswasser auffüllen und gut verschließen!
  • 4-5 Tage bei Zimmertemperatur fermentieren lassen. Glas nicht öffnen! Die Gase entweichen trotzdem, weil der Deckel nicht komplett schließt.
  • Die Zucchini und Blätter müssen komplett unter Wasser bleiben. Dazu kleine Gewichte oder kleinere Glasdeckel verwenden.
  • Nach 1-2 tagen wird das Wasser etwas trüb und die Zucchini verändern ihre Farbe und werden etwas blasser. Das ist alles OK so ;-)!
  • nach 4-5 Tagen kannst Du das Glas in den Kühlschrank stellen und die Fermentation verlangsamen. Richtig gut schmecken sie . wenn sie im Kühlschrank noch 2 Wochen langsam weiter fermentieren.

 Tipp:

Das Zucchiniwasser steckt voller wertvoller Probiotika. Also nicht weggießen, sondern als Salatsoße oder in Suppen verwenden. Man kann es sogar vor den Mahlzeiten trinken zur Verdauungsförderung – wer es mag 😉

Na dann mal los!

Probiotische Grüße an alle Fermentistas

Susanne


Leave a comment

Fermentation-Party: Tomaten-Ingwer-Salsa

Tomaten_ingwer salsa

Fermentierte Tomaten-Ingwer-Salsa (Quelle: Susanne Thiele)

Fermentierte Saucen sind der absolute Knaller – geschmacklich aufregender und einfach viel interessanter als die bekannten Alternativen.

Ich habe hier eine Tomaten-Ingwer Salsa ausprobiert und nach eigenem Geschmack abgewandelt. Anlass für die Rezeptauswahl waren viele grüne Tomaten, die nicht mehr im Garten nachreifen wollten. Letztendlich musste ich aber doch noch ein paar rote Tomaten dazu nehmen, weil die Menge nicht ausreichte. Sonst wäre die Salsa knallgrün geworden.

Zutaten:

Salsa_zutaten

Zutaten für die Salsa (Quelle: Susanne Thiele)

  • 1 Kg grüne unreife Tomaten (hier gemischt mit roten Tomaten)
  • 1 grüne Chilischote oder hier 2 rote Pepperoni
  • 1 dicke Zwiebel
  • 1 dickes Stück Ingwer
  • 2 TL Salz
  • 1 TL Rohrzucker

Zubereitung:

  • Tomaten waschen
  • Chili oder Peperoni entstielen und nicht entkernen, alles grob würfeln
  • Zwiebel und Ingwer schälen und würfeln
  • mit Salz und Zucker verrühren
  • mit Küchenmaschine oder Stabmixer fein pürieren
  • evtl. nachwürzen falls gewünscht
  • in hohes Glas füllen und täglich einmal mit langen Steil eines Holzlöffels umrühren, damit die Bläschen entweichen können.

Fermentationsdauer:

Nach 3-4 Tagen probieren, ob die Sauce eine leichte Säure angenommen hat.

Nach 7-10 Tagen ist die Salsa fertig und kann in den Kühlschrank oder auf den Tisch.

Haltbarkeit: 2-3 Monate, vegan

 

Tipp: In kleinere hübsche Flaschen abfüllen zum Verschenken

 

Probiotische Grüße

Susanne

 

 

 

 

 


4 Kommentare

Marokkanische Salzzitronen

Salzzitronen
Die fermentierten Salzzitronen sind ein Klassiker in der Marokkanischen Küche und werden dort zum Würzen vieler Gerichte verwendet.
Die Salzzitronen haben ein einzigartiges salzig-saures Aroma. Durch die Fermentation kommt man auch in den Genuss der Schale.
Zutaten:
  • 1kg kleine Bio-Zitronen
  • 4 EL Meersalz
Zubereitung:
  • Zitronen gut abwaschen und an beiden Enden abschneiden
  • Alle Zitronen bis auf eine so vierteln, dass sie an einem Ende noch zusammenhängen
  • Die Viertel leicht auseinanderziehen und einen halben TL Salz hineingeben.
  • Zitronen wieder zusammendrücken
  • 1 Zitrone auspressen und die beiden ausgepressten Schalenhälften kleinschneiden
  • Alles in ein großes Bügelglas schichten, gut zusammendrücken
  • ausgepressten Zitronensaft darüber geben, bis sich aus Saft und  Salz eine Lake bildet.
  • wenn nicht genug Saft vorhanden ist, etwas lauwarmes Wasser darüber geben – bis es bedeckt ist.
  • Mit einem Gewicht beschweren und drei bis vier Wochen fermentieren lassen
  • Haltbarkeit 1-2 Jahre
Wichtig:
Es sollten keine Hohlräume im Einmachglas entstehen, also so weit es geht mit Zitronen füllen. Auch sollte sehr sauber gearbeitet werden, damit sich keine Keime bilden und die Zitrone nicht gärt. Das Fruchtfleisch wird nicht verwendet, sondern nur die Schale und die Flüssigkeit im Einmachglas. Zuerst solltet ihr vorsichtig mit den Salzzitronen würzen, wenn sie euch zu stark sind, könnt ihr sie vorher etwas wässern.
Zu verwenden als:
salzzitronen1Würze für Soßen und Eintöpfen -ganz klein geschnitten in Salaten, Kräuterquark, Brotaufstrichen mit Oliven oder Thunfisch -für Gulasch und Tajine , in Hähnchen oder Rindfleischgerichten.
Guten Gelingen!
Probiotische Grüße
Susanne 🙂

 


8 Kommentare

Mikrobenzirkus on Tour: Triora – Von Hexen und ligurischen Spezialitäten

Triora Titel2In diesem Sommer ging es mit der Familie samt Wohnwagen nach Italien an die wunderschöne Ligurische Küste in die Nähe von San Remo. Für die BlogTour „Bella-Italia“ des Blogs „Leckere Kekse“ berichte ich über ein besonderes Highlight unserer Reise: Triora – ein mittelalterliches Hexendorf und seine kulinarischen Genüsse.
Also lasst euch entführen auf eine kleine Zeitreise nach Italien und ein paar Mikroben für fermentierte Spezialitäten kommen bei mir natürlich auch immer vor.

Triora liegt ganz verschlafen mitten im tiefgrünen Valle Argentina am Bergrücken des „Monte Saccarello“ auf einer Höhe von fast 800 m. Eine gute halbe Stunde von der Küste der ligurische Blumenriviera zwischen Imperia und San Remo. Der Name der Stadt stammt von „tria ora“, drei Mündern, die Backen des Cerberus, die traditionell die drei Produkte repräsentieren, auf denen die regionale Wirtschaft aufbaute: Weizen, Kastanien und Trauben.

Triora ist bekannt und beworben als „Hexenstädtchen“. So sind wir auch darauf aufmerksam geworden. Hier kennt jeder die Geschichte von strie und basue, Hexen und Zauberinnen.

 

Das ligurische Salem

IMG_5647Die Jahre 1587 bis 1589 waren die „Hexenjahre“ von Triora. Auslöser für die Hexenverfolgung war eine große Hungersnot in der Republik Genua. Der zu dieser Zeit regierende „Podestà“ Giulio Scribani suchte einen Schuldigen und nutzte außergewöhnliche Maßnahmen, um unschuldige Frauen zu unglaublichen Geständnissen zu zwingen. Er war so grausam, dass sogar religiöse und bürgerliche Autoritäten eingreifen mussten, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. So wurden in Triora einige Frauen des Ortes Opfer eines der blutigsten Hexenprozesse Liguriens.

Triora gedenkt seit 1988 den unschuldigen Frauen und hat ihnen zu Ehren ein Denkmal errichtet. Es zeigt eine freundlich lächelnde Hexe. Sie hat einen großen Besen und eine Schöpfkelle in der Hand.

Die Geschichte prägt die Menschen in Triora noch heute. Italiens aus Zeitung und Fernsehen bekannteste Hexe Angela-Maria Zuchetto lebt in der Nähe in Molino di Triora. In ihrem mit Diesteln und Eichenzweigen dekoriertem Hexenladen verkauft sie geheimnisvolle Rezepturen und die Erinnerung an der Vergangenheit der Region.

Sie ist die Nachfahrin eines Mädchens aus Triora. Zusammen mit 13 weiteren Frauen und Männern war Francescina Chioceto 1588 der Hexerei angeklagt. Sie sollen sich regelmäßig am Sabbat versammelt haben, wo sie auf einem Besen reitend dem Teufel in Gestalt eines Bocks huldigten.

Diese Zusammenkünfte fanden laut Überlieferung in der „Cabotina“, am östlichen Ortsausgang von Triora statt. Die Inquisition reiste aus Genua an und klärte die Angelegenheit vor Ort. Man folterte die jungen Leute, eine der Hexen stürzte sich aus dem Fenster, die übrigen wurden nach Genua gebracht und dort in den Kerkern einfach vergessen.

HexenMuseum Triora

Das Ethnografische Museum in Triora – das wir uns auch angeschaut haben – hat hierzu eine Ausstellung auf mehreren Etagen. Die dort gezeigten Dokumente erzählen von den schrecklichen Torturen und den erbarmungslosen Befragungen. Vier düstere Räume sind diesem tragischen Kapitel der lokalen Vergangenheitsbewältigung gewidmet.

Seither ist die Gegend im ligurischen Argentina-Tal „Hexenland“. Man trägt das korallenrote „corno“ Amulett, um sich gegen das böse Auge zu schützen. Der Aberglaube ist weitverbreitet. Die Kräuterweiber der Region nehmen für sich in Anspruch weiße, also gute Hexen, zu sein. Sie kennen jahrhundertealte Rezepte gegen Husten und Heiserkeit, Kreuzschmerzen, Liebenskummer und Impotenz. Manchmal heilen sie durch Handauflegen.

Wunderschöne mittelalterliche Stadt

Aber Triora hat noch viel mehr zu erzählen oder viel mehr zu zeigen. Verwinkelte Gässchen, kleine und große Palazzi, historische Plätze, Kirchen und eine Burg. Triora sollte man nicht durcheilen, man sollte innehalten und die Landschaft auf sich wirken lassen – Triora wie verhext!

Bei einem Spaziergang durch die Gassen, unter in Felsen gemeißelte Arkaden und Bögen hindurch und an alten verfallenen Hauseingängen vorbei, bekommt man das Gefühl, die Zeit zurückgedreht zu haben.

Triora - Portale ArdesiaBesonders schön sind die Schieferportale in Triora, vom gotischen Portal der Collegiata (12. Jahrhundert) oder den Portalen der Adelspaläste mit den eingemeißelten Symbolen der Adelsgeschlechter bis hin zu Zeugnissen aus der Zeit der französischen Revolution mit ihren Architraven, den Basreliefs auf schwarzem Stein oder Schiefer und faszinierenden Skulpturen.

 

Cucina Bianco – Regionale kulinarische Genüsse

IMG_5674Ein Besuch in Triora bietet vor allem auch echte Gaumenfreuden. Sehr bekannt ist die sogenannte „Weiße Küche Liguriens“ – die einzigartige Cucina Bianca aus jahrhundertelang übertragenen Rezepten, die die Geschichte des Almauftriebs in den Alpen und des Hirtenlebens erzählen. Diese typische Kochart besteht aus lokalen Produkte der Hirten-Zivilisation: Mehl, Kartoffeln, Rüben, Lauch, Milchprodukte und Gemüse, alles Zutaten, die leicht zu finden sind auf den hohen Pfaden entlang denen sie mit den Herden reisten.

Cucina Bianca ist abgeleitet von der weißen Farbe ihrer Zutaten im Gegensatz zu den üblichen Farben der Mittelmeer Küche. Das Fehlen der Farbe zeigt sich aber nicht im Mangel an Geschmack oder gesunder Zutaten. Die Vorbereitung der geschmackvollen und energiereichen Gerichte ist sehr einfach, da diese oft in spartanischen Schutzhütten während der Reisen zubereitet wurden und keine lange Vorbereitungszeit benötigten. Unter den berühmtesten Gerichten sind zum Beispiel die „sugelli“, Wasser und Mehl Gnocchi, serviert mit „Bruss“, Cremekäse.

Zu den Spezialitäten direkt aus Triora, die ihr hier unbedingt probieren müsst, gehören:

 

Das Brot von Triora

panTriora1_13581_1303_13581_1781Nach unserer Wanderung durch die Gassen machten wir an einem kleinen Platz Stopp und probierten das bekannte Brot von Triora. Eine örtliche Bäckerei macht sich verdient um den Ort und bäckt wirklich köstliches Brot, das inzwischen in der gesamten Region bekannt und beliebt ist.

 

„Kein Brot schmeckt so gut mit Tomate, wie das aus Triora. Sie sind für einander gemacht. Seit Beginn der Welt wurden sie dazu geschaffen, sich zu vereinen.“

So feiert der Schriftsteller Rosella Postorino das Triora aus Brot in seinem Buch “Il mare in salita“. Das Brot ist dunkel und nach Hausmannsart gebacken und gehört zum Kreis der bekannten 37 Brotsorten Italiens. Es wird aus Mehl und Kleie zubereitet.

Nach dem zweiten Weltkrieg entschied Angiolono Asplanato, Bäcker in Triora, die Produktion mit Hilfe der alten mündlich überlieferten Rezepte wieder aufzunehmen. Die Rohmaterialien sind lokale Zutaten: Quellwasser aus den Bergen und Weizen, der zu jener zeitreichlich im Valle Argentina vorkam. Es wird mit drei Typen von Mehlen reich an Faserstoffen und Protein hergestellt.

Das Brot hat auch heute noch die Größe und charakteristische Form eines Bergbrotes: Laibe von 500 Gramm oder einem Kilo. Es ist innen golden, außen knusprig und außen mit Kleie-Staub bedeckt, auf dem es vor dem Backen abgelegt wird.

Wir haben uns für ein Panino belegt mit frischen Tomaten, Basilikum und Olivenöl entschieden. Panino als Verkleinerung ist allerdings eine maßlose Untertreibung. Die Scheiben waren ordentlich groß!

 

Bruzzo – traditoneller fermentierter Almkäse

BruzzoBesonders köstlich ist das Brot von Triora mit dem traditionellen besonderen Almkäse, dem Bruss oder auch Bruzzo: Es ist ein würziger Käse, der aus der natürlichen Gärung (Fermentation) von Ricotta-Käse mit Kräutern und Gewürzen entsteht und einen leicht scharfen Geschmack hat. Bruzzo ist ein Elixir des Lebens und sogar vorrömischen ligurischen Ursprungs.

Brigasca_Schafe_Axel Mauruszat

Der Bruzzo-Käse entsteht aus der Milch der Brigasca-Schafe. Pecora Brigasca ist der Name der Schaf-Rasse von Brigasca, einem Bereich, in den Seealpen in der italienischen Region Ligurien, in der Nähe der französischen Grenze. Die Schafe sind sehr wendig und geeignet für das Leben in den Bergen. Sie sind das Symbol der alten Traditionen von Ligurien. Da die Zahl dieser Tier sich dramatisch verringerte, wurde ein Slow Food Präsidium eingeführt, um diese Herde zu schützen und die Produktion des besonderen Käses zu unterstützen.

Die Fermentation des Bruzzo könnt ihr auch einfach selber ausprobieren: Hier ist das Rezept:

  • Einen sehr aromatischen und zarten „Quark“ aus Ziegen- oder Schafsmilch nach Geschmack salzen
  • Ein Gläschen Anis oder Grappa hinzufügen
  • Zwei Monate in einem Holzbehälter natürlich mit Mikroorganismen fermentieren lassen
  • Einmal am Tag umrühren, um die Masse mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen- bis eine glatte cremige Masse entsteht, die einfach zu streichen ist.

Hinweis: Die Bruzzo-Masse ist cremefarben, fast grau. Zur Aufbewahrung in Gläser füllen und mit Olivenöl bedecken und in den Kühlschrank stellen. Von Zeit zu Zeit umrühren.

Und hier gleich noch ein leckeres Gericht dazu!

Perfekte Gnocchi mit Bruzzo-Käsesauce: einfach und lecker!

Zutaten für 4 Personen

  • 500 g frische Gnocchi
  • 2 EL Bruss-Käse
  • 2 EL Sahne
  • Salz

Die Gnocchi in reichlich Salzwasser kochen. Sie sind fertig, wenn sie an der Oberfläche schwimmen. Während die Gnocchi kochen, den Bruzzo-Käse und die Sahne mischen.

Wenn die Gnocchi bereit sind, mit der Sauce kombinieren und für einige Sekunden wärmen. Guten Appetit!

Italienische Grüße

Susanne

IMG_5640

 

 


3 Kommentare

Süchtig machende fermentierte Gurken

Saure Gurken

Fermentierte milchsaure Gurken (Foto: S. Thiele)

Es ist gerade „Saure Gurken-Zeit“ und ich möchte euch hier ein sehr einfaches Rezept für milchsauer eingelegte Gürkchen mit Dill, Knoblauch und Chili vorstellen.
Das probiotische Gemüse ist nicht nur besonders köstlich – sondern auch sehr gesund für eure Darmflora. Der säuerliche Geschmack entsteht über die wild vorkommenden Milchsäurebakterien an den Gurken, die den Zucker im Glas vergären und so das spezielle Fermentationsmilieu schaffen.

Wir brauchen für 1 Liter Glas:

  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 kleine Chili
  • 3 frische Zweige Dill
  • 1 Lorbeerblatt
  • 500 g kleine Bio-Gurken
  • 1 gehäufter Esslöffel (20g) Meersalz
  • 3 Weinblätter

Nun geht es los!

IMG_6461

Ich verwende meist gleich ein 5-Liter Glas. (Foto: S. Thiele)

  • Das 1 Liter Bügelglas und den Deckel mit heißem Wasser gründlich ausspülen.
  • Chili in Streifen schneiden (Samen für die Schärfe nicht entfernen) Zusammen mit Knoblauch, Dill und Lorbeerblatt in das Glas geben.
  • Gurken gründlich waschen. An beiden Enden dünn abschneiden. Kleine Gurken bleiben ganz. Größere werden in 2-3 cm große Stücke geschnitten. Wichtig: Die Gurken so eng wie möglich in das Glas stapeln. Unter dem Glasrand etwa 2 cm Platz lassen. Meersalz dazugeben.
  • Die Gurken mit den sauberen Weinblättern bedecken und soviel chlorfreies Wasser dazugeben, bis die Blätter vollständig bedeckt sind. Das Glas nun gut verschließen.
  • Einfach 5 Tage bei Zimmertemperatur fermentieren lassen. Die Gurken und Blätter müssen unter Wasser belieben, damit sich kein Schimmel bildet. Nach 1-2 Tagen wird das Wasser trüber und die Gurken verändern ihre Farbe.
  • Das Glas nach circa 5 Tagen in den Kühlschrank stellen. Die fermentierten Gurken können sofort gegessen werden. Mir schmecken sie am besten, wenn sie noch 2 Wochen lang weiter im Kühlschrank fermentieren.

Weitere Tipps:

  • Ich setze die Gurken bei einer vierköpfigen Familie praktischerweise gleich im 5 Liter Glas an. Die Mengen sind dann entsprechend zu verfünffachen.
  • Die Weinblättern enthalten Gerbstoffe, die dafür sorgen, dass die Gurken knackig bleiben. Genauso verwendbar sind Eichen-, Kirsch-, Himbeer- oder Brombeer-Blätter.
  • Heißer Tipp: Das Gurkenwasser nicht weggießen, denn es enthält auch gesunde Probiotika. Es kann zu Salatsoßen oder Suppen verwendet werden. Um die Verdauung anzuregen, kannst Du auch eine halbe Tasse vor der Mahlzeit trinken.
  • Variation: Diese Rezept funktioniert auch sehr gut mit kleinen Zucchini oder mit einer Mischung aus Gurken und Zucchini.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Probiotische Grüße

Susanne

 

 

 

 

 

 

 

 

 


7 Kommentare

Fermentierte Kirschtomaten – prickelnder Sommergenuss im Glas

IMG_6464

Süße Kirschtomaten kann man mit Basilikum und Knoblauch gut fermentieren (Quelle: S. Thiele)

Den Sommer ins Glas bekommt ihr mit den fermentierten süßen Kirschtomaten. Es sieht nicht nur besonders hübsch aus, sondern schmeckt auch wunderbar.

Hier zum Rezept für 1 Liter-Bügelglas:

  • 500 g reife Kirschtomaten (mit einem Zahnstocher 5 mal anpieksen)
  • mind. frische 12 Basilikumblätter (oder auch Rosmarin und Thymian)
  • 1 halbe kleine Knoblauchknolle
  • 35 g unraffiniertes Meersalz

IMG_6291Das Meersalz in 1 Liter lauwarmen Wasser auflösen. Tomaten putzen und spülen. Dann abwechselnd mit z. B. Knoblauch und Basilikum ins Glas stapeln. Die 3,5-prozentige Salzlake einfüllen  – bis die Tomaten bedeckt sind.

Die Tomaten werden mit einem Gewicht beschwert, damit sie unter der Flüssigkeit sind.

Das Ferment mindestens 5 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen und später im Kühlschrank aufbewahren. Nach dem Öffnen sprudelt und zischt es ganz schön – das ist ein gutes Zeichen.

Die Tomaten sind ein echtes Highlight zum Abendbrot – zu Kräuterquark, in Wraps, auf Brot, zu Zucchini-Pasta oder was euch sonst noch einfällt.

Ich wünsch euch gutes Gelingen ! #fermentationfriday

Probiotische Grüße

Susanne

 

 

 

 

 

 


5 Kommentare

Gewürzmöhren fermentieren – Anfängerrezept

Gewürzmöhren_fermentieren

Mohrrüben lassen sich ganz einfach mit Gewürzen fermentieren (Quelle: Susanne Thiele)

Meine Mikrobenzirkus-Leser/innen baten mich darum, hier ein  recht einfaches Anfänger-Rezept zu empfehlen. Dem komme ich hiermit natürlich gern nach.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem folgenden veganen Rezept gemacht, welches man auch für andere Gemüsesorten abwandeln kann. Sieht auch sehr schön im Glas aus.

Für das Ferment habe ich ein spezielles Ball Mason Widemouth-Glas mit Gärdeckel verwendet. Es klappt aber auch mit jedem normalen 1 Liter-Bügelglas. Die Gläser können geschlossen bleiben, auch wenn etwas Gas entsteht. Nach Aussage von erfahrenen Fermentier-Experten ist noch kein Glas explodiert 😀.

Zutaten:

1kg Bio-Mohrrüben

etwa 1 Liter 3 %ige Salzlake (30 g Salz auf 1 Liter Leitungswasser)

je 3 Teelöffel Gewürzkörner (schwarzer Pfeffer, Koriander)

4 Teelöffel Senfkörner

Kardamom kann man auch dazugeben (eher sparsam verwenden, schmeckt schnell seifig)

Zubereitung:

  • Die Möhren werden mit einem Sparschäler geschält und in Stifte geschnitten.
  • Alle Gewürze werden auf dem Boden des 1-Liter-Glases verteilt, dann die Möhrenstifte eng aufrecht einstapeln. Nach oben noch 2-3 Zentimeter Luft lassen.
  • Mit der Salzlake auffüllen.
  • Mit einem passenden Gewicht beschweren, Gemüse muss unter Wasser sein.
  • 10 Tage bzw. auch bis zu 2-3 Wochen bei Raumtemperatur fermentieren lassen.
  • danach im Kühlschrank aufbewahren.

Die Fermentationsart wird als „wilde Fermentation“ bezeichnet, weil wir keine Starterkulturen dazugeben. Die Milchsäurebakterien befinden sich am Gemüse und an unseren Händen.

Nach einer Woche schmeckten die Möhrenstifte bei mir schon angenehm säuerlich und waren noch knackig. Deshalb musste ich meine Fermente auch schon gegen die gefräßige Familie verteidigen oder demnächst für mehr Nachschub sorgen.

Gewürzmöhern_nah

Dann wünsche ich euch gutes Gelingen! Und lasst hier mal hören, ob es auch so gut geklappt hat.

Mikrobiologische Grüße

Eure Susanne

 

Quelle:

abgewandelt nach „Fermentieren ganz einfach selbst gemacht“ von Cathrin Brandes

 

 

 


2 Kommentare

Mikrobenzirkus meets Stadt-Land-Food-Festival 2016 Berlin

mikrobenzirkus-meets-stadtlandfood

Heute mal ein Veranstaltungstipp in eigener Sache. In der nächsten Woche könnt ihr mich live mit einem Vortrag beim Stadt-Land Food-Festival 2016 in Berlin erleben.

Vom 1. bis zum 3. Oktober 2016 findet im Kreuzberger Kiez rund um die Markthalle Neun dieses besondere Festival statt – als Bühne für bäuerliche Landwirtschaft, handwerkliche Lebensmittelproduktion,  die Plattform für politischen Dialog und innovative Kochkultur – wie die Veranstalter auf der Seite http://stadtlandfood.com/ schreiben.

Auf Einladung von Cathrin Brandes und Olaf Schnelle bin ich Bestandteil eines bunten Programms in der „Werkstatt Gemüse“. Mit dem Vortrag

„Eine Portion Mikroben, bitte! Warum wir freundliche Mikroben brauchen“

werde ich etwas über das angespannte Verhältnis von Menschen und Bakterien erzählen und warum wir ohne unsere Mikroben eigentlich gar nicht existieren könnten.

Hier zur Vortragsankündigung am

Sonntag, den 2.Oktober von 16 – 17 Uhr in der Markthalle Neun, Werktstatt Gemüse, Eisenbahnstraße 42/43 in 10997 Berlin

Mikroben haben ein schlechtes Image – völlig ungerechterweise. Von etwa 10.000 heute bekannten Bakterienarten sind nur etwa 550 gefährliche Krankheitserreger. Die anderen leben friedlich mit und auf uns und in unserer Umwelt. Die meisten der Winzlinge sind harmlos und sogar gesund für uns. Kommen Sie mit auf eine spannende Expedition in den unsichtbaren Dschungel unserer Mikrobenwelt!

Die Werkstatt Gemüse wird sich hauptsächlich dem spannenden Thema Fermentation beschäftigen. Denn diese uralte Methode der Haltbarmachung ist zu sehr in Vergessenheit geraten. Selbst im Land des Sauerkrauts macht kaum einer noch selbst Sauerkraut ein, ganz zu schweigen von Salzgurken oder sauren Bohnen. Die Kuratoren der Werkstatt Gemüse haben sich auf die Fahnen geschrieben, diesen drohenden kulinarischen Kulturverlust abzuwenden und jedermann wieder für die Fermentation zu begeistern. In Tastings, Workshops und Vorträgen wird gezeigt, wie es geht, wie es schmeckt und warum es so gesund ist. Vom Krauthobeln, über das Ansetzen von Kimchi bis hin zu japanischen Fermentationstechniken. Hier wird geblubbert und gegärt!

fermentationsworkshop_stadt_land_food_festival

Fermentationsworkshops (Stadt Land Food-Festival)

 

Zum Thema Fermentation hatte ich hier im Blog für Interessierte auch schon mal etwas geschrieben.

Vielleicht sehen wir uns nächste Woche in Berlin?

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 


12 Kommentare

Deutschland blubbert – Neuer Food-Trend Fermentation

Fermentation_Löwenzahn-12

Neuer Food Trend – Fermentiertes Gemüse (Quelle: Löwenzahn)

Fermentiertes Gemüse – klingt ganz schön sperrig und kompliziert. Unsere Großmütter wussten noch eine ganze Menge darüber. Aber dieses Wissen ist heute verlorengegangen. Ganz langsam hat es sich wieder eingeschlichen – in die Hipster-Küchen. In Deutschland blubbert es wieder vor sich hin. Fermentierte Lebensmittel erleben ein Revival und gehören zu den Food-Trends, die ihr unbedingt einmal ausprobieren solltet. Unter Food-Bloggern seit einiger Zeit der neueste Schrei.

DIY – Selbermachen ist ja sowieso schon lange Trend und da passt Fermentation natürlich besonders gut rein! Der Food-Aktivist Sandor Katz, Autor des Buches „Wild Fermentation“ begeisterte schon vor einiger Zeit in den USA sonst so hygienebesessene Amerikaner für gute Bakterien. Und so machen viele Menschen ihr Sauerkraut wieder selbst in Gärtöpfen, Salami und Käse reifen in den Kellern vor sich hin oder es wird Bier gebraut. Sogar diverse Spitzenköche experimentieren mit fermentierten Lebensmitteln – aber dazu später mehr…

Was ist überhaupt Fermentation?

Im Prinzip ist es ganz einfach: Lassen wir Lebensmittel eine Weile stehen, verändern sie sich. Mikroben, Pilze, Bakterien und Hefen – sonst eher unerwünscht – arbeiten nun daran. Fermentation ist eine archaische Konservierungstechnik. Schon die alten Römer, Griechen und Chinesen nutzen sie, um ihre Lebensmittel haltbar zu machen. So verwandelten sie Milch in Joghurt und Traubensaft in Wein. In Korea ist das milchsaure Kimchi aus Kohl eine Nationalspeise. In Asien verzehrt man Soja meist in seiner fermentierten Form z.B. als Miso. Die Technik ist also in allen Kulturen verankert. Viele Lebensmittel gäbe es ohne Fermentation gar nicht, wie Bier, Wein, Käse, Rohwurst und sogar Kakao entsteht nicht ohne Fermentation.

Fermentistas Kitchen

Klar, Fermentation ist mir als Mikrobiologin prinzipiell geläufig. Richtig aufmerksam geworden auf den Fermentiertrend bin ich aber erst durch den Blog Wildefermente.de von Barbara Hosfeld, die selbst Biologin ist.

Ingwer-und-Dillkarotten1_wildefermente

Ingwer- und Dillkarotten (Quelle: Wilde Fermente)

„WildeFermente“ vereint über 2000 Fermentistas in der dazugehörigen Facebook-Gruppe. Hier gibt es praktische Tipps für Neufermentierer und Fortgeschrittene und jede Menge tolle Rezeptideen.

Wilde Fermente heißt der Blog übrigens weil „wilde“ (Milchsäure-)Bakterien für die Fermente verwendet werden, die überall vorkommen z.B. auch auf unserer Haut.

Prinzipiell sind mir solche „Einlegearbeiten“ auch gar nicht fremd. Ich bin mit sauren Gurken aus dem Garten aufgewachsen. Wenn ich neuerdings im Bekanntenkreis über fermentiertes Gemüse erzähle, dann wird erstmal abgewunken: „Aber das ist ja uralt und langweilig – Sauerkraut und Co“.  Natürlich – Deutschland ist nun mal das Land des Sauerkrauts. Es gibt aber viel mehr Gemüse zu entdecken, welches man gut fermentieren kann – Gurken, Rettiche, Karotten oder Ingwer. Der Fantasie und der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt.

Berlintidbits1

Nach Cathrin Brandes, die in ihrem Blog Berlin Tidbits regelmäßig Food Trends veröffentlicht, ist zum Beispiel „Kimchi viel schicker als Sauerkraut und DIE Einstiegsdroge zum Fermentationshobby – gleich nach Komboucha und Kefir“.
Und der wahre Hipster kommt sowieso nicht am selbst gemachtem Ruby-Sauerkraut zum Sliced Pork Tongue-RyeBread Sandwich vorbei. Na dann!

Der Nordic Food Trend?

Fermentation ist jedenfalls ein heißes Thema in den Foodie-Metropolen der Welt. New Nordic Köche wie René Redzepi aus Kopenhagen verwenden regionale Produkte vor der Haustür und experimentieren mit Fermentation. Kein Wunder, dass diese Idee aus dem Norden kommt. In den langen nordeuropäischen Winter gibt es nicht viel, also wird in den wärmeren Monaten konserviert und fermentiert. Redzepi bietet im Kopenhagener „Noma“ z. B. eine fermentierte Soße aus pürierten Grashüpfern an. Magnus Nilsson im „Faviken Magasinet“ würzt seine Gerichte mit eingelegten Pflanzen.

web-faviken-27283-

Kreation von Magnus Nilsson, Küchenchef im Restaurant Fäviken Magasinet in Jämtland © Fäviken Magasinet

Unter den deutschen Köchen ist Heiko Antoniewicz zu nennen, der bekannt ist für seine ausgefallenen Kochtechniken und das preisgekrönte Buch „Fermentation“ veröffentlichte. Für Interessierte bietet er auch Kochworkshops zu Fermentationstechniken an.

Wie funktioniert Fermentieren?

Viele Menschen haben einen gewissen Respekt vor dem Fermentationsprozess. Schließlich geht es da um richtige Mikroorganismen. Es könnte ja auch sein, dass Krankheitserreger im Spiel sind. Aber im Normalfall haben solche Erreger keine Chance, wenn man einige Grundprinzipien befolgt.

Wie sieht sie nun aus die Alchemie des Eingelegten?

Die Formel ist seit Jahrtausenden bekannt: Man braucht nur

Gemüse + Salz + Zeit.

Der Kohl wird also recht klein geschnibbelt und mit ausreichend Salz nach und nach in ein Gefäß gegeben. Das Salz und das Stampfen des Kohls entziehen dem Gemüse Flüssigkeit und es entsteht eine sogenannte „Lake“. Milchsäurebakterien lieben aber genau dieses saure Milieu. Sie nehmen sich die Faser- und Ballaststoffe des Gemüses vor und verstoffwechseln diese – dabei produzieren sie Milchsäure und viele weitere Stoffe, wie wertvolle Vitamine.

345px-Sauerkraut-Bolte

Witwe Bolte am Sauerkrautfass (1865) Quelle: Wilhelm Busch: Max und Moritz (Public Domain)

 

Sauerkraut hat z. B. mehr Vitamin C als Weißkohl in rohem Zustand. Aus diesem Umstand war es auch schon unter Seefahrern bekannt und beliebt, die oft unter den Vitaminmangelkrankheit Skorbut auf ihren langen Schiffreisen litten. Der englische Seefahrer James Cook hatte es als Erster fässerweise an Bord.

Die Milchsäurebakterien setzen auch Kohlendioxid frei (CO2). Das erkennt man am Blubbern – vielen kleinen Luftblasen im Ferment. Das Ferment lebt – auch wenn man die kleinen Mitwohner mit bloßem Auge nicht sehen kann. Die Milchsäure gibt dem Ferment auch seinen besonderen Geschmack.

In diesem sauren Milieu haben Pathogene, wie das gefürchtete Bakterium Clostridium botulinum, gar keine Chance sich zu vermehren.

Wie Heiko Antoniewicz in seinem Buch „Fermentation“ gemeinsam mit dem Biochemiker Michael Podvinec gut erklärt, bestehen sogenannte „Hürdeneffekte“ gegen Krankheitserreger. Vier Barrieren wirken beim Fermentieren gegen gefährliche Keime: die Lagerung ohne Sauerstoff in Flüssigkeit, ein hoher Salzgehalt, die entstehende Säure und eine neue Bakterienflora die einen Schutzwall um das Eingemachte bildet.

Etwas Erfahrung sollte man aber trotzdem im Umgang mit Lebensmitteln haben. Die verwendeten Gefäße müssen sauber sein und die richtigen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind wichtig. Misslungene Fermente erkennt man schnell am Geruch. Dies genau könnte aber bei der Fermentation von Fleisch oder Fisch für Hobbyköche problematisch werden. Hier können pathogene Bakterien entstehen, die nicht zu riechen oder zu schmecken sind. Da sollten besser Profis ran.

Gute Gründe für Fermentation

Es gibt viele gute Gründe für Fermentation. Ging es früher vor allem um ein längeres Konservieren von schnell verderblichen Lebensmitteln, stehen heute eher die kulinarischen oder gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund.

Fermentiertes schmeckt gut. Das liegt vor allem daran, weil bei der Fermentation die Gemüsearomen um das Salz ergänzt werden, welches zugesetzt wurde und um die Säure die sich mit der Milchsäurevergärung bildet. Zusätzlich entstehen weitere Aromen, die im Ausgangsprodukt so nicht vorhanden waren und verschiedene Gerbstoffe werden abgebaut. So entsteht ein komplexes und vielfältiges Geschmackserlebnis.

Fermentiertes ist gesund. Nach neuesten Studien enthalten fermentierte Lebensmittel Mikroben, die sich gut mit dem eigenen Mikrobiom unseres Darms vertragen oder dessen Mikroflora gut ergänzen. Ernährungswissenschaftler erklären, dass fermentierte Lebensmittel bekömmlicher und vitaminreicher sind. Trotzdem ist fermentiertes Essen kein Allheilmittel. Fermentierte Lebensmittel sollten aber in der gesunden Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Sie stärken das Immunsystem und können Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Auch beim Abnehmen können sie hilfreich sein, denn fermentiertes Gemüse ist reich an Ballaststoffen und hält lange satt.

„Krautfunding“

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis auf ein, wie ich finde, tolles und nachhaltiges Projekt. Der Gärtner Olaf Schnelle ist dabei, über Crowdfunding oder in diesem Fall eher „Krautfunding“, das Zentrum für Gemüse-Fermentation Trebeltal in Vorpommern zu realisieren.

Fermentiertes-Grünzeug-e1456093455602

Sein selbst angebautes Gemüse aus der eigenen Gärtnerei „Schnelles Grünzeug“ soll über kurze Transportwege gleich in der eigenen Fermentationsanlage verarbeitet werden. Die Geldeinwerbephase ist zwischenzeitlich schon erfolgreich beendet. Mit dem gespendeten Geldern und Fördermitteln vom Bundes-Landwirtschaftsminister (!) ist er schon mitten in der Planung der Produktionsanlagen.
Interessierte finden alle Infos unter folgendem Link.

 

Weiterer Link-Tipp Einsteiger Fermentation:

Wer sich jetzt schon mit dem Gedanken trägt, etwas tiefer in die Fermentation einzusteigen und selbst experimentieren möchte, dem sei die Seite Wilde Fermente nochmal wärmstens empfohlen.

Ich habe meine Bügelgläser auch schon bereitgestellt. Von meinen Versuchen gibt es dann sicher hier auch mal was zu lesen.

Mikrobiologische Grüße

Susanne

 

Quellen:

Mary Karlin. Das große Buch vom Fermentieren

Heiko Antoniewicz. Buch „Fermentation“